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Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847.

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Man zerkleinert Steine auf folgende Arten:

1) Man hauet mit einem schweren Hammer auf dieselben, so
daß sie in einzelnen Stücken auseinander springen. Diese Art ist die
gewöhnlichste und einfachste, sie wird aber nur bei mittelmäßig großen
Steinen angewendet, und liefert keine regelmäßigen Stücken. Auch
muß der Hammer immer senkrecht auf die Lagerschicht des Steines
aufschlagen.
2) Man erwärmt größere Steine durch ein Feuer, welches
mit hellflammendem Holze an der Windseite des Steines angemacht
wird, und zerschlägt sie alsdann wie vorhin mit dem Hammer. Auch
hierbei erhält man keine regelmäßigen Stücken.
3) Man sprengt große Steine durch Pulver, mittelst soge-
nannter Meißelbohrer. Während des Bohrens muß fortwährend
Wasser in das Bohrloch geträufelt werden, um den Bohrer abzuküh-
len. Vor der Ladung wird aller Steinstaub entfernt. Ein geübter
Sprenger kann in einem Tage 25 Zoll bohren und sprengen. Zur
Absprengung von 100 Zoll Bohrloch oder 33 1/3 Zoll Füllung ge-
hört 1 Pfund Pulver. Es wird ein Loch in den Stein gearbeitet
von etwa einem Zoll im Durchmesser, und so tief, daß die Tiefe
des Bohrloches 1/5 bis 1/6 des Durchmessers von dem Steine be-
trägt. Alsdann wird 1/4 bis 1/3 der Höhe des Bohrloches mit
Pulver geladen, dann ein Pfropfen von Werg, Gras, Papier und
Holzkeilchen aufgesetzt, durch welchen das Zündloch für die Zündna-
del bleibt. Alsdann wird der Stein geschossen, nachdem man das
Bohrloch 1/3 mit Pulver gefüllt. Es ist natürlich, daß wenn man
die Richtung des Bohrloches nach den Lagerungsschichten des Steines
gehen läßt, dieser gleichmäßiger und ebner zerspringt, als wenn man
das Gegentheil thut.
Auch bei der Sprengung durch Pulver erhält man keine ganz
regelmäßigen Stücken.
Einen Zoll tief zu bohren kostet 3/4 Silbergroschen mit der
Ladung.
4) Sprengt man große Steine mit Wasser. Jm Alterthume,
als man das Pulver noch nicht anwendete, arbeitete man Löcher in
den Stein, trieb alsdann zuvor gedörrte feste Holzkeile in diese Lö-
cher und füllte sie mit Wasser. Das Wasser dehnte allmälig die ge-
dörrten Holzkeile so gewaltsam aus, daß große Steinmassen dadurch
von den Felsen abgelöset wurden. Auch in neuster Zeit hat man ein
ähnliches Verfahren, Steine durch Wasser zu sprengen, angewendet,
um das Pulver zu sparen, jedoch ist die Pulversprengung weniger

Man zerkleinert Steine auf folgende Arten:

1) Man hauet mit einem ſchweren Hammer auf dieſelben, ſo
daß ſie in einzelnen Stücken auseinander ſpringen. Dieſe Art iſt die
gewöhnlichſte und einfachſte, ſie wird aber nur bei mittelmäßig großen
Steinen angewendet, und liefert keine regelmäßigen Stücken. Auch
muß der Hammer immer ſenkrecht auf die Lagerſchicht des Steines
aufſchlagen.
2) Man erwärmt größere Steine durch ein Feuer, welches
mit hellflammendem Holze an der Windſeite des Steines angemacht
wird, und zerſchlägt ſie alsdann wie vorhin mit dem Hammer. Auch
hierbei erhält man keine regelmäßigen Stücken.
3) Man ſprengt große Steine durch Pulver, mittelſt ſoge-
nannter Meißelbohrer. Während des Bohrens muß fortwährend
Waſſer in das Bohrloch geträufelt werden, um den Bohrer abzuküh-
len. Vor der Ladung wird aller Steinſtaub entfernt. Ein geübter
Sprenger kann in einem Tage 25 Zoll bohren und ſprengen. Zur
Abſprengung von 100 Zoll Bohrloch oder 33⅓ Zoll Füllung ge-
hört 1 Pfund Pulver. Es wird ein Loch in den Stein gearbeitet
von etwa einem Zoll im Durchmeſſer, und ſo tief, daß die Tiefe
des Bohrloches ⅕ bis ⅙ des Durchmeſſers von dem Steine be-
trägt. Alsdann wird ¼ bis ⅓ der Höhe des Bohrloches mit
Pulver geladen, dann ein Pfropfen von Werg, Gras, Papier und
Holzkeilchen aufgeſetzt, durch welchen das Zündloch für die Zündna-
del bleibt. Alsdann wird der Stein geſchoſſen, nachdem man das
Bohrloch ⅓ mit Pulver gefüllt. Es iſt natürlich, daß wenn man
die Richtung des Bohrloches nach den Lagerungsſchichten des Steines
gehen läßt, dieſer gleichmäßiger und ebner zerſpringt, als wenn man
das Gegentheil thut.
Auch bei der Sprengung durch Pulver erhält man keine ganz
regelmäßigen Stücken.
Einen Zoll tief zu bohren koſtet ¾ Silbergroſchen mit der
Ladung.
4) Sprengt man große Steine mit Waſſer. Jm Alterthume,
als man das Pulver noch nicht anwendete, arbeitete man Löcher in
den Stein, trieb alsdann zuvor gedörrte feſte Holzkeile in dieſe Lö-
cher und füllte ſie mit Waſſer. Das Waſſer dehnte allmälig die ge-
dörrten Holzkeile ſo gewaltſam aus, daß große Steinmaſſen dadurch
von den Felſen abgelöſet wurden. Auch in neuſter Zeit hat man ein
ähnliches Verfahren, Steine durch Waſſer zu ſprengen, angewendet,
um das Pulver zu ſparen, jedoch iſt die Pulverſprengung weniger
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[5/0015] Man zerkleinert Steine auf folgende Arten: 1) Man hauet mit einem ſchweren Hammer auf dieſelben, ſo daß ſie in einzelnen Stücken auseinander ſpringen. Dieſe Art iſt die gewöhnlichſte und einfachſte, ſie wird aber nur bei mittelmäßig großen Steinen angewendet, und liefert keine regelmäßigen Stücken. Auch muß der Hammer immer ſenkrecht auf die Lagerſchicht des Steines aufſchlagen. 2) Man erwärmt größere Steine durch ein Feuer, welches mit hellflammendem Holze an der Windſeite des Steines angemacht wird, und zerſchlägt ſie alsdann wie vorhin mit dem Hammer. Auch hierbei erhält man keine regelmäßigen Stücken. 3) Man ſprengt große Steine durch Pulver, mittelſt ſoge- nannter Meißelbohrer. Während des Bohrens muß fortwährend Waſſer in das Bohrloch geträufelt werden, um den Bohrer abzuküh- len. Vor der Ladung wird aller Steinſtaub entfernt. Ein geübter Sprenger kann in einem Tage 25 Zoll bohren und ſprengen. Zur Abſprengung von 100 Zoll Bohrloch oder 33⅓ Zoll Füllung ge- hört 1 Pfund Pulver. Es wird ein Loch in den Stein gearbeitet von etwa einem Zoll im Durchmeſſer, und ſo tief, daß die Tiefe des Bohrloches ⅕ bis ⅙ des Durchmeſſers von dem Steine be- trägt. Alsdann wird ¼ bis ⅓ der Höhe des Bohrloches mit Pulver geladen, dann ein Pfropfen von Werg, Gras, Papier und Holzkeilchen aufgeſetzt, durch welchen das Zündloch für die Zündna- del bleibt. Alsdann wird der Stein geſchoſſen, nachdem man das Bohrloch ⅓ mit Pulver gefüllt. Es iſt natürlich, daß wenn man die Richtung des Bohrloches nach den Lagerungsſchichten des Steines gehen läßt, dieſer gleichmäßiger und ebner zerſpringt, als wenn man das Gegentheil thut. Auch bei der Sprengung durch Pulver erhält man keine ganz regelmäßigen Stücken. Einen Zoll tief zu bohren koſtet ¾ Silbergroſchen mit der Ladung. 4) Sprengt man große Steine mit Waſſer. Jm Alterthume, als man das Pulver noch nicht anwendete, arbeitete man Löcher in den Stein, trieb alsdann zuvor gedörrte feſte Holzkeile in dieſe Lö- cher und füllte ſie mit Waſſer. Das Waſſer dehnte allmälig die ge- dörrten Holzkeile ſo gewaltſam aus, daß große Steinmaſſen dadurch von den Felſen abgelöſet wurden. Auch in neuſter Zeit hat man ein ähnliches Verfahren, Steine durch Waſſer zu ſprengen, angewendet, um das Pulver zu ſparen, jedoch iſt die Pulverſprengung weniger

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Zitationshilfe: Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847, S. 5. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menzel_maurer_1847/15>, abgerufen am 26.05.2019.