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Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847.

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Größere Maschinen zur Erhebung des Wassers, als Schöpfrä-
der, Kasten, Eimer und Schaufelkünste, dürften bei gewöhnlichen Was-
serbauten nicht leicht vorkommen; auch bedient man sich jetzt, wo große
Wassermassen fortzuschaffen sind, weit vortheilhafter der Dampfma-
schinen zur Bewegung einer Menge Pumpen.

Quellen welche sich im Baugrunde finden müssen verstopft,
und wenn das nicht angeht und sie durch Ausschöpfen und Auspum-
pen nicht überwältigt werden können, müssen sie abgefangen und ab-
geleitet werden, welches aber sehr umständlich und kostspielig werden
kann, besonders wenn der Boden wenig Gefälle hat.

2) Alte Pfähle werden auf folgende Art am einfachsten ent-
fernt; man schlingt um den Pfahl eine starke Kette, befestigt diese an
einem quer über dem Pfahle auf einer Wippe angebrachten Balken,
so daß das lange Ende des Balkens jenseits der Unterlage zu liegen
kommt, und wuchtet alsdann den Pfahl heraus. Aehnlich verfährt
man mit alten Baumstämmen, welche sich oft in den Baugruben vor-
sinden. Kann man jedoch gut ankommen, dieselben durchzusägen und
die einzelnen Stücken herauszuholen, so ist dies meist bequemer und
wohlfeiler.

3) Große Steine, welche nur zu häufig in den Baugruben
liegen, müssen, wenn man sie eben wegen ihrer Größe nicht überwäl-
tigen kann, gesprengt und alsdann die einzelnen Stücken herausgeholt
werden; dies geschieht auf zweierlei Weise.

Taf. I. Fig. 25. stellt eine einfache Art dar, Steine aus gro-
ßer Tiefe zu heben, selbst wenn sie unter Wasser liegen, was häufig
vorkommt. Jm Steine M. wird ein etwa 9 Zoll tiefes Loch walzen-
förmig eingebohrt. Jn dieses Loch a. b. c. d. passen 2 eiserne Keile
a. c. b. d., so daß sie bei ihrer Zusammensetzung das Loch genau
ausfüllen. Das Stück a. c., das unten dicker ist, als es oben durch
die Abschrägung bleibt, hängt an einem Seile m. Das andere Stück
geht durch den Ring r. und wird, wenn das erstere ins Loch hinein
gelassen ist, durch die Verlängerung b. l., die bis über den Wasser-
spiegel hinausreicht, durch Hammerschläge fest eingetrieben. Durch das
Seil m. wird der Stein herausgehoben, wozu man sich einer Rüstung
und der Rollen, Flaschenzüge und Erdwinden bedient.

Kleinere Steine von 5--7 Cubikfuß werden durch die soge-
nannte Teufelsklaue und einen dreibeinigen Bock mit Rolle und Seil
gehoben. Die Teufelsklaue ist wie eine Kneifzange gestaltet. Die
Griffe sind 5--8 Fuß lang, der Kneifer besteht aus 4 wie krumme

Größere Maſchinen zur Erhebung des Waſſers, als Schöpfrä-
der, Kaſten, Eimer und Schaufelkünſte, dürften bei gewöhnlichen Waſ-
ſerbauten nicht leicht vorkommen; auch bedient man ſich jetzt, wo große
Waſſermaſſen fortzuſchaffen ſind, weit vortheilhafter der Dampfma-
ſchinen zur Bewegung einer Menge Pumpen.

Quellen welche ſich im Baugrunde finden müſſen verſtopft,
und wenn das nicht angeht und ſie durch Ausſchöpfen und Auspum-
pen nicht überwältigt werden können, müſſen ſie abgefangen und ab-
geleitet werden, welches aber ſehr umſtändlich und koſtſpielig werden
kann, beſonders wenn der Boden wenig Gefälle hat.

2) Alte Pfähle werden auf folgende Art am einfachſten ent-
fernt; man ſchlingt um den Pfahl eine ſtarke Kette, befeſtigt dieſe an
einem quer über dem Pfahle auf einer Wippe angebrachten Balken,
ſo daß das lange Ende des Balkens jenſeits der Unterlage zu liegen
kommt, und wuchtet alsdann den Pfahl heraus. Aehnlich verfährt
man mit alten Baumſtämmen, welche ſich oft in den Baugruben vor-
ſinden. Kann man jedoch gut ankommen, dieſelben durchzuſägen und
die einzelnen Stücken herauszuholen, ſo iſt dies meiſt bequemer und
wohlfeiler.

3) Große Steine, welche nur zu häufig in den Baugruben
liegen, müſſen, wenn man ſie eben wegen ihrer Größe nicht überwäl-
tigen kann, geſprengt und alsdann die einzelnen Stücken herausgeholt
werden; dies geſchieht auf zweierlei Weiſe.

Taf. I. Fig. 25. ſtellt eine einfache Art dar, Steine aus gro-
ßer Tiefe zu heben, ſelbſt wenn ſie unter Waſſer liegen, was häufig
vorkommt. Jm Steine M. wird ein etwa 9 Zoll tiefes Loch walzen-
förmig eingebohrt. Jn dieſes Loch a. b. c. d. paſſen 2 eiſerne Keile
a. c. b. d., ſo daß ſie bei ihrer Zuſammenſetzung das Loch genau
ausfüllen. Das Stück a. c., das unten dicker iſt, als es oben durch
die Abſchrägung bleibt, hängt an einem Seile m. Das andere Stück
geht durch den Ring r. und wird, wenn das erſtere ins Loch hinein
gelaſſen iſt, durch die Verlängerung b. l., die bis über den Waſſer-
ſpiegel hinausreicht, durch Hammerſchläge feſt eingetrieben. Durch das
Seil m. wird der Stein herausgehoben, wozu man ſich einer Rüſtung
und der Rollen, Flaſchenzüge und Erdwinden bedient.

Kleinere Steine von 5—7 Cubikfuß werden durch die ſoge-
nannte Teufelsklaue und einen dreibeinigen Bock mit Rolle und Seil
gehoben. Die Teufelsklaue iſt wie eine Kneifzange geſtaltet. Die
Griffe ſind 5—8 Fuß lang, der Kneifer beſteht aus 4 wie krumme

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[79/0089] Größere Maſchinen zur Erhebung des Waſſers, als Schöpfrä- der, Kaſten, Eimer und Schaufelkünſte, dürften bei gewöhnlichen Waſ- ſerbauten nicht leicht vorkommen; auch bedient man ſich jetzt, wo große Waſſermaſſen fortzuſchaffen ſind, weit vortheilhafter der Dampfma- ſchinen zur Bewegung einer Menge Pumpen. Quellen welche ſich im Baugrunde finden müſſen verſtopft, und wenn das nicht angeht und ſie durch Ausſchöpfen und Auspum- pen nicht überwältigt werden können, müſſen ſie abgefangen und ab- geleitet werden, welches aber ſehr umſtändlich und koſtſpielig werden kann, beſonders wenn der Boden wenig Gefälle hat. 2) Alte Pfähle werden auf folgende Art am einfachſten ent- fernt; man ſchlingt um den Pfahl eine ſtarke Kette, befeſtigt dieſe an einem quer über dem Pfahle auf einer Wippe angebrachten Balken, ſo daß das lange Ende des Balkens jenſeits der Unterlage zu liegen kommt, und wuchtet alsdann den Pfahl heraus. Aehnlich verfährt man mit alten Baumſtämmen, welche ſich oft in den Baugruben vor- ſinden. Kann man jedoch gut ankommen, dieſelben durchzuſägen und die einzelnen Stücken herauszuholen, ſo iſt dies meiſt bequemer und wohlfeiler. 3) Große Steine, welche nur zu häufig in den Baugruben liegen, müſſen, wenn man ſie eben wegen ihrer Größe nicht überwäl- tigen kann, geſprengt und alsdann die einzelnen Stücken herausgeholt werden; dies geſchieht auf zweierlei Weiſe. Taf. I. Fig. 25. ſtellt eine einfache Art dar, Steine aus gro- ßer Tiefe zu heben, ſelbſt wenn ſie unter Waſſer liegen, was häufig vorkommt. Jm Steine M. wird ein etwa 9 Zoll tiefes Loch walzen- förmig eingebohrt. Jn dieſes Loch a. b. c. d. paſſen 2 eiſerne Keile a. c. b. d., ſo daß ſie bei ihrer Zuſammenſetzung das Loch genau ausfüllen. Das Stück a. c., das unten dicker iſt, als es oben durch die Abſchrägung bleibt, hängt an einem Seile m. Das andere Stück geht durch den Ring r. und wird, wenn das erſtere ins Loch hinein gelaſſen iſt, durch die Verlängerung b. l., die bis über den Waſſer- ſpiegel hinausreicht, durch Hammerſchläge feſt eingetrieben. Durch das Seil m. wird der Stein herausgehoben, wozu man ſich einer Rüſtung und der Rollen, Flaſchenzüge und Erdwinden bedient. Kleinere Steine von 5—7 Cubikfuß werden durch die ſoge- nannte Teufelsklaue und einen dreibeinigen Bock mit Rolle und Seil gehoben. Die Teufelsklaue iſt wie eine Kneifzange geſtaltet. Die Griffe ſind 5—8 Fuß lang, der Kneifer beſteht aus 4 wie krumme

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Zitationshilfe: Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847, S. 79. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menzel_maurer_1847/89>, abgerufen am 19.06.2019.