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Nathusius, Hermann Engelhard von: Über die sogenannten Leporiden. Berlin, 1876.

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storbenen Freunde Blasius hatte ich mich jahrelang bestrebt, Material
zur Kenntniss der verschiedenen europäischen Arten zusammenzubringen,
die Gränzen der Variabilität der verschiedenen Formen aufzusuchen.
Auf die Kaninchen war ich später durch mein Studium der Hausthier-
Rassen hingewiesen. Das Ergebniss dieser Beobachtungen war, dass
beide, Hasen und Kaninchen, in Bezug auf äussere Kennzeichen in
hohem Grade variiren. Es betrifft diese Variation namentlich die Kör-
pergrösse, die Ohrlänge, die Qualität, besonders die Farbe der Haare.
Wenn sich diese Variationen auch bei den gezähmten Kaninchenrassen
innerhalb weiterer Gränzen bewegen, so ist doch auch bei den Hasen
die angedeutete Differenz mannichfach und gross. Deshalb war der
Versuch um so mehr geboten, Schädel und Skelet vergleichend zu
untersuchen, und namentlich festzustellen, ob und welche Eigenthüm-
lichkeiten vorhanden und in welchem Masse diese konstant seien.

So weit das Material für diese Beobachtungen aufbewahrt ist, be-
steht es bei vorläufigem Abschluss dieser kleinen Publikation in 10
Skeleten und 93 Schädeln. Von mehreren der untersuchten Individuen
sind Weichtheile und Haut in Spiritus erhalten. Um eine Kontrole zu
ermöglichen, habe ich in einigen Fällen die Objekte mit den Nummern
des handschriftlichen Verzeichnisses meiner osteologischen Sammlung be-
nannt, welche zum Studium der Hausthierrassen angelegt ist.

Wenn nicht ausdrücklich etwas anderes genannt ist, bezieht sich der
Name "Hase" in den folgenden Mittheilungen auf die mitteleuropäische
Form des Lepus timidus auct., welchen Namen ich beibehalte, obgleich
Linne nicht als Autorität dafür anzuführen ist, also des Lepus euro-
paeus Pallas. Sowohl die nordöstliche Form dieser Art (Lep. caspicus
Ehrenberg, aquilonius Blasius, medius Nilsson u. s. w.), als auch die
verschiedenen Formen des Schneehasen (Lep. variabilis Pallas, borealis
und canescens Nilsson) sind zwar in Betracht gezogen, aber für vor-
liegende Frage bis jetzt von geringerer Bedeutung.

Unter "Kaninchen" im Allgemeinen verstehe ich die wilde Art
(Lepus cuniculus Linne), welche mir in meiner Heimath in Menge zu
Gebote stand, und die Rassen des Hauskaninchens, von denen ich,
ausser dem sogenannten gemeinen Kaninchen, dem Stallhasen, in
grösserer Zahl das sogenannte belgische oder Riesenkaninchen und das
Widderkaninchen (lopeared der Engländer) untersucht habe, sowie
mehrere Kreuzungen der genannten drei Rassen untereinander.



In einiger Beziehung zu der Leporidenfrage steht die Bastarder-
zeugung in der Hasengattung überhaupt. Pallas, der in der Bastard-
frage leichtgläubig war, spricht bekanntlich von einem Bastard zwischen
Lepus timidus und variabilis (novae spec. und zoographia rosso-a siatica).

storbenen Freunde Blasius hatte ich mich jahrelang bestrebt, Material
zur Kenntniss der verschiedenen europäischen Arten zusammenzubringen,
die Gränzen der Variabilität der verschiedenen Formen aufzusuchen.
Auf die Kaninchen war ich später durch mein Studium der Hausthier-
Rassen hingewiesen. Das Ergebniss dieser Beobachtungen war, dass
beide, Hasen und Kaninchen, in Bezug auf äussere Kennzeichen in
hohem Grade variiren. Es betrifft diese Variation namentlich die Kör-
pergrösse, die Ohrlänge, die Qualität, besonders die Farbe der Haare.
Wenn sich diese Variationen auch bei den gezähmten Kaninchenrassen
innerhalb weiterer Gränzen bewegen, so ist doch auch bei den Hasen
die angedeutete Differenz mannichfach und gross. Deshalb war der
Versuch um so mehr geboten, Schädel und Skelet vergleichend zu
untersuchen, und namentlich festzustellen, ob und welche Eigenthüm-
lichkeiten vorhanden und in welchem Masse diese konstant seien.

So weit das Material für diese Beobachtungen aufbewahrt ist, be-
steht es bei vorläufigem Abschluss dieser kleinen Publikation in 10
Skeleten und 93 Schädeln. Von mehreren der untersuchten Individuen
sind Weichtheile und Haut in Spiritus erhalten. Um eine Kontrole zu
ermöglichen, habe ich in einigen Fällen die Objekte mit den Nummern
des handschriftlichen Verzeichnisses meiner osteologischen Sammlung be-
nannt, welche zum Studium der Hausthierrassen angelegt ist.

Wenn nicht ausdrücklich etwas anderes genannt ist, bezieht sich der
Name „Hase“ in den folgenden Mittheilungen auf die mitteleuropäische
Form des Lepus timidus auct., welchen Namen ich beibehalte, obgleich
Linné nicht als Autorität dafür anzuführen ist, also des Lepus euro-
paeus Pallas. Sowohl die nordöstliche Form dieser Art (Lep. caspicus
Ehrenberg, aquilonius Blasius, medius Nilsson u. s. w.), als auch die
verschiedenen Formen des Schneehasen (Lep. variabilis Pallas, borealis
und canescens Nilsson) sind zwar in Betracht gezogen, aber für vor-
liegende Frage bis jetzt von geringerer Bedeutung.

Unter „Kaninchen“ im Allgemeinen verstehe ich die wilde Art
(Lepus cuniculus Linné), welche mir in meiner Heimath in Menge zu
Gebote stand, und die Rassen des Hauskaninchens, von denen ich,
ausser dem sogenannten gemeinen Kaninchen, dem Stallhasen, in
grösserer Zahl das sogenannte belgische oder Riesenkaninchen und das
Widderkaninchen (lopeared der Engländer) untersucht habe, sowie
mehrere Kreuzungen der genannten drei Rassen untereinander.



In einiger Beziehung zu der Leporidenfrage steht die Bastarder-
zeugung in der Hasengattung überhaupt. Pallas, der in der Bastard-
frage leichtgläubig war, spricht bekanntlich von einem Bastard zwischen
Lepus timidus und variabilis (novae spec. und zoographia rosso-a siatica).

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[4/0012] storbenen Freunde Blasius hatte ich mich jahrelang bestrebt, Material zur Kenntniss der verschiedenen europäischen Arten zusammenzubringen, die Gränzen der Variabilität der verschiedenen Formen aufzusuchen. Auf die Kaninchen war ich später durch mein Studium der Hausthier- Rassen hingewiesen. Das Ergebniss dieser Beobachtungen war, dass beide, Hasen und Kaninchen, in Bezug auf äussere Kennzeichen in hohem Grade variiren. Es betrifft diese Variation namentlich die Kör- pergrösse, die Ohrlänge, die Qualität, besonders die Farbe der Haare. Wenn sich diese Variationen auch bei den gezähmten Kaninchenrassen innerhalb weiterer Gränzen bewegen, so ist doch auch bei den Hasen die angedeutete Differenz mannichfach und gross. Deshalb war der Versuch um so mehr geboten, Schädel und Skelet vergleichend zu untersuchen, und namentlich festzustellen, ob und welche Eigenthüm- lichkeiten vorhanden und in welchem Masse diese konstant seien. So weit das Material für diese Beobachtungen aufbewahrt ist, be- steht es bei vorläufigem Abschluss dieser kleinen Publikation in 10 Skeleten und 93 Schädeln. Von mehreren der untersuchten Individuen sind Weichtheile und Haut in Spiritus erhalten. Um eine Kontrole zu ermöglichen, habe ich in einigen Fällen die Objekte mit den Nummern des handschriftlichen Verzeichnisses meiner osteologischen Sammlung be- nannt, welche zum Studium der Hausthierrassen angelegt ist. Wenn nicht ausdrücklich etwas anderes genannt ist, bezieht sich der Name „Hase“ in den folgenden Mittheilungen auf die mitteleuropäische Form des Lepus timidus auct., welchen Namen ich beibehalte, obgleich Linné nicht als Autorität dafür anzuführen ist, also des Lepus euro- paeus Pallas. Sowohl die nordöstliche Form dieser Art (Lep. caspicus Ehrenberg, aquilonius Blasius, medius Nilsson u. s. w.), als auch die verschiedenen Formen des Schneehasen (Lep. variabilis Pallas, borealis und canescens Nilsson) sind zwar in Betracht gezogen, aber für vor- liegende Frage bis jetzt von geringerer Bedeutung. Unter „Kaninchen“ im Allgemeinen verstehe ich die wilde Art (Lepus cuniculus Linné), welche mir in meiner Heimath in Menge zu Gebote stand, und die Rassen des Hauskaninchens, von denen ich, ausser dem sogenannten gemeinen Kaninchen, dem Stallhasen, in grösserer Zahl das sogenannte belgische oder Riesenkaninchen und das Widderkaninchen (lopeared der Engländer) untersucht habe, sowie mehrere Kreuzungen der genannten drei Rassen untereinander. In einiger Beziehung zu der Leporidenfrage steht die Bastarder- zeugung in der Hasengattung überhaupt. Pallas, der in der Bastard- frage leichtgläubig war, spricht bekanntlich von einem Bastard zwischen Lepus timidus und variabilis (novae spec. und zoographia rosso-a siatica).

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Zitationshilfe: Nathusius, Hermann Engelhard von: Über die sogenannten Leporiden. Berlin, 1876, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nathusius_leporiden_1876/12>, abgerufen am 20.07.2019.