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Der Arbeitgeber. Nr. 1061. Frankfurt a. M., 1. September 1877.

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[Spaltenumbruch] Mehrzahl ( ! ) der Abgeordneten wisse, um was es sich handelte". Die
Kritik dieser Verhandlungen bildet den Haupttheil des interessanten
Werkes. Angefügt sind Bemerkungen über persönliche Angelegen-
heiten, die indessen wohl nur spezielle Fachkreise interressiren wer-
den. Pieper ist einer der gründlichsten Kenner des Patentwesens.
Der Patentschutzverein hätte s. Z. wohl gethan, dessen Rathschläge
mehr zu beachten.

Wie aus Bern gemeldet wird, ist der Bundesrath mit Aus-
arbeitung eines Patentgesetzes für die Schweiz, sowie eines Mar-
ken- und Musterschutz=Gesetzes beschäftigt. Was wohl die Herren
Professoren dazu sagen werden, die vor Zeiten es für lächerlich
erklärten, wenn man von dergleichen sprach! Wer hat nun "die
Schweizer Verhältnisse besser gekannt"? Wir oder sie?

Jn Belgien ist am 1. September eine neue Verordnung
für Behandlung der Patent=Eingaben in Kraft getreten, der zufolge
künftig die Beschreibungen und Zeichnungen, erstere auf Propatia
Papier letztere auf Pauspapier oder Leinwand im Format von
34 x 21--22 cm. mit einem Rand von 4--5 cm. hergestellt
werden müssen. Reicht dieses Format nicht, so darf es verdoppelt
und verdreifacht werden; auch darf man mehrere Blätter nehmen.

* Markenschutz. Jn England werden die eingetragenen
Handelsmarken seit dem neuen Gesetze vom 13. Aug. 1875 in
einem besonderen amtlichen Blatte, dem " Trade-Marks-Journal "
bekannt gemacht. Das französische Handels=Ministerium hat nun
angeordnet, daß dieses Blatt auch den französ. Jndustriellen zu-
gänglich gemacht und aufgelegt werde: in Paris ist dies im
Conserv. des Arts & Metiers der Fall.

^ Der Verein deutscher Jngenieure dessen 18. Jahres-
Versammlung von etwas über 300 Mitgliedern besucht war, nahm
in der ersten Sitzung zunächst den Jahresbericht des Direktors
und des Herrn Prof. Ludewig über die Thätigkeit der Spezial-
vereine entgegen. Der Verein zählt jetzt 3400 Mitglieder und
hat eine Einnahme von 56,000 M. sowie ein Vermögen von
16,000 M. Bezirksvereine giebt es 25, wozu neuerdings der
von der Jahresversammlung warm begrüßte schwäbische Jngenieur-
Verein gekommen ist. Hr. Th. Peters sprach sodann über
das jetzt übliche Submissions=Verfahren, dessen Mängel
er in scharfer Weise hervorhob. Die Versammlung beschloß, an
den Reichskanzler die Bitte zu richten, einheitliche Normen für die
Ausschreibung von Lieferungen durch einen Fach=Ausschuß aus-
arbeiten zu lassen. Großes Jnteresse erregte ein Vortrag von
Dr. Volger über die Entstehung der Quellen, die er
entgegen der herrschenden Ansicht nicht von dem Regen, sondern
von dem Wassergehalt der Luft ableitete, welche letztere in die
tiefsten Schichten der Erde eindringe und dort das Wasser ablagere.
Der Regen liefere, wie Beobachtungen ergeben hätten, nur die
kleinere Menge des Wassers der Quellen und Flüsse. Der von
Franz Wirth angekündigte Vortrag über ein neues Mittel
gegen den Kesselstein
wurde auf Einladung desselben von
dem Erfinder E. Bohlig von Eisenach, selbst übernommen.
Das Mittel besteht im Wesen aus Magnesia, die merkwürdiger Weise
noch nie technisch zur Reinigung des Wassers verwendet wurde,
aber das wirksamste, einfachste und billigste Mittel dafür zu sein
scheint. Die bisherigen Erfahrungen haben ganz außerordentlich
günstige Ergebnisse geliefert.

Jn der zweiten Sitzung berichtet Prof. Grashof über die
Beschlüsse des vom Reich niedergesetzten Ausschusses zur Herstellung
abgekürzter Maß- und Gewichts=Bezeichnungen, dem er
als Vertreter des Vereins beigewohnt hatte. Die Zeichen sollen
möglichst kurz sein, aber doch nicht undeutlich, so daß 3 Buch-
staben erlaubt sind. Qcm. ( Quadrat=Centimeter ) ist deutlicher
als Qc.; ebenso Kg. besser als K. ( Kilogramm ) . Die Versamm-
lung entschied sich aber für die bisher schon übliche kürzere Be-
zeichnung K. ec. Ein Antrag betr. das Honorar für Jngenieur-
Arbeiten
rief eine anziehende Verhandlung über das Jnstitut
der Zivil=Jngenieure hervor, deren Hilfe als Spezialisten von den
Fabrikanten mehr beansprucht werden solle. Die Bemühungen für
Herstellung eines einheitlichen metrischen Schrauben=Gewindes
beschloß man als aussichtslos einzustellen. Ein Antrag von Prof.
Lincke aus Darmstadt, spezielle Fragen aufzustellen, welche in
den Bezirksvereinen vorberathen werden, wurde, um einen Anfang
damit zu machen, an letztere verwiesen. Auf Antrag des Anhalter
Bez. Vereins wurde beschlossen, eine Petition um Veranstaltung
[Spaltenumbruch] einer deutschen Jndustrie=Ausstellung im Jahre 1880 an die
Reichsregierung zu richten. Die Welt=Ausstellungen gäben kein
richtiges Bild der betreffenden Gewerbe, sie seien zum Humbug
geworden. Zum nächstjährigen Versammlungsort wurde Mün-
chen
und zum Präsidenten Direktor Euler von Kaiserslautern
gewählt.

Jn den Nebenräumen war eine kleine Ausstellung meist
neuer Erfindungen und von Plänen berühmter Werke auf die wir
zurückkommen werden.

Neue Erfindungen.

Neues aus Amerika. Barwolff in Berlin hat ein
amerikanisches Patent auf ein Verfahren genommen um Holzflächen
mittels Pappdeckelschablonen zu verzieren. Die Schablonen
werden mit Salicylsäure getränkt um ein Corrodiren der ange-
wandten Beize zu verhindern. -- Eine Rasir=Composition
von Clark in New=York besteht aus gepulvertem Bimsstein, einem
alkalinischen Salz und einem beliebigen Klebstoffe als Bindemittel.
-- Comnock in Great=Falls hat sich eine Vorrichtung an Zet-
telmaschinen
patentiren lassen, durch welche das zu zettelnde
Garn von Unreinigkeiten aller Art, Motten u. s. w. gereinigt wird.
Die Vorrichtung besteht aus einem mit Bürsten dicht besetzten
Rahmen, welcher mit diesen Bürsten an dem Kettenbaum anliegt
und die fremden Körper von dem Garn wegfegt. -- Ein Mittel
von Little in Sanford zum Waschen der Schafe besteht aus
Gastheer=Destillaten, Harzöl, ölsaurem Salz und einer Soda-
lösung. -- Paine in Newark hat sich einen neuen elektrischen
Griffel
zum Schneiden von Schablonen patentiren lassen.
Der Griffel besteht aus einer Hülse in welcher sich eine spitze Na-
del schnell auf und ab bewegt. Die Nadel erhält ihre Bewegung
durch eine mit ihm in Verbindung gebrachte elektrische Batterie.
Aehnliche elektrische Griffel sind bereits früher patentirt worden,
doch scheint der Paine'sche etwas handlicher zu sein als die
ziemlich schwerfälligen früheren. Bei einer anderen Gelegenheit
erwähnten wir bereits des mechanischen Schablonengriffels von
Dessinateur G. Henkel in Hannover. Dieser Griffel erhält
seine Bewegung durch eine elastische Schnur von einer oberhalb
befindlichen durch ein Trittbrett beweglichen Trommel. Derselbe
wird mit Hülfe eines an dem Griffelgestelle befestigten auf dem
Schablonenmaterial flach aufliegenden Ringes mit großer Sicher-
heit und Bequemlichkeit den bezüglichen Contouren nachgeführt.
Die Schablonengriffel anderer Systeme entbehren dieser Führung
und sind in Folge dessen nicht im Stande so exakte Arbeit zu
liefern wie der Henkel'sche. -- Collins in New=Orleans hat
sich eine lithographische Tinte patentiren lassen, die aus
Terpentin, Leinöl und Harz besteht. -- Lecourt & Guille-
mare
in Paris haben ein Verfahren erfunden, um conservirte
Früchte und Gemüse künstlich grün zu färben. Die-
selben bedienen sich zu diesem Zwecke anstatt der bisher gewissen-
loser Weise gebrauchten gesundheitswidrigen Kupfersalze, einer Lö-
sung von Chlorophyll, welche man den Gemüsen ec. beifügt
und diese alsdann 2 bis 15 Minuten lang einer Hitze von unge-
fähr 100° Celsius aussetzt.

Erfindungs=Patente, Marken= und Muster=Schutz, sowie die Verwerthung
neuer Erfindungen besorgt das Patent= u. Maschinen=Geschäft von Wirth & Co.
in Frankfurt a. M. Dasselbe gibt Auskunft über alle neuen Erfindungen und
liefert Beschreibung und Zeichnung derselben.

Patentliste.
Deutschland.

Nachfolgend Genannte haben Patent für die daneben angegebenen Gegen-
stände nachgesucht. Der betreffende Gegenstand ist einstweilen gegen unbefugte
Nachahmung geschützt. Die Anmeldungen erhalten in der Reihenfolge ihres
Einlaufens fortlaufende Nummern.

[Beginn Spaltensatz]
134.Schnabel & Henning,
Bruchsal. Signalvorrichtung f.
Eisenbahnen.
167. Martikke & Siegel, Schöne-
beck. Rübenbreipresse.
172. Reisert, Cöln. Waage.
201. Daelen, Heerd. Presse für
Metalle.
332. Rompf. Lahnstein. Futter-
neidmaschine.
364.Maack, Cöln. Expansionsvor-
richtung f. Dampfmaschinen.
368. Thiele, Oschatz. Nähmaschine.
384. Dufour, Niederburbach.
Weberkamm.
424. Paucksch, Landsberg. Knochen-
kohlen=Waschmaschine.
425. Paucksch, Landsberg. Knochen-
kohlen=Glühofen.
428. Meyer, Aertzen. Mähmaschine.

[Spaltenumbruch] Mehrzahl ( ! ) der Abgeordneten wisse, um was es sich handelte“. Die
Kritik dieser Verhandlungen bildet den Haupttheil des interessanten
Werkes. Angefügt sind Bemerkungen über persönliche Angelegen-
heiten, die indessen wohl nur spezielle Fachkreise interressiren wer-
den. Pieper ist einer der gründlichsten Kenner des Patentwesens.
Der Patentschutzverein hätte s. Z. wohl gethan, dessen Rathschläge
mehr zu beachten.

Wie aus Bern gemeldet wird, ist der Bundesrath mit Aus-
arbeitung eines Patentgesetzes für die Schweiz, sowie eines Mar-
ken- und Musterschutz=Gesetzes beschäftigt. Was wohl die Herren
Professoren dazu sagen werden, die vor Zeiten es für lächerlich
erklärten, wenn man von dergleichen sprach! Wer hat nun „die
Schweizer Verhältnisse besser gekannt“? Wir oder sie?

Jn Belgien ist am 1. September eine neue Verordnung
für Behandlung der Patent=Eingaben in Kraft getreten, der zufolge
künftig die Beschreibungen und Zeichnungen, erstere auf Propatia
Papier letztere auf Pauspapier oder Leinwand im Format von
34 × 21--22 cm. mit einem Rand von 4--5 cm. hergestellt
werden müssen. Reicht dieses Format nicht, so darf es verdoppelt
und verdreifacht werden; auch darf man mehrere Blätter nehmen.

* Markenschutz. Jn England werden die eingetragenen
Handelsmarken seit dem neuen Gesetze vom 13. Aug. 1875 in
einem besonderen amtlichen Blatte, dem „ Trade-Marks-Journal
bekannt gemacht. Das französische Handels=Ministerium hat nun
angeordnet, daß dieses Blatt auch den französ. Jndustriellen zu-
gänglich gemacht und aufgelegt werde: in Paris ist dies im
Conserv. des Arts & Métiers der Fall.

△ Der Verein deutscher Jngenieure dessen 18. Jahres-
Versammlung von etwas über 300 Mitgliedern besucht war, nahm
in der ersten Sitzung zunächst den Jahresbericht des Direktors
und des Herrn Prof. Ludewig über die Thätigkeit der Spezial-
vereine entgegen. Der Verein zählt jetzt 3400 Mitglieder und
hat eine Einnahme von 56,000 M. sowie ein Vermögen von
16,000 M. Bezirksvereine giebt es 25, wozu neuerdings der
von der Jahresversammlung warm begrüßte schwäbische Jngenieur-
Verein gekommen ist. Hr. Th. Peters sprach sodann über
das jetzt übliche Submissions=Verfahren, dessen Mängel
er in scharfer Weise hervorhob. Die Versammlung beschloß, an
den Reichskanzler die Bitte zu richten, einheitliche Normen für die
Ausschreibung von Lieferungen durch einen Fach=Ausschuß aus-
arbeiten zu lassen. Großes Jnteresse erregte ein Vortrag von
Dr. Volger über die Entstehung der Quellen, die er
entgegen der herrschenden Ansicht nicht von dem Regen, sondern
von dem Wassergehalt der Luft ableitete, welche letztere in die
tiefsten Schichten der Erde eindringe und dort das Wasser ablagere.
Der Regen liefere, wie Beobachtungen ergeben hätten, nur die
kleinere Menge des Wassers der Quellen und Flüsse. Der von
Franz Wirth angekündigte Vortrag über ein neues Mittel
gegen den Kesselstein
wurde auf Einladung desselben von
dem Erfinder E. Bohlig von Eisenach, selbst übernommen.
Das Mittel besteht im Wesen aus Magnesia, die merkwürdiger Weise
noch nie technisch zur Reinigung des Wassers verwendet wurde,
aber das wirksamste, einfachste und billigste Mittel dafür zu sein
scheint. Die bisherigen Erfahrungen haben ganz außerordentlich
günstige Ergebnisse geliefert.

Jn der zweiten Sitzung berichtet Prof. Grashof über die
Beschlüsse des vom Reich niedergesetzten Ausschusses zur Herstellung
abgekürzter Maß- und Gewichts=Bezeichnungen, dem er
als Vertreter des Vereins beigewohnt hatte. Die Zeichen sollen
möglichst kurz sein, aber doch nicht undeutlich, so daß 3 Buch-
staben erlaubt sind. Qcm. ( Quadrat=Centimeter ) ist deutlicher
als Qc.; ebenso Kg. besser als K. ( Kilogramm ) . Die Versamm-
lung entschied sich aber für die bisher schon übliche kürzere Be-
zeichnung K. ec. Ein Antrag betr. das Honorar für Jngenieur-
Arbeiten
rief eine anziehende Verhandlung über das Jnstitut
der Zivil=Jngenieure hervor, deren Hilfe als Spezialisten von den
Fabrikanten mehr beansprucht werden solle. Die Bemühungen für
Herstellung eines einheitlichen metrischen Schrauben=Gewindes
beschloß man als aussichtslos einzustellen. Ein Antrag von Prof.
Lincke aus Darmstadt, spezielle Fragen aufzustellen, welche in
den Bezirksvereinen vorberathen werden, wurde, um einen Anfang
damit zu machen, an letztere verwiesen. Auf Antrag des Anhalter
Bez. Vereins wurde beschlossen, eine Petition um Veranstaltung
[Spaltenumbruch] einer deutschen Jndustrie=Ausstellung im Jahre 1880 an die
Reichsregierung zu richten. Die Welt=Ausstellungen gäben kein
richtiges Bild der betreffenden Gewerbe, sie seien zum Humbug
geworden. Zum nächstjährigen Versammlungsort wurde Mün-
chen
und zum Präsidenten Direktor Euler von Kaiserslautern
gewählt.

Jn den Nebenräumen war eine kleine Ausstellung meist
neuer Erfindungen und von Plänen berühmter Werke auf die wir
zurückkommen werden.

Neue Erfindungen.

Neues aus Amerika. Barwolff in Berlin hat ein
amerikanisches Patent auf ein Verfahren genommen um Holzflächen
mittels Pappdeckelschablonen zu verzieren. Die Schablonen
werden mit Salicylsäure getränkt um ein Corrodiren der ange-
wandten Beize zu verhindern. -- Eine Rasir=Composition
von Clark in New=York besteht aus gepulvertem Bimsstein, einem
alkalinischen Salz und einem beliebigen Klebstoffe als Bindemittel.
-- Comnock in Great=Falls hat sich eine Vorrichtung an Zet-
telmaschinen
patentiren lassen, durch welche das zu zettelnde
Garn von Unreinigkeiten aller Art, Motten u. s. w. gereinigt wird.
Die Vorrichtung besteht aus einem mit Bürsten dicht besetzten
Rahmen, welcher mit diesen Bürsten an dem Kettenbaum anliegt
und die fremden Körper von dem Garn wegfegt. -- Ein Mittel
von Little in Sanford zum Waschen der Schafe besteht aus
Gastheer=Destillaten, Harzöl, ölsaurem Salz und einer Soda-
lösung. -- Paine in Newark hat sich einen neuen elektrischen
Griffel
zum Schneiden von Schablonen patentiren lassen.
Der Griffel besteht aus einer Hülse in welcher sich eine spitze Na-
del schnell auf und ab bewegt. Die Nadel erhält ihre Bewegung
durch eine mit ihm in Verbindung gebrachte elektrische Batterie.
Aehnliche elektrische Griffel sind bereits früher patentirt worden,
doch scheint der Paine'sche etwas handlicher zu sein als die
ziemlich schwerfälligen früheren. Bei einer anderen Gelegenheit
erwähnten wir bereits des mechanischen Schablonengriffels von
Dessinateur G. Henkel in Hannover. Dieser Griffel erhält
seine Bewegung durch eine elastische Schnur von einer oberhalb
befindlichen durch ein Trittbrett beweglichen Trommel. Derselbe
wird mit Hülfe eines an dem Griffelgestelle befestigten auf dem
Schablonenmaterial flach aufliegenden Ringes mit großer Sicher-
heit und Bequemlichkeit den bezüglichen Contouren nachgeführt.
Die Schablonengriffel anderer Systeme entbehren dieser Führung
und sind in Folge dessen nicht im Stande so exakte Arbeit zu
liefern wie der Henkel'sche. -- Collins in New=Orleans hat
sich eine lithographische Tinte patentiren lassen, die aus
Terpentin, Leinöl und Harz besteht. -- Lecourt & Guille-
mare
in Paris haben ein Verfahren erfunden, um conservirte
Früchte und Gemüse künstlich grün zu färben. Die-
selben bedienen sich zu diesem Zwecke anstatt der bisher gewissen-
loser Weise gebrauchten gesundheitswidrigen Kupfersalze, einer Lö-
sung von Chlorophyll, welche man den Gemüsen ec. beifügt
und diese alsdann 2 bis 15 Minuten lang einer Hitze von unge-
fähr 100° Celsius aussetzt.

Erfindungs=Patente, Marken= und Muster=Schutz, sowie die Verwerthung
neuer Erfindungen besorgt das Patent= u. Maschinen=Geschäft von Wirth & Co.
in Frankfurt a. M. Dasselbe gibt Auskunft über alle neuen Erfindungen und
liefert Beschreibung und Zeichnung derselben.

Patentliste.
Deutschland.

Nachfolgend Genannte haben Patent für die daneben angegebenen Gegen-
stände nachgesucht. Der betreffende Gegenstand ist einstweilen gegen unbefugte
Nachahmung geschützt. Die Anmeldungen erhalten in der Reihenfolge ihres
Einlaufens fortlaufende Nummern.

[Beginn Spaltensatz]
134.Schnabel & Henning,
Bruchsal. Signalvorrichtung f.
Eisenbahnen.
167. Martikke & Siegel, Schöne-
beck. Rübenbreipresse.
172. Reisert, Cöln. Waage.
201. Daelen, Heerd. Presse für
Metalle.
332. Rompf. Lahnstein. Futter-
neidmaschine.
364.Maack, Cöln. Expansionsvor-
richtung f. Dampfmaschinen.
368. Thiele, Oschatz. Nähmaschine.
384. Dufour, Niederburbach.
Weberkamm.
424. Paucksch, Landsberg. Knochen-
kohlen=Waschmaschine.
425. Paucksch, Landsberg. Knochen-
kohlen=Glühofen.
428. Meyer, Aertzen. Mähmaschine.
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[0004] Mehrzahl ( ! ) der Abgeordneten wisse, um was es sich handelte“. Die Kritik dieser Verhandlungen bildet den Haupttheil des interessanten Werkes. Angefügt sind Bemerkungen über persönliche Angelegen- heiten, die indessen wohl nur spezielle Fachkreise interressiren wer- den. Pieper ist einer der gründlichsten Kenner des Patentwesens. Der Patentschutzverein hätte s. Z. wohl gethan, dessen Rathschläge mehr zu beachten. Wie aus Bern gemeldet wird, ist der Bundesrath mit Aus- arbeitung eines Patentgesetzes für die Schweiz, sowie eines Mar- ken- und Musterschutz=Gesetzes beschäftigt. Was wohl die Herren Professoren dazu sagen werden, die vor Zeiten es für lächerlich erklärten, wenn man von dergleichen sprach! Wer hat nun „die Schweizer Verhältnisse besser gekannt“? Wir oder sie? Jn Belgien ist am 1. September eine neue Verordnung für Behandlung der Patent=Eingaben in Kraft getreten, der zufolge künftig die Beschreibungen und Zeichnungen, erstere auf Propatia Papier letztere auf Pauspapier oder Leinwand im Format von 34 × 21--22 cm. mit einem Rand von 4--5 cm. hergestellt werden müssen. Reicht dieses Format nicht, so darf es verdoppelt und verdreifacht werden; auch darf man mehrere Blätter nehmen. * Markenschutz. Jn England werden die eingetragenen Handelsmarken seit dem neuen Gesetze vom 13. Aug. 1875 in einem besonderen amtlichen Blatte, dem „ Trade-Marks-Journal “ bekannt gemacht. Das französische Handels=Ministerium hat nun angeordnet, daß dieses Blatt auch den französ. Jndustriellen zu- gänglich gemacht und aufgelegt werde: in Paris ist dies im Conserv. des Arts & Métiers der Fall. △ Der Verein deutscher Jngenieure dessen 18. Jahres- Versammlung von etwas über 300 Mitgliedern besucht war, nahm in der ersten Sitzung zunächst den Jahresbericht des Direktors und des Herrn Prof. Ludewig über die Thätigkeit der Spezial- vereine entgegen. Der Verein zählt jetzt 3400 Mitglieder und hat eine Einnahme von 56,000 M. sowie ein Vermögen von 16,000 M. Bezirksvereine giebt es 25, wozu neuerdings der von der Jahresversammlung warm begrüßte schwäbische Jngenieur- Verein gekommen ist. Hr. Th. Peters sprach sodann über das jetzt übliche Submissions=Verfahren, dessen Mängel er in scharfer Weise hervorhob. Die Versammlung beschloß, an den Reichskanzler die Bitte zu richten, einheitliche Normen für die Ausschreibung von Lieferungen durch einen Fach=Ausschuß aus- arbeiten zu lassen. Großes Jnteresse erregte ein Vortrag von Dr. Volger über die Entstehung der Quellen, die er entgegen der herrschenden Ansicht nicht von dem Regen, sondern von dem Wassergehalt der Luft ableitete, welche letztere in die tiefsten Schichten der Erde eindringe und dort das Wasser ablagere. Der Regen liefere, wie Beobachtungen ergeben hätten, nur die kleinere Menge des Wassers der Quellen und Flüsse. Der von Franz Wirth angekündigte Vortrag über ein neues Mittel gegen den Kesselstein wurde auf Einladung desselben von dem Erfinder E. Bohlig von Eisenach, selbst übernommen. Das Mittel besteht im Wesen aus Magnesia, die merkwürdiger Weise noch nie technisch zur Reinigung des Wassers verwendet wurde, aber das wirksamste, einfachste und billigste Mittel dafür zu sein scheint. Die bisherigen Erfahrungen haben ganz außerordentlich günstige Ergebnisse geliefert. Jn der zweiten Sitzung berichtet Prof. Grashof über die Beschlüsse des vom Reich niedergesetzten Ausschusses zur Herstellung abgekürzter Maß- und Gewichts=Bezeichnungen, dem er als Vertreter des Vereins beigewohnt hatte. Die Zeichen sollen möglichst kurz sein, aber doch nicht undeutlich, so daß 3 Buch- staben erlaubt sind. Qcm. ( Quadrat=Centimeter ) ist deutlicher als Qc.; ebenso Kg. besser als K. ( Kilogramm ) . Die Versamm- lung entschied sich aber für die bisher schon übliche kürzere Be- zeichnung K. ec. Ein Antrag betr. das Honorar für Jngenieur- Arbeiten rief eine anziehende Verhandlung über das Jnstitut der Zivil=Jngenieure hervor, deren Hilfe als Spezialisten von den Fabrikanten mehr beansprucht werden solle. Die Bemühungen für Herstellung eines einheitlichen metrischen Schrauben=Gewindes beschloß man als aussichtslos einzustellen. Ein Antrag von Prof. Lincke aus Darmstadt, spezielle Fragen aufzustellen, welche in den Bezirksvereinen vorberathen werden, wurde, um einen Anfang damit zu machen, an letztere verwiesen. Auf Antrag des Anhalter Bez. Vereins wurde beschlossen, eine Petition um Veranstaltung einer deutschen Jndustrie=Ausstellung im Jahre 1880 an die Reichsregierung zu richten. Die Welt=Ausstellungen gäben kein richtiges Bild der betreffenden Gewerbe, sie seien zum Humbug geworden. Zum nächstjährigen Versammlungsort wurde Mün- chen und zum Präsidenten Direktor Euler von Kaiserslautern gewählt. Jn den Nebenräumen war eine kleine Ausstellung meist neuer Erfindungen und von Plänen berühmter Werke auf die wir zurückkommen werden. Neue Erfindungen. Neues aus Amerika. Barwolff in Berlin hat ein amerikanisches Patent auf ein Verfahren genommen um Holzflächen mittels Pappdeckelschablonen zu verzieren. Die Schablonen werden mit Salicylsäure getränkt um ein Corrodiren der ange- wandten Beize zu verhindern. -- Eine Rasir=Composition von Clark in New=York besteht aus gepulvertem Bimsstein, einem alkalinischen Salz und einem beliebigen Klebstoffe als Bindemittel. -- Comnock in Great=Falls hat sich eine Vorrichtung an Zet- telmaschinen patentiren lassen, durch welche das zu zettelnde Garn von Unreinigkeiten aller Art, Motten u. s. w. gereinigt wird. Die Vorrichtung besteht aus einem mit Bürsten dicht besetzten Rahmen, welcher mit diesen Bürsten an dem Kettenbaum anliegt und die fremden Körper von dem Garn wegfegt. -- Ein Mittel von Little in Sanford zum Waschen der Schafe besteht aus Gastheer=Destillaten, Harzöl, ölsaurem Salz und einer Soda- lösung. -- Paine in Newark hat sich einen neuen elektrischen Griffel zum Schneiden von Schablonen patentiren lassen. Der Griffel besteht aus einer Hülse in welcher sich eine spitze Na- del schnell auf und ab bewegt. Die Nadel erhält ihre Bewegung durch eine mit ihm in Verbindung gebrachte elektrische Batterie. Aehnliche elektrische Griffel sind bereits früher patentirt worden, doch scheint der Paine'sche etwas handlicher zu sein als die ziemlich schwerfälligen früheren. Bei einer anderen Gelegenheit erwähnten wir bereits des mechanischen Schablonengriffels von Dessinateur G. Henkel in Hannover. Dieser Griffel erhält seine Bewegung durch eine elastische Schnur von einer oberhalb befindlichen durch ein Trittbrett beweglichen Trommel. Derselbe wird mit Hülfe eines an dem Griffelgestelle befestigten auf dem Schablonenmaterial flach aufliegenden Ringes mit großer Sicher- heit und Bequemlichkeit den bezüglichen Contouren nachgeführt. Die Schablonengriffel anderer Systeme entbehren dieser Führung und sind in Folge dessen nicht im Stande so exakte Arbeit zu liefern wie der Henkel'sche. -- Collins in New=Orleans hat sich eine lithographische Tinte patentiren lassen, die aus Terpentin, Leinöl und Harz besteht. -- Lecourt & Guille- mare in Paris haben ein Verfahren erfunden, um conservirte Früchte und Gemüse künstlich grün zu färben. Die- selben bedienen sich zu diesem Zwecke anstatt der bisher gewissen- loser Weise gebrauchten gesundheitswidrigen Kupfersalze, einer Lö- sung von Chlorophyll, welche man den Gemüsen ec. beifügt und diese alsdann 2 bis 15 Minuten lang einer Hitze von unge- fähr 100° Celsius aussetzt. Erfindungs=Patente, Marken= und Muster=Schutz, sowie die Verwerthung neuer Erfindungen besorgt das Patent= u. Maschinen=Geschäft von Wirth & Co. in Frankfurt a. M. Dasselbe gibt Auskunft über alle neuen Erfindungen und liefert Beschreibung und Zeichnung derselben. Patentliste. Deutschland. Nachfolgend Genannte haben Patent für die daneben angegebenen Gegen- stände nachgesucht. Der betreffende Gegenstand ist einstweilen gegen unbefugte Nachahmung geschützt. Die Anmeldungen erhalten in der Reihenfolge ihres Einlaufens fortlaufende Nummern. 134. Schnabel & Henning, Bruchsal. Signalvorrichtung f. Eisenbahnen. 167. Martikke & Siegel, Schöne- beck. Rübenbreipresse. 172. Reisert, Cöln. Waage. 201. Daelen, Heerd. Presse für Metalle. 332. Rompf. Lahnstein. Futter- neidmaschine. 364. Maack, Cöln. Expansionsvor- richtung f. Dampfmaschinen. 368. Thiele, Oschatz. Nähmaschine. 384. Dufour, Niederburbach. Weberkamm. 424. Paucksch, Landsberg. Knochen- kohlen=Waschmaschine. 425. Paucksch, Landsberg. Knochen- kohlen=Glühofen. 428. Meyer, Aertzen. Mähmaschine.

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Zitationshilfe: Der Arbeitgeber. Nr. 1061. Frankfurt a. M., 1. September 1877, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_arbeitgeber1061_1877/4>, abgerufen am 19.09.2019.