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Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847.

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er in einzelnen Fällen sein. Es trifft sich nämlich zuweilen, daß in-
nere Höhlungen mit nur schwacher Felsdecke sich in einem Berge be-
finden, und daß diese schwache Felsdecke unter der Last eines Ge-
mäuers zusammenbrechen müßte. Um nun von der Dichtigkeit der
Felslage überzeugt zu sein, stößt man mit einem sogenannten Visitir-
eisen auf den Fels. Jst der Klang voll und hell, so ist der Grund
fest, ist der Klang dumpf, so ist der Grund ausgehöhlt und man
muß durch Sprengung untersuchen, wie stark die tragbare Schicht ist;
findet man sie zu dünn, so muß man Pfeiler in der Höhlung auf-
führen, diese mit Bogen verbinden und so die darüber zu stehen kom-
menden Mauern unterstützen. Kommen Risse und Spalten im Felsen
vor, so muß man sie mit Mauerwerk füllen, oder mit Bögen über-
spannen.

Grobkörniger, mit feiner Erde vermischter Sand, so wie auch
feinkörniger Sand sind fester Baugrund. Eben so Lehm, Thon, mehr
oder weniger mit Sand gemischt, wenn sie nur trocken liegen. Lehm
und Thon aber mit Sand gemischt und vom Wasser durchzogen, sind
unsichrer Baugrund, besonders gilt dies von dem nassen, bläulichen
(mit Thon gemischten) Sande. Sehr nasser Sand ist ein schlechter
Baugrund, am schlechtesten sogenannter Treib- oder Wellsand; Letten,
Mergel, Brucherde, Torf und Wiesenerde sind ebenfalls schlechte Grün-
de, noch mehr aber der schwimmende Morast, weil er in seiner Zu-
sammendrückbarkeit beinahe dem Wasser gleichsteht.

Die mit Mörtel aufgeführten Mauern drücken sich zwar, ehe
der Mörtel erhärtet ist, auch um eine Kleinigkeit zusammen, was man
das Setzen der Mauern nennt, dies ist jedoch unerheblich und nicht
mit dem Senken der Gebäude im Baugrunde zu verwechseln.

Um für ein Gebäude einen verhältnißmäßig festen Baugrund zu er-
halten, hängt alles von der Dicke (Mächtigkeit) derjenigen Erdschicht
ab, welche das Gebäude unmittelbar zu tragen hat. Bekanntlich wech-
seln die Erdschichten häufig so, daß weichere auf festeren liegen, oder
auch umgekehrt. Die oberste Erdschicht ist allemal weich. Es ist
auf dem Lande die sogenannte tragbare Erde, welche in der Regel
eine Dicke von 11/2 Fuß hat, diese Schicht muß unter allen Umstän-
den erst fortgeschafft werden, denn sie würde sich sehr stark zusam-
mendrücken, wenn man ein massives Gebäude darauf setzen wollte.
Auch hat sie noch den großen Nachtheil, daß wenn man sie nicht
fortgräbt, sich aus dieser Erdschicht, wegen ihrer vielen Düngertheile
(humus) welche sie enthält, gewöhnlich der verwüstende Holzschwamm
erzeugt. Also schon aus diesem Grunde muß auf dem Lande die

er in einzelnen Fällen ſein. Es trifft ſich nämlich zuweilen, daß in-
nere Höhlungen mit nur ſchwacher Felsdecke ſich in einem Berge be-
finden, und daß dieſe ſchwache Felsdecke unter der Laſt eines Ge-
mäuers zuſammenbrechen müßte. Um nun von der Dichtigkeit der
Felslage überzeugt zu ſein, ſtößt man mit einem ſogenannten Viſitir-
eiſen auf den Fels. Jſt der Klang voll und hell, ſo iſt der Grund
feſt, iſt der Klang dumpf, ſo iſt der Grund ausgehöhlt und man
muß durch Sprengung unterſuchen, wie ſtark die tragbare Schicht iſt;
findet man ſie zu dünn, ſo muß man Pfeiler in der Höhlung auf-
führen, dieſe mit Bogen verbinden und ſo die darüber zu ſtehen kom-
menden Mauern unterſtützen. Kommen Riſſe und Spalten im Felſen
vor, ſo muß man ſie mit Mauerwerk füllen, oder mit Bögen über-
ſpannen.

Grobkörniger, mit feiner Erde vermiſchter Sand, ſo wie auch
feinkörniger Sand ſind feſter Baugrund. Eben ſo Lehm, Thon, mehr
oder weniger mit Sand gemiſcht, wenn ſie nur trocken liegen. Lehm
und Thon aber mit Sand gemiſcht und vom Waſſer durchzogen, ſind
unſichrer Baugrund, beſonders gilt dies von dem naſſen, bläulichen
(mit Thon gemiſchten) Sande. Sehr naſſer Sand iſt ein ſchlechter
Baugrund, am ſchlechteſten ſogenannter Treib- oder Wellſand; Letten,
Mergel, Brucherde, Torf und Wieſenerde ſind ebenfalls ſchlechte Grün-
de, noch mehr aber der ſchwimmende Moraſt, weil er in ſeiner Zu-
ſammendrückbarkeit beinahe dem Waſſer gleichſteht.

Die mit Mörtel aufgeführten Mauern drücken ſich zwar, ehe
der Mörtel erhärtet iſt, auch um eine Kleinigkeit zuſammen, was man
das Setzen der Mauern nennt, dies iſt jedoch unerheblich und nicht
mit dem Senken der Gebäude im Baugrunde zu verwechſeln.

Um für ein Gebäude einen verhältnißmäßig feſten Baugrund zu er-
halten, hängt alles von der Dicke (Mächtigkeit) derjenigen Erdſchicht
ab, welche das Gebäude unmittelbar zu tragen hat. Bekanntlich wech-
ſeln die Erdſchichten häufig ſo, daß weichere auf feſteren liegen, oder
auch umgekehrt. Die oberſte Erdſchicht iſt allemal weich. Es iſt
auf dem Lande die ſogenannte tragbare Erde, welche in der Regel
eine Dicke von 1½ Fuß hat, dieſe Schicht muß unter allen Umſtän-
den erſt fortgeſchafft werden, denn ſie würde ſich ſehr ſtark zuſam-
mendrücken, wenn man ein maſſives Gebäude darauf ſetzen wollte.
Auch hat ſie noch den großen Nachtheil, daß wenn man ſie nicht
fortgräbt, ſich aus dieſer Erdſchicht, wegen ihrer vielen Düngertheile
(humus) welche ſie enthält, gewöhnlich der verwüſtende Holzſchwamm
erzeugt. Alſo ſchon aus dieſem Grunde muß auf dem Lande die

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[68/0078] er in einzelnen Fällen ſein. Es trifft ſich nämlich zuweilen, daß in- nere Höhlungen mit nur ſchwacher Felsdecke ſich in einem Berge be- finden, und daß dieſe ſchwache Felsdecke unter der Laſt eines Ge- mäuers zuſammenbrechen müßte. Um nun von der Dichtigkeit der Felslage überzeugt zu ſein, ſtößt man mit einem ſogenannten Viſitir- eiſen auf den Fels. Jſt der Klang voll und hell, ſo iſt der Grund feſt, iſt der Klang dumpf, ſo iſt der Grund ausgehöhlt und man muß durch Sprengung unterſuchen, wie ſtark die tragbare Schicht iſt; findet man ſie zu dünn, ſo muß man Pfeiler in der Höhlung auf- führen, dieſe mit Bogen verbinden und ſo die darüber zu ſtehen kom- menden Mauern unterſtützen. Kommen Riſſe und Spalten im Felſen vor, ſo muß man ſie mit Mauerwerk füllen, oder mit Bögen über- ſpannen. Grobkörniger, mit feiner Erde vermiſchter Sand, ſo wie auch feinkörniger Sand ſind feſter Baugrund. Eben ſo Lehm, Thon, mehr oder weniger mit Sand gemiſcht, wenn ſie nur trocken liegen. Lehm und Thon aber mit Sand gemiſcht und vom Waſſer durchzogen, ſind unſichrer Baugrund, beſonders gilt dies von dem naſſen, bläulichen (mit Thon gemiſchten) Sande. Sehr naſſer Sand iſt ein ſchlechter Baugrund, am ſchlechteſten ſogenannter Treib- oder Wellſand; Letten, Mergel, Brucherde, Torf und Wieſenerde ſind ebenfalls ſchlechte Grün- de, noch mehr aber der ſchwimmende Moraſt, weil er in ſeiner Zu- ſammendrückbarkeit beinahe dem Waſſer gleichſteht. Die mit Mörtel aufgeführten Mauern drücken ſich zwar, ehe der Mörtel erhärtet iſt, auch um eine Kleinigkeit zuſammen, was man das Setzen der Mauern nennt, dies iſt jedoch unerheblich und nicht mit dem Senken der Gebäude im Baugrunde zu verwechſeln. Um für ein Gebäude einen verhältnißmäßig feſten Baugrund zu er- halten, hängt alles von der Dicke (Mächtigkeit) derjenigen Erdſchicht ab, welche das Gebäude unmittelbar zu tragen hat. Bekanntlich wech- ſeln die Erdſchichten häufig ſo, daß weichere auf feſteren liegen, oder auch umgekehrt. Die oberſte Erdſchicht iſt allemal weich. Es iſt auf dem Lande die ſogenannte tragbare Erde, welche in der Regel eine Dicke von 1½ Fuß hat, dieſe Schicht muß unter allen Umſtän- den erſt fortgeſchafft werden, denn ſie würde ſich ſehr ſtark zuſam- mendrücken, wenn man ein maſſives Gebäude darauf ſetzen wollte. Auch hat ſie noch den großen Nachtheil, daß wenn man ſie nicht fortgräbt, ſich aus dieſer Erdſchicht, wegen ihrer vielen Düngertheile (humus) welche ſie enthält, gewöhnlich der verwüſtende Holzſchwamm erzeugt. Alſo ſchon aus dieſem Grunde muß auf dem Lande die

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Zitationshilfe: Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847, S. 68. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menzel_maurer_1847/78>, abgerufen am 20.10.2019.