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Der Arbeitgeber. Nr. 695. Frankfurt a. M., 27. August 1870.

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[Spaltenumbruch] Garnfärbereien in Elberfeld 1,320,804 Handvoll, in Bilk 385,772
Handvoll, in Barmen, Rittershausen 540,077 Handvoll baumwollene
Garne zum Färben. Auch in Schlesien betrug die zollfreie Bear-
beitung der aus Oestreich zum Bleichen, Färben und Appretiren ein-
gesendeten Leinen= und Baumwollgarne und Waaren [unleserliches Material - 4 Zeichen fehlen]niht unerheb-
liche Summen. -- Wie sehr die amerikanischen [unleserliches Material - 17 Zeichen fehlen]Handelsinteressen bei
dem gegenwärtig französisch=deutschen Kriege in Frage kommen, zeigt
eine Uebersicht der Ein= und Ausfuhr des Jahres 1869. Die
Vereinigten Staaten bezogen:

aus dem norddeutschen Bundefür 34,087,500 Thlr.
aus Frankreich für.....48,060,000 "

und lieferten

nach dem norddeutschen Bundefür 56,487,500 Thlr.
nach Frankreich für.....58,860,000 "

Die Einwanderung betrug aus Deutschland 1869: 132,537 Köpfe,
in den letzten 5 Jahren zusammen ca. 600,000, während sie aus
Frankreich nur unbedeutend war.

* Zoll= und Stenerwesen. Gegenüber der französischen Auf-
hebung der Zollvereinsverträge ist verfügt worden, daß alle im freien
Verkehr des Zollvereins befindlichen Waaren auf den von den deut-
schen Heeren besetzten Grenzen zollfrei nach Frankreich eingehen.
Weiter muß vom 10. August ab aller französischer Wein, welcher
die Zollvereinsgrenze passirt, zu dem höhern Zollsatze von 4 Thaler
pro Centner verzollt werden, letzteres auf Grund des Vereinsgesetzes
vom 17. Mai 1870, weil Frankreich Deutschland vertragswidrig
nicht wie die meistbegünstigten Länder behandelt. Die am 3. Aug.
offiziell verkündigte Aufhebung der Zollverträge mit Deutschland wird
übrigens ihre Spitze weit mehr gegen Frankreich selbst als gegen
Deutschland kehren.

* Entschädigungen für erlittene Verletzungen von Seiten
englischer Eisenbahnen. Jn den Jahren 1868 und 1869
bezahlte die London= und Northwestern=Company folgende Summen an
644 beschädigte Personen:

an291Personenzwischen1L. St.und50L. St.
"98""50""100"
"96""100""200"
"92""200""500"
"35""500""1000"
"18""1000""2000"
"13""2000""5000"

* Wirthschaft im Krieg. Der fränkische Gartenbauverein in
Würzburg hält einen Blumenmarkt ab zum Besten der Ver-
wundeten.

* Die Deutschen in Frankreich. Nach der " Statistique de la
France
" ( Straßburg 1869 ) , der offiziellen Publikation über den
Census von 1866, betrug die Anzahl der in Frankreich wohnenden
"deutschen Unterthanen" im Ganzen 106,606 Seelen. Jm Jahre
1851 war die Anzahl derselben nicht höher als 57,061. Jene
106,606 Deutsche wohnten in größerer Anzahl nur in folgenden
13 Departements: Seine 34,271 ( davon in Paris 30,556 ) , Mo-
selle 16,023, Bas=Rhin 13871, Haut=Rhin 13,539, Rhone 2,684,
Meurthe 2,167, Seine=Jnferieure 2,080, Marne 1,729, Doubs 1,666,
Seine=et=Oise 1,593, Gironde 1,351, Oise 1,114, Meuse 1,031.
Die übrigen 13,487 wohnten zerstreut in den übrigen Departements.
Ob diese Zahlen seit den letzten 4 Jahren wesentlich alterirt sind,
wissen wir nicht. Jedenfalls stimmen sie nicht mit den deutscher Seits
gemachten Angaben. Ein Bericht der "Kriegszeitung" gibt die Zahl
der beim Ausbruch des Krieges in Paris befindlichen Deutschen auf
ca. 80,000 an. Von dieser Zahl kommen ca. 12,000 in Abzug,
welche entweder als Wehrpflichtige gleich Anfang nach der Heimath
zurückgekehrt oder französische Bürger geworden sind, resp. das
Bürgerrecht nachgesucht haben. Demnach werden 68,000 ( ? ) Deutsche
ausgewiesen. ( Die meisten derselben sind nach Basel und Bern
dirigirt worden. )

* Die vertriebenen Deutschen in Paris. Herr Dr. H. Rentzsch
fordert die deutsche Jndustrie auf, sich der aus Paris resp. Frank-
reich vertriebenen Deutschen anzunehmen; es seien darunter gewiß
die besten Arbeiter der Pariser Luxusindustrie. Diese Voraussetzung
stimmt nach den Mittheilungen Chevaliers. Durch Festhalten dieser
Arbeitskräfte in den deutschen Etablissements, welche bisher mit den
Parisern in gleicher Branche arbeiteten, wird den letzteren eine em-
pfindliche Konkurrenz bereitet werden. Trotzdem, daß gerade die Luxus-
[Spaltenumbruch] industrie gegenwärtig sehr darnieder liegen dürfte, ist der Vorschlag
des Herrn Rentzsch einer warmen Empfehlung werth.

+ Wichtig für die aus Frankreich vertriebenen Deutschen.
Wir erhalten von den Herren Lüttringhaus u. Co. in Mül-
heim am Rhein folgende Zuschrift: Wenn sich bei Jhnen von den
aus Paris vertriebenen Arbeitern melden sollten: Mechaniker,
Lederfärber
und Appreteure oder Zurichter, Leute, die
an Bügeln für Reisetaschen und Portemonnaies gear-
beitet
haben, so können wir denselben sammt deren Familiengliedern
lohnende Arbeit geben, und würden Sie uns verbinden, wenn Sie
uns selbe aufgeben wollten.

* Arbeiter=Angelegenheiten. Die Arbeitseinstellung in den
Kohlenbergwerken von Thorncliffe ( England ) , welche jetzt nahezu
anderthalb Jahre gedauert hat, und wegen der mit ihr verbundenen
Ausschreitungen Seitens der Gewerksvereinsmitglieder wiederholt er-
wähnt werden mußte, scheint endlich ihrem Ende zuzugehen, und
zwar ohne daß die Arbeiter ihren Willen durchgesetzt hätten. Auf
einer Versammlung der Gewerksvereinsmitglieder wurde beschlossen,
sich den Bedingungen der Arbeitgeber zu fügen. Wie es heißt sind
20,000 L. St. zur Unterstützung der feiernden Leute während der
73 Wochen der Arbeitseinstellung verausgabt worden.

-- Jn Berlin haben die Sattler, welche hauptsächlich für das
Militär arbeiten, wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt.

-- Der Krieg und die Gewerkvereine. Der " Gewerk-
verein " sagt: "Der gegenwärtige Krieg ist hereingebrochen wie der
Dieb in der Nacht; viele von unseren Mitgliedern sind treu dem
Rufe gefolgt, um das deutsche Vaterland gegen einen gewaltigen Feind
zu vertheidigen. Niemand hatte eine Ahnung von einer so plötzlichen
kriegerischen Situation, und viele, ja sehr viele Männer mußten so
schnell von ihren Familien Abschied nehmen, und vielleicht auf Nim-
merwiedersehen, ohne auch nur noch die in solchen Fällen nothwen-
digen Familien=Verhältnisse regeln zu können, und sehr viele sind
dem Rufe gefolgt, ohne daß sie ihren Familien einen Sparpfennig
zurücklassen konnten. -- Hier tritt nun wieder recht deutlich hervor,
ein wie dringend nothwendiges Bedürfniß der Arbeiter es ist, sich
den Gewerkvereinen anzuschließen; denn obgleich diese in ihren Sta-
tuten Nichts über Unterstützung der hinterbliebenen Familien zur
Fahne einberufener Mitglieder gesagt haben, so haben sich die Vereine
es dennoch zur heiligsten Aufgabe gemacht, die hinterbliebenen Fami-
lien ihrer Mitglieder nach Kräften zu unterstützen. Können nicht
die verheiratheten Mitglieder mit weit größerem Muthe dem unsere
Grenzen bedrohenden Feinde entgegenziehen, wenn ein jeder das Be-
wußtsein in sich trägt, ich habe viele Freunde in der Heimath, die
sich um das Wohlergehen meiner daheim gelassenen Familien küm-
mern! Ein rührendes und anerkennenswerthes Beispiel liegt uns
aus Schafstädt vor. Von dem dortigen Ortsverein der Fabrik= und
Handarbeiter allein sind nicht weniger denn 20 verheirathete Mit-
glieder eingezogen worden, welche zusammen ohne die Frauen, zwei
alte Mütter über 60 Jahre alt, und zwei und zwanzig Kinder
hinterlassen haben. Was thaten hier die Vereinsmitglieder für die
hinterlassenen Familien? Die Ernte war vor der Thür, frohen
Muthes zogen sie aus ins Feld und arbeiteten in der Ernte je nach-
dem es die Zeit der eigenen Verhältnisse gestattete, und der hierdurch
erworbene Verdienst diente dazu, um die Familien der zur Verthei-
digung des Vaterlandes ausgezogenen Mitglieder vor der augenblick-
lichen Noth zu schützen."

Handel und Verkehr.

* Banken. Der neueste Ausweis der preußischen Bank
konstatirte die erfreuliche Thatsache, daß der Geldmarkt eine beruhigte
Physiognomie angenommen hat. Die Ansprüche haben sich überall
von selbst ermäßigt, und so hat denn der Wechselbestand um 4 Mil-
lionen, der Lombard um nahezu 3 / 4 Millionen Thaler, gleichzeitig
auch der Notenumlauf um die bedeutende Summe von 6,4 Millionen
Thaler sich vermindert. Die Eröffnung der Darlehenskassen ist in
den meisten Orten erst wenige Tage vor der Zusammenstellung des
Bankausweises erfolgt, und hat daher auf die günstige Gestaltung
jenes Ausweises noch keinen Einfluß ausüben können. Daß die
Bank ohne alles Risiko zu der Reduktion des Diskontos und Lom-

[Spaltenumbruch] Garnfärbereien in Elberfeld 1,320,804 Handvoll, in Bilk 385,772
Handvoll, in Barmen, Rittershausen 540,077 Handvoll baumwollene
Garne zum Färben. Auch in Schlesien betrug die zollfreie Bear-
beitung der aus Oestreich zum Bleichen, Färben und Appretiren ein-
gesendeten Leinen= und Baumwollgarne und Waaren [unleserliches Material – 4 Zeichen fehlen]niht unerheb-
liche Summen. -- Wie sehr die amerikanischen [unleserliches Material – 17 Zeichen fehlen]Handelsinteressen bei
dem gegenwärtig französisch=deutschen Kriege in Frage kommen, zeigt
eine Uebersicht der Ein= und Ausfuhr des Jahres 1869. Die
Vereinigten Staaten bezogen:

aus dem norddeutschen Bundefür 34,087,500 Thlr.
aus Frankreich für.....48,060,000 „

und lieferten

nach dem norddeutschen Bundefür 56,487,500 Thlr.
nach Frankreich für.....58,860,000 „

Die Einwanderung betrug aus Deutschland 1869: 132,537 Köpfe,
in den letzten 5 Jahren zusammen ca. 600,000, während sie aus
Frankreich nur unbedeutend war.

* Zoll= und Stenerwesen. Gegenüber der französischen Auf-
hebung der Zollvereinsverträge ist verfügt worden, daß alle im freien
Verkehr des Zollvereins befindlichen Waaren auf den von den deut-
schen Heeren besetzten Grenzen zollfrei nach Frankreich eingehen.
Weiter muß vom 10. August ab aller französischer Wein, welcher
die Zollvereinsgrenze passirt, zu dem höhern Zollsatze von 4 Thaler
pro Centner verzollt werden, letzteres auf Grund des Vereinsgesetzes
vom 17. Mai 1870, weil Frankreich Deutschland vertragswidrig
nicht wie die meistbegünstigten Länder behandelt. Die am 3. Aug.
offiziell verkündigte Aufhebung der Zollverträge mit Deutschland wird
übrigens ihre Spitze weit mehr gegen Frankreich selbst als gegen
Deutschland kehren.

* Entschädigungen für erlittene Verletzungen von Seiten
englischer Eisenbahnen. Jn den Jahren 1868 und 1869
bezahlte die London= und Northwestern=Company folgende Summen an
644 beschädigte Personen:

an291Personenzwischen1L. St.und50L. St.
9850100
96100200
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355001000
1810002000
1320005000

* Wirthschaft im Krieg. Der fränkische Gartenbauverein in
Würzburg hält einen Blumenmarkt ab zum Besten der Ver-
wundeten.

* Die Deutschen in Frankreich. Nach der „ Statistique de la
France
“ ( Straßburg 1869 ) , der offiziellen Publikation über den
Census von 1866, betrug die Anzahl der in Frankreich wohnenden
„deutschen Unterthanen“ im Ganzen 106,606 Seelen. Jm Jahre
1851 war die Anzahl derselben nicht höher als 57,061. Jene
106,606 Deutsche wohnten in größerer Anzahl nur in folgenden
13 Departements: Seine 34,271 ( davon in Paris 30,556 ) , Mo-
selle 16,023, Bas=Rhin 13871, Haut=Rhin 13,539, Rhone 2,684,
Meurthe 2,167, Seine=Jnferieure 2,080, Marne 1,729, Doubs 1,666,
Seine=et=Oise 1,593, Gironde 1,351, Oise 1,114, Meuse 1,031.
Die übrigen 13,487 wohnten zerstreut in den übrigen Departements.
Ob diese Zahlen seit den letzten 4 Jahren wesentlich alterirt sind,
wissen wir nicht. Jedenfalls stimmen sie nicht mit den deutscher Seits
gemachten Angaben. Ein Bericht der „Kriegszeitung“ gibt die Zahl
der beim Ausbruch des Krieges in Paris befindlichen Deutschen auf
ca. 80,000 an. Von dieser Zahl kommen ca. 12,000 in Abzug,
welche entweder als Wehrpflichtige gleich Anfang nach der Heimath
zurückgekehrt oder französische Bürger geworden sind, resp. das
Bürgerrecht nachgesucht haben. Demnach werden 68,000 ( ? ) Deutsche
ausgewiesen. ( Die meisten derselben sind nach Basel und Bern
dirigirt worden. )

* Die vertriebenen Deutschen in Paris. Herr Dr. H. Rentzsch
fordert die deutsche Jndustrie auf, sich der aus Paris resp. Frank-
reich vertriebenen Deutschen anzunehmen; es seien darunter gewiß
die besten Arbeiter der Pariser Luxusindustrie. Diese Voraussetzung
stimmt nach den Mittheilungen Chevaliers. Durch Festhalten dieser
Arbeitskräfte in den deutschen Etablissements, welche bisher mit den
Parisern in gleicher Branche arbeiteten, wird den letzteren eine em-
pfindliche Konkurrenz bereitet werden. Trotzdem, daß gerade die Luxus-
[Spaltenumbruch] industrie gegenwärtig sehr darnieder liegen dürfte, ist der Vorschlag
des Herrn Rentzsch einer warmen Empfehlung werth.

† Wichtig für die aus Frankreich vertriebenen Deutschen.
Wir erhalten von den Herren Lüttringhaus u. Co. in Mül-
heim am Rhein folgende Zuschrift: Wenn sich bei Jhnen von den
aus Paris vertriebenen Arbeitern melden sollten: Mechaniker,
Lederfärber
und Appreteure oder Zurichter, Leute, die
an Bügeln für Reisetaschen und Portemonnaies gear-
beitet
haben, so können wir denselben sammt deren Familiengliedern
lohnende Arbeit geben, und würden Sie uns verbinden, wenn Sie
uns selbe aufgeben wollten.

* Arbeiter=Angelegenheiten. Die Arbeitseinstellung in den
Kohlenbergwerken von Thorncliffe ( England ) , welche jetzt nahezu
anderthalb Jahre gedauert hat, und wegen der mit ihr verbundenen
Ausschreitungen Seitens der Gewerksvereinsmitglieder wiederholt er-
wähnt werden mußte, scheint endlich ihrem Ende zuzugehen, und
zwar ohne daß die Arbeiter ihren Willen durchgesetzt hätten. Auf
einer Versammlung der Gewerksvereinsmitglieder wurde beschlossen,
sich den Bedingungen der Arbeitgeber zu fügen. Wie es heißt sind
20,000 L. St. zur Unterstützung der feiernden Leute während der
73 Wochen der Arbeitseinstellung verausgabt worden.

-- Jn Berlin haben die Sattler, welche hauptsächlich für das
Militär arbeiten, wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt.

-- Der Krieg und die Gewerkvereine. Der „ Gewerk-
verein “ sagt: „Der gegenwärtige Krieg ist hereingebrochen wie der
Dieb in der Nacht; viele von unseren Mitgliedern sind treu dem
Rufe gefolgt, um das deutsche Vaterland gegen einen gewaltigen Feind
zu vertheidigen. Niemand hatte eine Ahnung von einer so plötzlichen
kriegerischen Situation, und viele, ja sehr viele Männer mußten so
schnell von ihren Familien Abschied nehmen, und vielleicht auf Nim-
merwiedersehen, ohne auch nur noch die in solchen Fällen nothwen-
digen Familien=Verhältnisse regeln zu können, und sehr viele sind
dem Rufe gefolgt, ohne daß sie ihren Familien einen Sparpfennig
zurücklassen konnten. -- Hier tritt nun wieder recht deutlich hervor,
ein wie dringend nothwendiges Bedürfniß der Arbeiter es ist, sich
den Gewerkvereinen anzuschließen; denn obgleich diese in ihren Sta-
tuten Nichts über Unterstützung der hinterbliebenen Familien zur
Fahne einberufener Mitglieder gesagt haben, so haben sich die Vereine
es dennoch zur heiligsten Aufgabe gemacht, die hinterbliebenen Fami-
lien ihrer Mitglieder nach Kräften zu unterstützen. Können nicht
die verheiratheten Mitglieder mit weit größerem Muthe dem unsere
Grenzen bedrohenden Feinde entgegenziehen, wenn ein jeder das Be-
wußtsein in sich trägt, ich habe viele Freunde in der Heimath, die
sich um das Wohlergehen meiner daheim gelassenen Familien küm-
mern! Ein rührendes und anerkennenswerthes Beispiel liegt uns
aus Schafstädt vor. Von dem dortigen Ortsverein der Fabrik= und
Handarbeiter allein sind nicht weniger denn 20 verheirathete Mit-
glieder eingezogen worden, welche zusammen ohne die Frauen, zwei
alte Mütter über 60 Jahre alt, und zwei und zwanzig Kinder
hinterlassen haben. Was thaten hier die Vereinsmitglieder für die
hinterlassenen Familien? Die Ernte war vor der Thür, frohen
Muthes zogen sie aus ins Feld und arbeiteten in der Ernte je nach-
dem es die Zeit der eigenen Verhältnisse gestattete, und der hierdurch
erworbene Verdienst diente dazu, um die Familien der zur Verthei-
digung des Vaterlandes ausgezogenen Mitglieder vor der augenblick-
lichen Noth zu schützen.“

Handel und Verkehr.

* Banken. Der neueste Ausweis der preußischen Bank
konstatirte die erfreuliche Thatsache, daß der Geldmarkt eine beruhigte
Physiognomie angenommen hat. Die Ansprüche haben sich überall
von selbst ermäßigt, und so hat denn der Wechselbestand um 4 Mil-
lionen, der Lombard um nahezu 3 / 4 Millionen Thaler, gleichzeitig
auch der Notenumlauf um die bedeutende Summe von 6,4 Millionen
Thaler sich vermindert. Die Eröffnung der Darlehenskassen ist in
den meisten Orten erst wenige Tage vor der Zusammenstellung des
Bankausweises erfolgt, und hat daher auf die günstige Gestaltung
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[0003] Garnfärbereien in Elberfeld 1,320,804 Handvoll, in Bilk 385,772 Handvoll, in Barmen, Rittershausen 540,077 Handvoll baumwollene Garne zum Färben. Auch in Schlesien betrug die zollfreie Bear- beitung der aus Oestreich zum Bleichen, Färben und Appretiren ein- gesendeten Leinen= und Baumwollgarne und Waaren ____niht unerheb- liche Summen. -- Wie sehr die amerikanischen _________________Handelsinteressen bei dem gegenwärtig französisch=deutschen Kriege in Frage kommen, zeigt eine Uebersicht der Ein= und Ausfuhr des Jahres 1869. Die Vereinigten Staaten bezogen: aus dem norddeutschen Bunde für 34,087,500 Thlr. aus Frankreich für..... 48,060,000 „ und lieferten nach dem norddeutschen Bunde für 56,487,500 Thlr. nach Frankreich für..... 58,860,000 „ Die Einwanderung betrug aus Deutschland 1869: 132,537 Köpfe, in den letzten 5 Jahren zusammen ca. 600,000, während sie aus Frankreich nur unbedeutend war. * Zoll= und Stenerwesen. Gegenüber der französischen Auf- hebung der Zollvereinsverträge ist verfügt worden, daß alle im freien Verkehr des Zollvereins befindlichen Waaren auf den von den deut- schen Heeren besetzten Grenzen zollfrei nach Frankreich eingehen. Weiter muß vom 10. August ab aller französischer Wein, welcher die Zollvereinsgrenze passirt, zu dem höhern Zollsatze von 4 Thaler pro Centner verzollt werden, letzteres auf Grund des Vereinsgesetzes vom 17. Mai 1870, weil Frankreich Deutschland vertragswidrig nicht wie die meistbegünstigten Länder behandelt. Die am 3. Aug. offiziell verkündigte Aufhebung der Zollverträge mit Deutschland wird übrigens ihre Spitze weit mehr gegen Frankreich selbst als gegen Deutschland kehren. * Entschädigungen für erlittene Verletzungen von Seiten englischer Eisenbahnen. Jn den Jahren 1868 und 1869 bezahlte die London= und Northwestern=Company folgende Summen an 644 beschädigte Personen: an 291 Personen zwischen 1 L. St. und 50 L. St. „ 98 „ „ 50 „ „ 100 „ „ 96 „ „ 100 „ „ 200 „ „ 92 „ „ 200 „ „ 500 „ „ 35 „ „ 500 „ „ 1000 „ „ 18 „ „ 1000 „ „ 2000 „ „ 13 „ „ 2000 „ „ 5000 „ * Wirthschaft im Krieg. Der fränkische Gartenbauverein in Würzburg hält einen Blumenmarkt ab zum Besten der Ver- wundeten. * Die Deutschen in Frankreich. Nach der „ Statistique de la France “ ( Straßburg 1869 ) , der offiziellen Publikation über den Census von 1866, betrug die Anzahl der in Frankreich wohnenden „deutschen Unterthanen“ im Ganzen 106,606 Seelen. Jm Jahre 1851 war die Anzahl derselben nicht höher als 57,061. Jene 106,606 Deutsche wohnten in größerer Anzahl nur in folgenden 13 Departements: Seine 34,271 ( davon in Paris 30,556 ) , Mo- selle 16,023, Bas=Rhin 13871, Haut=Rhin 13,539, Rhone 2,684, Meurthe 2,167, Seine=Jnferieure 2,080, Marne 1,729, Doubs 1,666, Seine=et=Oise 1,593, Gironde 1,351, Oise 1,114, Meuse 1,031. Die übrigen 13,487 wohnten zerstreut in den übrigen Departements. Ob diese Zahlen seit den letzten 4 Jahren wesentlich alterirt sind, wissen wir nicht. Jedenfalls stimmen sie nicht mit den deutscher Seits gemachten Angaben. Ein Bericht der „Kriegszeitung“ gibt die Zahl der beim Ausbruch des Krieges in Paris befindlichen Deutschen auf ca. 80,000 an. Von dieser Zahl kommen ca. 12,000 in Abzug, welche entweder als Wehrpflichtige gleich Anfang nach der Heimath zurückgekehrt oder französische Bürger geworden sind, resp. das Bürgerrecht nachgesucht haben. Demnach werden 68,000 ( ? ) Deutsche ausgewiesen. ( Die meisten derselben sind nach Basel und Bern dirigirt worden. ) * Die vertriebenen Deutschen in Paris. Herr Dr. H. Rentzsch fordert die deutsche Jndustrie auf, sich der aus Paris resp. Frank- reich vertriebenen Deutschen anzunehmen; es seien darunter gewiß die besten Arbeiter der Pariser Luxusindustrie. Diese Voraussetzung stimmt nach den Mittheilungen Chevaliers. Durch Festhalten dieser Arbeitskräfte in den deutschen Etablissements, welche bisher mit den Parisern in gleicher Branche arbeiteten, wird den letzteren eine em- pfindliche Konkurrenz bereitet werden. Trotzdem, daß gerade die Luxus- industrie gegenwärtig sehr darnieder liegen dürfte, ist der Vorschlag des Herrn Rentzsch einer warmen Empfehlung werth. † Wichtig für die aus Frankreich vertriebenen Deutschen. Wir erhalten von den Herren Lüttringhaus u. Co. in Mül- heim am Rhein folgende Zuschrift: Wenn sich bei Jhnen von den aus Paris vertriebenen Arbeitern melden sollten: Mechaniker, Lederfärber und Appreteure oder Zurichter, Leute, die an Bügeln für Reisetaschen und Portemonnaies gear- beitet haben, so können wir denselben sammt deren Familiengliedern lohnende Arbeit geben, und würden Sie uns verbinden, wenn Sie uns selbe aufgeben wollten. * Arbeiter=Angelegenheiten. Die Arbeitseinstellung in den Kohlenbergwerken von Thorncliffe ( England ) , welche jetzt nahezu anderthalb Jahre gedauert hat, und wegen der mit ihr verbundenen Ausschreitungen Seitens der Gewerksvereinsmitglieder wiederholt er- wähnt werden mußte, scheint endlich ihrem Ende zuzugehen, und zwar ohne daß die Arbeiter ihren Willen durchgesetzt hätten. Auf einer Versammlung der Gewerksvereinsmitglieder wurde beschlossen, sich den Bedingungen der Arbeitgeber zu fügen. Wie es heißt sind 20,000 L. St. zur Unterstützung der feiernden Leute während der 73 Wochen der Arbeitseinstellung verausgabt worden. -- Jn Berlin haben die Sattler, welche hauptsächlich für das Militär arbeiten, wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. -- Der Krieg und die Gewerkvereine. Der „ Gewerk- verein “ sagt: „Der gegenwärtige Krieg ist hereingebrochen wie der Dieb in der Nacht; viele von unseren Mitgliedern sind treu dem Rufe gefolgt, um das deutsche Vaterland gegen einen gewaltigen Feind zu vertheidigen. Niemand hatte eine Ahnung von einer so plötzlichen kriegerischen Situation, und viele, ja sehr viele Männer mußten so schnell von ihren Familien Abschied nehmen, und vielleicht auf Nim- merwiedersehen, ohne auch nur noch die in solchen Fällen nothwen- digen Familien=Verhältnisse regeln zu können, und sehr viele sind dem Rufe gefolgt, ohne daß sie ihren Familien einen Sparpfennig zurücklassen konnten. -- Hier tritt nun wieder recht deutlich hervor, ein wie dringend nothwendiges Bedürfniß der Arbeiter es ist, sich den Gewerkvereinen anzuschließen; denn obgleich diese in ihren Sta- tuten Nichts über Unterstützung der hinterbliebenen Familien zur Fahne einberufener Mitglieder gesagt haben, so haben sich die Vereine es dennoch zur heiligsten Aufgabe gemacht, die hinterbliebenen Fami- lien ihrer Mitglieder nach Kräften zu unterstützen. Können nicht die verheiratheten Mitglieder mit weit größerem Muthe dem unsere Grenzen bedrohenden Feinde entgegenziehen, wenn ein jeder das Be- wußtsein in sich trägt, ich habe viele Freunde in der Heimath, die sich um das Wohlergehen meiner daheim gelassenen Familien küm- mern! Ein rührendes und anerkennenswerthes Beispiel liegt uns aus Schafstädt vor. Von dem dortigen Ortsverein der Fabrik= und Handarbeiter allein sind nicht weniger denn 20 verheirathete Mit- glieder eingezogen worden, welche zusammen ohne die Frauen, zwei alte Mütter über 60 Jahre alt, und zwei und zwanzig Kinder hinterlassen haben. Was thaten hier die Vereinsmitglieder für die hinterlassenen Familien? Die Ernte war vor der Thür, frohen Muthes zogen sie aus ins Feld und arbeiteten in der Ernte je nach- dem es die Zeit der eigenen Verhältnisse gestattete, und der hierdurch erworbene Verdienst diente dazu, um die Familien der zur Verthei- digung des Vaterlandes ausgezogenen Mitglieder vor der augenblick- lichen Noth zu schützen.“ Handel und Verkehr. * Banken. Der neueste Ausweis der preußischen Bank konstatirte die erfreuliche Thatsache, daß der Geldmarkt eine beruhigte Physiognomie angenommen hat. Die Ansprüche haben sich überall von selbst ermäßigt, und so hat denn der Wechselbestand um 4 Mil- lionen, der Lombard um nahezu 3 / 4 Millionen Thaler, gleichzeitig auch der Notenumlauf um die bedeutende Summe von 6,4 Millionen Thaler sich vermindert. Die Eröffnung der Darlehenskassen ist in den meisten Orten erst wenige Tage vor der Zusammenstellung des Bankausweises erfolgt, und hat daher auf die günstige Gestaltung jenes Ausweises noch keinen Einfluß ausüben können. 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Zitationshilfe: Der Arbeitgeber. Nr. 695. Frankfurt a. M., 27. August 1870, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_arbeitgeber0695_1870/3>, abgerufen am 19.09.2019.