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Allgemeine Zeitung. Nr. 61. Augsburg (Bayern), 2. März 1871.

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Circulardepesche des Grafen Bismarck vom 17 Febr. 1871.

Berlin, 27 Febr. Der "St.=Anz." ist in den Stand gesetzt die
folgende Circulardepesche des Kanzlers Grafen v. Bismarck zu veröffent-
lichen:

Versailles, 17 Febr. 1871. Seit Erlaß meines Circulars vom
9 v. M. über die völkerrechtswidrige Kriegführung der Franzosen sind von
den Militärbehörden und von anderer Seite neue Fälle zu meiner Kennt-
niß gebracht worden.

Jn dem Gefechte bei Le Mans am 11 Januar sind nach dem Bericht
des Generals v. Kraatz=Koschlau von dem Feinde mehrfach Sprenggeschosse
aus Handfeuerwaffen angewendet worden. Eine gleiche Anzeige ist dem
General v. Tresckow über die Gefechte bei Montbeliard in der zweiten
Hälfte des verflossenen Monats zugegangen. Jn Betreff beider Vorgänge
sind gerichtliche Erhebungen im Gange. Daß bei dem Ausfall aus Paris
am 19 Januar mehrere Verwundungen deutscher Truppen durch kleine
Sprengkugeln vorgekommen sind, wird durch eine Anzeige des General-
arztes der dritten Armee bescheinigt, und welche Wirkungen diese Geschosse
in einem bestimmten Falle gehabt haben, ist in einem Berichte des Divi-
sionsarztes der zur dritten Armee gehörigen Garde=Landwehr beschrieben.
Von beiden Schriftstücken beehre ich mich Abschrift beizufügen. Eine ähn-
liche in dem Gefecht bei St. Jean erhaltene Verwundung ist an einem
Unterofficier des oldenburgischen Jnfanterieregiments Nr. 91 durch den
Armeegeneralarzt Dr Löffler constatirt. Das Geschoß, in die Vorderseite
des Schenkels eingedrungen, hatte keine Ausgangsöffnung wie bei gewöhn-
lichen Schußcanälen hinterlassen, dagegen die innern Weichtheile und die
Hinterseite des Schenkels durch furchtbare Brandwunden zerrissen. Endlich
liegt ein Beweisstück französischen Ursprungs darüber vor daß sich ver-
tragswidrige Sprenggeschosse im Besitz der Pariser Garnison befunden
haben. Nach dem Aufstandsversuche des 101. Marschregiments vor dem
Hotel de Ville am 22 Januar erließ der Maire von Paris, Jules Ferry,
eine in den Pariser Blättern abgedruckte Mittheilung an die Maires der
Arrondissements, in der es wörtlich heißt:

Die Häuser welche dem Hotel de Ville gegenüberliegen waren im vor-
aus besetzt worden, und es wurde von dort ein lebhaftes Feuer auf das
erste Stockwerk des Hotel de Ville eröffnet, welches die Spuren davon zeigt.
Es ist bemerkenswerth daß sich unter den Wurfgeschossen viele Spreng-
kugeln und kleine Bomben befanden.

Verwundungen deutscher Patrouillen durch Schrot sind an mehreren
Orten vorgekommen, und bei den Gefechten südlich von Tours, vom 19 bis
zum 24 Januar, in zwei Fällen bewaffneten Bauern Gewehre abgenommen
worden die mit gehacktem Blei geladen waren.

Auch von Verletzungen der Genfer Convention, Ermordungen und
barbarischen Verstümmelungen sind neue beklagenswerthe Beispiele zur
Anzeige gebracht worden.

Am 30 November v. J. wurde der badische Stabsarzt Dr. Klein in
Nuits, während er mit dem Verbinden Verwundeter beschäftigt war, von
feindlichen Soldaten überfallen und durch Gewehrschüsse, sowie durch Kol-
benschläge auf den Kopf getödtet. Diese von zwei unverdächtigen Zeugen
erhärtete Thatsache wird sogar durch das Zugeständniß des französischen
Generals Cremer bestätigt. Letzterer räumte dem an demselben Tage gleich-
falls bei Ausübung seines Berufs gefangen genommenen Stabsarzt Dr.
Klehe gegenüber die Erschießung des ec. Klein und zweier andern Gefan-
genen ein.

Bei Villarie, Kanton Naveil bei Vendome, wurde am 1 Januar die
Leiche eines Soldaten vom ostpreußischen Cürassierregiment Nr. 3 aufge-
funden dem laut ärztlichem Befund beide Augen aus den Höhlen geschnitten
waren. Auch aus der Gegend von Montbeliard sind ähnliche Schand-
thaten gemeldet worden, über die eine nähere Untersuchung im Gang ist.

Vielfach sind im Bereiche des vierzehnten Armeecorps Fälle vorge-
kommen daß Aerzte und Krankenwärter gefangen genommen und entweder
gar nicht, oder erst nach tagelangen Mißhandlungen verschiedener Art, als
Steinwürfen des Pöbels in den Städten durch die sie geführt wurden, und
dergleichen, wieder in Freiheit gesetzt worden sind. Einer dieser Aerzte, der
Stabsarzt Dr. Bürck, war in der Lage constatiren zu können daß dem
vorgenannten General Cremer die Bestimmungen der Genfer Convention,
seinem eigenen Zugeständnisse nach, gänzlich unbekannt waren. Einem
andern in gleicher Lage befindlichen Arzt, dem Dr. Müller, wurde von
einem französischen Major, als er seinen neutralen Charakter geltend machte,
erwiedert: Berufungen auf die Genfer Convention würden nicht respectirt.
Entsprechend dieser in der französischen Armee leider weit verbreiteten und
in die Praxis übertragenen Anschauung, ist das Personal des sechsten Feld-
lazareths des vierzehnten Armeecorps, welches beim Abzuge der deutschen
Truppen aus Dijon am 27 December v. J. mit den Kranken zurückgeblieben
war, kriegsgefangen nach Nizza und von dort nach Lourdes, Departement
der Basses=Pyrenees, geführt; es ist ferner die Freilassung eines bei dem
Ueberfalle von Fresnes St. Mames gefangen genommenen Delegirten
der freiwilligen Krankenpflege und dreier Lazarethgehülfen von dem Com-
mandanten von Besancon beharrlich verweigert, und es sind endlich nach
der Räumung von Vesoul die in dem dortigen Lazareth befindlichen schwer-
verwundeten und kranken deutschen Soldaten in Gefangenschaft geführt
worden.

Eure ec. ersuche ich ergebenst dem Hrn. Minister der auswärtigen
[Spaltenumbruch] Angelegenheiten eine Abschrift dieses Erlasses und seiner Anlage mittheilen
zu wollen. v. Bismarck.

Anlage I. St. Germain en Laye, 22 Jan. 1871. Ew. Hochwohl-
geboren mache ich, in der Voraussetzung daß höhern Orts die Mittheilung
einschlägiger Fälle gewünscht wird, hiedurch folgende Meldung:

Am 19 Januar ist der Lieutenant Barbenes vom Jnfanterieregiment
Nr. 50, welcher bei dem an diesem Tage erfolgten Ausfall durch einen
Gewehrschuß aus nächster Nähe in den rechten Oberarm verletzt worden
war, in meine Behandlung gekommen.

Der Schußcanal beginnt in der Ellenbogenbeuge am vordern Rande
des Musculus biceps mit einer sehr kleinen Oeffnung von dem Umfang eines
kleinen Fingers, läuft über die äußere Fläche des Oberarmknochens, ohne
denselben beschädigt zu haben, hinweg, und endet mit einer 3 Zoll langen
Rißwunde an dem obern Drittheile der Außenseite des Oberarms.

Die Eigenthümlichkeit der Verletzung, nämlich die ungeheuer große
Ausgangsöffnung, im Verhältniß zu der kleinen Eingangsöffnung, die
vollständige Zertrümmerung der ganzen Musculatur, sowie die umfang-
reiche Ablösung vom Knochen mit anfangs starker venöser Blutung, liefert
den deutlichen Beweis daß sie durch eine Explosionskugel zu Stande ge-
kommen sein muß. ( Gez. ) Dr. Starck, Divisionsarzt der Garde=Landwehr-
Division. An den königl. Armee=Generalarzt der III. Armee, Ritter hoher
Orden, Hrn. Dr. Boeger, Hochwohlgeboren.

Anlage II. Br. m. s. p. r. Dem königl. Obercommando der III. Armee
zur Kenntniß gehorsamst überreicht mit dem Hinzufügen daß bei dem letzten
Ausfall in mehreren Fällen derartige Verwundungen mit Zerreißungen
der Weichtheile, welche nur durch Sprenggeschosse möglich sind, beobachtet
wurden. ( gez. ) Boeger, Armee=Generalarzt der III. Armee.

Deutsches Reich.

sym5 München, 28 Febr. Der k. Feldzeugmeister Prinz Luitpold,
welcher während des ganzen Feldzugs als Bevollmächtigter Bayerns im
deutschen Hauptquartier fungirte, wird nach mehr als siebenmonatlicher
Abwesenheit bis nächsten Sonnabend hier zurückerwartet. -- Wie wir ver-
nehmen, wird eine größere Anzahl bayerischer Staatsbeamten, namentlich
auch der Justiz, in den Dienst des Reiches treten, und demnächst An-
stellungen in Elsaß=Lothringen erhalten. -- Hr. v. Arnim ist aus Rom
hier eingetroffen, und wird nächster Tage nach Berlin weiter reisen.

Karlsruhe, 25 Febr. Ueber den gegenwärtigen Stand der Can-
didaturen zum Reichstag gibt die "Bad. L. Z." folgende Uebersicht: 1.
Wahlbezirk ( Ueberlingen, Pfullendorf, Meßkirch, Stockach, Radolfzell,
Konstanz ) Abg. Eckhard ( nat.=lib. ) , Frhr. v. Bodmann ( ultram. ) ( de-
mokratisch vacant ) . 2. W.=B.: Abg. Kirsner ( nat.=lib. ) , Fürst zu Für-
stenberg
( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 3. W.=B. ( Jestetten, Waldshut,
Säckingen, St. Blasien, Schopfheim, Schönau, Neustadt ) Abg. Hebting
( nat.=lib. ) , v. Stotzingen ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 4. W.=B. ( Lör-
rach, Müllheim, Staufen, Breisach ) , Frhr. v. Roggenbach ( nat.=lib. )
( ultram. und demokr. vacant ) . 5. W.=B. ( Freiburg, Emmendingen, Wald-
kirch ) , Oberbürgermeister Fauler ( nat.=lib. Annahme noch ungewiß ) , Pro-
fessor Alban Stolz ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 6. W.=B. ( Kenzingen,
Ettenheim, Lahr, Wolfach ) Abg. Kiefer, Part. Dahmen ( ultram. ) ( de-
mokratisch vacant ) . 7. W.=B. ( Offenburg, Gengenbach, Oberkirch, Kork )
Abg. Eckhard ( nat.=lib. ) , Abg. Roßhirt ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 8.
W.=B. ( Achern, Bühl, Baden, Rastatt ) Abg. Renk ( nat.=lib. ) , Abg. Len-
der
( ultram. ) , Graf Berlichingen ( demokr., Aufstellung und Annahme
unbestimmt ) . 9. W.=B. ( Gernsbach, Ettlingen, Durlach, Pforzheim ) Fa-
bricant Dennig ( nat.=lib. ) , Notar Vogel ( ultram. ) , Rechtsanwalt Faas
( demokr. ) , Fabricant Mez ( nat.=conserv. ) . 10. W.=B. ( Karlsruhe, Bruch-
sal ) Prinz Wilhelm von Baden ( nat.=lib. und nat.=conserv. ) ( ultram.
und demokr. vacant ) . 11. W.=B. ( Mannheim, Schwetzingen, Weinheim ) ,
Abg. Lamey ( nat.=lib. ) , Abg. v. Feder ( demokr. ) ( ultram. vacant. ) 12.
W.=B. ( Heidelberg, Eberbach, Mosbach ) Abg. Kiefer ( nat.=lib. ) , Dr.
Mittermayer ( demokr. ) . 13. W.=B. ( Sinsheim, Eppingen, Bretten,
Wiesloch, Philippsburg ) Abg. Lamey ( nat.=lib. ) , Frhr. A. v. Göler
( nat.=conserv. ) ( ultram. und demokr. vacant ) . 14. W.=B. ( Buchen, Wall-
dürn, Wertheim, Tauberbischofsheim ) Dr. Herth ( nat.=lib. ) , Bischof
Ketteler von Mainz ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . Sonach hat aufgestellt
die nat.=lib. Partei 14 Bewerber, nämlich: die HH. Eckhard ( zweimal ) ,
Kirsner, Hebting, v. Roggenbach, Fauler, Kiefer ( zweimal ) , Renk, Dennig,
Prinz Wilhelm von Baden, Lamey ( zweimal ) und Herth; die national-
conservative
Partei 3 Bewerber: die HH. Mez, v. Göler und Prinz
Wilhelm ( letztern gemeinschaftlich mit den Nat.=Lib. ) ; die ultramon-
tane
Partei 8 Bewerber, nämlich: die HH. v. Bodmann, Fürst v. Für-
stenberg, Stolz, Dahmen, Roßhirt, Lender, Vogel und Bischof Ketteler;
die demokratische Partei, mit Ausnahme der noch ziemlich nebelhaften
Bewerbung des Grafen Berlichingen, 3 Bewerbungen; nämlich: die HH.
Faas, v. Feder und Mittermayer. Wir glauben übrigens daß im letzten
Augenblick, namentlich von ultramontaner Seite, noch manche Bewerbung
auftauchen wird, da die Leiter derselben entschlossen scheinen ihre Batterien
erst im letzten Augenblick zu demaskiren. Neuere Nachrichten wollen wis-
sen daß von ultramontaner Seite im 7. Wahlkreis Abg. Lender, im 8.
der Abg. Lindau aufgestellt sei.


[Spaltenumbruch]
Circulardepesche des Grafen Bismarck vom 17 Febr. 1871.

Berlin, 27 Febr. Der „St.=Anz.“ ist in den Stand gesetzt die
folgende Circulardepesche des Kanzlers Grafen v. Bismarck zu veröffent-
lichen:

Versailles, 17 Febr. 1871. Seit Erlaß meines Circulars vom
9 v. M. über die völkerrechtswidrige Kriegführung der Franzosen sind von
den Militärbehörden und von anderer Seite neue Fälle zu meiner Kennt-
niß gebracht worden.

Jn dem Gefechte bei Le Mans am 11 Januar sind nach dem Bericht
des Generals v. Kraatz=Koschlau von dem Feinde mehrfach Sprenggeschosse
aus Handfeuerwaffen angewendet worden. Eine gleiche Anzeige ist dem
General v. Tresckow über die Gefechte bei Montbéliard in der zweiten
Hälfte des verflossenen Monats zugegangen. Jn Betreff beider Vorgänge
sind gerichtliche Erhebungen im Gange. Daß bei dem Ausfall aus Paris
am 19 Januar mehrere Verwundungen deutscher Truppen durch kleine
Sprengkugeln vorgekommen sind, wird durch eine Anzeige des General-
arztes der dritten Armee bescheinigt, und welche Wirkungen diese Geschosse
in einem bestimmten Falle gehabt haben, ist in einem Berichte des Divi-
sionsarztes der zur dritten Armee gehörigen Garde=Landwehr beschrieben.
Von beiden Schriftstücken beehre ich mich Abschrift beizufügen. Eine ähn-
liche in dem Gefecht bei St. Jean erhaltene Verwundung ist an einem
Unterofficier des oldenburgischen Jnfanterieregiments Nr. 91 durch den
Armeegeneralarzt Dr Löffler constatirt. Das Geschoß, in die Vorderseite
des Schenkels eingedrungen, hatte keine Ausgangsöffnung wie bei gewöhn-
lichen Schußcanälen hinterlassen, dagegen die innern Weichtheile und die
Hinterseite des Schenkels durch furchtbare Brandwunden zerrissen. Endlich
liegt ein Beweisstück französischen Ursprungs darüber vor daß sich ver-
tragswidrige Sprenggeschosse im Besitz der Pariser Garnison befunden
haben. Nach dem Aufstandsversuche des 101. Marschregiments vor dem
Hôtel de Ville am 22 Januar erließ der Maire von Paris, Jules Ferry,
eine in den Pariser Blättern abgedruckte Mittheilung an die Maires der
Arrondissements, in der es wörtlich heißt:

Die Häuser welche dem Hôtel de Ville gegenüberliegen waren im vor-
aus besetzt worden, und es wurde von dort ein lebhaftes Feuer auf das
erste Stockwerk des Hôtel de Ville eröffnet, welches die Spuren davon zeigt.
Es ist bemerkenswerth daß sich unter den Wurfgeschossen viele Spreng-
kugeln und kleine Bomben befanden.

Verwundungen deutscher Patrouillen durch Schrot sind an mehreren
Orten vorgekommen, und bei den Gefechten südlich von Tours, vom 19 bis
zum 24 Januar, in zwei Fällen bewaffneten Bauern Gewehre abgenommen
worden die mit gehacktem Blei geladen waren.

Auch von Verletzungen der Genfer Convention, Ermordungen und
barbarischen Verstümmelungen sind neue beklagenswerthe Beispiele zur
Anzeige gebracht worden.

Am 30 November v. J. wurde der badische Stabsarzt Dr. Klein in
Nuits, während er mit dem Verbinden Verwundeter beschäftigt war, von
feindlichen Soldaten überfallen und durch Gewehrschüsse, sowie durch Kol-
benschläge auf den Kopf getödtet. Diese von zwei unverdächtigen Zeugen
erhärtete Thatsache wird sogar durch das Zugeständniß des französischen
Generals Cremer bestätigt. Letzterer räumte dem an demselben Tage gleich-
falls bei Ausübung seines Berufs gefangen genommenen Stabsarzt Dr.
Klehe gegenüber die Erschießung des ec. Klein und zweier andern Gefan-
genen ein.

Bei Villarie, Kanton Naveil bei Vendôme, wurde am 1 Januar die
Leiche eines Soldaten vom ostpreußischen Cürassierregiment Nr. 3 aufge-
funden dem laut ärztlichem Befund beide Augen aus den Höhlen geschnitten
waren. Auch aus der Gegend von Montbéliard sind ähnliche Schand-
thaten gemeldet worden, über die eine nähere Untersuchung im Gang ist.

Vielfach sind im Bereiche des vierzehnten Armeecorps Fälle vorge-
kommen daß Aerzte und Krankenwärter gefangen genommen und entweder
gar nicht, oder erst nach tagelangen Mißhandlungen verschiedener Art, als
Steinwürfen des Pöbels in den Städten durch die sie geführt wurden, und
dergleichen, wieder in Freiheit gesetzt worden sind. Einer dieser Aerzte, der
Stabsarzt Dr. Bürck, war in der Lage constatiren zu können daß dem
vorgenannten General Cremer die Bestimmungen der Genfer Convention,
seinem eigenen Zugeständnisse nach, gänzlich unbekannt waren. Einem
andern in gleicher Lage befindlichen Arzt, dem Dr. Müller, wurde von
einem französischen Major, als er seinen neutralen Charakter geltend machte,
erwiedert: Berufungen auf die Genfer Convention würden nicht respectirt.
Entsprechend dieser in der französischen Armee leider weit verbreiteten und
in die Praxis übertragenen Anschauung, ist das Personal des sechsten Feld-
lazareths des vierzehnten Armeecorps, welches beim Abzuge der deutschen
Truppen aus Dijon am 27 December v. J. mit den Kranken zurückgeblieben
war, kriegsgefangen nach Nizza und von dort nach Lourdes, Departement
der Basses=Pyrénées, geführt; es ist ferner die Freilassung eines bei dem
Ueberfalle von Fresnes St. Mamés gefangen genommenen Delegirten
der freiwilligen Krankenpflege und dreier Lazarethgehülfen von dem Com-
mandanten von Besançon beharrlich verweigert, und es sind endlich nach
der Räumung von Vésoul die in dem dortigen Lazareth befindlichen schwer-
verwundeten und kranken deutschen Soldaten in Gefangenschaft geführt
worden.

Eure ec. ersuche ich ergebenst dem Hrn. Minister der auswärtigen
[Spaltenumbruch] Angelegenheiten eine Abschrift dieses Erlasses und seiner Anlage mittheilen
zu wollen. v. Bismarck.

Anlage I. St. Germain en Laye, 22 Jan. 1871. Ew. Hochwohl-
geboren mache ich, in der Voraussetzung daß höhern Orts die Mittheilung
einschlägiger Fälle gewünscht wird, hiedurch folgende Meldung:

Am 19 Januar ist der Lieutenant Barbenés vom Jnfanterieregiment
Nr. 50, welcher bei dem an diesem Tage erfolgten Ausfall durch einen
Gewehrschuß aus nächster Nähe in den rechten Oberarm verletzt worden
war, in meine Behandlung gekommen.

Der Schußcanal beginnt in der Ellenbogenbeuge am vordern Rande
des Musculus biceps mit einer sehr kleinen Oeffnung von dem Umfang eines
kleinen Fingers, läuft über die äußere Fläche des Oberarmknochens, ohne
denselben beschädigt zu haben, hinweg, und endet mit einer 3 Zoll langen
Rißwunde an dem obern Drittheile der Außenseite des Oberarms.

Die Eigenthümlichkeit der Verletzung, nämlich die ungeheuer große
Ausgangsöffnung, im Verhältniß zu der kleinen Eingangsöffnung, die
vollständige Zertrümmerung der ganzen Musculatur, sowie die umfang-
reiche Ablösung vom Knochen mit anfangs starker venöser Blutung, liefert
den deutlichen Beweis daß sie durch eine Explosionskugel zu Stande ge-
kommen sein muß. ( Gez. ) Dr. Starck, Divisionsarzt der Garde=Landwehr-
Division. An den königl. Armee=Generalarzt der III. Armee, Ritter hoher
Orden, Hrn. Dr. Boeger, Hochwohlgeboren.

Anlage II. Br. m. s. p. r. Dem königl. Obercommando der III. Armee
zur Kenntniß gehorsamst überreicht mit dem Hinzufügen daß bei dem letzten
Ausfall in mehreren Fällen derartige Verwundungen mit Zerreißungen
der Weichtheile, welche nur durch Sprenggeschosse möglich sind, beobachtet
wurden. ( gez. ) Boeger, Armee=Generalarzt der III. Armee.

Deutsches Reich.

sym5 München, 28 Febr. Der k. Feldzeugmeister Prinz Luitpold,
welcher während des ganzen Feldzugs als Bevollmächtigter Bayerns im
deutschen Hauptquartier fungirte, wird nach mehr als siebenmonatlicher
Abwesenheit bis nächsten Sonnabend hier zurückerwartet. -- Wie wir ver-
nehmen, wird eine größere Anzahl bayerischer Staatsbeamten, namentlich
auch der Justiz, in den Dienst des Reiches treten, und demnächst An-
stellungen in Elsaß=Lothringen erhalten. -- Hr. v. Arnim ist aus Rom
hier eingetroffen, und wird nächster Tage nach Berlin weiter reisen.

Karlsruhe, 25 Febr. Ueber den gegenwärtigen Stand der Can-
didaturen zum Reichstag gibt die „Bad. L. Z.“ folgende Uebersicht: 1.
Wahlbezirk ( Ueberlingen, Pfullendorf, Meßkirch, Stockach, Radolfzell,
Konstanz ) Abg. Eckhard ( nat.=lib. ) , Frhr. v. Bodmann ( ultram. ) ( de-
mokratisch vacant ) . 2. W.=B.: Abg. Kirsner ( nat.=lib. ) , Fürst zu Für-
stenberg
( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 3. W.=B. ( Jestetten, Waldshut,
Säckingen, St. Blasien, Schopfheim, Schönau, Neustadt ) Abg. Hebting
( nat.=lib. ) , v. Stotzingen ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 4. W.=B. ( Lör-
rach, Müllheim, Staufen, Breisach ) , Frhr. v. Roggenbach ( nat.=lib. )
( ultram. und demokr. vacant ) . 5. W.=B. ( Freiburg, Emmendingen, Wald-
kirch ) , Oberbürgermeister Fauler ( nat.=lib. Annahme noch ungewiß ) , Pro-
fessor Alban Stolz ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 6. W.=B. ( Kenzingen,
Ettenheim, Lahr, Wolfach ) Abg. Kiefer, Part. Dahmen ( ultram. ) ( de-
mokratisch vacant ) . 7. W.=B. ( Offenburg, Gengenbach, Oberkirch, Kork )
Abg. Eckhard ( nat.=lib. ) , Abg. Roßhirt ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 8.
W.=B. ( Achern, Bühl, Baden, Rastatt ) Abg. Renk ( nat.=lib. ) , Abg. Len-
der
( ultram. ) , Graf Berlichingen ( demokr., Aufstellung und Annahme
unbestimmt ) . 9. W.=B. ( Gernsbach, Ettlingen, Durlach, Pforzheim ) Fa-
bricant Dennig ( nat.=lib. ) , Notar Vogel ( ultram. ) , Rechtsanwalt Faas
( demokr. ) , Fabricant Mez ( nat.=conserv. ) . 10. W.=B. ( Karlsruhe, Bruch-
sal ) Prinz Wilhelm von Baden ( nat.=lib. und nat.=conserv. ) ( ultram.
und demokr. vacant ) . 11. W.=B. ( Mannheim, Schwetzingen, Weinheim ) ,
Abg. Lamey ( nat.=lib. ) , Abg. v. Feder ( demokr. ) ( ultram. vacant. ) 12.
W.=B. ( Heidelberg, Eberbach, Mosbach ) Abg. Kiefer ( nat.=lib. ) , Dr.
Mittermayer ( demokr. ) . 13. W.=B. ( Sinsheim, Eppingen, Bretten,
Wiesloch, Philippsburg ) Abg. Lamey ( nat.=lib. ) , Frhr. A. v. Göler
( nat.=conserv. ) ( ultram. und demokr. vacant ) . 14. W.=B. ( Buchen, Wall-
dürn, Wertheim, Tauberbischofsheim ) Dr. Herth ( nat.=lib. ) , Bischof
Ketteler von Mainz ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . Sonach hat aufgestellt
die nat.=lib. Partei 14 Bewerber, nämlich: die HH. Eckhard ( zweimal ) ,
Kirsner, Hebting, v. Roggenbach, Fauler, Kiefer ( zweimal ) , Renk, Dennig,
Prinz Wilhelm von Baden, Lamey ( zweimal ) und Herth; die national-
conservative
Partei 3 Bewerber: die HH. Mez, v. Göler und Prinz
Wilhelm ( letztern gemeinschaftlich mit den Nat.=Lib. ) ; die ultramon-
tane
Partei 8 Bewerber, nämlich: die HH. v. Bodmann, Fürst v. Für-
stenberg, Stolz, Dahmen, Roßhirt, Lender, Vogel und Bischof Ketteler;
die demokratische Partei, mit Ausnahme der noch ziemlich nebelhaften
Bewerbung des Grafen Berlichingen, 3 Bewerbungen; nämlich: die HH.
Faas, v. Feder und Mittermayer. Wir glauben übrigens daß im letzten
Augenblick, namentlich von ultramontaner Seite, noch manche Bewerbung
auftauchen wird, da die Leiter derselben entschlossen scheinen ihre Batterien
erst im letzten Augenblick zu demaskiren. Neuere Nachrichten wollen wis-
sen daß von ultramontaner Seite im 7. Wahlkreis Abg. Lender, im 8.
der Abg. Lindau aufgestellt sei.


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[1023/0003] Circulardepesche des Grafen Bismarck vom 17 Febr. 1871. Berlin, 27 Febr. Der „St.=Anz.“ ist in den Stand gesetzt die folgende Circulardepesche des Kanzlers Grafen v. Bismarck zu veröffent- lichen: Versailles, 17 Febr. 1871. Seit Erlaß meines Circulars vom 9 v. M. über die völkerrechtswidrige Kriegführung der Franzosen sind von den Militärbehörden und von anderer Seite neue Fälle zu meiner Kennt- niß gebracht worden. Jn dem Gefechte bei Le Mans am 11 Januar sind nach dem Bericht des Generals v. Kraatz=Koschlau von dem Feinde mehrfach Sprenggeschosse aus Handfeuerwaffen angewendet worden. Eine gleiche Anzeige ist dem General v. Tresckow über die Gefechte bei Montbéliard in der zweiten Hälfte des verflossenen Monats zugegangen. Jn Betreff beider Vorgänge sind gerichtliche Erhebungen im Gange. Daß bei dem Ausfall aus Paris am 19 Januar mehrere Verwundungen deutscher Truppen durch kleine Sprengkugeln vorgekommen sind, wird durch eine Anzeige des General- arztes der dritten Armee bescheinigt, und welche Wirkungen diese Geschosse in einem bestimmten Falle gehabt haben, ist in einem Berichte des Divi- sionsarztes der zur dritten Armee gehörigen Garde=Landwehr beschrieben. Von beiden Schriftstücken beehre ich mich Abschrift beizufügen. Eine ähn- liche in dem Gefecht bei St. Jean erhaltene Verwundung ist an einem Unterofficier des oldenburgischen Jnfanterieregiments Nr. 91 durch den Armeegeneralarzt Dr Löffler constatirt. Das Geschoß, in die Vorderseite des Schenkels eingedrungen, hatte keine Ausgangsöffnung wie bei gewöhn- lichen Schußcanälen hinterlassen, dagegen die innern Weichtheile und die Hinterseite des Schenkels durch furchtbare Brandwunden zerrissen. Endlich liegt ein Beweisstück französischen Ursprungs darüber vor daß sich ver- tragswidrige Sprenggeschosse im Besitz der Pariser Garnison befunden haben. Nach dem Aufstandsversuche des 101. Marschregiments vor dem Hôtel de Ville am 22 Januar erließ der Maire von Paris, Jules Ferry, eine in den Pariser Blättern abgedruckte Mittheilung an die Maires der Arrondissements, in der es wörtlich heißt: Die Häuser welche dem Hôtel de Ville gegenüberliegen waren im vor- aus besetzt worden, und es wurde von dort ein lebhaftes Feuer auf das erste Stockwerk des Hôtel de Ville eröffnet, welches die Spuren davon zeigt. Es ist bemerkenswerth daß sich unter den Wurfgeschossen viele Spreng- kugeln und kleine Bomben befanden. Verwundungen deutscher Patrouillen durch Schrot sind an mehreren Orten vorgekommen, und bei den Gefechten südlich von Tours, vom 19 bis zum 24 Januar, in zwei Fällen bewaffneten Bauern Gewehre abgenommen worden die mit gehacktem Blei geladen waren. Auch von Verletzungen der Genfer Convention, Ermordungen und barbarischen Verstümmelungen sind neue beklagenswerthe Beispiele zur Anzeige gebracht worden. Am 30 November v. J. wurde der badische Stabsarzt Dr. Klein in Nuits, während er mit dem Verbinden Verwundeter beschäftigt war, von feindlichen Soldaten überfallen und durch Gewehrschüsse, sowie durch Kol- benschläge auf den Kopf getödtet. Diese von zwei unverdächtigen Zeugen erhärtete Thatsache wird sogar durch das Zugeständniß des französischen Generals Cremer bestätigt. Letzterer räumte dem an demselben Tage gleich- falls bei Ausübung seines Berufs gefangen genommenen Stabsarzt Dr. Klehe gegenüber die Erschießung des ec. Klein und zweier andern Gefan- genen ein. Bei Villarie, Kanton Naveil bei Vendôme, wurde am 1 Januar die Leiche eines Soldaten vom ostpreußischen Cürassierregiment Nr. 3 aufge- funden dem laut ärztlichem Befund beide Augen aus den Höhlen geschnitten waren. Auch aus der Gegend von Montbéliard sind ähnliche Schand- thaten gemeldet worden, über die eine nähere Untersuchung im Gang ist. Vielfach sind im Bereiche des vierzehnten Armeecorps Fälle vorge- kommen daß Aerzte und Krankenwärter gefangen genommen und entweder gar nicht, oder erst nach tagelangen Mißhandlungen verschiedener Art, als Steinwürfen des Pöbels in den Städten durch die sie geführt wurden, und dergleichen, wieder in Freiheit gesetzt worden sind. Einer dieser Aerzte, der Stabsarzt Dr. Bürck, war in der Lage constatiren zu können daß dem vorgenannten General Cremer die Bestimmungen der Genfer Convention, seinem eigenen Zugeständnisse nach, gänzlich unbekannt waren. Einem andern in gleicher Lage befindlichen Arzt, dem Dr. Müller, wurde von einem französischen Major, als er seinen neutralen Charakter geltend machte, erwiedert: Berufungen auf die Genfer Convention würden nicht respectirt. Entsprechend dieser in der französischen Armee leider weit verbreiteten und in die Praxis übertragenen Anschauung, ist das Personal des sechsten Feld- lazareths des vierzehnten Armeecorps, welches beim Abzuge der deutschen Truppen aus Dijon am 27 December v. J. mit den Kranken zurückgeblieben war, kriegsgefangen nach Nizza und von dort nach Lourdes, Departement der Basses=Pyrénées, geführt; es ist ferner die Freilassung eines bei dem Ueberfalle von Fresnes St. Mamés gefangen genommenen Delegirten der freiwilligen Krankenpflege und dreier Lazarethgehülfen von dem Com- mandanten von Besançon beharrlich verweigert, und es sind endlich nach der Räumung von Vésoul die in dem dortigen Lazareth befindlichen schwer- verwundeten und kranken deutschen Soldaten in Gefangenschaft geführt worden. Eure ec. ersuche ich ergebenst dem Hrn. Minister der auswärtigen Angelegenheiten eine Abschrift dieses Erlasses und seiner Anlage mittheilen zu wollen. v. Bismarck. Anlage I. St. Germain en Laye, 22 Jan. 1871. Ew. Hochwohl- geboren mache ich, in der Voraussetzung daß höhern Orts die Mittheilung einschlägiger Fälle gewünscht wird, hiedurch folgende Meldung: Am 19 Januar ist der Lieutenant Barbenés vom Jnfanterieregiment Nr. 50, welcher bei dem an diesem Tage erfolgten Ausfall durch einen Gewehrschuß aus nächster Nähe in den rechten Oberarm verletzt worden war, in meine Behandlung gekommen. Der Schußcanal beginnt in der Ellenbogenbeuge am vordern Rande des Musculus biceps mit einer sehr kleinen Oeffnung von dem Umfang eines kleinen Fingers, läuft über die äußere Fläche des Oberarmknochens, ohne denselben beschädigt zu haben, hinweg, und endet mit einer 3 Zoll langen Rißwunde an dem obern Drittheile der Außenseite des Oberarms. Die Eigenthümlichkeit der Verletzung, nämlich die ungeheuer große Ausgangsöffnung, im Verhältniß zu der kleinen Eingangsöffnung, die vollständige Zertrümmerung der ganzen Musculatur, sowie die umfang- reiche Ablösung vom Knochen mit anfangs starker venöser Blutung, liefert den deutlichen Beweis daß sie durch eine Explosionskugel zu Stande ge- kommen sein muß. ( Gez. ) Dr. Starck, Divisionsarzt der Garde=Landwehr- Division. An den königl. Armee=Generalarzt der III. Armee, Ritter hoher Orden, Hrn. Dr. Boeger, Hochwohlgeboren. Anlage II. Br. m. s. p. r. Dem königl. Obercommando der III. Armee zur Kenntniß gehorsamst überreicht mit dem Hinzufügen daß bei dem letzten Ausfall in mehreren Fällen derartige Verwundungen mit Zerreißungen der Weichtheile, welche nur durch Sprenggeschosse möglich sind, beobachtet wurden. ( gez. ) Boeger, Armee=Generalarzt der III. Armee. Deutsches Reich. sym5 München, 28 Febr. Der k. Feldzeugmeister Prinz Luitpold, welcher während des ganzen Feldzugs als Bevollmächtigter Bayerns im deutschen Hauptquartier fungirte, wird nach mehr als siebenmonatlicher Abwesenheit bis nächsten Sonnabend hier zurückerwartet. -- Wie wir ver- nehmen, wird eine größere Anzahl bayerischer Staatsbeamten, namentlich auch der Justiz, in den Dienst des Reiches treten, und demnächst An- stellungen in Elsaß=Lothringen erhalten. -- Hr. v. Arnim ist aus Rom hier eingetroffen, und wird nächster Tage nach Berlin weiter reisen. Karlsruhe, 25 Febr. Ueber den gegenwärtigen Stand der Can- didaturen zum Reichstag gibt die „Bad. L. Z.“ folgende Uebersicht: 1. Wahlbezirk ( Ueberlingen, Pfullendorf, Meßkirch, Stockach, Radolfzell, Konstanz ) Abg. Eckhard ( nat.=lib. ) , Frhr. v. Bodmann ( ultram. ) ( de- mokratisch vacant ) . 2. W.=B.: Abg. Kirsner ( nat.=lib. ) , Fürst zu Für- stenberg ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 3. W.=B. ( Jestetten, Waldshut, Säckingen, St. Blasien, Schopfheim, Schönau, Neustadt ) Abg. Hebting ( nat.=lib. ) , v. Stotzingen ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 4. W.=B. ( Lör- rach, Müllheim, Staufen, Breisach ) , Frhr. v. Roggenbach ( nat.=lib. ) ( ultram. und demokr. vacant ) . 5. W.=B. ( Freiburg, Emmendingen, Wald- kirch ) , Oberbürgermeister Fauler ( nat.=lib. Annahme noch ungewiß ) , Pro- fessor Alban Stolz ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 6. W.=B. ( Kenzingen, Ettenheim, Lahr, Wolfach ) Abg. Kiefer, Part. Dahmen ( ultram. ) ( de- mokratisch vacant ) . 7. W.=B. ( Offenburg, Gengenbach, Oberkirch, Kork ) Abg. Eckhard ( nat.=lib. ) , Abg. Roßhirt ( ultram. ) ( demokr. vacant ) . 8. W.=B. ( Achern, Bühl, Baden, Rastatt ) Abg. Renk ( nat.=lib. ) , Abg. Len- der ( ultram. ) , Graf Berlichingen ( demokr., Aufstellung und Annahme unbestimmt ) . 9. W.=B. 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Roggenbach, Fauler, Kiefer ( zweimal ) , Renk, Dennig, Prinz Wilhelm von Baden, Lamey ( zweimal ) und Herth; die national- conservative Partei 3 Bewerber: die HH. Mez, v. Göler und Prinz Wilhelm ( letztern gemeinschaftlich mit den Nat.=Lib. ) ; die ultramon- tane Partei 8 Bewerber, nämlich: die HH. v. Bodmann, Fürst v. Für- stenberg, Stolz, Dahmen, Roßhirt, Lender, Vogel und Bischof Ketteler; die demokratische Partei, mit Ausnahme der noch ziemlich nebelhaften Bewerbung des Grafen Berlichingen, 3 Bewerbungen; nämlich: die HH. Faas, v. Feder und Mittermayer. Wir glauben übrigens daß im letzten Augenblick, namentlich von ultramontaner Seite, noch manche Bewerbung auftauchen wird, da die Leiter derselben entschlossen scheinen ihre Batterien erst im letzten Augenblick zu demaskiren. Neuere Nachrichten wollen wis- sen daß von ultramontaner Seite im 7. Wahlkreis Abg. Lender, im 8. der Abg. Lindau aufgestellt sei.

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 61. Augsburg (Bayern), 2. März 1871, S. 1023. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_augsburg61_1871/3>, abgerufen am 23.08.2019.