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Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 5. Rudolstadt, 27. Oktober 1846.

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Allgemeine Auswanderungs = Zeitung.
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Organ
für
Kunde aus deutschen Ansiedlungen,
für Rath und That
zu Gunsten der fortziehenden Brüder,
sowie für
Oeffentlichkeit in Auswanderungs-
sachen überhaupt.
Erstes Semester.

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Mit
statistischen Uebersichten, Karten
und Plänen,

sowie mit einem
Jntelligenzblatte
für Bekanntmachungen von
Behörden u. Privaten.
( Mich. 1846 bis Ostern 1847. )

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Pränumerationspreis des halben Jahrgangs bei allen
Buchhandlungen und Fürstl. Thurn und Tarischen
Postanstalten 1 1 / 6 Rl. == 2 fl 6 Xr.
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Nro 5.
Dienstag, 27. October 1846.
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Die Auswanderung
und das deutsche Vaterland.
( Fortsetzung ) .

Der Verfasser des Schriftchens kommt nun zu seinem Lieb-
lingsprojecte, Gründung von Kolonieen, damit die zahlrei-
chen Familien in den fernen Landstrichen nicht zu Grunde gehen,
und führt zum Beweise der Richtigkeit seiner Behauptung die
Kolonie seiner schwäbischen Landsleute an, die unter der Leitung
des alten Rapp im Jahre 1804 in der Grafschaft Butler
im Staate Pennsylvanien gegründet wurde. Das gemein-
schaftliche Vermögen der 300 Kolonisten bestand in 30,000 Gul-
den. Damit erkauften sie 9000 Morgen Land und das erforder-
liche Geräthe und Vieh, so daß etwa 100 bis 200 Morgen Land
an jede der 60 Familien vertheilt werden konnten. Sie bildeten
so eine geschlossene Niederlassung, und waren einander zur Hülfe
und Unterstützung nahe. Nach Verfluß von 7 Jahren war das
gemeinschaftliche Vermögen in Grund und Boden und Capital
bereits auf 570,000 Gulden gestiegen, und im Jahre 1821 be-
trug das Gesammtvermögen der Niederlassung nicht weniger als
860,000 Gulden. Daran ist ersichtlich, schreibt der Verfasser,
was unsere deutschen Landsleute vermögen, wenn sie zusammen-
halten und nach der uralten deutschen Sitte in der Gemeinde sich
zu gegenseitigem Schutz und zu gemeinschaftlichen Rechten und
Pflichten verbinden.

Auf diese Rapp'sche Kolonie, die eine gewisse Celebrität er-
langt hat, ist auch von Anderen als auf eine Musterkolonie hin-
gewiesen worden, und wir selbst gehörten zu denen, die vor ihrer
Wanderung nach Amerika durch die Berichte von der trefflichen
Einrichtung derselben ganz entzückt waren, und in solcher Gemein-
schaft zu leben für das Schönste auf Erden hielten. Wie ganz
anders aber gestalteten sich unsere Ansichten von dieser Muster-
[Spaltenumbruch] kolonie und dieser uralten in ihr herrschenden Sitte, als wir sie
mehrere Male besuchten und mit dem wahren Wesen derselben
genau bekannt wurden. Was wir in unsern "Briefen aus und
über Nordamerika", 2. Band S. 128 über diese Ansiedelung ge-
schrieben haben, das ist jetzt noch unsere feste Ansicht, und wir
theilen sie hier abermals mit, damit diese Lobhudelei jener Rapp-
schen Ansiedelung endlich einmal aufhöre und man bei Gründung
von Kolonieen sich nicht mehr darauf berufe.

"Wenn man die furchtbaren Schwierigkeiten erwägt, heißt
es dort im siebzehnten Briefe, mit welchen Georg Rapp, ein
Leimveber, als Leiter und Führer seiner gläubigen Gemeinde,
besonders bei der ersten Niederlassung in der Grafschaft Butler
( im Staate Pennsylvanien ) zu kämpfen hatte, und die Fortschritte
bedenkt, welche die Gemeinde schon im ersten Jahrzehnt gemacht,
in welchem sich das Vermögen mehr als versiebenfacht hatte, ( es
betrug 145,000 Doll. ) ; wenn man erfährt, daß die zweite am
Wabash gegründete Niederlassung im Jahre 1824 an beweg-
lichen und unbeweglichen Gütern gegen 1 / 2 Million werth war,
und endlich, daß die Gegend, in welcher das niedliche deutsche
Städtchen Economy ( in der Graffchaft Beaver in Pennsyl-
vanien ) liegt, mit großen, schönen Fabriken, umgeben von den
fruchtbarsten und lachendsten Feldern, eine völlige Wildniß war:
so muß man allerdings dem Verstande, der Einsicht, der Erfah-
rung und der Festigkeit Rapp's, sowie der Ausdauer und Un-
verdrossenheit seiner Anhänger volle Gerechtigkeit widerfahren lassen,
und in die Worte Bromme's einstimmen: "Zum Erstaunen ist
es, wie viel vereinte und zweckmäßig geleitete Kräfte in so kur-
zer Zeit auszurichten vermochten." Denn die Felder sind in dem
besten Culturzustande, die Wiesen vortrefflich; das Städtchen, wel-
ches gegen 120 Häuser zählt, mit der Kirche in der Mitte, die
einen Thurm und eine Thurmuhr hat, sieht reinlich und durch
die den Häusern beigegebenen Gärtchen freundlich aus; die Fa-
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für
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für Rath und That
zu Gunsten der fortziehenden Brüder,
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Erstes Semester.

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Mit
statistischen Uebersichten, Karten
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sowie mit einem
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Behörden u. Privaten.
( Mich. 1846 bis Ostern 1847. )

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Pränumerationspreis des halben Jahrgangs bei allen
Buchhandlungen und Fürstl. Thurn und Tarischen
Postanstalten 1 1 / 6 Rl. == 2 fl 6 Xr.
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Nro 5.
Dienstag, 27. October 1846.
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Die Auswanderung
und das deutsche Vaterland.
( Fortsetzung ) .

Der Verfasser des Schriftchens kommt nun zu seinem Lieb-
lingsprojecte, Gründung von Kolonieen, damit die zahlrei-
chen Familien in den fernen Landstrichen nicht zu Grunde gehen,
und führt zum Beweise der Richtigkeit seiner Behauptung die
Kolonie seiner schwäbischen Landsleute an, die unter der Leitung
des alten Rapp im Jahre 1804 in der Grafschaft Butler
im Staate Pennsylvanien gegründet wurde. Das gemein-
schaftliche Vermögen der 300 Kolonisten bestand in 30,000 Gul-
den. Damit erkauften sie 9000 Morgen Land und das erforder-
liche Geräthe und Vieh, so daß etwa 100 bis 200 Morgen Land
an jede der 60 Familien vertheilt werden konnten. Sie bildeten
so eine geschlossene Niederlassung, und waren einander zur Hülfe
und Unterstützung nahe. Nach Verfluß von 7 Jahren war das
gemeinschaftliche Vermögen in Grund und Boden und Capital
bereits auf 570,000 Gulden gestiegen, und im Jahre 1821 be-
trug das Gesammtvermögen der Niederlassung nicht weniger als
860,000 Gulden. Daran ist ersichtlich, schreibt der Verfasser,
was unsere deutschen Landsleute vermögen, wenn sie zusammen-
halten und nach der uralten deutschen Sitte in der Gemeinde sich
zu gegenseitigem Schutz und zu gemeinschaftlichen Rechten und
Pflichten verbinden.

Auf diese Rapp'sche Kolonie, die eine gewisse Celebrität er-
langt hat, ist auch von Anderen als auf eine Musterkolonie hin-
gewiesen worden, und wir selbst gehörten zu denen, die vor ihrer
Wanderung nach Amerika durch die Berichte von der trefflichen
Einrichtung derselben ganz entzückt waren, und in solcher Gemein-
schaft zu leben für das Schönste auf Erden hielten. Wie ganz
anders aber gestalteten sich unsere Ansichten von dieser Muster-
[Spaltenumbruch] kolonie und dieser uralten in ihr herrschenden Sitte, als wir sie
mehrere Male besuchten und mit dem wahren Wesen derselben
genau bekannt wurden. Was wir in unsern „Briefen aus und
über Nordamerika“, 2. Band S. 128 über diese Ansiedelung ge-
schrieben haben, das ist jetzt noch unsere feste Ansicht, und wir
theilen sie hier abermals mit, damit diese Lobhudelei jener Rapp-
schen Ansiedelung endlich einmal aufhöre und man bei Gründung
von Kolonieen sich nicht mehr darauf berufe.

„Wenn man die furchtbaren Schwierigkeiten erwägt, heißt
es dort im siebzehnten Briefe, mit welchen Georg Rapp, ein
Leimveber, als Leiter und Führer seiner gläubigen Gemeinde,
besonders bei der ersten Niederlassung in der Grafschaft Butler
( im Staate Pennsylvanien ) zu kämpfen hatte, und die Fortschritte
bedenkt, welche die Gemeinde schon im ersten Jahrzehnt gemacht,
in welchem sich das Vermögen mehr als versiebenfacht hatte, ( es
betrug 145,000 Doll. ) ; wenn man erfährt, daß die zweite am
Wabash gegründete Niederlassung im Jahre 1824 an beweg-
lichen und unbeweglichen Gütern gegen 1 / 2 Million werth war,
und endlich, daß die Gegend, in welcher das niedliche deutsche
Städtchen Economy ( in der Graffchaft Beaver in Pennsyl-
vanien ) liegt, mit großen, schönen Fabriken, umgeben von den
fruchtbarsten und lachendsten Feldern, eine völlige Wildniß war:
so muß man allerdings dem Verstande, der Einsicht, der Erfah-
rung und der Festigkeit Rapp's, sowie der Ausdauer und Un-
verdrossenheit seiner Anhänger volle Gerechtigkeit widerfahren lassen,
und in die Worte Bromme's einstimmen: „Zum Erstaunen ist
es, wie viel vereinte und zweckmäßig geleitete Kräfte in so kur-
zer Zeit auszurichten vermochten.“ Denn die Felder sind in dem
besten Culturzustande, die Wiesen vortrefflich; das Städtchen, wel-
ches gegen 120 Häuser zählt, mit der Kirche in der Mitte, die
einen Thurm und eine Thurmuhr hat, sieht reinlich und durch
die den Häusern beigegebenen Gärtchen freundlich aus; die Fa-
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Zitationshilfe: Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 5. Rudolstadt, 27. Oktober 1846, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_auswanderer05_1846/1>, abgerufen am 21.09.2019.