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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 7, St. 3. Berlin, 1789.

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Du mir neulich geliehen hast. Mit recht vielem Dank schicke ich es Dir wieder, denn ich habe nicht nur viele Unterhaltung davon gehabt, sondern auch vieles daraus gelernt. Jch bitte Dich daher, schicke mir auch die nachfolgenden Stücke, wann Du sie gelesen hast.

Warum ich nun aber Dir diesmal einen so langen Brief schreibe, der sich, wie Du finden wirst, lediglich auf dieses Magazin bezieht, das will ich Dir nur lieber gleich zu Anfang sagen. Jch habe darin einen Aufsatz gefunden, der den unglückseligen Hang eines Jünglings zum Theater enthält, und dabei ist mir meine eigene Geschichte, die Dir der Hauptsache nach noch wohl erinnerlich seyn wird, so lebhaft wieder eingefallen, daß ich beschloß, mich gleich hinzusetzen, und sie Dir schriftlich zu überschicken, weil ich dachte, daß Du sie an Hrn. Prof. Moritz in Berlin schicken könntest, ob sie ihm nicht vielleicht für sein Magazin taugt.

Jch habe sie ganz aufgesetzt, weil ich dachte, Du würdest vielleicht an einige kleine Umstände Dich nicht mehr so recht erinnern. Aber darum muß ich Dich noch bitten, daß Du einige Erläuterungen dazu setzest, besonders was die Veranlassung und Ursachen dieser theatralischen Neigung betrift, weil Du sie doch von unserm langen Auffenthalt und Umgang zu S... her, noch wohl wissen wirst, und sie besser als ich, der ich nicht auf Universitäten studirt habe, wirst auseinandersetzen können. --



Du mir neulich geliehen hast. Mit recht vielem Dank schicke ich es Dir wieder, denn ich habe nicht nur viele Unterhaltung davon gehabt, sondern auch vieles daraus gelernt. Jch bitte Dich daher, schicke mir auch die nachfolgenden Stuͤcke, wann Du sie gelesen hast.

Warum ich nun aber Dir diesmal einen so langen Brief schreibe, der sich, wie Du finden wirst, lediglich auf dieses Magazin bezieht, das will ich Dir nur lieber gleich zu Anfang sagen. Jch habe darin einen Aufsatz gefunden, der den ungluͤckseligen Hang eines Juͤnglings zum Theater enthaͤlt, und dabei ist mir meine eigene Geschichte, die Dir der Hauptsache nach noch wohl erinnerlich seyn wird, so lebhaft wieder eingefallen, daß ich beschloß, mich gleich hinzusetzen, und sie Dir schriftlich zu uͤberschicken, weil ich dachte, daß Du sie an Hrn. Prof. Moritz in Berlin schicken koͤnntest, ob sie ihm nicht vielleicht fuͤr sein Magazin taugt.

Jch habe sie ganz aufgesetzt, weil ich dachte, Du wuͤrdest vielleicht an einige kleine Umstaͤnde Dich nicht mehr so recht erinnern. Aber darum muß ich Dich noch bitten, daß Du einige Erlaͤuterungen dazu setzest, besonders was die Veranlassung und Ursachen dieser theatralischen Neigung betrift, weil Du sie doch von unserm langen Auffenthalt und Umgang zu S... her, noch wohl wissen wirst, und sie besser als ich, der ich nicht auf Universitaͤten studirt habe, wirst auseinandersetzen koͤnnen. —


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[107/0107] Du mir neulich geliehen hast. Mit recht vielem Dank schicke ich es Dir wieder, denn ich habe nicht nur viele Unterhaltung davon gehabt, sondern auch vieles daraus gelernt. Jch bitte Dich daher, schicke mir auch die nachfolgenden Stuͤcke, wann Du sie gelesen hast. Warum ich nun aber Dir diesmal einen so langen Brief schreibe, der sich, wie Du finden wirst, lediglich auf dieses Magazin bezieht, das will ich Dir nur lieber gleich zu Anfang sagen. Jch habe darin einen Aufsatz gefunden, der den ungluͤckseligen Hang eines Juͤnglings zum Theater enthaͤlt, und dabei ist mir meine eigene Geschichte, die Dir der Hauptsache nach noch wohl erinnerlich seyn wird, so lebhaft wieder eingefallen, daß ich beschloß, mich gleich hinzusetzen, und sie Dir schriftlich zu uͤberschicken, weil ich dachte, daß Du sie an Hrn. Prof. Moritz in Berlin schicken koͤnntest, ob sie ihm nicht vielleicht fuͤr sein Magazin taugt. Jch habe sie ganz aufgesetzt, weil ich dachte, Du wuͤrdest vielleicht an einige kleine Umstaͤnde Dich nicht mehr so recht erinnern. Aber darum muß ich Dich noch bitten, daß Du einige Erlaͤuterungen dazu setzest, besonders was die Veranlassung und Ursachen dieser theatralischen Neigung betrift, weil Du sie doch von unserm langen Auffenthalt und Umgang zu S... her, noch wohl wissen wirst, und sie besser als ich, der ich nicht auf Universitaͤten studirt habe, wirst auseinandersetzen koͤnnen. —

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  • Zu Moritz’ Zeit war es üblich, bei mehrzeiligen Zitaten vor jeder Zeile Anführungsstriche zu setzen. Diese wiederholten Anführungsstriche des Originals werden stillschweigend getilgt.
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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 7, St. 3. Berlin, 1789, S. 107. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0703_1789/107>, abgerufen am 20.09.2020.