Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871.

Bild:
<< vorherige Seite
Die Münze.

Dass die beste Gewährleistung für das Vollgewicht und die
verbürgte Feinheit der Münzen durch die Staatsgewalt selbst
geboten werden kann, weil dieselbe Jedermann bekannt und
von Jedermann anerkannt ist und zugleich die Macht hat, Münz-
verbrechen hintanzuhalten und zu bestrafen, liegt in der Natur
der Sache. Die Regierungen haben sich es denn auch zumeist
zur Pflicht gemacht, die für den Verkehr nöthigen Münzen aus-
zuprägen, dabei aber ihre Gewalt nicht selten so sehr miss-
braucht, dass bei den wirthschaftenden Subjecten schliesslich
der Umstand fast in Vergessenheit gerieth, dass eine Münze
nichts anderes sei, als ein seinem Feingehalte und Gewichte
nach bestimmtes Stück edles Metall, für dessen Feinheit und
Vollwichtigkeit die Würde und Rechtlichkeit des Ausprägers
Gewähr leistet, und man sogar darüber in Zweifel gerieth, ob
überhaupt das Geld eine Waare sei, ja dasselbe schliesslich für
etwas rein Imaginäres und bloss auf menschlicher Convenienz
Beruhendes erklärte. Der Umstand, dass die Regierungen das
Geld so behandelten, als wäre es thatsächlich lediglich ein
Product der menschlichen Convenienz im Allgemeinen und ihrer
legislativen Willkür insbesondere, hat solcherart nicht wenig
dazu beigetragen, den Irrthümern über das Wesen des Geldes
Vorschub zu leisten.

Die Unvollkommenheiten unserer Münzen bestehen haupt-
sächlich darin, dass sie ihrem Gewichte nach nicht vollkommen
genau fabricirt werden können und selbst die erreichbare Ge-
nauigkeit aus practischen Gründen (wegen des Kostenpunctes)
bei der in den Münzstätten üblichen Fabrication nicht ange-
strebt wird. Die Gebrechen, mit welchen behaftet die Münzen
bereits die Münzstätte verlassen, vermehren sich noch während
ihres Umlaufes durch Abnutzung, so zwar, dass leicht eine
empfindliche Ungleichheit im Gewichte der einzelnen Münzen
von gleichem Course entsteht.

Selbstverständlich treten diese Uebelstände um so stärker
hervor, je kleiner die Quantitäten sind, in welche das edle
Metall getheilt wird. Die Ausmünzung desselben in so leichte
Stücke, wie sie der Kleinverkehr erfordert, müsste sogar zu den

gewichte wieder in Einklang zu bringen, so zumal auch in Deutschland und
Oesterreich, wo das Zollpfund zur Grundlage des Münzsystems gewählt wurde.
Die Münze.

Dass die beste Gewährleistung für das Vollgewicht und die
verbürgte Feinheit der Münzen durch die Staatsgewalt selbst
geboten werden kann, weil dieselbe Jedermann bekannt und
von Jedermann anerkannt ist und zugleich die Macht hat, Münz-
verbrechen hintanzuhalten und zu bestrafen, liegt in der Natur
der Sache. Die Regierungen haben sich es denn auch zumeist
zur Pflicht gemacht, die für den Verkehr nöthigen Münzen aus-
zuprägen, dabei aber ihre Gewalt nicht selten so sehr miss-
braucht, dass bei den wirthschaftenden Subjecten schliesslich
der Umstand fast in Vergessenheit gerieth, dass eine Münze
nichts anderes sei, als ein seinem Feingehalte und Gewichte
nach bestimmtes Stück edles Metall, für dessen Feinheit und
Vollwichtigkeit die Würde und Rechtlichkeit des Ausprägers
Gewähr leistet, und man sogar darüber in Zweifel gerieth, ob
überhaupt das Geld eine Waare sei, ja dasselbe schliesslich für
etwas rein Imaginäres und bloss auf menschlicher Convenienz
Beruhendes erklärte. Der Umstand, dass die Regierungen das
Geld so behandelten, als wäre es thatsächlich lediglich ein
Product der menschlichen Convenienz im Allgemeinen und ihrer
legislativen Willkür insbesondere, hat solcherart nicht wenig
dazu beigetragen, den Irrthümern über das Wesen des Geldes
Vorschub zu leisten.

Die Unvollkommenheiten unserer Münzen bestehen haupt-
sächlich darin, dass sie ihrem Gewichte nach nicht vollkommen
genau fabricirt werden können und selbst die erreichbare Ge-
nauigkeit aus practischen Gründen (wegen des Kostenpunctes)
bei der in den Münzstätten üblichen Fabrication nicht ange-
strebt wird. Die Gebrechen, mit welchen behaftet die Münzen
bereits die Münzstätte verlassen, vermehren sich noch während
ihres Umlaufes durch Abnutzung, so zwar, dass leicht eine
empfindliche Ungleichheit im Gewichte der einzelnen Münzen
von gleichem Course entsteht.

Selbstverständlich treten diese Uebelstände um so stärker
hervor, je kleiner die Quantitäten sind, in welche das edle
Metall getheilt wird. Die Ausmünzung desselben in so leichte
Stücke, wie sie der Kleinverkehr erfordert, müsste sogar zu den

gewichte wieder in Einklang zu bringen, so zumal auch in Deutschland und
Oesterreich, wo das Zollpfund zur Grundlage des Münzsystems gewählt wurde.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0301" n="283"/>
          <fw place="top" type="header">Die Münze.</fw><lb/>
          <p>Dass die beste Gewährleistung für das Vollgewicht und die<lb/>
verbürgte Feinheit der Münzen durch die Staatsgewalt selbst<lb/>
geboten werden kann, weil dieselbe Jedermann bekannt und<lb/>
von Jedermann anerkannt ist und zugleich die Macht hat, Münz-<lb/>
verbrechen hintanzuhalten und zu bestrafen, liegt in der Natur<lb/>
der Sache. Die Regierungen haben sich es denn auch zumeist<lb/>
zur Pflicht gemacht, die für den Verkehr nöthigen Münzen aus-<lb/>
zuprägen, dabei aber ihre Gewalt nicht selten so sehr miss-<lb/>
braucht, dass bei den wirthschaftenden Subjecten schliesslich<lb/>
der Umstand fast in Vergessenheit gerieth, dass eine Münze<lb/>
nichts anderes sei, als ein seinem Feingehalte und Gewichte<lb/>
nach bestimmtes Stück edles Metall, für dessen Feinheit und<lb/>
Vollwichtigkeit die Würde und Rechtlichkeit des Ausprägers<lb/>
Gewähr leistet, und man sogar darüber in Zweifel gerieth, ob<lb/>
überhaupt das Geld eine Waare sei, ja dasselbe schliesslich für<lb/>
etwas rein Imaginäres und bloss auf menschlicher Convenienz<lb/>
Beruhendes erklärte. Der Umstand, dass die Regierungen das<lb/>
Geld so behandelten, als wäre es thatsächlich lediglich ein<lb/>
Product der menschlichen Convenienz im Allgemeinen und ihrer<lb/>
legislativen Willkür insbesondere, hat solcherart nicht wenig<lb/>
dazu beigetragen, den Irrthümern über das Wesen des Geldes<lb/>
Vorschub zu leisten.</p><lb/>
          <p>Die Unvollkommenheiten unserer Münzen bestehen haupt-<lb/>
sächlich darin, dass sie ihrem Gewichte nach nicht vollkommen<lb/>
genau fabricirt werden können und selbst die erreichbare Ge-<lb/>
nauigkeit aus practischen Gründen (wegen des Kostenpunctes)<lb/>
bei der in den Münzstätten üblichen Fabrication nicht ange-<lb/>
strebt wird. Die Gebrechen, mit welchen behaftet die Münzen<lb/>
bereits die Münzstätte verlassen, vermehren sich noch während<lb/>
ihres Umlaufes durch Abnutzung, so zwar, dass leicht eine<lb/>
empfindliche Ungleichheit im Gewichte der einzelnen Münzen<lb/>
von gleichem Course entsteht.</p><lb/>
          <p>Selbstverständlich treten diese Uebelstände um so stärker<lb/>
hervor, je kleiner die Quantitäten sind, in welche das edle<lb/>
Metall getheilt wird. Die Ausmünzung desselben in so leichte<lb/>
Stücke, wie sie der Kleinverkehr erfordert, müsste sogar zu den<lb/><note xml:id="seg2pn_22_2" prev="#seg2pn_22_1" place="foot" n="*)">gewichte wieder in Einklang zu bringen, so zumal auch in Deutschland und<lb/>
Oesterreich, wo das Zollpfund zur Grundlage des Münzsystems gewählt wurde.</note><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[283/0301] Die Münze. Dass die beste Gewährleistung für das Vollgewicht und die verbürgte Feinheit der Münzen durch die Staatsgewalt selbst geboten werden kann, weil dieselbe Jedermann bekannt und von Jedermann anerkannt ist und zugleich die Macht hat, Münz- verbrechen hintanzuhalten und zu bestrafen, liegt in der Natur der Sache. Die Regierungen haben sich es denn auch zumeist zur Pflicht gemacht, die für den Verkehr nöthigen Münzen aus- zuprägen, dabei aber ihre Gewalt nicht selten so sehr miss- braucht, dass bei den wirthschaftenden Subjecten schliesslich der Umstand fast in Vergessenheit gerieth, dass eine Münze nichts anderes sei, als ein seinem Feingehalte und Gewichte nach bestimmtes Stück edles Metall, für dessen Feinheit und Vollwichtigkeit die Würde und Rechtlichkeit des Ausprägers Gewähr leistet, und man sogar darüber in Zweifel gerieth, ob überhaupt das Geld eine Waare sei, ja dasselbe schliesslich für etwas rein Imaginäres und bloss auf menschlicher Convenienz Beruhendes erklärte. Der Umstand, dass die Regierungen das Geld so behandelten, als wäre es thatsächlich lediglich ein Product der menschlichen Convenienz im Allgemeinen und ihrer legislativen Willkür insbesondere, hat solcherart nicht wenig dazu beigetragen, den Irrthümern über das Wesen des Geldes Vorschub zu leisten. Die Unvollkommenheiten unserer Münzen bestehen haupt- sächlich darin, dass sie ihrem Gewichte nach nicht vollkommen genau fabricirt werden können und selbst die erreichbare Ge- nauigkeit aus practischen Gründen (wegen des Kostenpunctes) bei der in den Münzstätten üblichen Fabrication nicht ange- strebt wird. Die Gebrechen, mit welchen behaftet die Münzen bereits die Münzstätte verlassen, vermehren sich noch während ihres Umlaufes durch Abnutzung, so zwar, dass leicht eine empfindliche Ungleichheit im Gewichte der einzelnen Münzen von gleichem Course entsteht. Selbstverständlich treten diese Uebelstände um so stärker hervor, je kleiner die Quantitäten sind, in welche das edle Metall getheilt wird. Die Ausmünzung desselben in so leichte Stücke, wie sie der Kleinverkehr erfordert, müsste sogar zu den *) *) gewichte wieder in Einklang zu bringen, so zumal auch in Deutschland und Oesterreich, wo das Zollpfund zur Grundlage des Münzsystems gewählt wurde.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871/301
Zitationshilfe: Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871, S. 283. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871/301>, abgerufen am 18.09.2020.