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Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847.

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viel weniger kostet. Je feinkörniger der Sandstein ist, desto fester
und dauerhafter ist derselbe. Der Sandstein hat gegen die übrigen
bereits genannten Steine den Nachtheil, daß er Wasser anzieht, aus-
friert und dadurch gesprengt wird oder abblättert.

Thonschiefer wird in unregelmäßige Platten zerspalten zu
Dachdeckungen und, in Gegenden wo er heimisch ist, auch zu Beklei-
dung äußerer Holz- und Fachwerkswände gebraucht.

Gips-Alabaster. Wird weiter unten bei den Mauerüber-
zügen wieder vorkommen.

§. 2. Wie man die Bausteine gewinnt.

Die natürlich gewachsenen Bausteine befinden sich meistens als
Felsmassen in den Gebirgen, oder man findet sie auch in so großen
einzelnen Stücken zu Tage liegen (wie die sogenannten Feldsteine),
daß man sie in der Gestalt wie man sie vorfindet, nicht sogleich ver-
brauchen kann, sondern sie auf irgend eine Art zerkleinern und ihnen
eine dem künftigen Bauzwecke entsprechende Form geben muß.

Es giebt verschiedene Arten die Bausteine zu gewinnen.

Jedes Gestein besteht in parallel (gleichlaufend) auf einander
liegenden Schichten. Man kann sich davon die deutlichste Vorstellung
machen, wenn man sich einen vierkantigen Baustein wie ein vierkanti-
ges Stück Holz vorstellt. Bei einem Stück Holz laufen die Fasern
alle neben einander nach einer bestimmten Richtung. Nach dieser
Längenrichtung der Fasern ist das Holz bekanntlich am leichtesten zu
spalten. Aehnlich verhält es sich mit der Gestaltung des Steines,
auch er läßt sich in derjenigen Richtung am leichtesten spalten, nach
welcher seine Schichten gehen.

Hierauf begründet sich das Verfahren bei Zerstückung großer
Steinmassen.

Bei losem Gestein ist es leicht die Richtung zu erkennen, welche
die Ablagerungsschichten genommen haben. Je fester das Gestein,
desto schwerer ist die Richtung der Schichten zu erkennen, und es
fordert alsdann schon ein sehr geübtes Auge, um es im Stande
zu sein.

Es ist zwar möglich einen Stein in der entgegengesetzten Rich-
tung seiner Schichtenlage zu zermalmen, so wie es möglich ist ein
Stück Holz quer durchzuhauen, allein ein auf diese Art zersprengter
Stein giebt unregelmäßige Stücken und erfordert nebenbei mehr Mühe,
Zeit, Arbeit, folglich mehr Geldausgaben, als ein nach der Richtung
seiner Lagerschichten zerkleinerter Stein.

viel weniger koſtet. Je feinkörniger der Sandſtein iſt, deſto feſter
und dauerhafter iſt derſelbe. Der Sandſtein hat gegen die übrigen
bereits genannten Steine den Nachtheil, daß er Waſſer anzieht, aus-
friert und dadurch geſprengt wird oder abblättert.

Thonſchiefer wird in unregelmäßige Platten zerſpalten zu
Dachdeckungen und, in Gegenden wo er heimiſch iſt, auch zu Beklei-
dung äußerer Holz- und Fachwerkswände gebraucht.

Gips-Alabaſter. Wird weiter unten bei den Mauerüber-
zügen wieder vorkommen.

§. 2. Wie man die Bauſteine gewinnt.

Die natürlich gewachſenen Bauſteine befinden ſich meiſtens als
Felsmaſſen in den Gebirgen, oder man findet ſie auch in ſo großen
einzelnen Stücken zu Tage liegen (wie die ſogenannten Feldſteine),
daß man ſie in der Geſtalt wie man ſie vorfindet, nicht ſogleich ver-
brauchen kann, ſondern ſie auf irgend eine Art zerkleinern und ihnen
eine dem künftigen Bauzwecke entſprechende Form geben muß.

Es giebt verſchiedene Arten die Bauſteine zu gewinnen.

Jedes Geſtein beſteht in parallel (gleichlaufend) auf einander
liegenden Schichten. Man kann ſich davon die deutlichſte Vorſtellung
machen, wenn man ſich einen vierkantigen Bauſtein wie ein vierkanti-
ges Stück Holz vorſtellt. Bei einem Stück Holz laufen die Faſern
alle neben einander nach einer beſtimmten Richtung. Nach dieſer
Längenrichtung der Faſern iſt das Holz bekanntlich am leichteſten zu
ſpalten. Aehnlich verhält es ſich mit der Geſtaltung des Steines,
auch er läßt ſich in derjenigen Richtung am leichteſten ſpalten, nach
welcher ſeine Schichten gehen.

Hierauf begründet ſich das Verfahren bei Zerſtückung großer
Steinmaſſen.

Bei loſem Geſtein iſt es leicht die Richtung zu erkennen, welche
die Ablagerungsſchichten genommen haben. Je feſter das Geſtein,
deſto ſchwerer iſt die Richtung der Schichten zu erkennen, und es
fordert alsdann ſchon ein ſehr geübtes Auge, um es im Stande
zu ſein.

Es iſt zwar möglich einen Stein in der entgegengeſetzten Rich-
tung ſeiner Schichtenlage zu zermalmen, ſo wie es möglich iſt ein
Stück Holz quer durchzuhauen, allein ein auf dieſe Art zerſprengter
Stein giebt unregelmäßige Stücken und erfordert nebenbei mehr Mühe,
Zeit, Arbeit, folglich mehr Geldausgaben, als ein nach der Richtung
ſeiner Lagerſchichten zerkleinerter Stein.

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[4/0014] viel weniger koſtet. Je feinkörniger der Sandſtein iſt, deſto feſter und dauerhafter iſt derſelbe. Der Sandſtein hat gegen die übrigen bereits genannten Steine den Nachtheil, daß er Waſſer anzieht, aus- friert und dadurch geſprengt wird oder abblättert. Thonſchiefer wird in unregelmäßige Platten zerſpalten zu Dachdeckungen und, in Gegenden wo er heimiſch iſt, auch zu Beklei- dung äußerer Holz- und Fachwerkswände gebraucht. Gips-Alabaſter. Wird weiter unten bei den Mauerüber- zügen wieder vorkommen. §. 2. Wie man die Bauſteine gewinnt. Die natürlich gewachſenen Bauſteine befinden ſich meiſtens als Felsmaſſen in den Gebirgen, oder man findet ſie auch in ſo großen einzelnen Stücken zu Tage liegen (wie die ſogenannten Feldſteine), daß man ſie in der Geſtalt wie man ſie vorfindet, nicht ſogleich ver- brauchen kann, ſondern ſie auf irgend eine Art zerkleinern und ihnen eine dem künftigen Bauzwecke entſprechende Form geben muß. Es giebt verſchiedene Arten die Bauſteine zu gewinnen. Jedes Geſtein beſteht in parallel (gleichlaufend) auf einander liegenden Schichten. Man kann ſich davon die deutlichſte Vorſtellung machen, wenn man ſich einen vierkantigen Bauſtein wie ein vierkanti- ges Stück Holz vorſtellt. Bei einem Stück Holz laufen die Faſern alle neben einander nach einer beſtimmten Richtung. Nach dieſer Längenrichtung der Faſern iſt das Holz bekanntlich am leichteſten zu ſpalten. Aehnlich verhält es ſich mit der Geſtaltung des Steines, auch er läßt ſich in derjenigen Richtung am leichteſten ſpalten, nach welcher ſeine Schichten gehen. Hierauf begründet ſich das Verfahren bei Zerſtückung großer Steinmaſſen. Bei loſem Geſtein iſt es leicht die Richtung zu erkennen, welche die Ablagerungsſchichten genommen haben. Je feſter das Geſtein, deſto ſchwerer iſt die Richtung der Schichten zu erkennen, und es fordert alsdann ſchon ein ſehr geübtes Auge, um es im Stande zu ſein. Es iſt zwar möglich einen Stein in der entgegengeſetzten Rich- tung ſeiner Schichtenlage zu zermalmen, ſo wie es möglich iſt ein Stück Holz quer durchzuhauen, allein ein auf dieſe Art zerſprengter Stein giebt unregelmäßige Stücken und erfordert nebenbei mehr Mühe, Zeit, Arbeit, folglich mehr Geldausgaben, als ein nach der Richtung ſeiner Lagerſchichten zerkleinerter Stein.

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Zitationshilfe: Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menzel_maurer_1847/14>, abgerufen am 23.09.2019.