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Der Arbeitgeber. Nr. 1061. Frankfurt a. M., 1. September 1877.

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Der "Arbeitgeber" erscheint
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Preis: 1 / 4 jährlich Mk. 2.40,
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Hochstraße Nr. 37.

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schinen aller Art, es besorgt
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Frankfurt a. M., 1. September. 1877.


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Das 2000jähr. Jubiläum der Papierfabrikation.
II.

Die Kunst der Schibereitung fand namentlich in den
Provinzen Fo=kien, Se=schmen, Kiang=si, Kwang=tung, Hu=peh große
Verbreitung, und in den größeren Städten giebt es darum ganze
Stadtviertel, wo nur Schimacher wohnen. Ebenso werden Pinsel
und Tuschen in besonderen Hauptindustrieorten angefertigt, wie wir
in Curopa auch Städte haben, die fast ausschließlich ein gewisses
Gewerbe im Großen betreiben. Das Material in jenen Provinzen
ist nicht übereinstimmend, sondern richtet sich nach der am meisten
vorhandenen Faserpflanze, so daß in Fo=kien Bambusschößlinge,
in Si=schuen Hanf, in Kiang=si Bambus und Nessel, in Kwang-
tung Broussonetia, in Schi=Kyang Reis= und Kornstroh, in Han-
Kwang Bambushäutchen, in Hu=peh Bambus und Broussonetia
verwendet werden.

Von Schina aus verbreitete sich die Kunst nach Korea, nach
Tibet, der Mandsschurei nach Kaschmir, Himalaya, dem Pendschab,
Hindostan, Vorderindien entlang bis zum Ganges, nach Siam u.
( 610 u. Z. ) nach Japan. Jm VI. Jahrhundert unserer Zeit-
rechnung lernten die betriebsamen Tartaren auf ihren Eroberungs-
zügen gegen die Mongolen die Kunst der Schibereitung kennen und
errichteten namentlich in Samarkand, Chiwa, Bochara, Chokand
Papierhäuser. Von den Tartaren erlernten die Araber diese Kunst
ebenfalls auf ihren Kriegszügen im VII. Jahrhundert und richten
n Mekka, Medina, dann in Bagdad, Basrah, Teheran Werkstätten,
bis sie auf ihren Eroberungszügen nach Klein=Asien, der Nordküste
von Afrika, der Türkei, Sizilien und Spanien auch in Kufa, Saida
( Sidon ) Beirut, Damascus, Smyrna, Alexandria, Kairo, Septa,
Konstantinopel, Syracus, Valencia, Toledo, Cordova, Barcelona
und noch anderen Orten Papierhäuser ( Warraken ) gründeten. Das
Rohmaterial der Tartaren und Araber ( Mauren ) war ausschließlich
die rohe Baumwolle und baumwollene Hadern, welche eingeweicht,
faulen gelassen, getrocknet in Mörsern mit hölzernen Keulen gestampft,
und in Brei verwandelt auf eisernen Siebformen zu Bogen ge-
schöpft wurden. Die Bogen wurden mit Reisschleim und Alaun
geleimt und mit Glas stark geglättet. Das übrige Europa lernte
erst durch die Kreuzzüge im XI., XII. und XIII. Jahrhundert das
Papiermachen im Orient kennen und aus der letzteren Zeit stammt
die erste Kunde von Papierhäusern in Deutschland, Frankreich und
Jtalien. Jn Spanien ging die Kunst auf die Christen erst über,
als die Mauren gänzlich vertrieben waren; denn überall hielten
diese Papiermacher ( al warrak, der Blattmacher ) ihre Kunst sehr
geheim.

Um 1270 errichteten die Holbein's, Mühlenbesitzer in
Ravensburg, die erste Papiermühle an Wasserkraft, dann ent-
standen Mühlen in Kaufbeuern, Nürnberg, Augsburg, Basel, Heidel-
berg, Leesdorf, Altbeckern bei Liegnitz, Fabriona, Ancona, Padua,
Treviso, in Troyes, Angoumais, Ambert, Perigord, Thiers, An-
nonay, Limoges, Limousin, in Galicien, Valencia, Barcelona,
Alcoy Toledo, bis 1390 die erste Papiermühle der neueren Art
Ulmann Stromer in Nürnberg mit Baseler Arbeitern errichtete
und 1803 von Robert die erste Langsiebmaschine und von Leisten-
schneider
die erste Zylindermaschine in Thätigkeit traten.

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Arbeitmarkt. Die Besserung auf dem gewerblichen Gebiete
vollzieht sich noch immer sehr langsam und vereinzelt und es wird
auch noch längere Zeit bedürfen, bis zwischen Nachfrage und An-
gebot eine nach beiden Seiten hin befriedigende Ausgleichung ein-
tritt. Dem "Gewerkverein" wird berichtet, daß die Arbeiterverhält-
nisse in Magdeburg sehr gedrückt sind. Maurer und Zim-
merer arbeiten mit geringen Ausnahmen für den im Winter bei
achtstündiger Arbeitszeit gezahlten Lohn von M. 2.25 bis 3 M.
Maler erhielten im vorigen Sommer M. 3.50 bis 4.60, diesen
Sommer 3--3.50. Tischler suchen den erniedrigten Lohn und
Akkordsatz durch Ueberstunden auszugleichen. Die große Mehrzahl
der Maschinenbauarbeiter arbeitet nur 3--4 Tage. Viele Fami-
lien suchen den ausfallenden Verdienst des Ernährers durch Zu-
hülfenahme der Frauenarbeit auszugleichen, indem die Frauen Säcke
nähen müssen; diese bei beschränkten Wohnungsverhältnissen äußerst
ungesunde Beschäftigung findet in der Strafanstalt zu Salze
Konkurrenz. -- Aus Mühltroff im Voigtland, wo Strumpf-
wirkerei und Weberei die Haupterwerbszweige sind, meldet der
"Voigtl. Anz", daß bei Ersterer schon seit mehreren Wochen ein
"hangen und bangen" eingetreten, da die Fabrikanten in Zeulen-
roda den Bescheid ertheilten, wenn nicht bald Aufträge eingingen,
seien sie in Kürze veranlaßt, die Fabrikation vorläufig ganz einzu-
stellen, während sog. "ordinäre" Stühle schon jetzt ohne Beschäfti-
gung sind. Die Weber haben gegenwärtig noch zu thun, jedoch
meist nur in complizirten Sachen, die blos durch eigentliche Mei-
ster angefertigt werden können und es stehen deshalb auch hier
Stühle leer, die bei günstigem Geschäftsgang beschäftigt waren;
zu diesem kommt noch, daß die Tage bis zum Saisonwechsel, wel-
cher in der Regel 6 bis 8 Wochen, vergangenes Frühjahr 3 Mo-
nate dauerte, während welchem die Leute nur theilweise oder gar
keine Beschäftigung haben, gezählt sind. -- Jn Halle macht die
Agitation für Errichtung eines Schiedsgerichtes und Einigungs-
Amtes Fortschritte. -- Der Vorstand des Ortsvereins der Schuh-
macher zu Berlin macht bekannt, daß während der Dauer der
Ausstellung von Schuh= und Lederwaaren im Monat September
Herr Rob. Knöfel, Dirigent der Schuhmacher=Lehranstalt
zu Wien, praktisch vorgebildeten Schuhmachern, nach eigener Me-
thode im Modellzeichnen und Zuschneiden, unentgeltlichen Unterricht
ertheilt. -- Jn Brieg wurde dieser Tage der zweite schlesische
Schuhmacherverbandstag abgehalten und die Gründung von Roh-
stoffvereinen auf das wärmste dabei empfohlen. -- Aus Grün-
berg
in Schl. wird als Beweis der sich wieder entwickelnden
industriellen Thätigkeit des dortigen Ortes, ausführlich über die
Wiederaufstellung der Wöhlert'schen Balancier=Dampf-
maschine
in der alten schlesischen Tuchfabrik von F. Schulze
berichtet, nachdem dieselbe 3 Jahre lang außer Betrieb ge-
wesen, bei welcher Gelegenheit derselbe Maschinenwärter, wel-
cher die Maschine im Jahre 1857 mit aufgestellt hatte und
seitdem bediente, dieselbe auch jetzt wieder in Gang setzte. -- Der
über die Wollwaaren=Fabrik Franke u. Schneider in Deob-
schütz
in Oberschl. ausgebrochene Konkurs, ist durch Akkord
beendet und das Geschäft selbst in diesen Tagen wieder eröffnet
worden. Damit ist nicht nur vielen Wirkern, sondern auch hun-
derten von armen Frauenhänden, die alle während des Konkurses
brodlos waren, die sichere Aussicht auf lohnenden Erwerb wieder
eröffnet. Bedenkt man, datz die Leobschützer Wollwaaren=Fabriken,
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Die Kunst der Schibereitung fand namentlich in den
Provinzen Fo=kien, Se=schmen, Kiang=si, Kwang=tung, Hu=peh große
Verbreitung, und in den größeren Städten giebt es darum ganze
Stadtviertel, wo nur Schimacher wohnen. Ebenso werden Pinsel
und Tuschen in besonderen Hauptindustrieorten angefertigt, wie wir
in Curopa auch Städte haben, die fast ausschließlich ein gewisses
Gewerbe im Großen betreiben. Das Material in jenen Provinzen
ist nicht übereinstimmend, sondern richtet sich nach der am meisten
vorhandenen Faserpflanze, so daß in Fo=kien Bambusschößlinge,
in Si=schuen Hanf, in Kiang=si Bambus und Nessel, in Kwang-
tung Broussonetia, in Schi=Kyang Reis= und Kornstroh, in Han-
Kwang Bambushäutchen, in Hu=peh Bambus und Broussonetia
verwendet werden.

Von Schina aus verbreitete sich die Kunst nach Korea, nach
Tibet, der Mandsschurei nach Kaschmir, Himalaya, dem Pendschab,
Hindostan, Vorderindien entlang bis zum Ganges, nach Siam u.
( 610 u. Z. ) nach Japan. Jm VI. Jahrhundert unserer Zeit-
rechnung lernten die betriebsamen Tartaren auf ihren Eroberungs-
zügen gegen die Mongolen die Kunst der Schibereitung kennen und
errichteten namentlich in Samarkand, Chiwa, Bochara, Chokand
Papierhäuser. Von den Tartaren erlernten die Araber diese Kunst
ebenfalls auf ihren Kriegszügen im VII. Jahrhundert und richten
n Mekka, Medina, dann in Bagdad, Basrah, Teheran Werkstätten,
bis sie auf ihren Eroberungszügen nach Klein=Asien, der Nordküste
von Afrika, der Türkei, Sizilien und Spanien auch in Kufa, Saida
( Sidon ) Beirut, Damascus, Smyrna, Alexandria, Kairo, Septa,
Konstantinopel, Syracus, Valencia, Toledo, Cordova, Barcelona
und noch anderen Orten Papierhäuser ( Warraken ) gründeten. Das
Rohmaterial der Tartaren und Araber ( Mauren ) war ausschließlich
die rohe Baumwolle und baumwollene Hadern, welche eingeweicht,
faulen gelassen, getrocknet in Mörsern mit hölzernen Keulen gestampft,
und in Brei verwandelt auf eisernen Siebformen zu Bogen ge-
schöpft wurden. Die Bogen wurden mit Reisschleim und Alaun
geleimt und mit Glas stark geglättet. Das übrige Europa lernte
erst durch die Kreuzzüge im XI., XII. und XIII. Jahrhundert das
Papiermachen im Orient kennen und aus der letzteren Zeit stammt
die erste Kunde von Papierhäusern in Deutschland, Frankreich und
Jtalien. Jn Spanien ging die Kunst auf die Christen erst über,
als die Mauren gänzlich vertrieben waren; denn überall hielten
diese Papiermacher ( al warrák, der Blattmacher ) ihre Kunst sehr
geheim.

Um 1270 errichteten die Holbein's, Mühlenbesitzer in
Ravensburg, die erste Papiermühle an Wasserkraft, dann ent-
standen Mühlen in Kaufbeuern, Nürnberg, Augsburg, Basel, Heidel-
berg, Leesdorf, Altbeckern bei Liegnitz, Fabriona, Ancona, Padua,
Treviso, in Troyes, Angoumais, Ambert, Perigord, Thiers, An-
nonay, Limoges, Limousin, in Galicien, Valencia, Barcelona,
Alcoy Toledo, bis 1390 die erste Papiermühle der neueren Art
Ulmann Stromer in Nürnberg mit Baseler Arbeitern errichtete
und 1803 von Robert die erste Langsiebmaschine und von Leisten-
schneider
die erste Zylindermaschine in Thätigkeit traten.

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Arbeitmarkt. Die Besserung auf dem gewerblichen Gebiete
vollzieht sich noch immer sehr langsam und vereinzelt und es wird
auch noch längere Zeit bedürfen, bis zwischen Nachfrage und An-
gebot eine nach beiden Seiten hin befriedigende Ausgleichung ein-
tritt. Dem „Gewerkverein“ wird berichtet, daß die Arbeiterverhält-
nisse in Magdeburg sehr gedrückt sind. Maurer und Zim-
merer arbeiten mit geringen Ausnahmen für den im Winter bei
achtstündiger Arbeitszeit gezahlten Lohn von M. 2.25 bis 3 M.
Maler erhielten im vorigen Sommer M. 3.50 bis 4.60, diesen
Sommer 3--3.50. Tischler suchen den erniedrigten Lohn und
Akkordsatz durch Ueberstunden auszugleichen. Die große Mehrzahl
der Maschinenbauarbeiter arbeitet nur 3--4 Tage. Viele Fami-
lien suchen den ausfallenden Verdienst des Ernährers durch Zu-
hülfenahme der Frauenarbeit auszugleichen, indem die Frauen Säcke
nähen müssen; diese bei beschränkten Wohnungsverhältnissen äußerst
ungesunde Beschäftigung findet in der Strafanstalt zu Salze
Konkurrenz. -- Aus Mühltroff im Voigtland, wo Strumpf-
wirkerei und Weberei die Haupterwerbszweige sind, meldet der
„Voigtl. Anz“, daß bei Ersterer schon seit mehreren Wochen ein
„hangen und bangen“ eingetreten, da die Fabrikanten in Zeulen-
roda den Bescheid ertheilten, wenn nicht bald Aufträge eingingen,
seien sie in Kürze veranlaßt, die Fabrikation vorläufig ganz einzu-
stellen, während sog. „ordinäre“ Stühle schon jetzt ohne Beschäfti-
gung sind. Die Weber haben gegenwärtig noch zu thun, jedoch
meist nur in complizirten Sachen, die blos durch eigentliche Mei-
ster angefertigt werden können und es stehen deshalb auch hier
Stühle leer, die bei günstigem Geschäftsgang beschäftigt waren;
zu diesem kommt noch, daß die Tage bis zum Saisonwechsel, wel-
cher in der Regel 6 bis 8 Wochen, vergangenes Frühjahr 3 Mo-
nate dauerte, während welchem die Leute nur theilweise oder gar
keine Beschäftigung haben, gezählt sind. -- Jn Halle macht die
Agitation für Errichtung eines Schiedsgerichtes und Einigungs-
Amtes Fortschritte. -- Der Vorstand des Ortsvereins der Schuh-
macher zu Berlin macht bekannt, daß während der Dauer der
Ausstellung von Schuh= und Lederwaaren im Monat September
Herr Rob. Knöfel, Dirigent der Schuhmacher=Lehranstalt
zu Wien, praktisch vorgebildeten Schuhmachern, nach eigener Me-
thode im Modellzeichnen und Zuschneiden, unentgeltlichen Unterricht
ertheilt. -- Jn Brieg wurde dieser Tage der zweite schlesische
Schuhmacherverbandstag abgehalten und die Gründung von Roh-
stoffvereinen auf das wärmste dabei empfohlen. -- Aus Grün-
berg
in Schl. wird als Beweis der sich wieder entwickelnden
industriellen Thätigkeit des dortigen Ortes, ausführlich über die
Wiederaufstellung der Wöhlert'schen Balancier=Dampf-
maschine
in der alten schlesischen Tuchfabrik von F. Schulze
berichtet, nachdem dieselbe 3 Jahre lang außer Betrieb ge-
wesen, bei welcher Gelegenheit derselbe Maschinenwärter, wel-
cher die Maschine im Jahre 1857 mit aufgestellt hatte und
seitdem bediente, dieselbe auch jetzt wieder in Gang setzte. -- Der
über die Wollwaaren=Fabrik Franke u. Schneider in Deob-
schütz
in Oberschl. ausgebrochene Konkurs, ist durch Akkord
beendet und das Geschäft selbst in diesen Tagen wieder eröffnet
worden. Damit ist nicht nur vielen Wirkern, sondern auch hun-
derten von armen Frauenhänden, die alle während des Konkurses
brodlos waren, die sichere Aussicht auf lohnenden Erwerb wieder
eröffnet. Bedenkt man, datz die Leobschützer Wollwaaren=Fabriken,
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[0001] Der „Arbeitgeber“ erscheint wöchentlich, Preis: 1 / 4 jährlich Mk. 2.40, mit Postporto Mk. 3. Anzeigen: für die drei- spaltige Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Der Betrag wird durch Postnachnahme er- hoben. Kleine Beträge können durch Briefmarken ausge=. glichen werden . Verlag des „Arbeitgeber“ Hochstraße Nr. 37. Der Arbeitgeber. Archiv für Volkswirthschaft und neue Erfindungen, Central - Anzeiger für den Arbeitmarkt. Bestellungen werden von allen Postämtern u. Buchhandlun- gen angenommen. Das Patent= und Maschinen- Geschäft des „Arbeitgeber“ übernimmt die Ausführung neuer Erfindungen, vermittelt den Ankauf ( zum Fabrik- preis ) und Verkauf von Ma- schinen aller Art, es besorgt Patente für alle Länder und übernimmt deren Ver- werthung. Nro 1061. Frankfurt a. M., 1. September. 1877. Das 2000jähr. Jubiläum der Papierfabrikation. II. Die Kunst der Schibereitung fand namentlich in den Provinzen Fo=kien, Se=schmen, Kiang=si, Kwang=tung, Hu=peh große Verbreitung, und in den größeren Städten giebt es darum ganze Stadtviertel, wo nur Schimacher wohnen. Ebenso werden Pinsel und Tuschen in besonderen Hauptindustrieorten angefertigt, wie wir in Curopa auch Städte haben, die fast ausschließlich ein gewisses Gewerbe im Großen betreiben. Das Material in jenen Provinzen ist nicht übereinstimmend, sondern richtet sich nach der am meisten vorhandenen Faserpflanze, so daß in Fo=kien Bambusschößlinge, in Si=schuen Hanf, in Kiang=si Bambus und Nessel, in Kwang- tung Broussonetia, in Schi=Kyang Reis= und Kornstroh, in Han- Kwang Bambushäutchen, in Hu=peh Bambus und Broussonetia verwendet werden. Von Schina aus verbreitete sich die Kunst nach Korea, nach Tibet, der Mandsschurei nach Kaschmir, Himalaya, dem Pendschab, Hindostan, Vorderindien entlang bis zum Ganges, nach Siam u. ( 610 u. Z. ) nach Japan. Jm VI. Jahrhundert unserer Zeit- rechnung lernten die betriebsamen Tartaren auf ihren Eroberungs- zügen gegen die Mongolen die Kunst der Schibereitung kennen und errichteten namentlich in Samarkand, Chiwa, Bochara, Chokand Papierhäuser. Von den Tartaren erlernten die Araber diese Kunst ebenfalls auf ihren Kriegszügen im VII. Jahrhundert und richten n Mekka, Medina, dann in Bagdad, Basrah, Teheran Werkstätten, bis sie auf ihren Eroberungszügen nach Klein=Asien, der Nordküste von Afrika, der Türkei, Sizilien und Spanien auch in Kufa, Saida ( Sidon ) Beirut, Damascus, Smyrna, Alexandria, Kairo, Septa, Konstantinopel, Syracus, Valencia, Toledo, Cordova, Barcelona und noch anderen Orten Papierhäuser ( Warraken ) gründeten. Das Rohmaterial der Tartaren und Araber ( Mauren ) war ausschließlich die rohe Baumwolle und baumwollene Hadern, welche eingeweicht, faulen gelassen, getrocknet in Mörsern mit hölzernen Keulen gestampft, und in Brei verwandelt auf eisernen Siebformen zu Bogen ge- schöpft wurden. Die Bogen wurden mit Reisschleim und Alaun geleimt und mit Glas stark geglättet. Das übrige Europa lernte erst durch die Kreuzzüge im XI., XII. und XIII. Jahrhundert das Papiermachen im Orient kennen und aus der letzteren Zeit stammt die erste Kunde von Papierhäusern in Deutschland, Frankreich und Jtalien. Jn Spanien ging die Kunst auf die Christen erst über, als die Mauren gänzlich vertrieben waren; denn überall hielten diese Papiermacher ( al warrák, der Blattmacher ) ihre Kunst sehr geheim. Um 1270 errichteten die Holbein's, Mühlenbesitzer in Ravensburg, die erste Papiermühle an Wasserkraft, dann ent- standen Mühlen in Kaufbeuern, Nürnberg, Augsburg, Basel, Heidel- berg, Leesdorf, Altbeckern bei Liegnitz, Fabriona, Ancona, Padua, Treviso, in Troyes, Angoumais, Ambert, Perigord, Thiers, An- nonay, Limoges, Limousin, in Galicien, Valencia, Barcelona, Alcoy Toledo, bis 1390 die erste Papiermühle der neueren Art Ulmann Stromer in Nürnberg mit Baseler Arbeitern errichtete und 1803 von Robert die erste Langsiebmaschine und von Leisten- schneider die erste Zylindermaschine in Thätigkeit traten. Arbeitmarkt. Die Besserung auf dem gewerblichen Gebiete vollzieht sich noch immer sehr langsam und vereinzelt und es wird auch noch längere Zeit bedürfen, bis zwischen Nachfrage und An- gebot eine nach beiden Seiten hin befriedigende Ausgleichung ein- tritt. Dem „Gewerkverein“ wird berichtet, daß die Arbeiterverhält- nisse in Magdeburg sehr gedrückt sind. Maurer und Zim- merer arbeiten mit geringen Ausnahmen für den im Winter bei achtstündiger Arbeitszeit gezahlten Lohn von M. 2.25 bis 3 M. Maler erhielten im vorigen Sommer M. 3.50 bis 4.60, diesen Sommer 3--3.50. Tischler suchen den erniedrigten Lohn und Akkordsatz durch Ueberstunden auszugleichen. Die große Mehrzahl der Maschinenbauarbeiter arbeitet nur 3--4 Tage. Viele Fami- lien suchen den ausfallenden Verdienst des Ernährers durch Zu- hülfenahme der Frauenarbeit auszugleichen, indem die Frauen Säcke nähen müssen; diese bei beschränkten Wohnungsverhältnissen äußerst ungesunde Beschäftigung findet in der Strafanstalt zu Salze Konkurrenz. -- Aus Mühltroff im Voigtland, wo Strumpf- wirkerei und Weberei die Haupterwerbszweige sind, meldet der „Voigtl. Anz“, daß bei Ersterer schon seit mehreren Wochen ein „hangen und bangen“ eingetreten, da die Fabrikanten in Zeulen- roda den Bescheid ertheilten, wenn nicht bald Aufträge eingingen, seien sie in Kürze veranlaßt, die Fabrikation vorläufig ganz einzu- stellen, während sog. „ordinäre“ Stühle schon jetzt ohne Beschäfti- gung sind. Die Weber haben gegenwärtig noch zu thun, jedoch meist nur in complizirten Sachen, die blos durch eigentliche Mei- ster angefertigt werden können und es stehen deshalb auch hier Stühle leer, die bei günstigem Geschäftsgang beschäftigt waren; zu diesem kommt noch, daß die Tage bis zum Saisonwechsel, wel- cher in der Regel 6 bis 8 Wochen, vergangenes Frühjahr 3 Mo- nate dauerte, während welchem die Leute nur theilweise oder gar keine Beschäftigung haben, gezählt sind. -- Jn Halle macht die Agitation für Errichtung eines Schiedsgerichtes und Einigungs- Amtes Fortschritte. -- Der Vorstand des Ortsvereins der Schuh- macher zu Berlin macht bekannt, daß während der Dauer der Ausstellung von Schuh= und Lederwaaren im Monat September Herr Rob. Knöfel, Dirigent der Schuhmacher=Lehranstalt zu Wien, praktisch vorgebildeten Schuhmachern, nach eigener Me- thode im Modellzeichnen und Zuschneiden, unentgeltlichen Unterricht ertheilt. -- Jn Brieg wurde dieser Tage der zweite schlesische Schuhmacherverbandstag abgehalten und die Gründung von Roh- stoffvereinen auf das wärmste dabei empfohlen. -- Aus Grün- berg in Schl. wird als Beweis der sich wieder entwickelnden industriellen Thätigkeit des dortigen Ortes, ausführlich über die Wiederaufstellung der Wöhlert'schen Balancier=Dampf- maschine in der alten schlesischen Tuchfabrik von F. Schulze berichtet, nachdem dieselbe 3 Jahre lang außer Betrieb ge- wesen, bei welcher Gelegenheit derselbe Maschinenwärter, wel- cher die Maschine im Jahre 1857 mit aufgestellt hatte und seitdem bediente, dieselbe auch jetzt wieder in Gang setzte. -- Der über die Wollwaaren=Fabrik Franke u. Schneider in Deob- schütz in Oberschl. ausgebrochene Konkurs, ist durch Akkord beendet und das Geschäft selbst in diesen Tagen wieder eröffnet worden. Damit ist nicht nur vielen Wirkern, sondern auch hun- derten von armen Frauenhänden, die alle während des Konkurses brodlos waren, die sichere Aussicht auf lohnenden Erwerb wieder eröffnet. Bedenkt man, datz die Leobschützer Wollwaaren=Fabriken,

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Zitationshilfe: Der Arbeitgeber. Nr. 1061. Frankfurt a. M., 1. September 1877, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_arbeitgeber1061_1877/1>, abgerufen am 17.10.2019.