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Allgemeine Zeitung. Nr. 71. Augsburg (Bayern), 12. März 1871.

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Allgemeine Zeitung.
Nr. 71.
Augsburg, Sonntag, 12 März 1871.


Verlag der J. G. Cotta' schen Buchhandlung. Für die Redaction verantwortlich: Dr. J. v. Gosen.


Preis der einzelnen Nummer mit Beilage 6 kr. oder 2 Ngr. für ganz Deutschland.



[Beginn Spaltensatz]
Uebersicht.

Der Kriegshafen an der Jade.

Deutsches Reich. München: Se. Maj. der König. Dementi.
Karlsruhe: Rückkehr des Großherzogs. Darmstadt: Die preußisch-
hessische Militärconvention. Berlin: Ankunft des Grafen Bismarck.
Hr. v. Roon. Verkehrsmaßnahmen. Freiwillige Constabler. Der Kaiser.
Friedensfeier. Zurückbeförderung der Kriegsgefangenen. Die Reichs-
tagswahlen.

Oesterreichisch=ungarische Monarchie. Wien: Oesterreich in
Ostasien. Das Verbot der Friedensfeste. Das Ministerium Hohenwart
als Staatsretter und seine Feinde. Absolutismus und Freiheit. Maßrege-
lung der Presse. Die Transaction der Landtage mit dem Reichsrath.
Das Ministerium und die deutsche Politik. Erhöhung des Standes der
Cavallerie. Die erwarteten Regierungsvorlagen.

Großbritannien. Hr. O. Russell. Sir John Coleridge über den
deutschen Krieg.

Frankreich. Eine Verlustliste. Zu den Friedensverhandlungen. Abreise
des Kaisers aus Versailles. General Cremer. Die Generale Lefl o und
Ducrot. Aus der Nationalversammlung. Eine Broschüre Gambetta's.

Niederland. Haag: Privateigenthum in Kriegszeiten und Kriegscontre-
bande. Küste von Guinea.

Spanien. Madrid: Die verschiedenen Oppositionen. Einsame Stellung
des Königs. Deutscher Gesandter.

Jtalien. Florenz: Der tunisische Handel. Die Conventionen mit
Oesterreich. Die militärische Frage.

Verschiedenes.

Jndustrie, Handel und Verkehr.[unleserliches Material]

Neueste Posten. Bordeaux: Decrete. Aus der Nationalversamm-
lung. Lille: Der Strike in Roubaix. Madrid: Wahlen. Florenz:
Die Königin von Spanien. Aus der Kammer.

Außerordeutliche Beilage. Nr. 40.



Telegraphische Berichte.

* London, 10 März. Unterhaus. Auf eine Jnterpellation Otway's
antwortet Lord Enfield: die englische Regierung habe, nachdem sie von
den Wünschen Frankreichs benachrichtigt worden, am 24 Februar eine ent-
sprechende Depesche an Lord Loftus gerichtet, und dieselbe dem Grafen
Bernstorff mit der Bitte mitgetheilt ihren Jnhalt an Graf Bismarck zu
telegraphiren. Lord Enfield glaubt, Bismarck dürfte das Anerbieten der
guten Dienste Englands am Morgen des 25 Februar erhalten haben.
Bisher habe die brittische Regierung keine officielle Antwort erhalten. Am
24 Februar Abends wurde der Jnhalt der erwähnten Depesche an Russell
telegraphirt, derselbe erhielt das Telegramm am 25 Februar Abends.

( * ) Paris, 10 März. Das "J. des Debats " erklärt: Wenn die
exaltirten Gemüther taub bleiben gegen die weisen Rathschläge des gestri-
gen Artikels der "Amtszeitung," so hoffen wir die Regierung werde endlich
begreifen daß die Stunde der Thätigkeit gekommen ist, und daß sie den Gene-
ral Aurelles anweisen wird die Ruhe wiederherzustellen. Dasselbe Blatt
constatirt daß gestern im Comit e der Jnsurgenten des Montmartre nur
mühsam eine genügende Anzahl Nationalgarden zur Bewachung der Kano-
nen sich gefunden habe.

* Paris, 10 März. General Aurelles de Paladine empfieng
gestern die Commandanten der Nationalgarde von Belleville, er betonte
neuerdings seine republicanischen Gesinnungen. Der Commandant schien
in hohem Grade befriedigt. Vom Montmartre nichts neues.

* Bordeaux, 10 März. Eine Verordnung der Regierung befiehlt
die sofortige Entlassung: 1 ) der durch Gesetz vom 10 Aug. 1870 in die
Armee Einverleibten; 2 ) der mobilisirten Nationalgarden, welche als ehe-
malige Soldaten der activen Armee einverleibt wurden; 3 ) der auf Kriegs-
dauer Engagirten; 4 ) der Altersclasse 1863. Der Befehl zur Ausfüh-
rung wurde noch denselben Tag den Militärbehörden zugestellt.

[Spaltenumbruch]

* Bordeaux, 10 März. Jn der heutigen Sitzung der National
versammlung wurde der Gesetzentwurf betreffend die Verlängerung der
Wechselverfallfrist verhandelt. Sämmtliche Artikel des Gesetzentwurfs
wurden angenommen, die Amendements verworfen. Rochefort ist gefähr-
lich an der Kopfrose erkrankt. General Changarniers Zustand ist Besorgniß
erregend.

* Brüssel, 10 März. Die "Etoile Belge" meldet aus Paris:
Die französische Regierung hat von einem bedeutenden Aufstand in Alge-
rien Kenntniß erhalten. Ein Zuavenregiment wurde abgesandt um die
Ordnung wiederherzustellen.

* Frankfurt a. M., 10 März. Abend=Effectensocietät: 1882er Amerikaner
96 1 / 2; 1885er --; Silberrente --; 1860er L. --; 1864er L. --; Credit-
actien 246; Lombarden165 3 / 4; Staatsbahn 369; Galizier239 3 / 4; 3proc. span.
ausl. Schuld29 5 / 8. Tendenz: still nur Galizier lebhaft.

( * ) Wien, 10 März. Die Anglo=Austrian Bank hat eine Subscriptions-
kundmachung für die am 16 März stattfindende [unleserliches Material - 9 Zeichen fehlen]Zeichnung von je 31,000[unleserliches Material] Actien
und Prioritäten der Prag=Duxer Eisenbahn veröffentlicht. Der Nominalpreis
für beide ist 150 Gulden österr. Silber. Der Emissionspreis für die Actien ist
66 Procent gleich 99 Gulden; derjenige für die Prioritäten 71 Procent gleich
106 1 / 2 Gulden. ( S. Jnserat in der Außerord. Beil. )

* Wien, 10 März. Abend=Privatverkehr: Creditactien 260.80>; 1860er L.
96; 1864er L. 122 80: Staatsbahn 393; Lombarden 173 80: Rapoleons 9.90 1 / 2;
Papierrente 58.40; Franco=Austrian 105; Anglo=Austrian 232 50. Stürmische
Haussee.

( * ) Triest, 10 März. Der Lloydampfer " [unleserliches Material - 5 Zeichen fehlen]Besta " ist mit der ostindisch-
chinesischen Post heute[unleserliches Material] 1 3 / 4 Uhr Nachts hier angelangt.

Pest, 10 März. Productenmarkt. Getrei[unleserliches Material] de unbelebt. Weizen effectiv
Preis fest, guter Umsatz. Korn matter, übrige Getreidesorten geschäftslos. Ter-
mine schwach gehandelt.

* London, 10 März. Schlußcurse: 3proc. Consols91 11 / 16; 1882er
Amerikaner91 3 / 4; Türken 42 3 / 8.

Liverpool, 10[unleserliches Material] März. Baumwollenbericht. Tagesumsatz 10,000 B,
zur Ausfuhr verkauft 2000 B. Stimmung schwach. Orleans7 3 / 8, Middling7 1 / 8,
fair Dhollerah5 7 / 8, middl. fair Dhollerah5 1 / 8, good middl. Dhollerah4 1 / 2, fair
Bengal5 3 / 8, fair Oomra6 1 / 4, good fair Oomra6 3 / 8, Pernam7 5 / 8,[unleserliches Material] Smyrne 7,
Egyptian 3[unleserliches Material] 3 / 4. Tagesimport 47,000 B., davon 6000 B. indische, amerikanische
39,000 B.

* Paris, 9 März. Schlußcurse: 3proc. Rente 51; österr.=franz. Staats-
bahn 780; Lombarden 352.50; 5proc. ital. Anl. 53.65.

* New=York, 9 März. Goldagio111 1 / 8; Wechsel in Gold109 3 / 4;
1882er Bonds112 1 / 2; 1885er112 1 / 8; 1904er109 1 / 4; Baumwolle14 7 / 8; Petro-
leum in Philadelphia 24 1 / 2.

Der Kriegshafen an der Jade.

sym3 Der Kriegshafen an der Jade, seit sechzehn Jahren im Bau und
vor bald zwei Jahren bereits durch König Wilhelm feierlich eröffnet, war
trotzdem beim Ausbruch des Kriegs noch leineswegs fertig. Jm Reichstag
war seine Vollendung allerdings auf den 1 Juli v. J. angekündigt worden,
allein statt dessen wurden um diese Zeit vielmehr die Arbeiten an der
Aushebung des Beckens gänzlich eingestellt. Der Artillerie=Officier welcher
zur Aufwerfung von Strandbatterien nach Wilhelmshafen geschickt worden
war, nahm dem Hafenbaudirector die Leute weg, und dieser hielt sich nicht
für ermächtigt oder befähigt anderswoher den Ausfall zu ergänzen. So
geschah es unglaublicherweise daß bis zum October hin diese wichtige und
höchst dringliche Arbeit, anstatt auf alle Art beschleunigt zu werden, um-
gekehrt gänzlich still stand. Das Marine=Commando scheint bei dem be-
stehenden und bekanntlich in Preußen sehr streng innegehaltenen Ressort-
Verhältniß nicht in der Lage gewesen zu sein hierauf unmittelbar einzu-
wirken; auch hatte es zeitweilig wenigstens wohl mit den Maßregeln zur
Abwehr des Feindes, gegen welchen man auf der Außenrhede bereit lag,
alle Hände und alle Augen voll zu thun. Als man später im Herbst die
erreichte Hafentiefe prüfte, fand man erst 17 Fuß. Der "König Wilhelm"
geht aber 27 Fuß tief, der "Kronprinz" und der "Prinz Friedrich Karl"
nur einige Fuß minder tief. Die letztern beiden konnten nicht vor der

Allgemeine Zeitung.
Nr. 71.
Augsburg, Sonntag, 12 März 1871.


Verlag der J. G. Cotta' schen Buchhandlung. Für die Redaction verantwortlich: Dr. J. v. Gosen.


Preis der einzelnen Nummer mit Beilage 6 kr. oder 2 Ngr. für ganz Deutschland.



[Beginn Spaltensatz]
Uebersicht.

Der Kriegshafen an der Jade.

Deutsches Reich. München: Se. Maj. der König. Dementi.
Karlsruhe: Rückkehr des Großherzogs. Darmstadt: Die preußisch-
hessische Militärconvention. Berlin: Ankunft des Grafen Bismarck.
Hr. v. Roon. Verkehrsmaßnahmen. Freiwillige Constabler. Der Kaiser.
Friedensfeier. Zurückbeförderung der Kriegsgefangenen. Die Reichs-
tagswahlen.

Oesterreichisch=ungarische Monarchie. Wien: Oesterreich in
Ostasien. Das Verbot der Friedensfeste. Das Ministerium Hohenwart
als Staatsretter und seine Feinde. Absolutismus und Freiheit. Maßrege-
lung der Presse. Die Transaction der Landtage mit dem Reichsrath.
Das Ministerium und die deutsche Politik. Erhöhung des Standes der
Cavallerie. Die erwarteten Regierungsvorlagen.

Großbritannien. Hr. O. Russell. Sir John Coleridge über den
deutschen Krieg.

Frankreich. Eine Verlustliste. Zu den Friedensverhandlungen. Abreise
des Kaisers aus Versailles. General Cremer. Die Generale Lefl ô und
Ducrot. Aus der Nationalversammlung. Eine Broschüre Gambetta's.

Niederland. Haag: Privateigenthum in Kriegszeiten und Kriegscontre-
bande. Küste von Guinea.

Spanien. Madrid: Die verschiedenen Oppositionen. Einsame Stellung
des Königs. Deutscher Gesandter.

Jtalien. Florenz: Der tunisische Handel. Die Conventionen mit
Oesterreich. Die militärische Frage.

Verschiedenes.

Jndustrie, Handel und Verkehr.[unleserliches Material]

Neueste Posten. Bordeaux: Decrete. Aus der Nationalversamm-
lung. Lille: Der Strike in Roubaix. Madrid: Wahlen. Florenz:
Die Königin von Spanien. Aus der Kammer.

Außerordeutliche Beilage. Nr. 40.



Telegraphische Berichte.

* London, 10 März. Unterhaus. Auf eine Jnterpellation Otway's
antwortet Lord Enfield: die englische Regierung habe, nachdem sie von
den Wünschen Frankreichs benachrichtigt worden, am 24 Februar eine ent-
sprechende Depesche an Lord Loftus gerichtet, und dieselbe dem Grafen
Bernstorff mit der Bitte mitgetheilt ihren Jnhalt an Graf Bismarck zu
telegraphiren. Lord Enfield glaubt, Bismarck dürfte das Anerbieten der
guten Dienste Englands am Morgen des 25 Februar erhalten haben.
Bisher habe die brittische Regierung keine officielle Antwort erhalten. Am
24 Februar Abends wurde der Jnhalt der erwähnten Depesche an Russell
telegraphirt, derselbe erhielt das Telegramm am 25 Februar Abends.

( * ) Paris, 10 März. Das „J. des Débats “ erklärt: Wenn die
exaltirten Gemüther taub bleiben gegen die weisen Rathschläge des gestri-
gen Artikels der „Amtszeitung,“ so hoffen wir die Regierung werde endlich
begreifen daß die Stunde der Thätigkeit gekommen ist, und daß sie den Gene-
ral Aurelles anweisen wird die Ruhe wiederherzustellen. Dasselbe Blatt
constatirt daß gestern im Comit é der Jnsurgenten des Montmartre nur
mühsam eine genügende Anzahl Nationalgarden zur Bewachung der Kano-
nen sich gefunden habe.

* Paris, 10 März. General Aurelles de Paladine empfieng
gestern die Commandanten der Nationalgarde von Belleville, er betonte
neuerdings seine republicanischen Gesinnungen. Der Commandant schien
in hohem Grade befriedigt. Vom Montmartre nichts neues.

* Bordeaux, 10 März. Eine Verordnung der Regierung befiehlt
die sofortige Entlassung: 1 ) der durch Gesetz vom 10 Aug. 1870 in die
Armee Einverleibten; 2 ) der mobilisirten Nationalgarden, welche als ehe-
malige Soldaten der activen Armee einverleibt wurden; 3 ) der auf Kriegs-
dauer Engagirten; 4 ) der Altersclasse 1863. Der Befehl zur Ausfüh-
rung wurde noch denselben Tag den Militärbehörden zugestellt.

[Spaltenumbruch]

* Bordeaux, 10 März. Jn der heutigen Sitzung der National
versammlung wurde der Gesetzentwurf betreffend die Verlängerung der
Wechselverfallfrist verhandelt. Sämmtliche Artikel des Gesetzentwurfs
wurden angenommen, die Amendements verworfen. Rochefort ist gefähr-
lich an der Kopfrose erkrankt. General Changarniers Zustand ist Besorgniß
erregend.

* Brüssel, 10 März. Die „Etoile Belge“ meldet aus Paris:
Die französische Regierung hat von einem bedeutenden Aufstand in Alge-
rien Kenntniß erhalten. Ein Zuavenregiment wurde abgesandt um die
Ordnung wiederherzustellen.

* Frankfurt a. M., 10 März. Abend=Effectensocietät: 1882er Amerikaner
96 1 / 2; 1885er --; Silberrente --; 1860er L. --; 1864er L. --; Credit-
actien 246; Lombarden165 3 / 4; Staatsbahn 369; Galizier239 3 / 4; 3proc. span.
ausl. Schuld29 5 / 8. Tendenz: still nur Galizier lebhaft.

( * ) Wien, 10 März. Die Anglo=Austrian Bank hat eine Subscriptions-
kundmachung für die am 16 März stattfindende [unleserliches Material – 9 Zeichen fehlen]Zeichnung von je 31,000[unleserliches Material] Actien
und Prioritäten der Prag=Duxer Eisenbahn veröffentlicht. Der Nominalpreis
für beide ist 150 Gulden österr. Silber. Der Emissionspreis für die Actien ist
66 Procent gleich 99 Gulden; derjenige für die Prioritäten 71 Procent gleich
106 1 / 2 Gulden. ( S. Jnserat in der Außerord. Beil. )

* Wien, 10 März. Abend=Privatverkehr: Creditactien 260.80>; 1860er L.
96; 1864er L. 122 80: Staatsbahn 393; Lombarden 173 80: Rapoleons 9.90 1 / 2;
Papierrente 58.40; Franco=Austrian 105; Anglo=Austrian 232 50. Stürmische
Haussee.

( * ) Triest, 10 März. Der Lloydampfer „ [unleserliches Material – 5 Zeichen fehlen]Besta “ ist mit der ostindisch-
chinesischen Post heute[unleserliches Material] 1 3 / 4 Uhr Nachts hier angelangt.

Pest, 10 März. Productenmarkt. Getrei[unleserliches Material] de unbelebt. Weizen effectiv
Preis fest, guter Umsatz. Korn matter, übrige Getreidesorten geschäftslos. Ter-
mine schwach gehandelt.

* London, 10 März. Schlußcurse: 3proc. Consols91 11 / 16; 1882er
Amerikaner91 3 / 4; Türken 42 3 / 8.

Liverpool, 10[unleserliches Material] März. Baumwollenbericht. Tagesumsatz 10,000 B,
zur Ausfuhr verkauft 2000 B. Stimmung schwach. Orleans7 3 / 8, Middling7 1 / 8,
fair Dhollerah5 7 / 8, middl. fair Dhollerah5 1 / 8, good middl. Dhollerah4 1 / 2, fair
Bengal5 3 / 8, fair Oomra6 1 / 4, good fair Oomra6 3 / 8, Pernam7 5 / 8,[unleserliches Material] Smyrne 7,
Egyptian 3[unleserliches Material] 3 / 4. Tagesimport 47,000 B., davon 6000 B. indische, amerikanische
39,000 B.

* Paris, 9 März. Schlußcurse: 3proc. Rente 51; österr.=franz. Staats-
bahn 780; Lombarden 352.50; 5proc. ital. Anl. 53.65.

* New=York, 9 März. Goldagio111 1 / 8; Wechsel in Gold109 3 / 4;
1882er Bonds112 1 / 2; 1885er112 1 / 8; 1904er109 1 / 4; Baumwolle14 7 / 8; Petro-
leum in Philadelphia 24 1 / 2.

Der Kriegshafen an der Jade.

sym3 Der Kriegshafen an der Jade, seit sechzehn Jahren im Bau und
vor bald zwei Jahren bereits durch König Wilhelm feierlich eröffnet, war
trotzdem beim Ausbruch des Kriegs noch leineswegs fertig. Jm Reichstag
war seine Vollendung allerdings auf den 1 Juli v. J. angekündigt worden,
allein statt dessen wurden um diese Zeit vielmehr die Arbeiten an der
Aushebung des Beckens gänzlich eingestellt. Der Artillerie=Officier welcher
zur Aufwerfung von Strandbatterien nach Wilhelmshafen geschickt worden
war, nahm dem Hafenbaudirector die Leute weg, und dieser hielt sich nicht
für ermächtigt oder befähigt anderswoher den Ausfall zu ergänzen. So
geschah es unglaublicherweise daß bis zum October hin diese wichtige und
höchst dringliche Arbeit, anstatt auf alle Art beschleunigt zu werden, um-
gekehrt gänzlich still stand. Das Marine=Commando scheint bei dem be-
stehenden und bekanntlich in Preußen sehr streng innegehaltenen Ressort-
Verhältniß nicht in der Lage gewesen zu sein hierauf unmittelbar einzu-
wirken; auch hatte es zeitweilig wenigstens wohl mit den Maßregeln zur
Abwehr des Feindes, gegen welchen man auf der Außenrhede bereit lag,
alle Hände und alle Augen voll zu thun. Als man später im Herbst die
erreichte Hafentiefe prüfte, fand man erst 17 Fuß. Der „König Wilhelm“
geht aber 27 Fuß tief, der „Kronprinz“ und der „Prinz Friedrich Karl“
nur einige Fuß minder tief. Die letztern beiden konnten nicht vor der

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[0001] Allgemeine Zeitung. Nr. 71. Augsburg, Sonntag, 12 März 1871. Verlag der J. G. Cotta' schen Buchhandlung. Für die Redaction verantwortlich: Dr. J. v. Gosen. Preis der einzelnen Nummer mit Beilage 6 kr. oder 2 Ngr. für ganz Deutschland. Uebersicht. Der Kriegshafen an der Jade. Deutsches Reich. München: Se. Maj. der König. Dementi. Karlsruhe: Rückkehr des Großherzogs. Darmstadt: Die preußisch- hessische Militärconvention. Berlin: Ankunft des Grafen Bismarck. Hr. v. Roon. Verkehrsmaßnahmen. Freiwillige Constabler. Der Kaiser. Friedensfeier. Zurückbeförderung der Kriegsgefangenen. Die Reichs- tagswahlen. Oesterreichisch=ungarische Monarchie. Wien: Oesterreich in Ostasien. Das Verbot der Friedensfeste. Das Ministerium Hohenwart als Staatsretter und seine Feinde. Absolutismus und Freiheit. Maßrege- lung der Presse. Die Transaction der Landtage mit dem Reichsrath. Das Ministerium und die deutsche Politik. Erhöhung des Standes der Cavallerie. Die erwarteten Regierungsvorlagen. Großbritannien. Hr. O. Russell. Sir John Coleridge über den deutschen Krieg. Frankreich. Eine Verlustliste. Zu den Friedensverhandlungen. Abreise des Kaisers aus Versailles. General Cremer. Die Generale Lefl ô und Ducrot. Aus der Nationalversammlung. Eine Broschüre Gambetta's. Niederland. Haag: Privateigenthum in Kriegszeiten und Kriegscontre- bande. Küste von Guinea. Spanien. Madrid: Die verschiedenen Oppositionen. Einsame Stellung des Königs. Deutscher Gesandter. Jtalien. Florenz: Der tunisische Handel. Die Conventionen mit Oesterreich. Die militärische Frage. Verschiedenes. Jndustrie, Handel und Verkehr._ Neueste Posten. Bordeaux: Decrete. Aus der Nationalversamm- lung. Lille: Der Strike in Roubaix. Madrid: Wahlen. Florenz: Die Königin von Spanien. Aus der Kammer. Außerordeutliche Beilage. Nr. 40. Telegraphische Berichte. * London, 10 März. Unterhaus. Auf eine Jnterpellation Otway's antwortet Lord Enfield: die englische Regierung habe, nachdem sie von den Wünschen Frankreichs benachrichtigt worden, am 24 Februar eine ent- sprechende Depesche an Lord Loftus gerichtet, und dieselbe dem Grafen Bernstorff mit der Bitte mitgetheilt ihren Jnhalt an Graf Bismarck zu telegraphiren. Lord Enfield glaubt, Bismarck dürfte das Anerbieten der guten Dienste Englands am Morgen des 25 Februar erhalten haben. Bisher habe die brittische Regierung keine officielle Antwort erhalten. Am 24 Februar Abends wurde der Jnhalt der erwähnten Depesche an Russell telegraphirt, derselbe erhielt das Telegramm am 25 Februar Abends. ( * ) Paris, 10 März. Das „J. des Débats “ erklärt: Wenn die exaltirten Gemüther taub bleiben gegen die weisen Rathschläge des gestri- gen Artikels der „Amtszeitung,“ so hoffen wir die Regierung werde endlich begreifen daß die Stunde der Thätigkeit gekommen ist, und daß sie den Gene- ral Aurelles anweisen wird die Ruhe wiederherzustellen. Dasselbe Blatt constatirt daß gestern im Comit é der Jnsurgenten des Montmartre nur mühsam eine genügende Anzahl Nationalgarden zur Bewachung der Kano- nen sich gefunden habe. * Paris, 10 März. General Aurelles de Paladine empfieng gestern die Commandanten der Nationalgarde von Belleville, er betonte neuerdings seine republicanischen Gesinnungen. Der Commandant schien in hohem Grade befriedigt. Vom Montmartre nichts neues. * Bordeaux, 10 März. Eine Verordnung der Regierung befiehlt die sofortige Entlassung: 1 ) der durch Gesetz vom 10 Aug. 1870 in die Armee Einverleibten; 2 ) der mobilisirten Nationalgarden, welche als ehe- malige Soldaten der activen Armee einverleibt wurden; 3 ) der auf Kriegs- dauer Engagirten; 4 ) der Altersclasse 1863. Der Befehl zur Ausfüh- rung wurde noch denselben Tag den Militärbehörden zugestellt. * Bordeaux, 10 März. Jn der heutigen Sitzung der National versammlung wurde der Gesetzentwurf betreffend die Verlängerung der Wechselverfallfrist verhandelt. Sämmtliche Artikel des Gesetzentwurfs wurden angenommen, die Amendements verworfen. Rochefort ist gefähr- lich an der Kopfrose erkrankt. General Changarniers Zustand ist Besorgniß erregend. * Brüssel, 10 März. Die „Etoile Belge“ meldet aus Paris: Die französische Regierung hat von einem bedeutenden Aufstand in Alge- rien Kenntniß erhalten. Ein Zuavenregiment wurde abgesandt um die Ordnung wiederherzustellen. * Frankfurt a. M., 10 März. Abend=Effectensocietät: 1882er Amerikaner 96 1 / 2; 1885er --; Silberrente --; 1860er L. --; 1864er L. --; Credit- actien 246; Lombarden165 3 / 4; Staatsbahn 369; Galizier239 3 / 4; 3proc. span. ausl. Schuld29 5 / 8. Tendenz: still nur Galizier lebhaft. ( * ) Wien, 10 März. Die Anglo=Austrian Bank hat eine Subscriptions- kundmachung für die am 16 März stattfindende _________Zeichnung von je 31,000_ Actien und Prioritäten der Prag=Duxer Eisenbahn veröffentlicht. Der Nominalpreis für beide ist 150 Gulden österr. Silber. Der Emissionspreis für die Actien ist 66 Procent gleich 99 Gulden; derjenige für die Prioritäten 71 Procent gleich 106 1 / 2 Gulden. ( S. Jnserat in der Außerord. Beil. ) * Wien, 10 März. Abend=Privatverkehr: Creditactien 260.80>; 1860er L. 96; 1864er L. 122 80: Staatsbahn 393; Lombarden 173 80: Rapoleons 9.90 1 / 2; Papierrente 58.40; Franco=Austrian 105; Anglo=Austrian 232 50. Stürmische Haussee. ( * ) Triest, 10 März. Der Lloydampfer „ _____Besta “ ist mit der ostindisch- chinesischen Post heute_ 1 3 / 4 Uhr Nachts hier angelangt. ⁑ Pest, 10 März. Productenmarkt. Getrei_ de unbelebt. Weizen effectiv Preis fest, guter Umsatz. Korn matter, übrige Getreidesorten geschäftslos. Ter- mine schwach gehandelt. * London, 10 März. Schlußcurse: 3proc. Consols91 11 / 16; 1882er Amerikaner91 3 / 4; Türken 42 3 / 8. ⁑ Liverpool, 10_ März. Baumwollenbericht. Tagesumsatz 10,000 B, zur Ausfuhr verkauft 2000 B. Stimmung schwach. Orleans7 3 / 8, Middling7 1 / 8, fair Dhollerah5 7 / 8, middl. fair Dhollerah5 1 / 8, good middl. Dhollerah4 1 / 2, fair Bengal5 3 / 8, fair Oomra6 1 / 4, good fair Oomra6 3 / 8, Pernam7 5 / 8,_ Smyrne 7, Egyptian 3_ 3 / 4. Tagesimport 47,000 B., davon 6000 B. indische, amerikanische 39,000 B. * Paris, 9 März. Schlußcurse: 3proc. Rente 51; österr.=franz. Staats- bahn 780; Lombarden 352.50; 5proc. ital. Anl. 53.65. * New=York, 9 März. Goldagio111 1 / 8; Wechsel in Gold109 3 / 4; 1882er Bonds112 1 / 2; 1885er112 1 / 8; 1904er109 1 / 4; Baumwolle14 7 / 8; Petro- leum in Philadelphia 24 1 / 2. Der Kriegshafen an der Jade. sym3 Der Kriegshafen an der Jade, seit sechzehn Jahren im Bau und vor bald zwei Jahren bereits durch König Wilhelm feierlich eröffnet, war trotzdem beim Ausbruch des Kriegs noch leineswegs fertig. Jm Reichstag war seine Vollendung allerdings auf den 1 Juli v. J. angekündigt worden, allein statt dessen wurden um diese Zeit vielmehr die Arbeiten an der Aushebung des Beckens gänzlich eingestellt. Der Artillerie=Officier welcher zur Aufwerfung von Strandbatterien nach Wilhelmshafen geschickt worden war, nahm dem Hafenbaudirector die Leute weg, und dieser hielt sich nicht für ermächtigt oder befähigt anderswoher den Ausfall zu ergänzen. So geschah es unglaublicherweise daß bis zum October hin diese wichtige und höchst dringliche Arbeit, anstatt auf alle Art beschleunigt zu werden, um- gekehrt gänzlich still stand. Das Marine=Commando scheint bei dem be- stehenden und bekanntlich in Preußen sehr streng innegehaltenen Ressort- Verhältniß nicht in der Lage gewesen zu sein hierauf unmittelbar einzu- wirken; auch hatte es zeitweilig wenigstens wohl mit den Maßregeln zur Abwehr des Feindes, gegen welchen man auf der Außenrhede bereit lag, alle Hände und alle Augen voll zu thun. Als man später im Herbst die erreichte Hafentiefe prüfte, fand man erst 17 Fuß. Der „König Wilhelm“ geht aber 27 Fuß tief, der „Kronprinz“ und der „Prinz Friedrich Karl“ nur einige Fuß minder tief. Die letztern beiden konnten nicht vor der

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  • rundes r (ꝛ): als r/et transkribiert.
  • Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert.
  • Vollständigkeit: vollständig erfasst.
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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 71. Augsburg (Bayern), 12. März 1871, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_augsburg71_1871/1>, abgerufen am 16.02.2019.