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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 8, St. 2. Berlin, 1791.

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glücklich, daß ihm alles das, was ihm in den wenigen Wochen, die er nun in Erfurt zugebracht hatte, schon begegnet war, halb wie im Traume vorkam.

Er rückte nun auch in die Wochenschrift der Bürger und der Bauer von Zeit zu Zeit Gedichte ein, wodurch sein Name als Schriftsteller unter den Erfurtischen Bürgern bekannt wurde. Dabey besorgte er Korrekturen für den Buchdrucker G...., und wurde durch diesen mit einem gewissen Doktor Sauer bekannt, den, bey den größten Vorzügen des Geistes und Herzens bis an seinen Tod, ein widriges Schicksal verfolgte, weil er durch den langwierigen ununterbrochenen Druck der Umstände verlernt hatte, seinen Werth geltend zu machen, und gerade die Kraft, wodurch er in der Welt festen Fuß fassen, und seinen Platz behaupten mußte, bey ihm gelähmt war.

Dieser Doktor Sauer hatte für den Buchdrucker G.... eine Wochenschrift geschrieben, unter dem Titel: Medon, oder die drey Freunde, wovon ein Jahrgang herausgekommen war. Man sahe auch hieran, wie er mit dem Druck der Umstände hatte kämpfen müssen; wie schwer es ihm mußte geworden seyn, eine Anzahl trivialer Aufsätze niederzuschreiben, wobey noch immer die Funken des unterdrückten Genies hervorsprühten.

So aber mußte er schreiben, und wöchentlich seinen Bogen liefern, um wiederum ein Jahrlang von seinem mühseeligen Leben zu athmen. Da nun die


gluͤcklich, daß ihm alles das, was ihm in den wenigen Wochen, die er nun in Erfurt zugebracht hatte, schon begegnet war, halb wie im Traume vorkam.

Er ruͤckte nun auch in die Wochenschrift der Buͤrger und der Bauer von Zeit zu Zeit Gedichte ein, wodurch sein Name als Schriftsteller unter den Erfurtischen Buͤrgern bekannt wurde. Dabey besorgte er Korrekturen fuͤr den Buchdrucker G...., und wurde durch diesen mit einem gewissen Doktor Sauer bekannt, den, bey den groͤßten Vorzuͤgen des Geistes und Herzens bis an seinen Tod, ein widriges Schicksal verfolgte, weil er durch den langwierigen ununterbrochenen Druck der Umstaͤnde verlernt hatte, seinen Werth geltend zu machen, und gerade die Kraft, wodurch er in der Welt festen Fuß fassen, und seinen Platz behaupten mußte, bey ihm gelaͤhmt war.

Dieser Doktor Sauer hatte fuͤr den Buchdrucker G.... eine Wochenschrift geschrieben, unter dem Titel: Medon, oder die drey Freunde, wovon ein Jahrgang herausgekommen war. Man sahe auch hieran, wie er mit dem Druck der Umstaͤnde hatte kaͤmpfen muͤssen; wie schwer es ihm mußte geworden seyn, eine Anzahl trivialer Aufsaͤtze niederzuschreiben, wobey noch immer die Funken des unterdruͤckten Genies hervorspruͤhten.

So aber mußte er schreiben, und woͤchentlich seinen Bogen liefern, um wiederum ein Jahrlang von seinem muͤhseeligen Leben zu athmen. Da nun die

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[10/0010] gluͤcklich, daß ihm alles das, was ihm in den wenigen Wochen, die er nun in Erfurt zugebracht hatte, schon begegnet war, halb wie im Traume vorkam. Er ruͤckte nun auch in die Wochenschrift der Buͤrger und der Bauer von Zeit zu Zeit Gedichte ein, wodurch sein Name als Schriftsteller unter den Erfurtischen Buͤrgern bekannt wurde. Dabey besorgte er Korrekturen fuͤr den Buchdrucker G...., und wurde durch diesen mit einem gewissen Doktor Sauer bekannt, den, bey den groͤßten Vorzuͤgen des Geistes und Herzens bis an seinen Tod, ein widriges Schicksal verfolgte, weil er durch den langwierigen ununterbrochenen Druck der Umstaͤnde verlernt hatte, seinen Werth geltend zu machen, und gerade die Kraft, wodurch er in der Welt festen Fuß fassen, und seinen Platz behaupten mußte, bey ihm gelaͤhmt war. Dieser Doktor Sauer hatte fuͤr den Buchdrucker G.... eine Wochenschrift geschrieben, unter dem Titel: Medon, oder die drey Freunde, wovon ein Jahrgang herausgekommen war. Man sahe auch hieran, wie er mit dem Druck der Umstaͤnde hatte kaͤmpfen muͤssen; wie schwer es ihm mußte geworden seyn, eine Anzahl trivialer Aufsaͤtze niederzuschreiben, wobey noch immer die Funken des unterdruͤckten Genies hervorspruͤhten. So aber mußte er schreiben, und woͤchentlich seinen Bogen liefern, um wiederum ein Jahrlang von seinem muͤhseeligen Leben zu athmen. Da nun die

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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 8, St. 2. Berlin, 1791, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0802_1791/10>, abgerufen am 08.12.2019.