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Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871.

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Das Geld als Massstab der Preise.
werth," die Geldsumme aber, für welche sie ebensowohl er-
worben, als auch veräussert werden kann, ihren "Tauschwerth
im vorzugsweisen Sinne" zu nennen, um zu der in unserer
Wissenschaft herrschenden Anschauung vom Tauschwerthe im
Allgemeinen und von dem Gelde, als "Massstab des Tausch-
werthes," insbesondere zu gelangen.

"In einem Lande, in welchem ein lebhafter Verkehr be-
steht," schreibt Turgot, "wird jede Güterart einen laufenden
Preis im Verhältnisse zu jeder andern Güterart erlangen, so
zwar, dass eine bestimmte Quantität der einen Art sich uns als
das Aequivalent einer bestimmten Quantität jeder andern dar-
stellen wird. Um nun den Tauschwerth eines Gutes insbe-
sondere auszudrücken, genügt es offenbar, die Quantität einer
andern bekannten Waare zu nennen, welche das Aequivalent
jenes Gutes bildet. Es ist aber hieraus ersichtlich, dass alle
Gütergattungen, welche Objecte des Verkehres sein können,
sich, wenn man so sagen darf, gegenseitig messen, und dass jede
einzelne als Massstab für alle andern dienen kann." In ähnlicher
Weise sprechen sich fast alle übrigen Nationalökonomen aus
und kommen, gleichwie Turgot, im Verlaufe seiner berühmten
Abhandlung über die Entstehung und Vertheilung des Volks-
vermögens *) zum Schlusse, dass das Geld unter allen möglichen
"Massstäben des Tauschwerthes" der zweckmässigste und des-
halb auch der allgemeinste sei. Der einzige Fehler dieses Mass-
stabes liege in dem Umstande, dass der Werth des Geldes
selbst keine fixe, sondern eine wandelbare Grösse **) sei und
dasselbe somit wohl für jeden gegebenen Zeitpunkt, nicht aber
für verschiedene Zeitpunkte einen sichern Massstab des "Tausch-
werthes" abgebe.

Nun haben wir in der Lehre vom Preise gezeigt, dass
Güter-Aequivalente im objectiven Sinne des Wortes nirgends in der
Wirthschaft der Menschen beobachtet werden können (S. 172 ff.)
und die ganze obige Theorie, wornach das Geld als "Massstab
des Tauschwerthes" der Güter hingestellt wird, zerfällt demnach

*) Sur la form, et distrib. des richesses, S. 25 ed. Daire. Vgl. auch
Foscher: System, I, §. 116, 1868; Knies: Tübing, Ztsch. 1858, S. 262.
**) Siehe hierüber insbes. Helferich: Von den periodischen Schwan-
kungen im Werthe der edlen Metalle, 1843.

Das Geld als Massstab der Preise.
werth,“ die Geldsumme aber, für welche sie ebensowohl er-
worben, als auch veräussert werden kann, ihren „Tauschwerth
im vorzugsweisen Sinne“ zu nennen, um zu der in unserer
Wissenschaft herrschenden Anschauung vom Tauschwerthe im
Allgemeinen und von dem Gelde, als „Massstab des Tausch-
werthes,“ insbesondere zu gelangen.

„In einem Lande, in welchem ein lebhafter Verkehr be-
steht,“ schreibt Turgot, „wird jede Güterart einen laufenden
Preis im Verhältnisse zu jeder andern Güterart erlangen, so
zwar, dass eine bestimmte Quantität der einen Art sich uns als
das Aequivalent einer bestimmten Quantität jeder andern dar-
stellen wird. Um nun den Tauschwerth eines Gutes insbe-
sondere auszudrücken, genügt es offenbar, die Quantität einer
andern bekannten Waare zu nennen, welche das Aequivalent
jenes Gutes bildet. Es ist aber hieraus ersichtlich, dass alle
Gütergattungen, welche Objecte des Verkehres sein können,
sich, wenn man so sagen darf, gegenseitig messen, und dass jede
einzelne als Massstab für alle andern dienen kann.“ In ähnlicher
Weise sprechen sich fast alle übrigen Nationalökonomen aus
und kommen, gleichwie Turgot, im Verlaufe seiner berühmten
Abhandlung über die Entstehung und Vertheilung des Volks-
vermögens *) zum Schlusse, dass das Geld unter allen möglichen
„Massstäben des Tauschwerthes“ der zweckmässigste und des-
halb auch der allgemeinste sei. Der einzige Fehler dieses Mass-
stabes liege in dem Umstande, dass der Werth des Geldes
selbst keine fixe, sondern eine wandelbare Grösse **) sei und
dasselbe somit wohl für jeden gegebenen Zeitpunkt, nicht aber
für verschiedene Zeitpunkte einen sichern Massstab des „Tausch-
werthes“ abgebe.

Nun haben wir in der Lehre vom Preise gezeigt, dass
Güter-Aequivalente im objectiven Sinne des Wortes nirgends in der
Wirthschaft der Menschen beobachtet werden können (S. 172 ff.)
und die ganze obige Theorie, wornach das Geld als „Massstab
des Tauschwerthes“ der Güter hingestellt wird, zerfällt demnach

*) Sur la form, et distrib. des richesses, S. 25 ed. Daire. Vgl. auch
Foscher: System, I, §. 116, 1868; Knies: Tübing, Ztsch. 1858, S. 262.
**) Siehe hierüber insbes. Helferich: Von den periodischen Schwan-
kungen im Werthe der edlen Metalle, 1843.
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[272/0290] Das Geld als Massstab der Preise. werth,“ die Geldsumme aber, für welche sie ebensowohl er- worben, als auch veräussert werden kann, ihren „Tauschwerth im vorzugsweisen Sinne“ zu nennen, um zu der in unserer Wissenschaft herrschenden Anschauung vom Tauschwerthe im Allgemeinen und von dem Gelde, als „Massstab des Tausch- werthes,“ insbesondere zu gelangen. „In einem Lande, in welchem ein lebhafter Verkehr be- steht,“ schreibt Turgot, „wird jede Güterart einen laufenden Preis im Verhältnisse zu jeder andern Güterart erlangen, so zwar, dass eine bestimmte Quantität der einen Art sich uns als das Aequivalent einer bestimmten Quantität jeder andern dar- stellen wird. Um nun den Tauschwerth eines Gutes insbe- sondere auszudrücken, genügt es offenbar, die Quantität einer andern bekannten Waare zu nennen, welche das Aequivalent jenes Gutes bildet. Es ist aber hieraus ersichtlich, dass alle Gütergattungen, welche Objecte des Verkehres sein können, sich, wenn man so sagen darf, gegenseitig messen, und dass jede einzelne als Massstab für alle andern dienen kann.“ In ähnlicher Weise sprechen sich fast alle übrigen Nationalökonomen aus und kommen, gleichwie Turgot, im Verlaufe seiner berühmten Abhandlung über die Entstehung und Vertheilung des Volks- vermögens *) zum Schlusse, dass das Geld unter allen möglichen „Massstäben des Tauschwerthes“ der zweckmässigste und des- halb auch der allgemeinste sei. Der einzige Fehler dieses Mass- stabes liege in dem Umstande, dass der Werth des Geldes selbst keine fixe, sondern eine wandelbare Grösse **) sei und dasselbe somit wohl für jeden gegebenen Zeitpunkt, nicht aber für verschiedene Zeitpunkte einen sichern Massstab des „Tausch- werthes“ abgebe. Nun haben wir in der Lehre vom Preise gezeigt, dass Güter-Aequivalente im objectiven Sinne des Wortes nirgends in der Wirthschaft der Menschen beobachtet werden können (S. 172 ff.) und die ganze obige Theorie, wornach das Geld als „Massstab des Tauschwerthes“ der Güter hingestellt wird, zerfällt demnach *) Sur la form, et distrib. des richesses, S. 25 ed. Daire. Vgl. auch Foscher: System, I, §. 116, 1868; Knies: Tübing, Ztsch. 1858, S. 262. **) Siehe hierüber insbes. Helferich: Von den periodischen Schwan- kungen im Werthe der edlen Metalle, 1843.

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Zitationshilfe: Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871, S. 272. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871/290>, abgerufen am 18.09.2020.