Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847.

Bild:
<< vorherige Seite
haltig, so werden die Steine hellgelb ins Röthliche spielend, ist die
Masse mehr lehmig, so werden sie immer röther je mehr Eisentheile
der Lehm enthält. Außer diesen Fällen giebt es noch bei jedem Zie-
gelbrande dreierlei Farbensorten mindestens. Denn die am meisten
dem Feuer ausgesetzten Steine erhalten eine verglaste sehr dunkle
Farbe, die hartgebrannten sind nicht verglaset und etwas heller, aber
immer noch dunkelfarbig (gelbroth oder braunroth, je nachdem die
Masse war), die mittelgebrannten sind heller, und die schlecht gebrann-
ten am hellsten. Hiervon mag es wohl kommen, daß Viele auch die
besten hellfarbigen Steine (wie die holländischen Klinker) für schlecht
halten. Ferner wird ein und dasselbe Ziegelgut im Ganzen bei Torf-
brand eine hellere Farbe annehmen als bei Holzbrand, und man kann
nun sehr leicht ersehen, wie die Farbe der Steine zur Beurtheilung
ihrer Güte gar nichts beiträgt.
4) Das Aeußre der Steine giebt folgende Kennzeichen für die
Güte eines Steines. Sie müssen gerade, scharfkantig, nicht
brüchig, nicht rissig und hart sein.
Wenn man den Stein in die eine Hand nimmt und mit einem
Finger der andern Hand daran klopft, muß der gut gebrannte
Stein einen hellen Klang geben. Jst der Klang dumpf, so ist der
Stein schlecht gebrannt. Wenn man einen Ziegel auf einen Haufen
andrer Ziegeln wirft, geht der gut gebrannte Stein nicht entzwei, son-
dern verliert höchstens die scharfen Kanten.
Man muß nirgends gebrannte Kalkstückchen am Steine ent-
decken, weil man alsdann mit Sicherheit annehmen kann, daß die
Masse überhaupt Kalktheile enthält und folglich die Steine gar nichts
taugen,
weil sie naß geworden ganz oder theilweise auseinander
springen. Die Kalktheile lassen sich sehr leicht durch ihre weiße Farbe
(wie Kreide) erkennen. Wenn man mit dem Fingernagel daran kratzt,
schabt sich der Kalk wie Kreide ab.
Jst Mergelkalk in der Steinmasse, so erscheinen kleine weiße
Punkte auf dem Steine, und dann braucht man die Steine nur in
das Wasser zu stecken, um zu sehen ob sie Mergel enthalten. Denn
wenn der Stein das Wasser eingesogen hat, wird er durch die Ablö-
schung des in ihm enthaltenen gebrannten Mergelkalkes theilweise oder
ganz auseinander fallen, und solche Steine sind nicht zu brauchen.
Ueberhaupt ist Kalk das Uebelste was in einem Ziegel enthalten sein
kann, und man muß sich sehr hüten dergleichen Steine zu kaufen.
Das sicherste ist solche Steine auf den Ziegeleien zu kaufen, welche den
Winter über im Freien sich tadellos erhalten haben, ohne zu zer-
haltig, ſo werden die Steine hellgelb ins Röthliche ſpielend, iſt die
Maſſe mehr lehmig, ſo werden ſie immer röther je mehr Eiſentheile
der Lehm enthält. Außer dieſen Fällen giebt es noch bei jedem Zie-
gelbrande dreierlei Farbenſorten mindeſtens. Denn die am meiſten
dem Feuer ausgeſetzten Steine erhalten eine verglaſte ſehr dunkle
Farbe, die hartgebrannten ſind nicht verglaſet und etwas heller, aber
immer noch dunkelfarbig (gelbroth oder braunroth, je nachdem die
Maſſe war), die mittelgebrannten ſind heller, und die ſchlecht gebrann-
ten am hellſten. Hiervon mag es wohl kommen, daß Viele auch die
beſten hellfarbigen Steine (wie die holländiſchen Klinker) für ſchlecht
halten. Ferner wird ein und daſſelbe Ziegelgut im Ganzen bei Torf-
brand eine hellere Farbe annehmen als bei Holzbrand, und man kann
nun ſehr leicht erſehen, wie die Farbe der Steine zur Beurtheilung
ihrer Güte gar nichts beiträgt.
4) Das Aeußre der Steine giebt folgende Kennzeichen für die
Güte eines Steines. Sie müſſen gerade, ſcharfkantig, nicht
brüchig, nicht riſſig und hart ſein.
Wenn man den Stein in die eine Hand nimmt und mit einem
Finger der andern Hand daran klopft, muß der gut gebrannte
Stein einen hellen Klang geben. Jſt der Klang dumpf, ſo iſt der
Stein ſchlecht gebrannt. Wenn man einen Ziegel auf einen Haufen
andrer Ziegeln wirft, geht der gut gebrannte Stein nicht entzwei, ſon-
dern verliert höchſtens die ſcharfen Kanten.
Man muß nirgends gebrannte Kalkſtückchen am Steine ent-
decken, weil man alsdann mit Sicherheit annehmen kann, daß die
Maſſe überhaupt Kalktheile enthält und folglich die Steine gar nichts
taugen,
weil ſie naß geworden ganz oder theilweiſe auseinander
ſpringen. Die Kalktheile laſſen ſich ſehr leicht durch ihre weiße Farbe
(wie Kreide) erkennen. Wenn man mit dem Fingernagel daran kratzt,
ſchabt ſich der Kalk wie Kreide ab.
Jſt Mergelkalk in der Steinmaſſe, ſo erſcheinen kleine weiße
Punkte auf dem Steine, und dann braucht man die Steine nur in
das Waſſer zu ſtecken, um zu ſehen ob ſie Mergel enthalten. Denn
wenn der Stein das Waſſer eingeſogen hat, wird er durch die Ablö-
ſchung des in ihm enthaltenen gebrannten Mergelkalkes theilweiſe oder
ganz auseinander fallen, und ſolche Steine ſind nicht zu brauchen.
Ueberhaupt iſt Kalk das Uebelſte was in einem Ziegel enthalten ſein
kann, und man muß ſich ſehr hüten dergleichen Steine zu kaufen.
Das ſicherſte iſt ſolche Steine auf den Ziegeleien zu kaufen, welche den
Winter über im Freien ſich tadellos erhalten haben, ohne zu zer-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <list>
              <item><pb facs="#f0049" n="39"/>
haltig, &#x017F;o werden die Steine hellgelb ins Röthliche &#x017F;pielend, i&#x017F;t die<lb/>
Ma&#x017F;&#x017F;e mehr lehmig, &#x017F;o werden &#x017F;ie immer röther je mehr Ei&#x017F;entheile<lb/>
der Lehm enthält. Außer die&#x017F;en Fällen giebt es noch bei jedem Zie-<lb/>
gelbrande dreierlei Farben&#x017F;orten minde&#x017F;tens. Denn die am mei&#x017F;ten<lb/>
dem Feuer ausge&#x017F;etzten Steine erhalten eine vergla&#x017F;te &#x017F;ehr dunkle<lb/>
Farbe, die hartgebrannten &#x017F;ind nicht vergla&#x017F;et und etwas heller, aber<lb/>
immer noch dunkelfarbig (gelbroth oder braunroth, je nachdem die<lb/>
Ma&#x017F;&#x017F;e war), die mittelgebrannten &#x017F;ind heller, und die &#x017F;chlecht gebrann-<lb/>
ten am hell&#x017F;ten. Hiervon mag es wohl kommen, daß Viele auch die<lb/>
be&#x017F;ten hellfarbigen Steine (wie die holländi&#x017F;chen Klinker) für &#x017F;chlecht<lb/>
halten. Ferner wird ein und da&#x017F;&#x017F;elbe Ziegelgut im Ganzen bei Torf-<lb/>
brand eine hellere Farbe annehmen als bei Holzbrand, und man kann<lb/>
nun &#x017F;ehr leicht er&#x017F;ehen, wie die Farbe der Steine zur Beurtheilung<lb/>
ihrer Güte gar nichts beiträgt.</item><lb/>
              <item>4) <hi rendition="#g">Das Aeußre</hi> der Steine giebt folgende Kennzeichen für die<lb/>
Güte eines Steines. Sie mü&#x017F;&#x017F;en <hi rendition="#g">gerade, &#x017F;charfkantig,</hi> nicht<lb/><hi rendition="#g">brüchig,</hi> nicht <hi rendition="#g">ri&#x017F;&#x017F;ig</hi> und <hi rendition="#g">hart</hi> &#x017F;ein.</item><lb/>
              <item>Wenn man den Stein in die eine Hand nimmt und mit einem<lb/>
Finger der andern Hand daran klopft, muß der <hi rendition="#g">gut gebrannte</hi><lb/>
Stein einen hellen Klang geben. J&#x017F;t der Klang <hi rendition="#g">dumpf,</hi> &#x017F;o i&#x017F;t der<lb/>
Stein &#x017F;chlecht gebrannt. Wenn man einen Ziegel auf einen Haufen<lb/>
andrer Ziegeln wirft, geht der gut gebrannte Stein nicht entzwei, &#x017F;on-<lb/>
dern verliert höch&#x017F;tens die &#x017F;charfen Kanten.</item><lb/>
              <item>Man muß nirgends gebrannte Kalk&#x017F;tückchen am Steine ent-<lb/>
decken, weil man alsdann mit Sicherheit annehmen kann, daß die<lb/>
Ma&#x017F;&#x017F;e überhaupt Kalktheile enthält und folglich die Steine <hi rendition="#g">gar nichts<lb/>
taugen,</hi> weil &#x017F;ie naß geworden <hi rendition="#g">ganz</hi> oder theilwei&#x017F;e auseinander<lb/>
&#x017F;pringen. Die Kalktheile la&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ich &#x017F;ehr leicht durch ihre weiße Farbe<lb/>
(wie Kreide) erkennen. Wenn man mit dem Fingernagel daran kratzt,<lb/>
&#x017F;chabt &#x017F;ich der Kalk wie Kreide ab.</item><lb/>
              <item>J&#x017F;t Mergelkalk in der Steinma&#x017F;&#x017F;e, &#x017F;o er&#x017F;cheinen kleine weiße<lb/>
Punkte auf dem Steine, und dann braucht man die Steine nur in<lb/>
das Wa&#x017F;&#x017F;er zu &#x017F;tecken, um zu &#x017F;ehen ob &#x017F;ie Mergel enthalten. Denn<lb/>
wenn der Stein das Wa&#x017F;&#x017F;er einge&#x017F;ogen hat, wird er durch die Ablö-<lb/>
&#x017F;chung des in ihm enthaltenen gebrannten Mergelkalkes theilwei&#x017F;e oder<lb/>
ganz auseinander fallen, und &#x017F;olche Steine &#x017F;ind nicht zu brauchen.<lb/>
Ueberhaupt i&#x017F;t Kalk das Uebel&#x017F;te was in einem Ziegel enthalten &#x017F;ein<lb/>
kann, und man muß &#x017F;ich &#x017F;ehr hüten dergleichen Steine zu kaufen.<lb/>
Das &#x017F;icher&#x017F;te i&#x017F;t &#x017F;olche Steine auf den Ziegeleien zu kaufen, welche den<lb/>
Winter über im <hi rendition="#g">Freien</hi> &#x017F;ich tadellos erhalten haben, ohne zu zer-<lb/></item>
            </list>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[39/0049] haltig, ſo werden die Steine hellgelb ins Röthliche ſpielend, iſt die Maſſe mehr lehmig, ſo werden ſie immer röther je mehr Eiſentheile der Lehm enthält. Außer dieſen Fällen giebt es noch bei jedem Zie- gelbrande dreierlei Farbenſorten mindeſtens. Denn die am meiſten dem Feuer ausgeſetzten Steine erhalten eine verglaſte ſehr dunkle Farbe, die hartgebrannten ſind nicht verglaſet und etwas heller, aber immer noch dunkelfarbig (gelbroth oder braunroth, je nachdem die Maſſe war), die mittelgebrannten ſind heller, und die ſchlecht gebrann- ten am hellſten. Hiervon mag es wohl kommen, daß Viele auch die beſten hellfarbigen Steine (wie die holländiſchen Klinker) für ſchlecht halten. Ferner wird ein und daſſelbe Ziegelgut im Ganzen bei Torf- brand eine hellere Farbe annehmen als bei Holzbrand, und man kann nun ſehr leicht erſehen, wie die Farbe der Steine zur Beurtheilung ihrer Güte gar nichts beiträgt. 4) Das Aeußre der Steine giebt folgende Kennzeichen für die Güte eines Steines. Sie müſſen gerade, ſcharfkantig, nicht brüchig, nicht riſſig und hart ſein. Wenn man den Stein in die eine Hand nimmt und mit einem Finger der andern Hand daran klopft, muß der gut gebrannte Stein einen hellen Klang geben. Jſt der Klang dumpf, ſo iſt der Stein ſchlecht gebrannt. Wenn man einen Ziegel auf einen Haufen andrer Ziegeln wirft, geht der gut gebrannte Stein nicht entzwei, ſon- dern verliert höchſtens die ſcharfen Kanten. Man muß nirgends gebrannte Kalkſtückchen am Steine ent- decken, weil man alsdann mit Sicherheit annehmen kann, daß die Maſſe überhaupt Kalktheile enthält und folglich die Steine gar nichts taugen, weil ſie naß geworden ganz oder theilweiſe auseinander ſpringen. Die Kalktheile laſſen ſich ſehr leicht durch ihre weiße Farbe (wie Kreide) erkennen. Wenn man mit dem Fingernagel daran kratzt, ſchabt ſich der Kalk wie Kreide ab. Jſt Mergelkalk in der Steinmaſſe, ſo erſcheinen kleine weiße Punkte auf dem Steine, und dann braucht man die Steine nur in das Waſſer zu ſtecken, um zu ſehen ob ſie Mergel enthalten. Denn wenn der Stein das Waſſer eingeſogen hat, wird er durch die Ablö- ſchung des in ihm enthaltenen gebrannten Mergelkalkes theilweiſe oder ganz auseinander fallen, und ſolche Steine ſind nicht zu brauchen. Ueberhaupt iſt Kalk das Uebelſte was in einem Ziegel enthalten ſein kann, und man muß ſich ſehr hüten dergleichen Steine zu kaufen. Das ſicherſte iſt ſolche Steine auf den Ziegeleien zu kaufen, welche den Winter über im Freien ſich tadellos erhalten haben, ohne zu zer-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/menzel_maurer_1847
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/menzel_maurer_1847/49
Zitationshilfe: Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847, S. 39. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menzel_maurer_1847/49>, abgerufen am 20.05.2019.