Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871.

Bild:
<< vorherige Seite

Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
eignet, im ökonomischen Austausche von Hand zu Hand zu
circuliren.

Andere Waaren erfordern zu ihrem Vertriebe besondere
Kenntnisse, Fertigkeiten, Verbindungen, oder behördliche Ver-
willigungen, Privilegien u. dgl. m. und sind in den Händen eines
wirthschaftenden Subjectes, bei welchem diese Voraussetzungen
nicht zutreffen, nicht, oder doch schwer veräusserlich und jeden-
falls entwerthet. Waaren, die für den indischen oder süd-
amerikanischen Verkehr bestimmt sind, Apothekerwaaren,
Monopolartikel u. dgl. m. mögen in den Händen gewisser Per-
sonen sehr absatzfähig sein, in den Händen anderer Personen
büssen sie dagegen einen grossen Theil ihrer Absatzfähigkeit
ein und sind desshalb eben so wenig, wie die oben genannten
Waaren, geeignet, von Hand zu Hand zu circuliren.

Selbst Güter, welche, um überhaupt verwendbar zu sein,
dem Bedürfnisse des Consumenten erst noch besonders ange-
passt werden müssen, sind nicht in der Hand eines jeden Eigners
in gleichem Masse absatzfähig. Schuhe, Hüte u. dgl. Artikel
mehr, von welcher Grösse sie auch immer sein mögen, sind in
den Händen eines Schuhwaarenhändlers, beziehungsweise eines
Hutmachers, in dessen Werkstätte oder Kaufladen sich ein
grosser Consumentenkreis versammelt, immer von einer gewissen
Absatzfähigkeit, insbesondere da die obigen Geschäftsleute der
Regel nach die Mittel in den Händen haben, um die Waare den
speciellen Bedürfnissen ihrer Kunden anzupassen. In den Händen
einer andern Person sind diese Waaren schwer und fast immer
nur mit bedeutendem Verluste abzusetzen. Auch solche Waaren
sind nicht dazu geeignet, von Hand zu Hand zu circuliren.

Auch Güter, deren Preis nicht wohl bekannt, oder bedeu-
tenden Schwankungen ausgesetzt ist, sind nicht leicht von Hand
zu Hand übertragbar. Dem Uebernehmer dieser Güter droht
die Gefahr, dieselben zu "überzahlen," oder, bevor er sie weiter
begeben hat, durch eine Minderung ihres Preises zu Schaden
zu kommen. Eine "Partie Getreide" pflegt auf Fruchtbörsen,
und ein Posten gangbarer Effecten auf Geldbörsen leicht zehn-
mal während weniger Stunden die "Hände" zu wechseln, während
Landgüter oder gar Fabriken, deren Werth sich erst nach einer
genauen Untersuchung aller Umstände feststellen lässt, zu einer

Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
eignet, im ökonomischen Austausche von Hand zu Hand zu
circuliren.

Andere Waaren erfordern zu ihrem Vertriebe besondere
Kenntnisse, Fertigkeiten, Verbindungen, oder behördliche Ver-
willigungen, Privilegien u. dgl. m. und sind in den Händen eines
wirthschaftenden Subjectes, bei welchem diese Voraussetzungen
nicht zutreffen, nicht, oder doch schwer veräusserlich und jeden-
falls entwerthet. Waaren, die für den indischen oder süd-
amerikanischen Verkehr bestimmt sind, Apothekerwaaren,
Monopolartikel u. dgl. m. mögen in den Händen gewisser Per-
sonen sehr absatzfähig sein, in den Händen anderer Personen
büssen sie dagegen einen grossen Theil ihrer Absatzfähigkeit
ein und sind desshalb eben so wenig, wie die oben genannten
Waaren, geeignet, von Hand zu Hand zu circuliren.

Selbst Güter, welche, um überhaupt verwendbar zu sein,
dem Bedürfnisse des Consumenten erst noch besonders ange-
passt werden müssen, sind nicht in der Hand eines jeden Eigners
in gleichem Masse absatzfähig. Schuhe, Hüte u. dgl. Artikel
mehr, von welcher Grösse sie auch immer sein mögen, sind in
den Händen eines Schuhwaarenhändlers, beziehungsweise eines
Hutmachers, in dessen Werkstätte oder Kaufladen sich ein
grosser Consumentenkreis versammelt, immer von einer gewissen
Absatzfähigkeit, insbesondere da die obigen Geschäftsleute der
Regel nach die Mittel in den Händen haben, um die Waare den
speciellen Bedürfnissen ihrer Kunden anzupassen. In den Händen
einer andern Person sind diese Waaren schwer und fast immer
nur mit bedeutendem Verluste abzusetzen. Auch solche Waaren
sind nicht dazu geeignet, von Hand zu Hand zu circuliren.

Auch Güter, deren Preis nicht wohl bekannt, oder bedeu-
tenden Schwankungen ausgesetzt ist, sind nicht leicht von Hand
zu Hand übertragbar. Dem Uebernehmer dieser Güter droht
die Gefahr, dieselben zu „überzahlen,“ oder, bevor er sie weiter
begeben hat, durch eine Minderung ihres Preises zu Schaden
zu kommen. Eine „Partie Getreide“ pflegt auf Fruchtbörsen,
und ein Posten gangbarer Effecten auf Geldbörsen leicht zehn-
mal während weniger Stunden die „Hände“ zu wechseln, während
Landgüter oder gar Fabriken, deren Werth sich erst nach einer
genauen Untersuchung aller Umstände feststellen lässt, zu einer

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0266" n="248"/><fw place="top" type="header">Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.</fw><lb/>
eignet, im ökonomischen Austausche von Hand zu Hand zu<lb/>
circuliren.</p><lb/>
            <p>Andere Waaren erfordern zu ihrem Vertriebe besondere<lb/>
Kenntnisse, Fertigkeiten, Verbindungen, oder behördliche Ver-<lb/>
willigungen, Privilegien u. dgl. m. und sind in den Händen eines<lb/>
wirthschaftenden Subjectes, bei welchem diese Voraussetzungen<lb/>
nicht zutreffen, nicht, oder doch schwer veräusserlich und jeden-<lb/>
falls entwerthet. Waaren, die für den indischen oder süd-<lb/>
amerikanischen Verkehr bestimmt sind, Apothekerwaaren,<lb/>
Monopolartikel u. dgl. m. mögen in den Händen gewisser Per-<lb/>
sonen sehr absatzfähig sein, in den Händen anderer Personen<lb/>
büssen sie dagegen einen grossen Theil ihrer Absatzfähigkeit<lb/>
ein und sind desshalb eben so wenig, wie die oben genannten<lb/>
Waaren, geeignet, von Hand zu Hand zu circuliren.</p><lb/>
            <p>Selbst Güter, welche, um überhaupt verwendbar zu sein,<lb/>
dem Bedürfnisse des Consumenten erst noch besonders ange-<lb/>
passt werden müssen, sind nicht in der Hand eines jeden Eigners<lb/>
in gleichem Masse absatzfähig. Schuhe, Hüte u. dgl. Artikel<lb/>
mehr, von welcher Grösse sie auch immer sein mögen, sind in<lb/>
den Händen eines Schuhwaarenhändlers, beziehungsweise eines<lb/>
Hutmachers, in dessen Werkstätte oder Kaufladen sich ein<lb/>
grosser Consumentenkreis versammelt, immer von einer gewissen<lb/>
Absatzfähigkeit, insbesondere da die obigen Geschäftsleute der<lb/>
Regel nach die Mittel in den Händen haben, um die Waare den<lb/>
speciellen Bedürfnissen ihrer Kunden anzupassen. In den Händen<lb/>
einer andern Person sind diese Waaren schwer und fast immer<lb/>
nur mit bedeutendem Verluste abzusetzen. Auch solche Waaren<lb/>
sind nicht dazu geeignet, von Hand zu Hand zu circuliren.</p><lb/>
            <p>Auch Güter, deren Preis nicht wohl bekannt, oder bedeu-<lb/>
tenden Schwankungen ausgesetzt ist, sind nicht leicht von Hand<lb/>
zu Hand übertragbar. Dem Uebernehmer dieser Güter droht<lb/>
die Gefahr, dieselben zu &#x201E;überzahlen,&#x201C; oder, bevor er sie weiter<lb/>
begeben hat, durch eine Minderung ihres Preises zu Schaden<lb/>
zu kommen. Eine &#x201E;Partie Getreide&#x201C; pflegt auf Fruchtbörsen,<lb/>
und ein Posten gangbarer Effecten auf Geldbörsen leicht zehn-<lb/>
mal während weniger Stunden die &#x201E;Hände&#x201C; zu wechseln, während<lb/>
Landgüter oder gar Fabriken, deren Werth sich erst nach einer<lb/>
genauen Untersuchung aller Umstände feststellen lässt, zu einer<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[248/0266] Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren. eignet, im ökonomischen Austausche von Hand zu Hand zu circuliren. Andere Waaren erfordern zu ihrem Vertriebe besondere Kenntnisse, Fertigkeiten, Verbindungen, oder behördliche Ver- willigungen, Privilegien u. dgl. m. und sind in den Händen eines wirthschaftenden Subjectes, bei welchem diese Voraussetzungen nicht zutreffen, nicht, oder doch schwer veräusserlich und jeden- falls entwerthet. Waaren, die für den indischen oder süd- amerikanischen Verkehr bestimmt sind, Apothekerwaaren, Monopolartikel u. dgl. m. mögen in den Händen gewisser Per- sonen sehr absatzfähig sein, in den Händen anderer Personen büssen sie dagegen einen grossen Theil ihrer Absatzfähigkeit ein und sind desshalb eben so wenig, wie die oben genannten Waaren, geeignet, von Hand zu Hand zu circuliren. Selbst Güter, welche, um überhaupt verwendbar zu sein, dem Bedürfnisse des Consumenten erst noch besonders ange- passt werden müssen, sind nicht in der Hand eines jeden Eigners in gleichem Masse absatzfähig. Schuhe, Hüte u. dgl. Artikel mehr, von welcher Grösse sie auch immer sein mögen, sind in den Händen eines Schuhwaarenhändlers, beziehungsweise eines Hutmachers, in dessen Werkstätte oder Kaufladen sich ein grosser Consumentenkreis versammelt, immer von einer gewissen Absatzfähigkeit, insbesondere da die obigen Geschäftsleute der Regel nach die Mittel in den Händen haben, um die Waare den speciellen Bedürfnissen ihrer Kunden anzupassen. In den Händen einer andern Person sind diese Waaren schwer und fast immer nur mit bedeutendem Verluste abzusetzen. Auch solche Waaren sind nicht dazu geeignet, von Hand zu Hand zu circuliren. Auch Güter, deren Preis nicht wohl bekannt, oder bedeu- tenden Schwankungen ausgesetzt ist, sind nicht leicht von Hand zu Hand übertragbar. Dem Uebernehmer dieser Güter droht die Gefahr, dieselben zu „überzahlen,“ oder, bevor er sie weiter begeben hat, durch eine Minderung ihres Preises zu Schaden zu kommen. Eine „Partie Getreide“ pflegt auf Fruchtbörsen, und ein Posten gangbarer Effecten auf Geldbörsen leicht zehn- mal während weniger Stunden die „Hände“ zu wechseln, während Landgüter oder gar Fabriken, deren Werth sich erst nach einer genauen Untersuchung aller Umstände feststellen lässt, zu einer

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871/266
Zitationshilfe: Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871, S. 248. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871/266>, abgerufen am 25.02.2020.