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Nathusius, Hermann Engelhard von: Über die sogenannten Leporiden. Berlin, 1876.

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vielen Zählungen, nehmen 12 -- 16 Wirbel an, also genau die Zahl,
welche Hr. Zürn dem Kaninchen beimisst. Blasius hat überdem
nachgewiesen (l. c. 416), dass auch die Form und das Verhältniss der
Dimensionen derselben keineswegs konstant ist. Ich füge hinzu, dass
namentlich die Gestalt der Wirbel an der Gränze des Kreuzbeins sehr
variabel ist, so dass man in Zweifel sein könnte, welche Wirbel man
dem Kreuzbein, welche dem Schwanz zuzählen soll, wenn man nur die
Gestalt berücksichtigt.

Nach alle dem war es nicht zulässig, für den Hasen die Zahl 14
in Vergleich zu stellen *). --

Von jeher ist angenommen, dass die Vorderfüsse des Hasen relativ
länger sind als die des Kaninchens, eben so die Hinterfüsse (z. B. Bert-
hold
Isis. 1825 Seite 220). Es ergiebt sich dies auch, wenn man die
verschiedenen Messungen am ganzen Thiere vergleicht (z. B. Blasius
l. c. 414 und 427). Aus diesen Messungen ergiebt sich auch, dass das
Verhältniss der sogenannten Fusslänge zu den Längen des sogenannten
Laufes an den Vorder- und Hintergliedern ein verschiedenes bei beiden
Arten ist.

Demnach muss das Verhalten der Bastarde in dieser Beziehung
besonders wichtig sein.

Hr. Zürn erwähnt dieses Verhältniss nur durch Masse des Femur
der Tibia und des Fusses. Das merkwürdige Ergebniss dieser Messun-
gen habe ich oben nachgewiesen (Seite 36).

Ueber die relative Länge der Glieder zu dem Körper fehlen An-
gaben. Ich versuchte einen Vergleich aus der Masstabelle zu entnehmen.
Es schien dazu die Länge des Körpers von der Bugspitze bis zum
tuber ischiadicum die am wenigsten trügliche; ich konnte aber nicht klar
darüber werden, was unter "Bugspitze" am Skelet gemeint ist. Sollte
von dem Dornfortsatz eines Wirbels (welches?) gemessen sein, dann
würde die Variabilität der Richtung der Dornfortsätze die Messung nicht
vergleichbar machen.

Ich messe am natürlichen, trockenen Skelet die horizontale Achse
des Rückenmarkkanals von dem vordern, obern Bogen des Körpers, des

*) Es giebt keine andere Art von Haussäugethieren, bei denen die Zahl der
Schwanzwirbel und damit die Länge des Schwanzes in dem Masse variiren als das
Schaf. Bei diesem sind bedeutende Verschiedenheiten der verschiedenen Rassen vor-
handen, welche so weit konstant sind und so sicher vererbt werden, als Rasseeigen-
schaften dies sein und thun können. Diese Ver schiedenheiten sind anderer Qualität
als diejenigen aller anderen Säugethiere, bei denen es sich entweder nur um Differenzen
der Wirbelzahl, um ungefähr 2 bis 3, handelt, oder um pathologische Dinge, wie bei-
spielsweise die sogenannten Stummelschwänze der Hunde, Katzen u. s. w. Hr. Crampe
hat (Fühlings landw. Zeitung XXIV. 3 -- 6) das Gegentheil behauptet und, da es an
Material zur Beobachtung an Schafen fehlte, die Variabilität der Schwanzlänge der
"Feldmäuse" zu Hülfe genommen. Bevor hierauf ernsthaft einzugehen ist, würde der
Kollectivbegriff "Feldmaus" in zoologisch verständlicher Weise zu präzisiren sein.

vielen Zählungen, nehmen 12 — 16 Wirbel an, also genau die Zahl,
welche Hr. Zürn dem Kaninchen beimisst. Blasius hat überdem
nachgewiesen (l. c. 416), dass auch die Form und das Verhältniss der
Dimensionen derselben keineswegs konstant ist. Ich füge hinzu, dass
namentlich die Gestalt der Wirbel an der Gränze des Kreuzbeins sehr
variabel ist, so dass man in Zweifel sein könnte, welche Wirbel man
dem Kreuzbein, welche dem Schwanz zuzählen soll, wenn man nur die
Gestalt berücksichtigt.

Nach alle dem war es nicht zulässig, für den Hasen die Zahl 14
in Vergleich zu stellen *). —

Von jeher ist angenommen, dass die Vorderfüsse des Hasen relativ
länger sind als die des Kaninchens, eben so die Hinterfüsse (z. B. Bert-
hold
Isis. 1825 Seite 220). Es ergiebt sich dies auch, wenn man die
verschiedenen Messungen am ganzen Thiere vergleicht (z. B. Blasius
l. c. 414 und 427). Aus diesen Messungen ergiebt sich auch, dass das
Verhältniss der sogenannten Fusslänge zu den Längen des sogenannten
Laufes an den Vorder- und Hintergliedern ein verschiedenes bei beiden
Arten ist.

Demnach muss das Verhalten der Bastarde in dieser Beziehung
besonders wichtig sein.

Hr. Zürn erwähnt dieses Verhältniss nur durch Masse des Femur
der Tibia und des Fusses. Das merkwürdige Ergebniss dieser Messun-
gen habe ich oben nachgewiesen (Seite 36).

Ueber die relative Länge der Glieder zu dem Körper fehlen An-
gaben. Ich versuchte einen Vergleich aus der Masstabelle zu entnehmen.
Es schien dazu die Länge des Körpers von der Bugspitze bis zum
tuber ischiadicum die am wenigsten trügliche; ich konnte aber nicht klar
darüber werden, was unter „Bugspitze“ am Skelet gemeint ist. Sollte
von dem Dornfortsatz eines Wirbels (welches?) gemessen sein, dann
würde die Variabilität der Richtung der Dornfortsätze die Messung nicht
vergleichbar machen.

Ich messe am natürlichen, trockenen Skelet die horizontale Achse
des Rückenmarkkanals von dem vordern, obern Bogen des Körpers, des

*) Es giebt keine andere Art von Haussäugethieren, bei denen die Zahl der
Schwanzwirbel und damit die Länge des Schwanzes in dem Masse variiren als das
Schaf. Bei diesem sind bedeutende Verschiedenheiten der verschiedenen Rassen vor-
handen, welche so weit konstant sind und so sicher vererbt werden, als Rasseeigen-
schaften dies sein und thun können. Diese Ver schiedenheiten sind anderer Qualität
als diejenigen aller anderen Säugethiere, bei denen es sich entweder nur um Differenzen
der Wirbelzahl, um ungefähr 2 bis 3, handelt, oder um pathologische Dinge, wie bei-
spielsweise die sogenannten Stummelschwänze der Hunde, Katzen u. s. w. Hr. Crampe
hat (Fühlings landw. Zeitung XXIV. 3 — 6) das Gegentheil behauptet und, da es an
Material zur Beobachtung an Schafen fehlte, die Variabilität der Schwanzlänge der
„Feldmäuse“ zu Hülfe genommen. Bevor hierauf ernsthaft einzugehen ist, würde der
Kollectivbegriff „Feldmaus“ in zoologisch verständlicher Weise zu präzisiren sein.
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Zitationshilfe: Nathusius, Hermann Engelhard von: Über die sogenannten Leporiden. Berlin, 1876, S. 43. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nathusius_leporiden_1876/51>, abgerufen am 20.08.2019.