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Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 24. Rudolstadt, 16. März 1847.

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Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.
[Beginn Spaltensatz]
Organ
für
Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
für Rath und That
zu Gunsten der fortziehenden Brüder,
sowie für
Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
sachen überhaupt.
[Abbildung]
Erstes Semester.

[Spaltenumbruch] [Abbildung]
[Spaltenumbruch]
Mit
statistischen Uebersichten, Karten
und Plänen,

sowie mit einem
Jntelligenzblatte
für Bekanntmachungen von
Behörden u. Privaten.
( Mich. 1846 bis Ostern 1847. )

[Ende Spaltensatz] [Beginn Spaltensatz]
Pränumerationspreis des halben Jahrgangs bei allen
Buchhandlungen und Fürstl. Thurn und Tarischen
Postanstalten 1 1 / 6 Rl. == 2 fl 6 Xr.

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Nro 24.
Dienstag, 16. März 1847.
[Spaltenumbruch]
[Ende Spaltensatz]
[Beginn Spaltensatz]
Der Mainzer Verein
zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas.

Von allen Gesellschaften, welche sich in der neuesten Zeit
der Auswanderer angenommen haben, ist die Mainzer gewiß die,
welche das meiste Aufsehen gemacht hat; erstens wegen der Groß-
artigkeit des Unternehmens, welches sich gleich auf Ansiedlung von
6000 Familien erstreckte; ferner, weil Namen an der Spitze stehen,
denen man weder eine gemeine kaufmännische Speculation zu-
trauen, noch bei der Liebe zur Sache an eine Unterbrechung des
Unternehmens wegen mangelnder Geldmittel denken könnte.

Es sind aber drei Jahre, seitdem der Verein seine öffent-
liche Thätigkeit begonnen; die Kolonie ist begründet, sie gedeiht,
Neubraunfels ist die erste, schon jetzt bedeutende Stadt, und der
Verein kann uns die Früchte bringen, die so oft, wenn von Aus-
wanderung die Rede ist, als Motive erwähnt werden, wegen deren
endlich die Regierungen thätig in das Auswanderungswesen ein-
greifen möchten.

Es hat mir geschienen, als wenn eine Opposition gegen den
Verein auch in diesen Blättern sich geltend machte; und ganz un-
recht kann man den Opponenten nicht geben, da der Verein mit
einer merkwürdigen Unkenntniß vieler nothwendigen Dinge, selbst
ohne Grund und Boden sein Unternehmen begann, so eine Menge
von Täuschungen erlebte und seine Einwanderer täuschen mußte,
und seine Verpflichtungen bis heute noch nicht erfüllte. Aber daß es
dem Vereine bei den besten Mitteln nicht möglich war, seine Ver-
sprechungen zu erfüllen, ist auch nicht in Abrede zu stellen. Jch
für meine Person habe die Ueberzeugung und spreche sie gern
aus, daß jedes Versprechen, sobald es die Umstände nur irgend
erlauben, sicher erfüllt werden wird. Die sich stets wiederholende
Klage: der Verein hätte die versprochene Ackerzahl noch nicht über-
wiesen, lag in der Unmöglichkeit, bei der großen Entfernung vom
[Spaltenumbruch] Meere ohne Wege, ohne Lebensmittel, ohne Verbindung mit an-
deren Städten eine Menge Menschen auf ihren Grant zu führen,
die auch dort wieder hätten vereinzelt werden müssen, und so allen
üblen Einflüssen ausgesetzt gewesen wären, die zu beseitigen der
Verein sich möglichst angelegen sein läßt*). Die Art und Weise
des langsamen Vorschreitens verdient jede Billigung und die Zweck-
mäßigkeit der Anlagepunkte der gegründeten Städte beweist sich
durch ihr rasches Wachsthum, wozu besonders Amerikaner beitra-
gen. Eine zweite Klage ist der traurige Zustand, worin so Viele
im vorigen Jahre erlegen, die nicht von der ungesunden Küste
nach dem gesunden Hügellande gebracht werden konnten. Aber
Regen, Austreten der Flüsse, Unfahrbarkeit der Wege und Krieg,
dieß waren die unbezwinglichen Hindernisse, die dem Verein sicher
Schmerz genug gemacht haben. Daß die in Europa herrschende
Geldklemme auf die Kolonie, die noch fast bloß von deutschem
Gelde lebt, einen drückenden Einfluß geübt, indem versprochene
und erwartete Nachsendungen ausblieben, läßt sich annehmen.

Die hierher gelangten Klagen über Krankheiten und Sterbe-
fälle haben ebenfalls ihren Eindruck nicht verfehlt, und das Land,
das kurz vorher zu den gesundesten der Welt gehörte ( die Küste
einstimmig ausgenommen ) , kommt in den Verdacht, die Wiege
aller verderblichen Seuchen zu sein. Wodurch aber wurden die
Krankheiten bedingt? Vor Allem war es die üble Witterung, die
in Teras eben so regnerisch wie hier trocken war, somit die Wege
unfahrbar machte, wodurch sowohl die Zufuhr guter Nahrungs-

*) Auch den Klagen über die bisherige Vertretung des Vereins in Teras
ist nunmehr dadurch begegnet, daß er eine förmliche Umgestaltung seines
ganzen bisherigen Geschäftsganges vorgenommen hat. Zum Generalagenten
für Galveston ist der Dr. med. Herff, und Hr. Wilh. Settegast
( von Coblenz ) zu Bieberich zum Generalagenten für Deutschland ernannt
worden.    ( Anm. d. Red. )
Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.
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für
Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
für Rath und That
zu Gunsten der fortziehenden Brüder,
sowie für
Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
sachen überhaupt.
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Erstes Semester.

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Mit
statistischen Uebersichten, Karten
und Plänen,

sowie mit einem
Jntelligenzblatte
für Bekanntmachungen von
Behörden u. Privaten.
( Mich. 1846 bis Ostern 1847. )

[Ende Spaltensatz] [Beginn Spaltensatz]
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Buchhandlungen und Fürstl. Thurn und Tarischen
Postanstalten 1 1 / 6 Rl. == 2 fl 6 Xr.

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Dienstag, 16. März 1847.
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[Beginn Spaltensatz]
Der Mainzer Verein
zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas.

Von allen Gesellschaften, welche sich in der neuesten Zeit
der Auswanderer angenommen haben, ist die Mainzer gewiß die,
welche das meiste Aufsehen gemacht hat; erstens wegen der Groß-
artigkeit des Unternehmens, welches sich gleich auf Ansiedlung von
6000 Familien erstreckte; ferner, weil Namen an der Spitze stehen,
denen man weder eine gemeine kaufmännische Speculation zu-
trauen, noch bei der Liebe zur Sache an eine Unterbrechung des
Unternehmens wegen mangelnder Geldmittel denken könnte.

Es sind aber drei Jahre, seitdem der Verein seine öffent-
liche Thätigkeit begonnen; die Kolonie ist begründet, sie gedeiht,
Neubraunfels ist die erste, schon jetzt bedeutende Stadt, und der
Verein kann uns die Früchte bringen, die so oft, wenn von Aus-
wanderung die Rede ist, als Motive erwähnt werden, wegen deren
endlich die Regierungen thätig in das Auswanderungswesen ein-
greifen möchten.

Es hat mir geschienen, als wenn eine Opposition gegen den
Verein auch in diesen Blättern sich geltend machte; und ganz un-
recht kann man den Opponenten nicht geben, da der Verein mit
einer merkwürdigen Unkenntniß vieler nothwendigen Dinge, selbst
ohne Grund und Boden sein Unternehmen begann, so eine Menge
von Täuschungen erlebte und seine Einwanderer täuschen mußte,
und seine Verpflichtungen bis heute noch nicht erfüllte. Aber daß es
dem Vereine bei den besten Mitteln nicht möglich war, seine Ver-
sprechungen zu erfüllen, ist auch nicht in Abrede zu stellen. Jch
für meine Person habe die Ueberzeugung und spreche sie gern
aus, daß jedes Versprechen, sobald es die Umstände nur irgend
erlauben, sicher erfüllt werden wird. Die sich stets wiederholende
Klage: der Verein hätte die versprochene Ackerzahl noch nicht über-
wiesen, lag in der Unmöglichkeit, bei der großen Entfernung vom
[Spaltenumbruch] Meere ohne Wege, ohne Lebensmittel, ohne Verbindung mit an-
deren Städten eine Menge Menschen auf ihren Grant zu führen,
die auch dort wieder hätten vereinzelt werden müssen, und so allen
üblen Einflüssen ausgesetzt gewesen wären, die zu beseitigen der
Verein sich möglichst angelegen sein läßt*). Die Art und Weise
des langsamen Vorschreitens verdient jede Billigung und die Zweck-
mäßigkeit der Anlagepunkte der gegründeten Städte beweist sich
durch ihr rasches Wachsthum, wozu besonders Amerikaner beitra-
gen. Eine zweite Klage ist der traurige Zustand, worin so Viele
im vorigen Jahre erlegen, die nicht von der ungesunden Küste
nach dem gesunden Hügellande gebracht werden konnten. Aber
Regen, Austreten der Flüsse, Unfahrbarkeit der Wege und Krieg,
dieß waren die unbezwinglichen Hindernisse, die dem Verein sicher
Schmerz genug gemacht haben. Daß die in Europa herrschende
Geldklemme auf die Kolonie, die noch fast bloß von deutschem
Gelde lebt, einen drückenden Einfluß geübt, indem versprochene
und erwartete Nachsendungen ausblieben, läßt sich annehmen.

Die hierher gelangten Klagen über Krankheiten und Sterbe-
fälle haben ebenfalls ihren Eindruck nicht verfehlt, und das Land,
das kurz vorher zu den gesundesten der Welt gehörte ( die Küste
einstimmig ausgenommen ) , kommt in den Verdacht, die Wiege
aller verderblichen Seuchen zu sein. Wodurch aber wurden die
Krankheiten bedingt? Vor Allem war es die üble Witterung, die
in Teras eben so regnerisch wie hier trocken war, somit die Wege
unfahrbar machte, wodurch sowohl die Zufuhr guter Nahrungs-

*) Auch den Klagen über die bisherige Vertretung des Vereins in Teras
ist nunmehr dadurch begegnet, daß er eine förmliche Umgestaltung seines
ganzen bisherigen Geschäftsganges vorgenommen hat. Zum Generalagenten
für Galveston ist der Dr. med. Herff, und Hr. Wilh. Settegast
( von Coblenz ) zu Bieberich zum Generalagenten für Deutschland ernannt
worden.    ( Anm. d. Red. )
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Zitationshilfe: Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 24. Rudolstadt, 16. März 1847, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_auswanderer24_1847/1>, abgerufen am 17.06.2019.