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Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847.

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derte lang gelegen hat, ist aufgefüllter Boden und Schutt,
man muß ihn immer durchgraben.
4) Einer besonderen Erwägung bei der Gründung der Gebäude
bedarf das sogenannte Grundwasser. Es hat damit folgende Be-
wandniß. Ueberall, aber besonders in flachen Gegenden, am Meere,
an Strömen, Flüssen, Seen etc. durchdringt das darin befindliche Was-
ser auch das Erdreich, und zwar immer bis beinahe zu derselben Höhe
des Wasserstandes, wie es im Meere, im Strome etc. steht. Auch fällt
und steigt das Grundwasser mit dem Wasser im Meere, Strome etc.
Eine ähnliche Erscheinung findet sich in hochgelegenen Gegenden, wel-
che von Quellengängen etc. durchzogen sind. Es ist für Bauanlagen
sehr wichtig, den gewöhnlichen, höchsten und niedrigsten Wasserstand
des Grundwassers zu kennen. So weit nämlich das Grundwasser
steigt wird der Boden naß, folglich weicher, daher zur Grün-
dung von Gebäuden unbrauchbar, wenn man nicht besondere An-
ordnungen gebraucht, deren wir weiter unten erwähnen werden.
Wenn es nun aber auch möglich ist Fundamente anzulegen,
welche zuweilen oder immer in das Grundwasser hineinreichen, so ist
es doch namentlich bei Unterkellerung von Wohngebäuden sehr unan-
genehm, wenn das Wasser bis in die Keller steigt, da alsdann sein
Herausschaffen immer sehr mühselig und kostbar ist, überdieß alle
Vorräthe in den Kellern verderben, und das ganze Haus davon feucht
und ungesund wird, weshalb es unter allen Umständen besser ist,
mit den Fußböden der Keller noch über dem höchsten Wasserstande
des Grundwassers zu bleiben.
§. 18. Untersuchung des Baugrundes.

Die Untersuchung des Baugrundes geschieht auf folgende Arten:

1) Durch das Aufgraben. Auf der bezeichneten Baustelle
werden mehrere Löcher an verschiedenen Stellen gegraben, um die Be-
schaffenheit des Bodens zu erkennen. Diese Methode ist von allen
die beste und sicherste, selbst dann, wenn man dabei auf Grund-
wasser stieße, welches man ausschöpfen müßte, um in noch größerer
Tiefe den Boden zu untersuchen; weil man die Lage und Be-
standtheile, so wie die Mächtigkeit der etwa abwech-
selnden Erdschichten gänzlich vor Augen hat.
Bei aufge-
schwemmtem Lande, besonders am Meere und in der Nähe großer
Ströme und vieler Flüsse, gelangt man jedesmal, wenn man die obe-
ren, weicheren Erdschichten durchstochen hat, auf scharfen Grand, wel-
cher das Bett des Meeres, der Ströme etc. bildet, allemal eine sehr

derte lang gelegen hat, iſt aufgefüllter Boden und Schutt,
man muß ihn immer durchgraben.
4) Einer beſonderen Erwägung bei der Gründung der Gebäude
bedarf das ſogenannte Grundwaſſer. Es hat damit folgende Be-
wandniß. Ueberall, aber beſonders in flachen Gegenden, am Meere,
an Strömen, Flüſſen, Seen ꝛc. durchdringt das darin befindliche Waſ-
ſer auch das Erdreich, und zwar immer bis beinahe zu derſelben Höhe
des Waſſerſtandes, wie es im Meere, im Strome ꝛc. ſteht. Auch fällt
und ſteigt das Grundwaſſer mit dem Waſſer im Meere, Strome ꝛc.
Eine ähnliche Erſcheinung findet ſich in hochgelegenen Gegenden, wel-
che von Quellengängen ꝛc. durchzogen ſind. Es iſt für Bauanlagen
ſehr wichtig, den gewöhnlichen, höchſten und niedrigſten Waſſerſtand
des Grundwaſſers zu kennen. So weit nämlich das Grundwaſſer
ſteigt wird der Boden naß, folglich weicher, daher zur Grün-
dung von Gebäuden unbrauchbar, wenn man nicht beſondere An-
ordnungen gebraucht, deren wir weiter unten erwähnen werden.
Wenn es nun aber auch möglich iſt Fundamente anzulegen,
welche zuweilen oder immer in das Grundwaſſer hineinreichen, ſo iſt
es doch namentlich bei Unterkellerung von Wohngebäuden ſehr unan-
genehm, wenn das Waſſer bis in die Keller ſteigt, da alsdann ſein
Herausſchaffen immer ſehr mühſelig und koſtbar iſt, überdieß alle
Vorräthe in den Kellern verderben, und das ganze Haus davon feucht
und ungeſund wird, weshalb es unter allen Umſtänden beſſer iſt,
mit den Fußböden der Keller noch über dem höchſten Waſſerſtande
des Grundwaſſers zu bleiben.
§. 18. Unterſuchung des Baugrundes.

Die Unterſuchung des Baugrundes geſchieht auf folgende Arten:

1) Durch das Aufgraben. Auf der bezeichneten Bauſtelle
werden mehrere Löcher an verſchiedenen Stellen gegraben, um die Be-
ſchaffenheit des Bodens zu erkennen. Dieſe Methode iſt von allen
die beſte und ſicherſte, ſelbſt dann, wenn man dabei auf Grund-
waſſer ſtieße, welches man ausſchöpfen müßte, um in noch größerer
Tiefe den Boden zu unterſuchen; weil man die Lage und Be-
ſtandtheile, ſo wie die Mächtigkeit der etwa abwech-
ſelnden Erdſchichten gänzlich vor Augen hat.
Bei aufge-
ſchwemmtem Lande, beſonders am Meere und in der Nähe großer
Ströme und vieler Flüſſe, gelangt man jedesmal, wenn man die obe-
ren, weicheren Erdſchichten durchſtochen hat, auf ſcharfen Grand, wel-
cher das Bett des Meeres, der Ströme ꝛc. bildet, allemal eine ſehr

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[71/0081] derte lang gelegen hat, iſt aufgefüllter Boden und Schutt, man muß ihn immer durchgraben. 4) Einer beſonderen Erwägung bei der Gründung der Gebäude bedarf das ſogenannte Grundwaſſer. Es hat damit folgende Be- wandniß. Ueberall, aber beſonders in flachen Gegenden, am Meere, an Strömen, Flüſſen, Seen ꝛc. durchdringt das darin befindliche Waſ- ſer auch das Erdreich, und zwar immer bis beinahe zu derſelben Höhe des Waſſerſtandes, wie es im Meere, im Strome ꝛc. ſteht. Auch fällt und ſteigt das Grundwaſſer mit dem Waſſer im Meere, Strome ꝛc. Eine ähnliche Erſcheinung findet ſich in hochgelegenen Gegenden, wel- che von Quellengängen ꝛc. durchzogen ſind. Es iſt für Bauanlagen ſehr wichtig, den gewöhnlichen, höchſten und niedrigſten Waſſerſtand des Grundwaſſers zu kennen. So weit nämlich das Grundwaſſer ſteigt wird der Boden naß, folglich weicher, daher zur Grün- dung von Gebäuden unbrauchbar, wenn man nicht beſondere An- ordnungen gebraucht, deren wir weiter unten erwähnen werden. Wenn es nun aber auch möglich iſt Fundamente anzulegen, welche zuweilen oder immer in das Grundwaſſer hineinreichen, ſo iſt es doch namentlich bei Unterkellerung von Wohngebäuden ſehr unan- genehm, wenn das Waſſer bis in die Keller ſteigt, da alsdann ſein Herausſchaffen immer ſehr mühſelig und koſtbar iſt, überdieß alle Vorräthe in den Kellern verderben, und das ganze Haus davon feucht und ungeſund wird, weshalb es unter allen Umſtänden beſſer iſt, mit den Fußböden der Keller noch über dem höchſten Waſſerſtande des Grundwaſſers zu bleiben. §. 18. Unterſuchung des Baugrundes. Die Unterſuchung des Baugrundes geſchieht auf folgende Arten: 1) Durch das Aufgraben. Auf der bezeichneten Bauſtelle werden mehrere Löcher an verſchiedenen Stellen gegraben, um die Be- ſchaffenheit des Bodens zu erkennen. Dieſe Methode iſt von allen die beſte und ſicherſte, ſelbſt dann, wenn man dabei auf Grund- waſſer ſtieße, welches man ausſchöpfen müßte, um in noch größerer Tiefe den Boden zu unterſuchen; weil man die Lage und Be- ſtandtheile, ſo wie die Mächtigkeit der etwa abwech- ſelnden Erdſchichten gänzlich vor Augen hat. Bei aufge- ſchwemmtem Lande, beſonders am Meere und in der Nähe großer Ströme und vieler Flüſſe, gelangt man jedesmal, wenn man die obe- ren, weicheren Erdſchichten durchſtochen hat, auf ſcharfen Grand, wel- cher das Bett des Meeres, der Ströme ꝛc. bildet, allemal eine ſehr

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Zitationshilfe: Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847, S. 71. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menzel_maurer_1847/81>, abgerufen am 24.06.2019.