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Der Arbeitgeber. Nr. 673. Frankfurt a. M., 25. März 1870.

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[Spaltenumbruch] weitergehenden genossenschaftlichen Unternehmungen ) , Berathung eines
Statuts für den Verband und eines Musterstatuts für die einzelnen
Vereine nach vorausgegangener Berathung der Genossenschaftsgesetz-
gebung. Auf Grund der durch diesen ersten Verbandstatus gegebenen
Verfassung beginnt nun der weitere Ausbau derselben auf dem zweiten
Verbandstag, welcher am 16.--18. April d. J. in Zwickau=Schedewitz
abgehalten werden wird, durch Berichterstattung der in Bezug der
Gesetzgebung, Besteuerung, Verbreitung und Vervollkommnung der
Konsum=Vereine entwickelten Thätigkeit der Direktion und Berathung
folgender für den 2. Verbandstag bestimmten Tagesordnung: 1. Be-
richt, 2. Statuten der zu gründenden Einkaufs=Genossenschaft, 3. Wahl
eines Verbandsorgans, 4. Buchführung und Lagerhalter=Kontrole,
5. Branntweinverkauf in den Konsumvereinen, 6. Bedeutung des
Wechsels für Konsumvereine, 7. Wahlen des Direktoriums und der
Vertrauensmänner und des Ortes des nächsten Verbandstages. Die
mit dem ersten Verbandstag verbundene Ausstellung von Verbrauchs-
gegenständen und Erzeugnissen von Produktivgenossenschaften hatte eine
so allgemeine Befriedigung hervorgerufen, daß sie auch diesmal wieder
stattfinden soll. Erwünscht ist besonders eine rege Betheiligung von
Seiten der Produktiv=Genossenschaften, um Anregung zu geben, daß
auch sie bald daran denken, ihre gemeinsamen Jnteressen ins Auge
zu fassen. Anmeldungen zur Muster=Ausstellung und die Ausstel-
lungsgegenstände selbst sind bis zum 10. April an den Vorstand
der Ausstellungs=Kommission Herrn Obersteiger W. Feldmann in
Schedewitz bei Zwickau franco einzusenden und dabei gleichzeitig an-
zugeben, ob eine Rücksendung der Muster gewünscht wird. Wo eine
definitive Bestimmung des Ausstellers hierüber nicht getroffen wird,
verfügt die Kommission anderweit darüber.

* Schulwesen. Die Webschule in Reutlingen erfreut sich
einer fortwährend starken Frequenz. Dieselbe theilt sich in einen theo-
retischen, praktischen und mechanischen Kurs. Jm ersteren waren es
im verflossenen Jahr 20, im zweiten 19, im dritten 15, zusammen
54 Zöglinge. Dieselben waren aus Baden, Bayern, Hessen, Sachsen,
Preußen, Oestreich, Schweiz, Amerika und Würtemberg. Die Schüler
der praktischen Abtheilung werden in der mannigfaltigsten Weise von
dortigen und auswärtigen Fabrikanten in Woll=, Baumwoll= und ge-
mischten Waaren auf Tritt=, Schaft= und Jaquardmaschinen hinreichend
beschäftigt. Die mechanische Buntweberei fabrizirt Zeuglen, Bettbar-
chent, Damast, Tuch und Bukskin. Zettel=, Schlicht= und Leim-
maschinen erleichtern sehr die Arbeit der Weberei. Dieser Abtheilung
steht eine wesentliche Erweiterung bevor, indem in allernächster Zeit
durch die K. Centralstelle für Handel und Gewerbe ein größerer
Dampfkessel mit entsprechender Maschine von 10 Pferdekräften ange-
schafft wird. Die theoretische Abtheilung endlich gibt jungen Fabri-
kanten und Geschäftsführern reichlich Gelegenheit, jedes Muster der
feinsten Weberei zu zerlegen und nachzubilden oder neue Muster zu
kombiniren.

-- Die Stadtverordnetenversammlung in Süchteln hat ein-
stimmig beschlossen, das Schulgeld in Wegfall kommen zu lassen.

* Erzieherinnen für jüngere Mädchen. Die "Neuen Bahnen"
sagen: Jn der Bildungsanstalt der Frau Raveau in Nordhausen
werden fortwährend junge Mädchen zu Kindergärtnerinnen ausgebildet
und verfehlen wir nicht von dieser Stelle aus Eltern, welche einer
derartigen Unterstützung für die häusliche Erziehung ihrer jüngeren
Kinder bedürfen, diese Anstalt zu empfehlen. Die Ausbildung der
jüngeren Mädchen geschieht in zwei Stufen; je nach der mitgebrach-
ten Vorbereitung und Dauer ihres Aufenthaltes werden sie entweder
nur versehen mit der Kenntniß der Grundsätze der Kindergarten-
erziehung und der Spiele und Beschäftigungen, oder sie erlangen ein
umfassendes allgemeines Wissen, die Kenntniß der Musik und der
neueren Sprachen. Während erstere jungen Mädchen unter beschei-
denen Ansprüchen auch einen Theil der Körperpflege kleiner Kinder mit
übernehmen, sind letztere wohl geeignet zu Lehrerinnen von Kindern
bis zu 10 und 12 Jahren.

* Frauen=Arbeit. Das in Boston bestehende Frauen = Kolleg
für Heilkunde, das erste der Art, wurde im Jahr 1848 gegründet,
und hatte den Zweck Geburtshelferinnen und weibliche Aerzte aus-
zubilden. Jm Jahr 1852 wurde es so vergrößert, daß alle Fächer
der Heilkunde gelehrt werden konnten. Jm Jahr 1854 bewilligte
der Staat 5000 Dollar und im Jahr 1855 10,000 Doll.; im
folgenden wurde die Anstalt unter den Schutz des Staates gestellt.
Nach ihrem Vorbild entstanden die weiblichen Akademien in Phila-
delphia und Newyork, wovon erstere ebenfalls unter Staatsaufsicht
[Spaltenumbruch] steht und vollständig wie eine Hochschule eingerichtet ist. Der erste
weibliche Doctor wurde nicht in Amerika promovirt, sondern in Genf,
Miß Elise Blackwell, deren Vorgang bahnbrechend in Amerika
war. Gegenwärtig gibt es mehr als 300 graduirte weibliche Aerzte
in Amerika und viele weibliche Professoren an den Frauen=Akademien.
Auch an den Normalschulen, wo Lehrerinnen ausgebildet werden,
halten Frauen Vorlesungen über Anatomie und Gesundheitslehre. Ein
besonderer Verein, die female medical society, beschäftigt sich mit
der Förderung dieser Seite der Frauenarbeit.

-- Fräulein Morgan aus London hat die Disputation zur
Erlangung der Doctorwürde der Medicin vor einem Auditorium in
Zürich von mehr als 400 Personen in bester Weise bestanden.

* Frauenversammlung. Ende vorigen Jahres fand in Man-
chester
eine Versammlung von Frauen statt, welche über die Zu-
lassung der Frauen zum Stimmrecht berieth. Der Major von
Manchester präsidirte dieser Versammlung und drückte seine Ueber-
zeugung dahin aus, daß die Welt besser, sparsamer und fried-
licher
regiert würde, wenn man dem "zärteren" Geschlecht mehr
Einfluß darauf gestatte. -- Die " Women's suffrage association "
verlangt nicht unbedingtes Stimmrecht für jede Frau, sie betrachtet
ihre Aufgabe hauptsächlich von dem gewiß sehr richtigen Standpunkte
aus, daß der Staat da, wo er die gleichen Verpflichtungen
erheische auch die gleichen Rechte gewähren müsse. Von diesem
Standpunkte aus haben bereits Häuser besitzende Frauen das Recht
bei Gemeindewahlen sich zu betheiligen. -- Bei dieser Versamm-
lung hielt das Parlamentsmitglied Rylands eine Rede, in welcher er
hauptsächlich den Einfluß schilderte, welcher die Frauen auf die jetzige
Generation auch in politischen Dingen ausüben könnten. "Wenn
die Mütter von öffentlichem Geist beseelt sind, meinte er, werden sie
in diesem Sinn ihre Kinder beeinflussen, denn ich fürchte es ist gegen-
wärtig ein Unglück unseres Landes, daß der öffentliche Geist sich nicht
mehr kräftig genug ausspricht; neben bedeutender politischer Entwick-
lung sehen wir eine große, todte unempfindliche Masse, die uns viel-
fach geschadet hat; wenn aber unser Vaterland seine richtigen Geschicke
in der Welt erfüllen soll, so müssen wir diese todte Masse durch-
dringen und beleben, und bei dieser Aufgabe gebührt der Frau gleich-
falls ihr Antheil." -- Mr. J. Bright hielt ebenfalls eine Rede, in
welcher er seine Meinung dahin aussprach, daß die Zeit, in welcher
die Frauen auch das parlamentarische Stimmrecht erhielten, nicht mehr
fern sei; er versprach dann im Parlament nach Kräften für die
Stimmberechtigung der Frauen zu sprechen.

* Stimmrecht der Frauen. Die Legislatur des Staates Ohio
hat beschlossen den Wählern im Oktober 1871 folgendes Amendement
zum Artikel 5 der Konstitution des Ohio zur Abstimmung vorzu-
legen: Jeder weiße Bürger der Vereinigten Staaten männlichen oder
weiblichen Geschlechtes, einundzwanzig Jahre alt, welcher ein Jahr
im Staat gewohnt hat, soll stimmberechtigt sein und bei allen Wah-
len mitstimmen.

-- Jn der Minnesota=Legislatur wurde von beiden Häusern
ein Amendement zur Konstitution passirt, welches den Frauen das
Stimmrecht zuerkennt. Dieses Amendement wird bei der nächsten
Wahl dem Volk zur Abstimmung vorgelegt, und von Männern und
Frauen an getrennten Wahlkasten darüber abgestimmt werden.

* Die Mägde=Herberge in Frankfurt, welche zugleich eine
Bildungsschule für Dienstmädchen ist, hat sich in den 3 Jahren
ihres Bestehens sehr erfreulich entwickelt und vielen stellenlosen Mäd-
chen ein willkommenes Asyl geboten, zugleich auch den Hausfrauen
als Stellen=Nachweis=Anstalt gute Dienste geleistet. Die Anstalt er-
hielt im vorigen Jahr 2500 fl. an Geschenken, nahm im Ganzen
537 Mädchen auf, worunter 23 Schülerinnen, 380 davon vermit-
telte sie Stellen, sogar auswärts. Von dem Rechte, den Sonntag
Nachmittag in der Anstalt zuzubringen, haben 478 Mädchen Ge-
brauch gemacht. Bemerkenswerth ist, daß die Mittel zur Verpflegung
durch die Arbeiten der Aufgenommenen gewonnen werden, da die
Beiträge nur für die Hausmiethe reichen. Jn sehr vielen Städten
bestehen bereits gleiche Anstalten. Wir entnehmen dem Jahresbericht
zugleich, daß es in Frankfurt etwa 9000 Dienstmädchen gibt und
jährlich 5000 zuziehen.

* Salzsteuer. Die belgische Regierung hat den Kammern
eine Vorlage betreff Abschaffung der Salzsteuer gemacht.

* Patentgesetz. Wie die "Post" schreibt wird das Patent-
gesetz in der diesjährigen Reichstagssitzung wiederum nicht zur Be-

[Spaltenumbruch] weitergehenden genossenschaftlichen Unternehmungen ) , Berathung eines
Statuts für den Verband und eines Musterstatuts für die einzelnen
Vereine nach vorausgegangener Berathung der Genossenschaftsgesetz-
gebung. Auf Grund der durch diesen ersten Verbandstatus gegebenen
Verfassung beginnt nun der weitere Ausbau derselben auf dem zweiten
Verbandstag, welcher am 16.--18. April d. J. in Zwickau=Schedewitz
abgehalten werden wird, durch Berichterstattung der in Bezug der
Gesetzgebung, Besteuerung, Verbreitung und Vervollkommnung der
Konsum=Vereine entwickelten Thätigkeit der Direktion und Berathung
folgender für den 2. Verbandstag bestimmten Tagesordnung: 1. Be-
richt, 2. Statuten der zu gründenden Einkaufs=Genossenschaft, 3. Wahl
eines Verbandsorgans, 4. Buchführung und Lagerhalter=Kontrole,
5. Branntweinverkauf in den Konsumvereinen, 6. Bedeutung des
Wechsels für Konsumvereine, 7. Wahlen des Direktoriums und der
Vertrauensmänner und des Ortes des nächsten Verbandstages. Die
mit dem ersten Verbandstag verbundene Ausstellung von Verbrauchs-
gegenständen und Erzeugnissen von Produktivgenossenschaften hatte eine
so allgemeine Befriedigung hervorgerufen, daß sie auch diesmal wieder
stattfinden soll. Erwünscht ist besonders eine rege Betheiligung von
Seiten der Produktiv=Genossenschaften, um Anregung zu geben, daß
auch sie bald daran denken, ihre gemeinsamen Jnteressen ins Auge
zu fassen. Anmeldungen zur Muster=Ausstellung und die Ausstel-
lungsgegenstände selbst sind bis zum 10. April an den Vorstand
der Ausstellungs=Kommission Herrn Obersteiger W. Feldmann in
Schedewitz bei Zwickau franco einzusenden und dabei gleichzeitig an-
zugeben, ob eine Rücksendung der Muster gewünscht wird. Wo eine
definitive Bestimmung des Ausstellers hierüber nicht getroffen wird,
verfügt die Kommission anderweit darüber.

* Schulwesen. Die Webschule in Reutlingen erfreut sich
einer fortwährend starken Frequenz. Dieselbe theilt sich in einen theo-
retischen, praktischen und mechanischen Kurs. Jm ersteren waren es
im verflossenen Jahr 20, im zweiten 19, im dritten 15, zusammen
54 Zöglinge. Dieselben waren aus Baden, Bayern, Hessen, Sachsen,
Preußen, Oestreich, Schweiz, Amerika und Würtemberg. Die Schüler
der praktischen Abtheilung werden in der mannigfaltigsten Weise von
dortigen und auswärtigen Fabrikanten in Woll=, Baumwoll= und ge-
mischten Waaren auf Tritt=, Schaft= und Jaquardmaschinen hinreichend
beschäftigt. Die mechanische Buntweberei fabrizirt Zeuglen, Bettbar-
chent, Damast, Tuch und Bukskin. Zettel=, Schlicht= und Leim-
maschinen erleichtern sehr die Arbeit der Weberei. Dieser Abtheilung
steht eine wesentliche Erweiterung bevor, indem in allernächster Zeit
durch die K. Centralstelle für Handel und Gewerbe ein größerer
Dampfkessel mit entsprechender Maschine von 10 Pferdekräften ange-
schafft wird. Die theoretische Abtheilung endlich gibt jungen Fabri-
kanten und Geschäftsführern reichlich Gelegenheit, jedes Muster der
feinsten Weberei zu zerlegen und nachzubilden oder neue Muster zu
kombiniren.

-- Die Stadtverordnetenversammlung in Süchteln hat ein-
stimmig beschlossen, das Schulgeld in Wegfall kommen zu lassen.

* Erzieherinnen für jüngere Mädchen. Die „Neuen Bahnen“
sagen: Jn der Bildungsanstalt der Frau Raveau in Nordhausen
werden fortwährend junge Mädchen zu Kindergärtnerinnen ausgebildet
und verfehlen wir nicht von dieser Stelle aus Eltern, welche einer
derartigen Unterstützung für die häusliche Erziehung ihrer jüngeren
Kinder bedürfen, diese Anstalt zu empfehlen. Die Ausbildung der
jüngeren Mädchen geschieht in zwei Stufen; je nach der mitgebrach-
ten Vorbereitung und Dauer ihres Aufenthaltes werden sie entweder
nur versehen mit der Kenntniß der Grundsätze der Kindergarten-
erziehung und der Spiele und Beschäftigungen, oder sie erlangen ein
umfassendes allgemeines Wissen, die Kenntniß der Musik und der
neueren Sprachen. Während erstere jungen Mädchen unter beschei-
denen Ansprüchen auch einen Theil der Körperpflege kleiner Kinder mit
übernehmen, sind letztere wohl geeignet zu Lehrerinnen von Kindern
bis zu 10 und 12 Jahren.

* Frauen=Arbeit. Das in Boston bestehende Frauen = Kolleg
für Heilkunde, das erste der Art, wurde im Jahr 1848 gegründet,
und hatte den Zweck Geburtshelferinnen und weibliche Aerzte aus-
zubilden. Jm Jahr 1852 wurde es so vergrößert, daß alle Fächer
der Heilkunde gelehrt werden konnten. Jm Jahr 1854 bewilligte
der Staat 5000 Dollar und im Jahr 1855 10,000 Doll.; im
folgenden wurde die Anstalt unter den Schutz des Staates gestellt.
Nach ihrem Vorbild entstanden die weiblichen Akademien in Phila-
delphia und Newyork, wovon erstere ebenfalls unter Staatsaufsicht
[Spaltenumbruch] steht und vollständig wie eine Hochschule eingerichtet ist. Der erste
weibliche Doctor wurde nicht in Amerika promovirt, sondern in Genf,
Miß Elise Blackwell, deren Vorgang bahnbrechend in Amerika
war. Gegenwärtig gibt es mehr als 300 graduirte weibliche Aerzte
in Amerika und viele weibliche Professoren an den Frauen=Akademien.
Auch an den Normalschulen, wo Lehrerinnen ausgebildet werden,
halten Frauen Vorlesungen über Anatomie und Gesundheitslehre. Ein
besonderer Verein, die female medical society, beschäftigt sich mit
der Förderung dieser Seite der Frauenarbeit.

-- Fräulein Morgan aus London hat die Disputation zur
Erlangung der Doctorwürde der Medicin vor einem Auditorium in
Zürich von mehr als 400 Personen in bester Weise bestanden.

* Frauenversammlung. Ende vorigen Jahres fand in Man-
chester
eine Versammlung von Frauen statt, welche über die Zu-
lassung der Frauen zum Stimmrecht berieth. Der Major von
Manchester präsidirte dieser Versammlung und drückte seine Ueber-
zeugung dahin aus, daß die Welt besser, sparsamer und fried-
licher
regiert würde, wenn man dem „zärteren“ Geschlecht mehr
Einfluß darauf gestatte. -- Die „ Women's suffrage association
verlangt nicht unbedingtes Stimmrecht für jede Frau, sie betrachtet
ihre Aufgabe hauptsächlich von dem gewiß sehr richtigen Standpunkte
aus, daß der Staat da, wo er die gleichen Verpflichtungen
erheische auch die gleichen Rechte gewähren müsse. Von diesem
Standpunkte aus haben bereits Häuser besitzende Frauen das Recht
bei Gemeindewahlen sich zu betheiligen. -- Bei dieser Versamm-
lung hielt das Parlamentsmitglied Rylands eine Rede, in welcher er
hauptsächlich den Einfluß schilderte, welcher die Frauen auf die jetzige
Generation auch in politischen Dingen ausüben könnten. „Wenn
die Mütter von öffentlichem Geist beseelt sind, meinte er, werden sie
in diesem Sinn ihre Kinder beeinflussen, denn ich fürchte es ist gegen-
wärtig ein Unglück unseres Landes, daß der öffentliche Geist sich nicht
mehr kräftig genug ausspricht; neben bedeutender politischer Entwick-
lung sehen wir eine große, todte unempfindliche Masse, die uns viel-
fach geschadet hat; wenn aber unser Vaterland seine richtigen Geschicke
in der Welt erfüllen soll, so müssen wir diese todte Masse durch-
dringen und beleben, und bei dieser Aufgabe gebührt der Frau gleich-
falls ihr Antheil.“ -- Mr. J. Bright hielt ebenfalls eine Rede, in
welcher er seine Meinung dahin aussprach, daß die Zeit, in welcher
die Frauen auch das parlamentarische Stimmrecht erhielten, nicht mehr
fern sei; er versprach dann im Parlament nach Kräften für die
Stimmberechtigung der Frauen zu sprechen.

* Stimmrecht der Frauen. Die Legislatur des Staates Ohio
hat beschlossen den Wählern im Oktober 1871 folgendes Amendement
zum Artikel 5 der Konstitution des Ohio zur Abstimmung vorzu-
legen: Jeder weiße Bürger der Vereinigten Staaten männlichen oder
weiblichen Geschlechtes, einundzwanzig Jahre alt, welcher ein Jahr
im Staat gewohnt hat, soll stimmberechtigt sein und bei allen Wah-
len mitstimmen.

-- Jn der Minnesota=Legislatur wurde von beiden Häusern
ein Amendement zur Konstitution passirt, welches den Frauen das
Stimmrecht zuerkennt. Dieses Amendement wird bei der nächsten
Wahl dem Volk zur Abstimmung vorgelegt, und von Männern und
Frauen an getrennten Wahlkasten darüber abgestimmt werden.

* Die Mägde=Herberge in Frankfurt, welche zugleich eine
Bildungsschule für Dienstmädchen ist, hat sich in den 3 Jahren
ihres Bestehens sehr erfreulich entwickelt und vielen stellenlosen Mäd-
chen ein willkommenes Asyl geboten, zugleich auch den Hausfrauen
als Stellen=Nachweis=Anstalt gute Dienste geleistet. Die Anstalt er-
hielt im vorigen Jahr 2500 fl. an Geschenken, nahm im Ganzen
537 Mädchen auf, worunter 23 Schülerinnen, 380 davon vermit-
telte sie Stellen, sogar auswärts. Von dem Rechte, den Sonntag
Nachmittag in der Anstalt zuzubringen, haben 478 Mädchen Ge-
brauch gemacht. Bemerkenswerth ist, daß die Mittel zur Verpflegung
durch die Arbeiten der Aufgenommenen gewonnen werden, da die
Beiträge nur für die Hausmiethe reichen. Jn sehr vielen Städten
bestehen bereits gleiche Anstalten. Wir entnehmen dem Jahresbericht
zugleich, daß es in Frankfurt etwa 9000 Dienstmädchen gibt und
jährlich 5000 zuziehen.

* Salzsteuer. Die belgische Regierung hat den Kammern
eine Vorlage betreff Abschaffung der Salzsteuer gemacht.

* Patentgesetz. Wie die „Post“ schreibt wird das Patent-
gesetz in der diesjährigen Reichstagssitzung wiederum nicht zur Be-

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[0003] weitergehenden genossenschaftlichen Unternehmungen ) , Berathung eines Statuts für den Verband und eines Musterstatuts für die einzelnen Vereine nach vorausgegangener Berathung der Genossenschaftsgesetz- gebung. Auf Grund der durch diesen ersten Verbandstatus gegebenen Verfassung beginnt nun der weitere Ausbau derselben auf dem zweiten Verbandstag, welcher am 16.--18. April d. J. in Zwickau=Schedewitz abgehalten werden wird, durch Berichterstattung der in Bezug der Gesetzgebung, Besteuerung, Verbreitung und Vervollkommnung der Konsum=Vereine entwickelten Thätigkeit der Direktion und Berathung folgender für den 2. Verbandstag bestimmten Tagesordnung: 1. Be- richt, 2. Statuten der zu gründenden Einkaufs=Genossenschaft, 3. Wahl eines Verbandsorgans, 4. Buchführung und Lagerhalter=Kontrole, 5. Branntweinverkauf in den Konsumvereinen, 6. Bedeutung des Wechsels für Konsumvereine, 7. Wahlen des Direktoriums und der Vertrauensmänner und des Ortes des nächsten Verbandstages. Die mit dem ersten Verbandstag verbundene Ausstellung von Verbrauchs- gegenständen und Erzeugnissen von Produktivgenossenschaften hatte eine so allgemeine Befriedigung hervorgerufen, daß sie auch diesmal wieder stattfinden soll. Erwünscht ist besonders eine rege Betheiligung von Seiten der Produktiv=Genossenschaften, um Anregung zu geben, daß auch sie bald daran denken, ihre gemeinsamen Jnteressen ins Auge zu fassen. Anmeldungen zur Muster=Ausstellung und die Ausstel- lungsgegenstände selbst sind bis zum 10. April an den Vorstand der Ausstellungs=Kommission Herrn Obersteiger W. Feldmann in Schedewitz bei Zwickau franco einzusenden und dabei gleichzeitig an- zugeben, ob eine Rücksendung der Muster gewünscht wird. Wo eine definitive Bestimmung des Ausstellers hierüber nicht getroffen wird, verfügt die Kommission anderweit darüber. * Schulwesen. Die Webschule in Reutlingen erfreut sich einer fortwährend starken Frequenz. Dieselbe theilt sich in einen theo- retischen, praktischen und mechanischen Kurs. Jm ersteren waren es im verflossenen Jahr 20, im zweiten 19, im dritten 15, zusammen 54 Zöglinge. Dieselben waren aus Baden, Bayern, Hessen, Sachsen, Preußen, Oestreich, Schweiz, Amerika und Würtemberg. Die Schüler der praktischen Abtheilung werden in der mannigfaltigsten Weise von dortigen und auswärtigen Fabrikanten in Woll=, Baumwoll= und ge- mischten Waaren auf Tritt=, Schaft= und Jaquardmaschinen hinreichend beschäftigt. Die mechanische Buntweberei fabrizirt Zeuglen, Bettbar- chent, Damast, Tuch und Bukskin. Zettel=, Schlicht= und Leim- maschinen erleichtern sehr die Arbeit der Weberei. Dieser Abtheilung steht eine wesentliche Erweiterung bevor, indem in allernächster Zeit durch die K. Centralstelle für Handel und Gewerbe ein größerer Dampfkessel mit entsprechender Maschine von 10 Pferdekräften ange- schafft wird. Die theoretische Abtheilung endlich gibt jungen Fabri- kanten und Geschäftsführern reichlich Gelegenheit, jedes Muster der feinsten Weberei zu zerlegen und nachzubilden oder neue Muster zu kombiniren. -- Die Stadtverordnetenversammlung in Süchteln hat ein- stimmig beschlossen, das Schulgeld in Wegfall kommen zu lassen. * Erzieherinnen für jüngere Mädchen. Die „Neuen Bahnen“ sagen: Jn der Bildungsanstalt der Frau Raveau in Nordhausen werden fortwährend junge Mädchen zu Kindergärtnerinnen ausgebildet und verfehlen wir nicht von dieser Stelle aus Eltern, welche einer derartigen Unterstützung für die häusliche Erziehung ihrer jüngeren Kinder bedürfen, diese Anstalt zu empfehlen. Die Ausbildung der jüngeren Mädchen geschieht in zwei Stufen; je nach der mitgebrach- ten Vorbereitung und Dauer ihres Aufenthaltes werden sie entweder nur versehen mit der Kenntniß der Grundsätze der Kindergarten- erziehung und der Spiele und Beschäftigungen, oder sie erlangen ein umfassendes allgemeines Wissen, die Kenntniß der Musik und der neueren Sprachen. Während erstere jungen Mädchen unter beschei- denen Ansprüchen auch einen Theil der Körperpflege kleiner Kinder mit übernehmen, sind letztere wohl geeignet zu Lehrerinnen von Kindern bis zu 10 und 12 Jahren. * Frauen=Arbeit. Das in Boston bestehende Frauen = Kolleg für Heilkunde, das erste der Art, wurde im Jahr 1848 gegründet, und hatte den Zweck Geburtshelferinnen und weibliche Aerzte aus- zubilden. Jm Jahr 1852 wurde es so vergrößert, daß alle Fächer der Heilkunde gelehrt werden konnten. Jm Jahr 1854 bewilligte der Staat 5000 Dollar und im Jahr 1855 10,000 Doll.; im folgenden wurde die Anstalt unter den Schutz des Staates gestellt. Nach ihrem Vorbild entstanden die weiblichen Akademien in Phila- delphia und Newyork, wovon erstere ebenfalls unter Staatsaufsicht steht und vollständig wie eine Hochschule eingerichtet ist. Der erste weibliche Doctor wurde nicht in Amerika promovirt, sondern in Genf, Miß Elise Blackwell, deren Vorgang bahnbrechend in Amerika war. Gegenwärtig gibt es mehr als 300 graduirte weibliche Aerzte in Amerika und viele weibliche Professoren an den Frauen=Akademien. Auch an den Normalschulen, wo Lehrerinnen ausgebildet werden, halten Frauen Vorlesungen über Anatomie und Gesundheitslehre. Ein besonderer Verein, die female medical society, beschäftigt sich mit der Förderung dieser Seite der Frauenarbeit. -- Fräulein Morgan aus London hat die Disputation zur Erlangung der Doctorwürde der Medicin vor einem Auditorium in Zürich von mehr als 400 Personen in bester Weise bestanden. * Frauenversammlung. Ende vorigen Jahres fand in Man- chester eine Versammlung von Frauen statt, welche über die Zu- lassung der Frauen zum Stimmrecht berieth. Der Major von Manchester präsidirte dieser Versammlung und drückte seine Ueber- zeugung dahin aus, daß die Welt besser, sparsamer und fried- licher regiert würde, wenn man dem „zärteren“ Geschlecht mehr Einfluß darauf gestatte. -- Die „ Women's suffrage association “ verlangt nicht unbedingtes Stimmrecht für jede Frau, sie betrachtet ihre Aufgabe hauptsächlich von dem gewiß sehr richtigen Standpunkte aus, daß der Staat da, wo er die gleichen Verpflichtungen erheische auch die gleichen Rechte gewähren müsse. Von diesem Standpunkte aus haben bereits Häuser besitzende Frauen das Recht bei Gemeindewahlen sich zu betheiligen. -- Bei dieser Versamm- lung hielt das Parlamentsmitglied Rylands eine Rede, in welcher er hauptsächlich den Einfluß schilderte, welcher die Frauen auf die jetzige Generation auch in politischen Dingen ausüben könnten. „Wenn die Mütter von öffentlichem Geist beseelt sind, meinte er, werden sie in diesem Sinn ihre Kinder beeinflussen, denn ich fürchte es ist gegen- wärtig ein Unglück unseres Landes, daß der öffentliche Geist sich nicht mehr kräftig genug ausspricht; neben bedeutender politischer Entwick- lung sehen wir eine große, todte unempfindliche Masse, die uns viel- fach geschadet hat; wenn aber unser Vaterland seine richtigen Geschicke in der Welt erfüllen soll, so müssen wir diese todte Masse durch- dringen und beleben, und bei dieser Aufgabe gebührt der Frau gleich- falls ihr Antheil.“ -- Mr. J. Bright hielt ebenfalls eine Rede, in welcher er seine Meinung dahin aussprach, daß die Zeit, in welcher die Frauen auch das parlamentarische Stimmrecht erhielten, nicht mehr fern sei; er versprach dann im Parlament nach Kräften für die Stimmberechtigung der Frauen zu sprechen. * Stimmrecht der Frauen. Die Legislatur des Staates Ohio hat beschlossen den Wählern im Oktober 1871 folgendes Amendement zum Artikel 5 der Konstitution des Ohio zur Abstimmung vorzu- legen: Jeder weiße Bürger der Vereinigten Staaten männlichen oder weiblichen Geschlechtes, einundzwanzig Jahre alt, welcher ein Jahr im Staat gewohnt hat, soll stimmberechtigt sein und bei allen Wah- len mitstimmen. -- Jn der Minnesota=Legislatur wurde von beiden Häusern ein Amendement zur Konstitution passirt, welches den Frauen das Stimmrecht zuerkennt. Dieses Amendement wird bei der nächsten Wahl dem Volk zur Abstimmung vorgelegt, und von Männern und Frauen an getrennten Wahlkasten darüber abgestimmt werden. * Die Mägde=Herberge in Frankfurt, welche zugleich eine Bildungsschule für Dienstmädchen ist, hat sich in den 3 Jahren ihres Bestehens sehr erfreulich entwickelt und vielen stellenlosen Mäd- chen ein willkommenes Asyl geboten, zugleich auch den Hausfrauen als Stellen=Nachweis=Anstalt gute Dienste geleistet. Die Anstalt er- hielt im vorigen Jahr 2500 fl. an Geschenken, nahm im Ganzen 537 Mädchen auf, worunter 23 Schülerinnen, 380 davon vermit- telte sie Stellen, sogar auswärts. Von dem Rechte, den Sonntag Nachmittag in der Anstalt zuzubringen, haben 478 Mädchen Ge- brauch gemacht. Bemerkenswerth ist, daß die Mittel zur Verpflegung durch die Arbeiten der Aufgenommenen gewonnen werden, da die Beiträge nur für die Hausmiethe reichen. Jn sehr vielen Städten bestehen bereits gleiche Anstalten. Wir entnehmen dem Jahresbericht zugleich, daß es in Frankfurt etwa 9000 Dienstmädchen gibt und jährlich 5000 zuziehen. * Salzsteuer. Die belgische Regierung hat den Kammern eine Vorlage betreff Abschaffung der Salzsteuer gemacht. * Patentgesetz. Wie die „Post“ schreibt wird das Patent- gesetz in der diesjährigen Reichstagssitzung wiederum nicht zur Be-

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Zitationshilfe: Der Arbeitgeber. Nr. 673. Frankfurt a. M., 25. März 1870, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_arbeitgeber0673_1870/3>, abgerufen am 27.09.2020.