Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Müller, Adam Heinrich: Versuche einer neuen Theorie des Geldes mit besonderer Rücksicht auf Großbritannien. Leipzig u. a., 1816.

Bild:
<< vorherige Seite

die, wie die Unzugänglichkeit der bisherigen vorwitzig abge-
schlossenen Theorie zeigt, auch nur in Verbindung mit der
übrigen äußeren Weltordnung zu zeigen ist.

Ich kann nicht, wie es bisher geschehen, in der National-
ökonomie die Sachen und ihre Herbeyschaffung von den Per-
sonen trennen; denn das ganze Leben der Sachen, ihr sich
vermählen unter einander und produciren, kömmt ja aus den
Personen: deßhalb muß ich so gut wie der Jurist vor allen
Dingen vom Eigenthum handeln; er betrachtet das Eigen-
thum vielmehr wie es durch den Willen der Menschen ist,
der Oekonom vielmehr, wie es durch die Natur der Sache
und der Verhältnisse wird. Der ganze Nationalreichthum
aber ist in letzter Instanz nur in so fern etwas werth, als
er einer bestimmten Nation natürlich und sicher und unauf-
löslich angeeignet ist, wie auch von ihr behauptet werden
könne: da nun der gegenwärtige Jurist nur nach dem Willen
fragt, der das Gesetz gegeben, und das Eigenthum consti-
tuirt hat; die Macht hingegen, welche die Gesetze ausführt,
und das Eigenthum behauptet, nur präsumirt, so begreift
ein Kind, daß die sichere Aneignung, von der alle Werthe
unseres Reichthums, und alle Bürgschaft unseres ökonomi-
schen Erwerbes abhängen, nicht von der dermahligen Rechts-
lehre garantirt werden könne. Demnach müssen wir uns
diese Garantie selbst schaffen, und unsern Reichthum so
entstehen und wachsen lassen, daß er sich selbst behaupten
könne.

die, wie die Unzugaͤnglichkeit der bisherigen vorwitzig abge-
ſchloſſenen Theorie zeigt, auch nur in Verbindung mit der
uͤbrigen aͤußeren Weltordnung zu zeigen iſt.

Ich kann nicht, wie es bisher geſchehen, in der National-
oͤkonomie die Sachen und ihre Herbeyſchaffung von den Per-
ſonen trennen; denn das ganze Leben der Sachen, ihr ſich
vermaͤhlen unter einander und produciren, koͤmmt ja aus den
Perſonen: deßhalb muß ich ſo gut wie der Juriſt vor allen
Dingen vom Eigenthum handeln; er betrachtet das Eigen-
thum vielmehr wie es durch den Willen der Menſchen iſt,
der Oekonom vielmehr, wie es durch die Natur der Sache
und der Verhaͤltniſſe wird. Der ganze Nationalreichthum
aber iſt in letzter Inſtanz nur in ſo fern etwas werth, als
er einer beſtimmten Nation natuͤrlich und ſicher und unauf-
loͤslich angeeignet iſt, wie auch von ihr behauptet werden
koͤnne: da nun der gegenwaͤrtige Juriſt nur nach dem Willen
fragt, der das Geſetz gegeben, und das Eigenthum conſti-
tuirt hat; die Macht hingegen, welche die Geſetze ausfuͤhrt,
und das Eigenthum behauptet, nur praͤſumirt, ſo begreift
ein Kind, daß die ſichere Aneignung, von der alle Werthe
unſeres Reichthums, und alle Buͤrgſchaft unſeres oͤkonomi-
ſchen Erwerbes abhaͤngen, nicht von der dermahligen Rechts-
lehre garantirt werden koͤnne. Demnach muͤſſen wir uns
dieſe Garantie ſelbſt ſchaffen, und unſern Reichthum ſo
entſtehen und wachſen laſſen, daß er ſich ſelbſt behaupten
koͤnne.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0038" n="24"/>
die, wie die Unzuga&#x0364;nglichkeit der bisherigen vorwitzig abge-<lb/>
&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;enen Theorie zeigt, auch nur in Verbindung mit der<lb/>
u&#x0364;brigen a&#x0364;ußeren Weltordnung zu zeigen i&#x017F;t.</p><lb/>
          <p>Ich kann nicht, wie es bisher ge&#x017F;chehen, in der National-<lb/>
o&#x0364;konomie die Sachen und ihre Herbey&#x017F;chaffung von den Per-<lb/>
&#x017F;onen trennen; denn das ganze Leben der Sachen, ihr &#x017F;ich<lb/>
verma&#x0364;hlen unter einander und produciren, ko&#x0364;mmt ja aus den<lb/>
Per&#x017F;onen: deßhalb muß ich &#x017F;o gut wie der Juri&#x017F;t vor allen<lb/>
Dingen vom Eigenthum handeln; er betrachtet das Eigen-<lb/>
thum vielmehr wie es durch den Willen der Men&#x017F;chen <hi rendition="#g">i&#x017F;t</hi>,<lb/>
der Oekonom vielmehr, wie es durch die Natur der Sache<lb/>
und der Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e <hi rendition="#g">wird</hi>. Der ganze Nationalreichthum<lb/>
aber i&#x017F;t in letzter In&#x017F;tanz nur in &#x017F;o fern etwas werth, als<lb/>
er einer be&#x017F;timmten Nation natu&#x0364;rlich und &#x017F;icher und unauf-<lb/>
lo&#x0364;slich angeeignet i&#x017F;t, wie auch von ihr behauptet werden<lb/>
ko&#x0364;nne: da nun der gegenwa&#x0364;rtige Juri&#x017F;t nur nach dem Willen<lb/>
fragt, der das Ge&#x017F;etz gegeben, und das Eigenthum con&#x017F;ti-<lb/>
tuirt hat; die Macht hingegen, welche die Ge&#x017F;etze ausfu&#x0364;hrt,<lb/>
und das Eigenthum behauptet, nur pra&#x0364;&#x017F;umirt, &#x017F;o begreift<lb/>
ein Kind, daß die &#x017F;ichere Aneignung, von der alle Werthe<lb/>
un&#x017F;eres Reichthums, und alle Bu&#x0364;rg&#x017F;chaft un&#x017F;eres o&#x0364;konomi-<lb/>
&#x017F;chen Erwerbes abha&#x0364;ngen, nicht von der dermahligen Rechts-<lb/>
lehre garantirt werden ko&#x0364;nne. Demnach mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en wir uns<lb/>
die&#x017F;e Garantie &#x017F;elb&#x017F;t &#x017F;chaffen, und un&#x017F;ern Reichthum &#x017F;o<lb/>
ent&#x017F;tehen und wach&#x017F;en la&#x017F;&#x017F;en, daß er &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t behaupten<lb/>
ko&#x0364;nne.</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[24/0038] die, wie die Unzugaͤnglichkeit der bisherigen vorwitzig abge- ſchloſſenen Theorie zeigt, auch nur in Verbindung mit der uͤbrigen aͤußeren Weltordnung zu zeigen iſt. Ich kann nicht, wie es bisher geſchehen, in der National- oͤkonomie die Sachen und ihre Herbeyſchaffung von den Per- ſonen trennen; denn das ganze Leben der Sachen, ihr ſich vermaͤhlen unter einander und produciren, koͤmmt ja aus den Perſonen: deßhalb muß ich ſo gut wie der Juriſt vor allen Dingen vom Eigenthum handeln; er betrachtet das Eigen- thum vielmehr wie es durch den Willen der Menſchen iſt, der Oekonom vielmehr, wie es durch die Natur der Sache und der Verhaͤltniſſe wird. Der ganze Nationalreichthum aber iſt in letzter Inſtanz nur in ſo fern etwas werth, als er einer beſtimmten Nation natuͤrlich und ſicher und unauf- loͤslich angeeignet iſt, wie auch von ihr behauptet werden koͤnne: da nun der gegenwaͤrtige Juriſt nur nach dem Willen fragt, der das Geſetz gegeben, und das Eigenthum conſti- tuirt hat; die Macht hingegen, welche die Geſetze ausfuͤhrt, und das Eigenthum behauptet, nur praͤſumirt, ſo begreift ein Kind, daß die ſichere Aneignung, von der alle Werthe unſeres Reichthums, und alle Buͤrgſchaft unſeres oͤkonomi- ſchen Erwerbes abhaͤngen, nicht von der dermahligen Rechts- lehre garantirt werden koͤnne. Demnach muͤſſen wir uns dieſe Garantie ſelbſt ſchaffen, und unſern Reichthum ſo entſtehen und wachſen laſſen, daß er ſich ſelbſt behaupten koͤnne.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_geld_1816
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_geld_1816/38
Zitationshilfe: Müller, Adam Heinrich: Versuche einer neuen Theorie des Geldes mit besonderer Rücksicht auf Großbritannien. Leipzig u. a., 1816. , S. 24. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_geld_1816/38>, abgerufen am 25.03.2019.