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Miller, Johann Martin: Siegwart. Bd. 2. Leipzig, 1776.

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und der Kerl ist groß; denen sieht man schon nach,
wenn sie Weiber haben; sie gehen dann auch
weniger durch. --

Nach anderthalb Stunden trafen sie den
Hauptmann auf einem Spatzierritt an. Kron-
helm
trug ihm sogleich seine Bitte wegen Hanns
vor. Jch habe den Kerl dort angetroffen, und
sein Mensch auch, sagte der Hauptmann. Sie
fiel mir gleich zu Füssen, und bat, daß sie mit in
Krieg dürfte. Jch versprach ihr nichts Gewisses,
denn man sieht die Weibsleute im Feld nicht gern;
sie hindern nur auf dem Marsch. Aber zuweilen
macht man wol eine Ausnahme; und weil Sie auch
für den Kerl bitten, und er schön und groß ist, so will
ichs so mit hingehen lassen. Wenn ich einmal
auf Jhr Schloß komme, so beding' ich mir eine
Bouteille Burgunder dafür aus. Herzlich gerne,
sagte Kronhelm, und nahm von dem Hauptmann
Abschied. -- Er war nun recht froh, daß er et-
was zur Vereinigung dieser beyden Leute mit bey-
getragen hatte, und dachte nun mit desto grösserm
Vergnügen, aber auch mit größrer Wehmuth an
seine Therese. Siegwart mußte ihm tausenderley
kleine Geschichten von Theresens Kindheit erzäh-



und der Kerl iſt groß; denen ſieht man ſchon nach,
wenn ſie Weiber haben; ſie gehen dann auch
weniger durch. —

Nach anderthalb Stunden trafen ſie den
Hauptmann auf einem Spatzierritt an. Kron-
helm
trug ihm ſogleich ſeine Bitte wegen Hanns
vor. Jch habe den Kerl dort angetroffen, und
ſein Menſch auch, ſagte der Hauptmann. Sie
fiel mir gleich zu Fuͤſſen, und bat, daß ſie mit in
Krieg duͤrfte. Jch verſprach ihr nichts Gewiſſes,
denn man ſieht die Weibsleute im Feld nicht gern;
ſie hindern nur auf dem Marſch. Aber zuweilen
macht man wol eine Ausnahme; und weil Sie auch
fuͤr den Kerl bitten, und er ſchoͤn und groß iſt, ſo will
ichs ſo mit hingehen laſſen. Wenn ich einmal
auf Jhr Schloß komme, ſo beding’ ich mir eine
Bouteille Burgunder dafuͤr aus. Herzlich gerne,
ſagte Kronhelm, und nahm von dem Hauptmann
Abſchied. — Er war nun recht froh, daß er et-
was zur Vereinigung dieſer beyden Leute mit bey-
getragen hatte, und dachte nun mit deſto groͤſſerm
Vergnuͤgen, aber auch mit groͤßrer Wehmuth an
ſeine Thereſe. Siegwart mußte ihm tauſenderley
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[435/0015] und der Kerl iſt groß; denen ſieht man ſchon nach, wenn ſie Weiber haben; ſie gehen dann auch weniger durch. — Nach anderthalb Stunden trafen ſie den Hauptmann auf einem Spatzierritt an. Kron- helm trug ihm ſogleich ſeine Bitte wegen Hanns vor. Jch habe den Kerl dort angetroffen, und ſein Menſch auch, ſagte der Hauptmann. Sie fiel mir gleich zu Fuͤſſen, und bat, daß ſie mit in Krieg duͤrfte. Jch verſprach ihr nichts Gewiſſes, denn man ſieht die Weibsleute im Feld nicht gern; ſie hindern nur auf dem Marſch. Aber zuweilen macht man wol eine Ausnahme; und weil Sie auch fuͤr den Kerl bitten, und er ſchoͤn und groß iſt, ſo will ichs ſo mit hingehen laſſen. Wenn ich einmal auf Jhr Schloß komme, ſo beding’ ich mir eine Bouteille Burgunder dafuͤr aus. Herzlich gerne, ſagte Kronhelm, und nahm von dem Hauptmann Abſchied. — Er war nun recht froh, daß er et- was zur Vereinigung dieſer beyden Leute mit bey- getragen hatte, und dachte nun mit deſto groͤſſerm Vergnuͤgen, aber auch mit groͤßrer Wehmuth an ſeine Thereſe. Siegwart mußte ihm tauſenderley kleine Geſchichten von Thereſens Kindheit erzaͤh-

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Zitationshilfe: Miller, Johann Martin: Siegwart. Bd. 2. Leipzig, 1776, S. 435. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/miller_siegwart02_1776/15>, abgerufen am 25.03.2019.