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Der Arbeitgeber. Nr. 1059. Frankfurt a. M., 18. August 1877.

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Der "Arbeitgeber" erscheint
wöchentlich,
Preis: 1 / 4 jährlich Mk. 2.40,
mit Postporto Mk. 3.

Anzeigen: für die drei-
spaltige Petitzeile oder deren
Raum 20 Pf. Der Betrag
wird durch Postnachnahme er-
hoben. Kleine Beträge können
durch Briefmarken ausge=.
glichen werden .

Verlag des "Arbeitgeber"
Hochstraße Nr. 37.

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Der
Arbeitgeber.
Archiv für Volkswirthschaft und neue Erfindu[unleserliches Material]
Central - Anzeiger für den Arbeitmarkt.
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Bestellungen werden von allen
Postämtern u. Buchhandlun-
gen angenommen.
Das Patent= und Maschinen-
Geschäft des "Arbeitgeber"
übernimmt die Ausführung
neuer Erfindungen, vermittelt
den Ankauf ( zum Fabrik-
preis ) und Verkauf von Ma-
schinen aller Art, es besorgt
Patente für alle Länder und
übernimmt deren Ver-
werthung.

[Ende Spaltensatz]

Nro 1059.
Frankfurt a. M., 18. August. 1877.


[Beginn Spaltensatz]
Das 2000jähr. Jubiläum der Papierfabrikation.
I.

Es sind gerade 2000 Jahre verflossen, seitdem das seltsame
Gebild eines Blattes aus verfilzten feinen Fasern für den Gebrauch
der höchsten Culturentwickelung des Menschen erdacht worden ist.
Gewaltige Ereignisse mußten aber vorangehen, ehe dieses anspruchs-
lose Schriftblatt auf der Erde erschien, um im Augenblicke seines
Erscheinens auch schon die lang ersehnte Verwendung zu finden.

Die Kunst der Filzblatt=Bereitung stammt, wie fast alle ge-
werblichen Erzeugnisse, aus China.

Bis zur Zeit vor der großen Bücher = Verbrennung durch
Schi=hang=ti, 246 v. Chr., der eine neue Schrift einführte, waren
die ältesten Schriftstoffe in China Schiefer- oder Thonplatten,
Steinflächen, Metallplatten Palmblätter, Ulmen=,
Linden-
und Birkenbastrinde; seit ungefähr 800 v. u. Z.
bediente man sich der Holzbretter Tse ( meist 30 bis 35 Cm. hoch,
20 bis 25 Cm. breit und 1 Cm. dick ) wie sie heute noch in den
indischen Schulen bis zum Ganges, ähnlich unseren Schiefertafeln,
gebräuchlich sind; zum Schreiben benützte man, wie noch heute, in
den eben genannten Ländern Grabstichel oder Holzgriffel, je nach
Härte des Materials. Die sämmtlichen Schriften des Kong=fu=tse,
wie der meisten seiner zahlreichen schriftstellerischen Vorgänger
waren auf Holztafeln eingeritzt und mit einer schwarzen oder rothen
Farbe verdeutlicht.

Der Schafherdenbesitzer ( Schafhirt? ) Lu=wen=dschu hatte
das Ablösen der Blatthäutchen einer schilfartigen Pflanze ( Babyr
== Spinnpflanze ) gelehrt, doch mochte die Verwendung wegen der
großen Zerbrechlichkeit des Stoffes eine sehr beschränkte geblieben
sein; der Schweineherdenbesitzer ( Sauhirt? ) Kong=jang=hong spaltete
den Bambus und lehrte ihn für die Schrift durch Glätten ge-
eignet zu machen, indem er die Tafeln durch Feuer zog, sie dadurch
erweichte und ihnen einen bräunlichen Farbenton ertheilte. Diese
Tafeln hatten meist die Größe der hölzernen, die Schrift wurde
mit eisernen Griffeln hineingeritzt, doch wohl auch mit Oelfarbe
darauf die Schrift gemalt, wie es der Gelehrte Schün gethan und
Anderen gelehrt haben soll. Dieses Schriftmaterial erhielt sich bis
zu Anfang unserer Zeitrechnung. Eine 299 v. u. Z. verfaßte
Chronik führte den Namen Tsu=schu ( Bambusbuch ) , gerade wie
in Deutschland das alte Wort Buch ( auf Buchenbast ) , der Birken-
gesang, wie die Saster's der Hindus, das Bhoipatr am Himalaya
( auf Birkenbast ) , in Holland das Lindenbuch ( auf Lindenbast ) , in
Schweden die Balkers ( Gesetze auf Holztafeln ) u. s. w. nach der
Materie bezeichnet sind.

Die naheliegendsten, wenn auch kostbarsten Materiale als
Schriftstoff sind die Gewebe. Sie sind fest, nicht voluminös,
biegsam, leicht zu behandeln. Darum wurde zu Baumwoll=,
Linnen= und Seidengeweben gegriffen, welche durch eine gewisse
Appretur zur leichten Aufnahme der Schrift geeignet gemacht wur-
den. Man führte die Schriftzeichen mit einer Art hölzernen Stäb-
chens und Tusche, schwarze Erde und rothe Erde ( Zinnober ) und
Gummi aus, wie solche schon 1100 v. u. Z. bekannt war. Um's
Jahr 200 v. Chr. erfand Mung=tian, der Erbauer der chine-
sischen Schutzmauer, den Pinsel ( Pi ) .

[Spaltenumbruch]

Die Gewebe waren aber kostspielig, denn sie mußten fein und
dicht sein, um die kleinen chinesischen Schriftbilder deutlich aufzu-
nehmen; die feinen Basthäutchen der Schilfpflanze, des Bambus,
der Ulme, Buche, Birke und des Ahorns waren zerbrechlich und
nur von geringer Fläche; die Blätter der Palmen, des Oel= und
Pappelbaumes konnten nur zu kurzen Niederschriften für den Augen-
blick benutzt werden; Häute und Leder, Metallblättchen und Knochen-
täfelchen waren zu wenig eben und geschmeidig, aber auch zu theuer,
um das großartige Bedürfniß nach einem billigen, leichten, ge-
schmeidigen und feinen Schriftblatte befriedigen zu können; -- da
kam in dieser Noth ein Mann auf den wunderbaren Gedanken:
aus Fasern einen feinen, wässrigdünnen Brei zu bereiten, diese
Fasern auf Siebformen durch Entwässerung fest zu verfilzen und
das verfilzte Blatt für die Schrift so geeignet zu machen, daß es
allen Anforderungen genügt, billig und massenhaft zu beschaffen ist,
wegen seiner Dünnheit und Leichtigkeit in alle Formen gebogen
( nicht gebrochen ) und somit schnell und vollkommen verborgen wer-
den kann.

Der Mann, welcher diesen wunderbaren, ganz neuen Ge-
danken erfaßte, war Tsae=lün, ein Gelehrter ( Mandarin ) und
Ackerbauminister unter dem Kaiser Hio=wenti aus der Han=Dynastie
( 125 bis 96 v. u. Z.? ) , ein Mann von vielem Wissen und prak-
tischem Sinn, der schon mancherlei Gutes dem Volke gelehrt hatte.
Es fiel die erste Ausführung seiner Jdee in das Jahr 123 v. u.
Z., so daß in diesem Jahre es 2000 Jahre her sind, daß die
Schi=Bereitung oder Papierfabrikation besteht.

Tsae=lün benutzte die Bastfasern, den Spinnabfall der Hanf-
fasern, die abgetragen Gewebe ( Hadern ) , Angelschnüre und Netze,
einzeln oder unter einander gemischt, indem er sie so lange in
Wasser, dann in Kalkwasser einlegte und dann kochte, bis sie eine
breiartige Form angenommen hatten. -- Sollte ein Schiblatt ge-
leimt und glänzend sein, so zog man es durch Reisschleim oder
Hausenblase, denen man Alaun ( Fan ) zusetzte, und bis vor nicht
langer Zeit hieß bei uns diese Procedur "das Faniren", was so-
mit aus dem Chinesischen stammt.

Die Bahn für den neuen Schriftstoff war bald gebrochen;
Stroharten, Bambusmark und die zarten Schößlinge desselben,
Nesselarten, Baumwollstauden und einige andere Spinnfaserpflanzen
wurden versucht und mehr oder weniger geeignet gefunden, um ver-
schiedene Schisorten daraus zu verfertigen. -- Ebenso erfand Tsae-
lün die Verarbeitung der Rinde des Papier=Maulbeerbaumes und
seine Methoden sind noch heute in China und Nipon ( Japan )
gebräuchlich.

Tsae=lün fand große Verehrung unter seinen Landsleuten und
nach seinem Tode errichtete man ihm Tempel aus Dankbarkeit;
denn kein Volk besitzt so viel Hang zur Wissenschaft, würdigt so
seine großen Männer, schätzt so ganz besonders das verfilzte Schi-
blatt und weiß so vielseitig dasselbe zu verwenden und nutzbar zu
machen, als die Chinesen und in neuerer Zeit die Japanesen.
Charakteristisch ist auch in dieser Beziehung die chinesische Bezeich-
nung für Schreibzeug, also für Papier, Pinsel, Tusche und Reib-
schaale ( Schi, Qvau, Mi und Tuan ) , welche sie Sse=pao, das
heißt die vier größten Schätze, nennen.    ( Fortsetzung folgt. )

[Ende Spaltensatz]
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Das 2000jähr. Jubiläum der Papierfabrikation.
I.

Es sind gerade 2000 Jahre verflossen, seitdem das seltsame
Gebild eines Blattes aus verfilzten feinen Fasern für den Gebrauch
der höchsten Culturentwickelung des Menschen erdacht worden ist.
Gewaltige Ereignisse mußten aber vorangehen, ehe dieses anspruchs-
lose Schriftblatt auf der Erde erschien, um im Augenblicke seines
Erscheinens auch schon die lang ersehnte Verwendung zu finden.

Die Kunst der Filzblatt=Bereitung stammt, wie fast alle ge-
werblichen Erzeugnisse, aus China.

Bis zur Zeit vor der großen Bücher = Verbrennung durch
Schi=hang=ti, 246 v. Chr., der eine neue Schrift einführte, waren
die ältesten Schriftstoffe in China Schiefer- oder Thonplatten,
Steinflächen, Metallplatten Palmblätter, Ulmen=,
Linden-
und Birkenbastrinde; seit ungefähr 800 v. u. Z.
bediente man sich der Holzbretter Tse ( meist 30 bis 35 Cm. hoch,
20 bis 25 Cm. breit und 1 Cm. dick ) wie sie heute noch in den
indischen Schulen bis zum Ganges, ähnlich unseren Schiefertafeln,
gebräuchlich sind; zum Schreiben benützte man, wie noch heute, in
den eben genannten Ländern Grabstichel oder Holzgriffel, je nach
Härte des Materials. Die sämmtlichen Schriften des Kong=fu=tse,
wie der meisten seiner zahlreichen schriftstellerischen Vorgänger
waren auf Holztafeln eingeritzt und mit einer schwarzen oder rothen
Farbe verdeutlicht.

Der Schafherdenbesitzer ( Schafhirt? ) Lu=wen=dschu hatte
das Ablösen der Blatthäutchen einer schilfartigen Pflanze ( Babyr
== Spinnpflanze ) gelehrt, doch mochte die Verwendung wegen der
großen Zerbrechlichkeit des Stoffes eine sehr beschränkte geblieben
sein; der Schweineherdenbesitzer ( Sauhirt? ) Kong=jang=hong spaltete
den Bambus und lehrte ihn für die Schrift durch Glätten ge-
eignet zu machen, indem er die Tafeln durch Feuer zog, sie dadurch
erweichte und ihnen einen bräunlichen Farbenton ertheilte. Diese
Tafeln hatten meist die Größe der hölzernen, die Schrift wurde
mit eisernen Griffeln hineingeritzt, doch wohl auch mit Oelfarbe
darauf die Schrift gemalt, wie es der Gelehrte Schün gethan und
Anderen gelehrt haben soll. Dieses Schriftmaterial erhielt sich bis
zu Anfang unserer Zeitrechnung. Eine 299 v. u. Z. verfaßte
Chronik führte den Namen Tsu=schu ( Bambusbuch ) , gerade wie
in Deutschland das alte Wort Buch ( auf Buchenbast ) , der Birken-
gesang, wie die Saster's der Hindus, das Bhoipatr am Himalaya
( auf Birkenbast ) , in Holland das Lindenbuch ( auf Lindenbast ) , in
Schweden die Balkers ( Gesetze auf Holztafeln ) u. s. w. nach der
Materie bezeichnet sind.

Die naheliegendsten, wenn auch kostbarsten Materiale als
Schriftstoff sind die Gewebe. Sie sind fest, nicht voluminös,
biegsam, leicht zu behandeln. Darum wurde zu Baumwoll=,
Linnen= und Seidengeweben gegriffen, welche durch eine gewisse
Appretur zur leichten Aufnahme der Schrift geeignet gemacht wur-
den. Man führte die Schriftzeichen mit einer Art hölzernen Stäb-
chens und Tusche, schwarze Erde und rothe Erde ( Zinnober ) und
Gummi aus, wie solche schon 1100 v. u. Z. bekannt war. Um's
Jahr 200 v. Chr. erfand Mung=tian, der Erbauer der chine-
sischen Schutzmauer, den Pinsel ( Pi ) .

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Die Gewebe waren aber kostspielig, denn sie mußten fein und
dicht sein, um die kleinen chinesischen Schriftbilder deutlich aufzu-
nehmen; die feinen Basthäutchen der Schilfpflanze, des Bambus,
der Ulme, Buche, Birke und des Ahorns waren zerbrechlich und
nur von geringer Fläche; die Blätter der Palmen, des Oel= und
Pappelbaumes konnten nur zu kurzen Niederschriften für den Augen-
blick benutzt werden; Häute und Leder, Metallblättchen und Knochen-
täfelchen waren zu wenig eben und geschmeidig, aber auch zu theuer,
um das großartige Bedürfniß nach einem billigen, leichten, ge-
schmeidigen und feinen Schriftblatte befriedigen zu können; -- da
kam in dieser Noth ein Mann auf den wunderbaren Gedanken:
aus Fasern einen feinen, wässrigdünnen Brei zu bereiten, diese
Fasern auf Siebformen durch Entwässerung fest zu verfilzen und
das verfilzte Blatt für die Schrift so geeignet zu machen, daß es
allen Anforderungen genügt, billig und massenhaft zu beschaffen ist,
wegen seiner Dünnheit und Leichtigkeit in alle Formen gebogen
( nicht gebrochen ) und somit schnell und vollkommen verborgen wer-
den kann.

Der Mann, welcher diesen wunderbaren, ganz neuen Ge-
danken erfaßte, war Tsae=lün, ein Gelehrter ( Mandarin ) und
Ackerbauminister unter dem Kaiser Hio=wenti aus der Han=Dynastie
( 125 bis 96 v. u. Z.? ) , ein Mann von vielem Wissen und prak-
tischem Sinn, der schon mancherlei Gutes dem Volke gelehrt hatte.
Es fiel die erste Ausführung seiner Jdee in das Jahr 123 v. u.
Z., so daß in diesem Jahre es 2000 Jahre her sind, daß die
Schi=Bereitung oder Papierfabrikation besteht.

Tsae=lün benutzte die Bastfasern, den Spinnabfall der Hanf-
fasern, die abgetragen Gewebe ( Hadern ) , Angelschnüre und Netze,
einzeln oder unter einander gemischt, indem er sie so lange in
Wasser, dann in Kalkwasser einlegte und dann kochte, bis sie eine
breiartige Form angenommen hatten. -- Sollte ein Schiblatt ge-
leimt und glänzend sein, so zog man es durch Reisschleim oder
Hausenblase, denen man Alaun ( Fan ) zusetzte, und bis vor nicht
langer Zeit hieß bei uns diese Procedur „das Faniren“, was so-
mit aus dem Chinesischen stammt.

Die Bahn für den neuen Schriftstoff war bald gebrochen;
Stroharten, Bambusmark und die zarten Schößlinge desselben,
Nesselarten, Baumwollstauden und einige andere Spinnfaserpflanzen
wurden versucht und mehr oder weniger geeignet gefunden, um ver-
schiedene Schisorten daraus zu verfertigen. -- Ebenso erfand Tsae-
lün die Verarbeitung der Rinde des Papier=Maulbeerbaumes und
seine Methoden sind noch heute in China und Nipon ( Japan )
gebräuchlich.

Tsae=lün fand große Verehrung unter seinen Landsleuten und
nach seinem Tode errichtete man ihm Tempel aus Dankbarkeit;
denn kein Volk besitzt so viel Hang zur Wissenschaft, würdigt so
seine großen Männer, schätzt so ganz besonders das verfilzte Schi-
blatt und weiß so vielseitig dasselbe zu verwenden und nutzbar zu
machen, als die Chinesen und in neuerer Zeit die Japanesen.
Charakteristisch ist auch in dieser Beziehung die chinesische Bezeich-
nung für Schreibzeug, also für Papier, Pinsel, Tusche und Reib-
schaale ( Schi, Qvau, Mi und Tuan ) , welche sie Sse=pao, das
heißt die vier größten Schätze, nennen.    ( Fortsetzung folgt. )

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[0001] Der „Arbeitgeber“ erscheint wöchentlich, Preis: 1 / 4 jährlich Mk. 2.40, mit Postporto Mk. 3. Anzeigen: für die drei- spaltige Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. Der Betrag wird durch Postnachnahme er- hoben. Kleine Beträge können durch Briefmarken ausge=. glichen werden . Verlag des „Arbeitgeber“ Hochstraße Nr. 37. Der Arbeitgeber. Archiv für Volkswirthschaft und neue Erfindu_ Central - Anzeiger für den Arbeitmarkt. Bestellungen werden von allen Postämtern u. Buchhandlun- gen angenommen. Das Patent= und Maschinen- Geschäft des „Arbeitgeber“ übernimmt die Ausführung neuer Erfindungen, vermittelt den Ankauf ( zum Fabrik- preis ) und Verkauf von Ma- schinen aller Art, es besorgt Patente für alle Länder und übernimmt deren Ver- werthung. Nro 1059. Frankfurt a. M., 18. August. 1877. Das 2000jähr. Jubiläum der Papierfabrikation. I. Es sind gerade 2000 Jahre verflossen, seitdem das seltsame Gebild eines Blattes aus verfilzten feinen Fasern für den Gebrauch der höchsten Culturentwickelung des Menschen erdacht worden ist. Gewaltige Ereignisse mußten aber vorangehen, ehe dieses anspruchs- lose Schriftblatt auf der Erde erschien, um im Augenblicke seines Erscheinens auch schon die lang ersehnte Verwendung zu finden. Die Kunst der Filzblatt=Bereitung stammt, wie fast alle ge- werblichen Erzeugnisse, aus China. Bis zur Zeit vor der großen Bücher = Verbrennung durch Schi=hang=ti, 246 v. Chr., der eine neue Schrift einführte, waren die ältesten Schriftstoffe in China Schiefer- oder Thonplatten, Steinflächen, Metallplatten Palmblätter, Ulmen=, Linden- und Birkenbastrinde; seit ungefähr 800 v. u. Z. bediente man sich der Holzbretter Tse ( meist 30 bis 35 Cm. hoch, 20 bis 25 Cm. breit und 1 Cm. dick ) wie sie heute noch in den indischen Schulen bis zum Ganges, ähnlich unseren Schiefertafeln, gebräuchlich sind; zum Schreiben benützte man, wie noch heute, in den eben genannten Ländern Grabstichel oder Holzgriffel, je nach Härte des Materials. Die sämmtlichen Schriften des Kong=fu=tse, wie der meisten seiner zahlreichen schriftstellerischen Vorgänger waren auf Holztafeln eingeritzt und mit einer schwarzen oder rothen Farbe verdeutlicht. Der Schafherdenbesitzer ( Schafhirt? ) Lu=wen=dschu hatte das Ablösen der Blatthäutchen einer schilfartigen Pflanze ( Babyr == Spinnpflanze ) gelehrt, doch mochte die Verwendung wegen der großen Zerbrechlichkeit des Stoffes eine sehr beschränkte geblieben sein; der Schweineherdenbesitzer ( Sauhirt? ) Kong=jang=hong spaltete den Bambus und lehrte ihn für die Schrift durch Glätten ge- eignet zu machen, indem er die Tafeln durch Feuer zog, sie dadurch erweichte und ihnen einen bräunlichen Farbenton ertheilte. Diese Tafeln hatten meist die Größe der hölzernen, die Schrift wurde mit eisernen Griffeln hineingeritzt, doch wohl auch mit Oelfarbe darauf die Schrift gemalt, wie es der Gelehrte Schün gethan und Anderen gelehrt haben soll. Dieses Schriftmaterial erhielt sich bis zu Anfang unserer Zeitrechnung. Eine 299 v. u. Z. verfaßte Chronik führte den Namen Tsu=schu ( Bambusbuch ) , gerade wie in Deutschland das alte Wort Buch ( auf Buchenbast ) , der Birken- gesang, wie die Saster's der Hindus, das Bhoipatr am Himalaya ( auf Birkenbast ) , in Holland das Lindenbuch ( auf Lindenbast ) , in Schweden die Balkers ( Gesetze auf Holztafeln ) u. s. w. nach der Materie bezeichnet sind. Die naheliegendsten, wenn auch kostbarsten Materiale als Schriftstoff sind die Gewebe. Sie sind fest, nicht voluminös, biegsam, leicht zu behandeln. Darum wurde zu Baumwoll=, Linnen= und Seidengeweben gegriffen, welche durch eine gewisse Appretur zur leichten Aufnahme der Schrift geeignet gemacht wur- den. Man führte die Schriftzeichen mit einer Art hölzernen Stäb- chens und Tusche, schwarze Erde und rothe Erde ( Zinnober ) und Gummi aus, wie solche schon 1100 v. u. Z. bekannt war. Um's Jahr 200 v. Chr. erfand Mung=tian, der Erbauer der chine- sischen Schutzmauer, den Pinsel ( Pi ) . Die Gewebe waren aber kostspielig, denn sie mußten fein und dicht sein, um die kleinen chinesischen Schriftbilder deutlich aufzu- nehmen; die feinen Basthäutchen der Schilfpflanze, des Bambus, der Ulme, Buche, Birke und des Ahorns waren zerbrechlich und nur von geringer Fläche; die Blätter der Palmen, des Oel= und Pappelbaumes konnten nur zu kurzen Niederschriften für den Augen- blick benutzt werden; Häute und Leder, Metallblättchen und Knochen- täfelchen waren zu wenig eben und geschmeidig, aber auch zu theuer, um das großartige Bedürfniß nach einem billigen, leichten, ge- schmeidigen und feinen Schriftblatte befriedigen zu können; -- da kam in dieser Noth ein Mann auf den wunderbaren Gedanken: aus Fasern einen feinen, wässrigdünnen Brei zu bereiten, diese Fasern auf Siebformen durch Entwässerung fest zu verfilzen und das verfilzte Blatt für die Schrift so geeignet zu machen, daß es allen Anforderungen genügt, billig und massenhaft zu beschaffen ist, wegen seiner Dünnheit und Leichtigkeit in alle Formen gebogen ( nicht gebrochen ) und somit schnell und vollkommen verborgen wer- den kann. Der Mann, welcher diesen wunderbaren, ganz neuen Ge- danken erfaßte, war Tsae=lün, ein Gelehrter ( Mandarin ) und Ackerbauminister unter dem Kaiser Hio=wenti aus der Han=Dynastie ( 125 bis 96 v. u. Z.? ) , ein Mann von vielem Wissen und prak- tischem Sinn, der schon mancherlei Gutes dem Volke gelehrt hatte. Es fiel die erste Ausführung seiner Jdee in das Jahr 123 v. u. Z., so daß in diesem Jahre es 2000 Jahre her sind, daß die Schi=Bereitung oder Papierfabrikation besteht. Tsae=lün benutzte die Bastfasern, den Spinnabfall der Hanf- fasern, die abgetragen Gewebe ( Hadern ) , Angelschnüre und Netze, einzeln oder unter einander gemischt, indem er sie so lange in Wasser, dann in Kalkwasser einlegte und dann kochte, bis sie eine breiartige Form angenommen hatten. -- Sollte ein Schiblatt ge- leimt und glänzend sein, so zog man es durch Reisschleim oder Hausenblase, denen man Alaun ( Fan ) zusetzte, und bis vor nicht langer Zeit hieß bei uns diese Procedur „das Faniren“, was so- mit aus dem Chinesischen stammt. Die Bahn für den neuen Schriftstoff war bald gebrochen; Stroharten, Bambusmark und die zarten Schößlinge desselben, Nesselarten, Baumwollstauden und einige andere Spinnfaserpflanzen wurden versucht und mehr oder weniger geeignet gefunden, um ver- schiedene Schisorten daraus zu verfertigen. -- Ebenso erfand Tsae- lün die Verarbeitung der Rinde des Papier=Maulbeerbaumes und seine Methoden sind noch heute in China und Nipon ( Japan ) gebräuchlich. Tsae=lün fand große Verehrung unter seinen Landsleuten und nach seinem Tode errichtete man ihm Tempel aus Dankbarkeit; denn kein Volk besitzt so viel Hang zur Wissenschaft, würdigt so seine großen Männer, schätzt so ganz besonders das verfilzte Schi- blatt und weiß so vielseitig dasselbe zu verwenden und nutzbar zu machen, als die Chinesen und in neuerer Zeit die Japanesen. Charakteristisch ist auch in dieser Beziehung die chinesische Bezeich- nung für Schreibzeug, also für Papier, Pinsel, Tusche und Reib- schaale ( Schi, Qvau, Mi und Tuan ) , welche sie Sse=pao, das heißt die vier größten Schätze, nennen. ( Fortsetzung folgt. )

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Zitationshilfe: Der Arbeitgeber. Nr. 1059. Frankfurt a. M., 18. August 1877, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_arbeitgeber1059_1877/1>, abgerufen am 22.09.2019.