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Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847.

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Erste Abtheilung.
Die Baumaterialien des Maurers.


§. 1. Allgemeines.

Die Baumaterialien sollen so dauerhaft sein, daß sie allen widrigen
Einflüssen, die sie zerstören könnten, zu widerstehen im Stande sind.
Da sie aber ihrer Natur gemäß einen größeren oder geringeren Grad
der Dauer haben, so werden diejenigen Materialien immer die vor-
züglichsten sein, welche die Eigenschaft der Dauer und Festigkeit schon
an und für sich besitzen. Wir werden im Verfolg die besseren von
den schlechteren unterscheiden lernen.

Die Baumaterialien theilen sich in rohe oder natürliche,
und in künstliche. Unter rohen oder natürlichen Baumaterialien
versteht man alle diejenigen, welche ohne alle weitere Vorbereitung
in ihrem natürlichen Zustande zum Bau verwendet werden können;
wie Feld- und Bruchsteine, Sand, Lehm etc.

Unter künstlichen Materialien versteht man diejenigen, welche,
ehe man sie gebrauchen kann, erst einer bestimmten Zurichtung bedür-
fen, wie alle Arten künstlicher Mauersteine, gebrannte und unge-
brannte, Dachsteine, Kalk, Theer, Asphalt, Farbenstoffe etc.

Ferner unterscheidet man bei rohen und künstlichen Materialien
noch diejenigen, welche dazu dienen, um eine Verbindung der ange-
wendeten Materialien zu einem festen Mauerwerke hervorzubringen,
und diese nennt man Verbindungsmaterialien; z. B. wenn
man sich des gelöschten Kalkes bedient, um die Mauersteine mit einander
zu verbinden, so ist der Kalk das Verbindungsmaterial. Eben so
würde der Lehm bei einer Mauer von gestampfter Erde rohes Bau-
material sein; wenn man ihn aber verdünnt zur Aufmaurung einer
Lehmsteinmauer verwendet, so würde er in diesem Falle als Verbin-
dungsmaterial zu betrachten sein.

Menzel, der praktische Maurer. 1
Erſte Abtheilung.
Die Baumaterialien des Maurers.


§. 1. Allgemeines.

Die Baumaterialien ſollen ſo dauerhaft ſein, daß ſie allen widrigen
Einflüſſen, die ſie zerſtören könnten, zu widerſtehen im Stande ſind.
Da ſie aber ihrer Natur gemäß einen größeren oder geringeren Grad
der Dauer haben, ſo werden diejenigen Materialien immer die vor-
züglichſten ſein, welche die Eigenſchaft der Dauer und Feſtigkeit ſchon
an und für ſich beſitzen. Wir werden im Verfolg die beſſeren von
den ſchlechteren unterſcheiden lernen.

Die Baumaterialien theilen ſich in rohe oder natürliche,
und in künſtliche. Unter rohen oder natürlichen Baumaterialien
verſteht man alle diejenigen, welche ohne alle weitere Vorbereitung
in ihrem natürlichen Zuſtande zum Bau verwendet werden können;
wie Feld- und Bruchſteine, Sand, Lehm ꝛc.

Unter künſtlichen Materialien verſteht man diejenigen, welche,
ehe man ſie gebrauchen kann, erſt einer beſtimmten Zurichtung bedür-
fen, wie alle Arten künſtlicher Mauerſteine, gebrannte und unge-
brannte, Dachſteine, Kalk, Theer, Asphalt, Farbenſtoffe ꝛc.

Ferner unterſcheidet man bei rohen und künſtlichen Materialien
noch diejenigen, welche dazu dienen, um eine Verbindung der ange-
wendeten Materialien zu einem feſten Mauerwerke hervorzubringen,
und dieſe nennt man Verbindungsmaterialien; z. B. wenn
man ſich des gelöſchten Kalkes bedient, um die Mauerſteine mit einander
zu verbinden, ſo iſt der Kalk das Verbindungsmaterial. Eben ſo
würde der Lehm bei einer Mauer von geſtampfter Erde rohes Bau-
material ſein; wenn man ihn aber verdünnt zur Aufmaurung einer
Lehmſteinmauer verwendet, ſo würde er in dieſem Falle als Verbin-
dungsmaterial zu betrachten ſein.

Menzel, der praktiſche Maurer. 1
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[0011] Erſte Abtheilung. Die Baumaterialien des Maurers. §. 1. Allgemeines. Die Baumaterialien ſollen ſo dauerhaft ſein, daß ſie allen widrigen Einflüſſen, die ſie zerſtören könnten, zu widerſtehen im Stande ſind. Da ſie aber ihrer Natur gemäß einen größeren oder geringeren Grad der Dauer haben, ſo werden diejenigen Materialien immer die vor- züglichſten ſein, welche die Eigenſchaft der Dauer und Feſtigkeit ſchon an und für ſich beſitzen. Wir werden im Verfolg die beſſeren von den ſchlechteren unterſcheiden lernen. Die Baumaterialien theilen ſich in rohe oder natürliche, und in künſtliche. Unter rohen oder natürlichen Baumaterialien verſteht man alle diejenigen, welche ohne alle weitere Vorbereitung in ihrem natürlichen Zuſtande zum Bau verwendet werden können; wie Feld- und Bruchſteine, Sand, Lehm ꝛc. Unter künſtlichen Materialien verſteht man diejenigen, welche, ehe man ſie gebrauchen kann, erſt einer beſtimmten Zurichtung bedür- fen, wie alle Arten künſtlicher Mauerſteine, gebrannte und unge- brannte, Dachſteine, Kalk, Theer, Asphalt, Farbenſtoffe ꝛc. Ferner unterſcheidet man bei rohen und künſtlichen Materialien noch diejenigen, welche dazu dienen, um eine Verbindung der ange- wendeten Materialien zu einem feſten Mauerwerke hervorzubringen, und dieſe nennt man Verbindungsmaterialien; z. B. wenn man ſich des gelöſchten Kalkes bedient, um die Mauerſteine mit einander zu verbinden, ſo iſt der Kalk das Verbindungsmaterial. Eben ſo würde der Lehm bei einer Mauer von geſtampfter Erde rohes Bau- material ſein; wenn man ihn aber verdünnt zur Aufmaurung einer Lehmſteinmauer verwendet, ſo würde er in dieſem Falle als Verbin- dungsmaterial zu betrachten ſein. Menzel, der praktiſche Maurer. 1

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Zitationshilfe: Menzel, Carl August (Hrsg.): Der praktische Maurer. Halle, 1847, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menzel_maurer_1847/11>, abgerufen am 17.10.2019.