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Der Arbeitgeber. Nr. 705. Frankfurt a. M., 5. November 1870.

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Arbeitgeber.
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Usingen bei
Frankfurt a. M., 5. November
1870.


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Das Elsaß.
II.

Die Gewerbe, namentlich die kleinen, werden mit Sicherheit
gewinnen, weil ihnen bisher Paris eine starke Konkurrenz gemacht,
die nun zum Theil wegfällt. Nur bei der Großindustrie ist
die Lage verschieden, weil diese zu einem großen Theil auf den fran-
zösischen Markt angewiesen ist, und zwar handelt es sich hier haupt-
sächlich um den Oberrhein; der Niederrhein hat eine sehr gesunde
Jndustrie, die nicht von Frankreich abhängig ist. Nach dem Diction.
geogr. de la France
zählt der Niederrhein 588,000 Einwohner,
worunter 376,000 Katholiken, 181,000 Protestanten und 31,000 Ju-
den; der Oberrhein 512,000 Einwohner, worunter 458,000 Katho-
liken und 53,000 Protestanten. Der Erstere zählte im Jahr 1864
24,722 Fabriken und Werkstätten, die 114,000 Personen beschäf-
tigten. Zahl der Dampfmaschinen: 221. Die Hauptfaktoren sind:
Spinnereien, Webereien ( 3000 ) , Papierfabriken, Färbereien, Seiden=,
Tuch= und chemische Fabriken, Glashütten, Maschinen=, Seifen= und
Waffenfabriken. Der Oberrhein, der hauptindustrielle Theil, hat
16,575 Werkanlagen mit 537 Dampfmaschinen; er ist der Sitz der
Großindustrie. Diese wird in den meisten Zweigen sich den neuen
Verhältnissen anbequemen, absolute Schwierigkeit bietet nur die
Baumwoll=Jndustrie, welche durch die Schutzzölle Frankreichs
auf Kosten der Franzosen groß geworden -- selbst jetzt noch beträgt
der Zoll für Garn 10 und Gewebe 15 pCt. vom Werth auf
Frankreich angewiesen ist. -- Würde Mühlhausen einfach Mitglied
des Zollvereins, so wäre ihm daher plötzlich sein Hauptabsatzgebiet
abgeschnitten, es müßte sich mit Macht auf den Zollverein werfen
und würde diesem eine empfindliche Konkurrenz bereiten oder zu
Grund gehen. Eine Anzahl Fabriken, entweder Elsässer oder zoll-
vereinische, müßte jedenfalls untergehen, da der Verbrauch sich nicht
plötzlich verdoppeln kann. Das Elsaß besitzt nämlich nicht weniger
als 2,100,000 Spindeln, während der ganze Zollverein heute nur
etwas über 3 Millionnen besitzt. Mühlhausen, Gebweiler, Thann,
Wässerling u. A. sind Fabrikplätze, deren Produktion kolossalen Um-
fang erreicht hat. Dieselben führen zwar auch große Quantitäten
aus, namentlich seitdem die Handels=Verträge mit England und
Deutschland sie zu größerer Anstrengung genöthigt, allein ihr Haupt-
markt ist Frankreich, den man ihm also durch niedere Zölle erhalten
muß. Die deutschen Handelskammern haben auf diesen Ausweg
schon hingewiesen, der zugleich einen weiteren wichtigen volkswirth-
schaftlichen Fortschritt bezeichnen würde. Jn der Weberei beschäftigt
das Elsaß 50,000 mechanische Webstühle und 35,000 Arbeiter; im
Ganzen verarbeitet es für 300 Millionen Francs Baumwolle zu
einem Werthe von ca. 1200 Mill., während der Zollverein nur
20,000 mechanische Webstühle besitzt. -- Das Elsaß liefert haupt-
sächlich Calicot, Percales und Jaconets, in deren Druck es sich ganz
besonders auszeichnet. Dollfuß, Mieg u. Co. z. B. fertigen Zwirne, welche
theurer als die englischen sind und vielfach statt Seide angewandt
werden. Ebenso sollen die Kattune besser als die englischen sein.
Die Tuchfabrikation, welche in Bischweiler ihren Hauptsitz hat,
das jährlich für 15--20 Millionen erzeugt, wird kaum eine Ver-
änderung erleiden, da sie meist für den eigenen Verbrauch des Landes
arbeitet. Ebenso wird die Filzindustrie in Mühlhausen unbe-
rührt bleiben. Gewinnen werden aber alle andern Gewerbe, wie die
berühmten Straßburger Gerbereien, Bierbrauereien und viele Artikel
des gewöhnlichen Bedarfs, die im Elsaß in guter Beschaffenheit ge-
liefert werden.

Zur Hebung der natürlichen Schätze des Landes ist aber vor
Allem Eins nöthig: bessere Schulen. Die deutsche Sprache,
fast verdrängt aus denselben, muß wieder in ihr Recht eingesetzt
werden, damit sie neues Leben dem Volke einhauche; denn was kann
ein solches lernen, wenn in fremder Sprache gelehrt wird. Wie
weit man mit Unterdrückung der deutschen Sprache ging, zeigt ein
höchst merkwürdiges Aktenstück, das kürzlich in Lothringen aufgefunden
wurde: ein Rundschreiben des Departements=Rathes zu Metz an die
Lehrer, das deutlich Kunde gibt von dem Bestreben besonders seit
der Napoleon'schen Herrschaft, die deutsche Sprache auszurotten. Das
Schriftstück enthält das neue Schulprogramm und theilt zunächst mit,
daß die Departements=Behörde sich seit langer Zeit mit der Ver-
breitung der französischen Sprache in den deutschen Orten beschäf-
tige: sie wolle " zur Unterstützung der Absichten der
Regierung
und der Oberbehörde die Zeit herbeiführen, in der
keine andere Sprache mehr angewendet werde, als die der Nation."
"Dieses so erwünschte Ziel ( ! ) könne aber nur erreicht werden durch
den ernsten Willen Derer, die zur Leitung der Kindererziehung be-
rufen seien." Jn den Bewahranstalten soll nur französisch gesprochen
werden. Jn den Schulen sei das Deutsche vorläufig unerläßliches
Hilfsmittel zum Verkehr zwischen Lehrer und Schüler, es sei aber
nur als solches nicht als gesetzlich berechtigter Lehrgegenstand
zulässig. "Sobald das Kind im Stande ist, Französisch zu verkehren,
muß das Deutsche aufhören und der Unterricht sich aus-
schließlich Französisch gestalten. Ebenso soll es mit dem Religions-
Unterricht gehalten werden. Jn der untersten Klasse ist mit dem
Französischen zu beginnen, in der mittleren soll es bereits vorwiegen
und in der oberen ausschließlich gebraucht werden, damit das Kind
sich gewöhnt die Nationalsprache zu sprechen und zu schreiben."
"Wir rechnen auf Jhren Eifer, heißt es am Schluß, und Sie können
sich versichert halten, daß wir verstehen werden, ihn anzuerkennen."
Metz, 29. März 1865. Der Präfekt Jeanin als Vorsitzender des
Departements=Rathes.

Diese Unterdrückung der Muttersprache, denn der Bauer lernte
das Französche doch nicht -- hatte so nachtheilige Folgen, daß sich
aufrichtige Patrioten veranlaßt sahen, dagen aufzutreten. Selbst ein
Franzose und noch dazu katholischer Geistliche, Kanonikus Cazeaux
von Straßburg, trat in einer Reihe von Briefen gegen die Unter-
drückung der deutschen Sprache im Jnteresse der Sittlichkeit und Re-
ligion auf ( Straßburg bei G. Silbermann, 1867 ) . Es unterliegt
keinem Zweifel, die bessere Pflege der deutschen Sprache wird die
große Masse des Volkes im Elsaß auf eine höhere Stufe der Bil-
dung heben, ihr die Schätze deutschen Wissens öffnen, und damit
auch die Wirthschaft des Landes in einer Weise fördern, wie es unter
Frankreich nie hätte geschehen können.    F. W.

Nach dem Krieg?
III.

P. B. Wie wird es mit der Entwicklung der französischen Wirth-
schaft nach dem Krieg aussehen? Diese Frage ist leicht und schwer
zu beantworten, wie man's nimmt. Leicht, wenn man an der Ober-
fläche bleibt, schwerer bei etwas tieferem Eingehen auf dieselbe.

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II.

Die Gewerbe, namentlich die kleinen, werden mit Sicherheit
gewinnen, weil ihnen bisher Paris eine starke Konkurrenz gemacht,
die nun zum Theil wegfällt. Nur bei der Großindustrie ist
die Lage verschieden, weil diese zu einem großen Theil auf den fran-
zösischen Markt angewiesen ist, und zwar handelt es sich hier haupt-
sächlich um den Oberrhein; der Niederrhein hat eine sehr gesunde
Jndustrie, die nicht von Frankreich abhängig ist. Nach dem Diction.
geogr. de la France
zählt der Niederrhein 588,000 Einwohner,
worunter 376,000 Katholiken, 181,000 Protestanten und 31,000 Ju-
den; der Oberrhein 512,000 Einwohner, worunter 458,000 Katho-
liken und 53,000 Protestanten. Der Erstere zählte im Jahr 1864
24,722 Fabriken und Werkstätten, die 114,000 Personen beschäf-
tigten. Zahl der Dampfmaschinen: 221. Die Hauptfaktoren sind:
Spinnereien, Webereien ( 3000 ) , Papierfabriken, Färbereien, Seiden=,
Tuch= und chemische Fabriken, Glashütten, Maschinen=, Seifen= und
Waffenfabriken. Der Oberrhein, der hauptindustrielle Theil, hat
16,575 Werkanlagen mit 537 Dampfmaschinen; er ist der Sitz der
Großindustrie. Diese wird in den meisten Zweigen sich den neuen
Verhältnissen anbequemen, absolute Schwierigkeit bietet nur die
Baumwoll=Jndustrie, welche durch die Schutzzölle Frankreichs
auf Kosten der Franzosen groß geworden -- selbst jetzt noch beträgt
der Zoll für Garn 10 und Gewebe 15 pCt. vom Werth auf
Frankreich angewiesen ist. -- Würde Mühlhausen einfach Mitglied
des Zollvereins, so wäre ihm daher plötzlich sein Hauptabsatzgebiet
abgeschnitten, es müßte sich mit Macht auf den Zollverein werfen
und würde diesem eine empfindliche Konkurrenz bereiten oder zu
Grund gehen. Eine Anzahl Fabriken, entweder Elsässer oder zoll-
vereinische, müßte jedenfalls untergehen, da der Verbrauch sich nicht
plötzlich verdoppeln kann. Das Elsaß besitzt nämlich nicht weniger
als 2,100,000 Spindeln, während der ganze Zollverein heute nur
etwas über 3 Millionnen besitzt. Mühlhausen, Gebweiler, Thann,
Wässerling u. A. sind Fabrikplätze, deren Produktion kolossalen Um-
fang erreicht hat. Dieselben führen zwar auch große Quantitäten
aus, namentlich seitdem die Handels=Verträge mit England und
Deutschland sie zu größerer Anstrengung genöthigt, allein ihr Haupt-
markt ist Frankreich, den man ihm also durch niedere Zölle erhalten
muß. Die deutschen Handelskammern haben auf diesen Ausweg
schon hingewiesen, der zugleich einen weiteren wichtigen volkswirth-
schaftlichen Fortschritt bezeichnen würde. Jn der Weberei beschäftigt
das Elsaß 50,000 mechanische Webstühle und 35,000 Arbeiter; im
Ganzen verarbeitet es für 300 Millionen Francs Baumwolle zu
einem Werthe von ca. 1200 Mill., während der Zollverein nur
20,000 mechanische Webstühle besitzt. -- Das Elsaß liefert haupt-
sächlich Calicot, Percales und Jaconets, in deren Druck es sich ganz
besonders auszeichnet. Dollfuß, Mieg u. Co. z. B. fertigen Zwirne, welche
theurer als die englischen sind und vielfach statt Seide angewandt
werden. Ebenso sollen die Kattune besser als die englischen sein.
Die Tuchfabrikation, welche in Bischweiler ihren Hauptsitz hat,
das jährlich für 15--20 Millionen erzeugt, wird kaum eine Ver-
änderung erleiden, da sie meist für den eigenen Verbrauch des Landes
arbeitet. Ebenso wird die Filzindustrie in Mühlhausen unbe-
rührt bleiben. Gewinnen werden aber alle andern Gewerbe, wie die
berühmten Straßburger Gerbereien, Bierbrauereien und viele Artikel
des gewöhnlichen Bedarfs, die im Elsaß in guter Beschaffenheit ge-
liefert werden.

Zur Hebung der natürlichen Schätze des Landes ist aber vor
Allem Eins nöthig: bessere Schulen. Die deutsche Sprache,
fast verdrängt aus denselben, muß wieder in ihr Recht eingesetzt
werden, damit sie neues Leben dem Volke einhauche; denn was kann
ein solches lernen, wenn in fremder Sprache gelehrt wird. Wie
weit man mit Unterdrückung der deutschen Sprache ging, zeigt ein
höchst merkwürdiges Aktenstück, das kürzlich in Lothringen aufgefunden
wurde: ein Rundschreiben des Departements=Rathes zu Metz an die
Lehrer, das deutlich Kunde gibt von dem Bestreben besonders seit
der Napoleon'schen Herrschaft, die deutsche Sprache auszurotten. Das
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daß die Departements=Behörde sich seit langer Zeit mit der Ver-
breitung der französischen Sprache in den deutschen Orten beschäf-
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Regierung
und der Oberbehörde die Zeit herbeiführen, in der
keine andere Sprache mehr angewendet werde, als die der Nation.“
„Dieses so erwünschte Ziel ( ! ) könne aber nur erreicht werden durch
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rufen seien.“ Jn den Bewahranstalten soll nur französisch gesprochen
werden. Jn den Schulen sei das Deutsche vorläufig unerläßliches
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nur als solches nicht als gesetzlich berechtigter Lehrgegenstand
zulässig. „Sobald das Kind im Stande ist, Französisch zu verkehren,
muß das Deutsche aufhören und der Unterricht sich aus-
schließlich Französisch gestalten. Ebenso soll es mit dem Religions-
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Franzose und noch dazu katholischer Geistliche, Kanonikus Cazeaux
von Straßburg, trat in einer Reihe von Briefen gegen die Unter-
drückung der deutschen Sprache im Jnteresse der Sittlichkeit und Re-
ligion auf ( Straßburg bei G. Silbermann, 1867 ) . Es unterliegt
keinem Zweifel, die bessere Pflege der deutschen Sprache wird die
große Masse des Volkes im Elsaß auf eine höhere Stufe der Bil-
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Frankreich nie hätte geschehen können.    F. W.

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[0001] Der „Arbeitgeber“ erscheint wöchentlich, die „Patentliste“ monatlich. Preis: 1 / 2 jährl. in Preußen 3 fl. 2 kr. od. 1 Thlr. 22 Gr., bei allen übrigen deutschen Postämtern 2 fl. 55 kr. od. 1 2 / 3 Thlr. Anzeigen: für die dreispaltige Petitzeile od. deren Raum 6 kr. Der Betrag wird durch Postnachnahme erhoben. Kleine Beträge können durch Briefmarken ausgeglichen werden. Red. des „Arbeitgeber“, Gallusgasse 9. in Frankfurt a. M. Der Arbeitgeber. Archiv für die gesammte Volkswirthschaft, Central-Anzeiger für Stellen- und Arbeitergesuche. Bestellungen werden von allen Postämtern u. Buchhandlun- gen, von letzteren auch Jnse- rate jederzeit angenommen. Briefe werden franco erbeten. Das Patent= u. Maschinen- Geschäft des „Arbeitgeber“ übernimmt die Ausführung neuer Erfindungen, vermit- telt den Ankauf ( zum Fabrik- preis ) und Verkauf von Ma- schinen aller Art, es besorgt Patente für alle Länder und übernimmt deren Ver- werthung. Nro 705. Usingen bei Frankfurt a. M., 5. November 1870. Das Elsaß. II. Die Gewerbe, namentlich die kleinen, werden mit Sicherheit gewinnen, weil ihnen bisher Paris eine starke Konkurrenz gemacht, die nun zum Theil wegfällt. Nur bei der Großindustrie ist die Lage verschieden, weil diese zu einem großen Theil auf den fran- zösischen Markt angewiesen ist, und zwar handelt es sich hier haupt- sächlich um den Oberrhein; der Niederrhein hat eine sehr gesunde Jndustrie, die nicht von Frankreich abhängig ist. Nach dem Diction. geogr. de la France zählt der Niederrhein 588,000 Einwohner, worunter 376,000 Katholiken, 181,000 Protestanten und 31,000 Ju- den; der Oberrhein 512,000 Einwohner, worunter 458,000 Katho- liken und 53,000 Protestanten. Der Erstere zählte im Jahr 1864 24,722 Fabriken und Werkstätten, die 114,000 Personen beschäf- tigten. Zahl der Dampfmaschinen: 221. Die Hauptfaktoren sind: Spinnereien, Webereien ( 3000 ) , Papierfabriken, Färbereien, Seiden=, Tuch= und chemische Fabriken, Glashütten, Maschinen=, Seifen= und Waffenfabriken. Der Oberrhein, der hauptindustrielle Theil, hat 16,575 Werkanlagen mit 537 Dampfmaschinen; er ist der Sitz der Großindustrie. Diese wird in den meisten Zweigen sich den neuen Verhältnissen anbequemen, absolute Schwierigkeit bietet nur die Baumwoll=Jndustrie, welche durch die Schutzzölle Frankreichs auf Kosten der Franzosen groß geworden -- selbst jetzt noch beträgt der Zoll für Garn 10 und Gewebe 15 pCt. vom Werth auf Frankreich angewiesen ist. -- Würde Mühlhausen einfach Mitglied des Zollvereins, so wäre ihm daher plötzlich sein Hauptabsatzgebiet abgeschnitten, es müßte sich mit Macht auf den Zollverein werfen und würde diesem eine empfindliche Konkurrenz bereiten oder zu Grund gehen. Eine Anzahl Fabriken, entweder Elsässer oder zoll- vereinische, müßte jedenfalls untergehen, da der Verbrauch sich nicht plötzlich verdoppeln kann. Das Elsaß besitzt nämlich nicht weniger als 2,100,000 Spindeln, während der ganze Zollverein heute nur etwas über 3 Millionnen besitzt. Mühlhausen, Gebweiler, Thann, Wässerling u. A. sind Fabrikplätze, deren Produktion kolossalen Um- fang erreicht hat. Dieselben führen zwar auch große Quantitäten aus, namentlich seitdem die Handels=Verträge mit England und Deutschland sie zu größerer Anstrengung genöthigt, allein ihr Haupt- markt ist Frankreich, den man ihm also durch niedere Zölle erhalten muß. Die deutschen Handelskammern haben auf diesen Ausweg schon hingewiesen, der zugleich einen weiteren wichtigen volkswirth- schaftlichen Fortschritt bezeichnen würde. Jn der Weberei beschäftigt das Elsaß 50,000 mechanische Webstühle und 35,000 Arbeiter; im Ganzen verarbeitet es für 300 Millionen Francs Baumwolle zu einem Werthe von ca. 1200 Mill., während der Zollverein nur 20,000 mechanische Webstühle besitzt. -- Das Elsaß liefert haupt- sächlich Calicot, Percales und Jaconets, in deren Druck es sich ganz besonders auszeichnet. Dollfuß, Mieg u. Co. z. B. fertigen Zwirne, welche theurer als die englischen sind und vielfach statt Seide angewandt werden. Ebenso sollen die Kattune besser als die englischen sein. Die Tuchfabrikation, welche in Bischweiler ihren Hauptsitz hat, das jährlich für 15--20 Millionen erzeugt, wird kaum eine Ver- änderung erleiden, da sie meist für den eigenen Verbrauch des Landes arbeitet. Ebenso wird die Filzindustrie in Mühlhausen unbe- rührt bleiben. Gewinnen werden aber alle andern Gewerbe, wie die berühmten Straßburger Gerbereien, Bierbrauereien und viele Artikel des gewöhnlichen Bedarfs, die im Elsaß in guter Beschaffenheit ge- liefert werden. Zur Hebung der natürlichen Schätze des Landes ist aber vor Allem Eins nöthig: bessere Schulen. Die deutsche Sprache, fast verdrängt aus denselben, muß wieder in ihr Recht eingesetzt werden, damit sie neues Leben dem Volke einhauche; denn was kann ein solches lernen, wenn in fremder Sprache gelehrt wird. Wie weit man mit Unterdrückung der deutschen Sprache ging, zeigt ein höchst merkwürdiges Aktenstück, das kürzlich in Lothringen aufgefunden wurde: ein Rundschreiben des Departements=Rathes zu Metz an die Lehrer, das deutlich Kunde gibt von dem Bestreben besonders seit der Napoleon'schen Herrschaft, die deutsche Sprache auszurotten. Das Schriftstück enthält das neue Schulprogramm und theilt zunächst mit, daß die Departements=Behörde sich seit langer Zeit mit der Ver- breitung der französischen Sprache in den deutschen Orten beschäf- tige: sie wolle „ zur Unterstützung der Absichten der Regierung und der Oberbehörde die Zeit herbeiführen, in der keine andere Sprache mehr angewendet werde, als die der Nation.“ „Dieses so erwünschte Ziel ( ! ) könne aber nur erreicht werden durch den ernsten Willen Derer, die zur Leitung der Kindererziehung be- rufen seien.“ Jn den Bewahranstalten soll nur französisch gesprochen werden. Jn den Schulen sei das Deutsche vorläufig unerläßliches Hilfsmittel zum Verkehr zwischen Lehrer und Schüler, es sei aber nur als solches nicht als gesetzlich berechtigter Lehrgegenstand zulässig. „Sobald das Kind im Stande ist, Französisch zu verkehren, muß das Deutsche aufhören und der Unterricht sich aus- schließlich Französisch gestalten. Ebenso soll es mit dem Religions- Unterricht gehalten werden. Jn der untersten Klasse ist mit dem Französischen zu beginnen, in der mittleren soll es bereits vorwiegen und in der oberen ausschließlich gebraucht werden, damit das Kind sich gewöhnt die Nationalsprache zu sprechen und zu schreiben.“ „Wir rechnen auf Jhren Eifer, heißt es am Schluß, und Sie können sich versichert halten, daß wir verstehen werden, ihn anzuerkennen.“ Metz, 29. März 1865. Der Präfekt Jeanin als Vorsitzender des Departements=Rathes. Diese Unterdrückung der Muttersprache, denn der Bauer lernte das Französche doch nicht -- hatte so nachtheilige Folgen, daß sich aufrichtige Patrioten veranlaßt sahen, dagen aufzutreten. Selbst ein Franzose und noch dazu katholischer Geistliche, Kanonikus Cazeaux von Straßburg, trat in einer Reihe von Briefen gegen die Unter- drückung der deutschen Sprache im Jnteresse der Sittlichkeit und Re- ligion auf ( Straßburg bei G. Silbermann, 1867 ) . Es unterliegt keinem Zweifel, die bessere Pflege der deutschen Sprache wird die große Masse des Volkes im Elsaß auf eine höhere Stufe der Bil- dung heben, ihr die Schätze deutschen Wissens öffnen, und damit auch die Wirthschaft des Landes in einer Weise fördern, wie es unter Frankreich nie hätte geschehen können. F. W. Nach dem Krieg? III. P. B. Wie wird es mit der Entwicklung der französischen Wirth- schaft nach dem Krieg aussehen? Diese Frage ist leicht und schwer zu beantworten, wie man's nimmt. Leicht, wenn man an der Ober- fläche bleibt, schwerer bei etwas tieferem Eingehen auf dieselbe.

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Zitationshilfe: Der Arbeitgeber. Nr. 705. Frankfurt a. M., 5. November 1870, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_arbeitgeber0705_1870/1>, abgerufen am 12.11.2019.