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Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871.

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Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
französischen Mode die Märkte der ganzen civilisirten Welt offen
stehen. Schwere Pelzwaaren sind aus demselben Grunde in ihrer
Absatzfähigkeit lediglich auf nördliche Gegenden, schwere Woll-
waaren auf die Landstriche der nördlichen und der gemässigten
Zone beschränkt, während leichte Cottonwaaren fast auf der
ganzen Erde Absatz finden können.

Einen nicht minder wichtigen Unterschied in dem Umfange
der Absatzgebiete begründen die verschiedenen, mit dem Trans-
porte der Waaren nach entfernten Märkten verbundenen öko-
nomischen Opfer. Das Absatzgebiet der aus einem Steinbruche,
welcher nicht an einer Wasserstrasse liegt, gewonnenen gewöhn-
lichen Bausteine, das Absatzgebiet gewöhnlichen Sandes, Thones,
oder Stalldüngers reicht dort, wo keine Eisenbahnen vorhanden
sind, nicht leicht weiter als 2--3 Meilen im Umkreise, und
selbst dort, wo Eisenbahnen bestehen, nur in den seltensten
Fällen über 15--20 Meilen. Das Absatzgebiet von Steinkohlen,
Torf und Brennholz ist unter gleichen Verhältnissen ein aus-
gedehnteres, aber immerhin doch enge begrenztes. Beträchtlich
weiter ist das Absatzgebiet von Roheisen und Weizen, noch
weiter das von Stahl und Weizenmehl, und das Absatzgebiet von
edlen Metallen, Edelsteinen und Perlen umfasst so ziemlich alle
Theile der Erde, wo Bedarf an diesen Gütern besteht und die
Tauschmittel hiefür vorhanden sind.

Die ökonomischen Opfer, welche mit dem Transporte ver-
bunden sind, müssen durch die Differenz des Preises am Orte,
wo sie sich befinden, und an ihrem Bestimmungsorte gedeckt
werden. Bei Waaren von geringer Kostbarkeit kann diese Dif-
ferenz an und für sich nie bedeutend sein. Das Brennholz in
den Urwäldern Brasiliens und selbst in manchen Gegenden Ost-
Europas ist um verschwindende Preise zu erstehen, in vielen
Fällen in grossen Quantitäten geradezu kostenlos zu haben, der
Preis eines Centners Brennholz ist aber nirgends ein so grosser,
dass die Differenz zwischen demselben und dem Preise am Er-
zeugungsorte, und wäre dieser letztere gleich Null, die Kosten
eines weiten Landtransportes decken könnte, während bei
Waaren von grosser Kostbarkeit, z. B. bei Taschenuhren, die
Differenz zwischen dem Preise eines Centners dieser Waare
am Erzeugungsorte und auf den entferntesten Märkten z. B. in

Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
französischen Mode die Märkte der ganzen civilisirten Welt offen
stehen. Schwere Pelzwaaren sind aus demselben Grunde in ihrer
Absatzfähigkeit lediglich auf nördliche Gegenden, schwere Woll-
waaren auf die Landstriche der nördlichen und der gemässigten
Zone beschränkt, während leichte Cottonwaaren fast auf der
ganzen Erde Absatz finden können.

Einen nicht minder wichtigen Unterschied in dem Umfange
der Absatzgebiete begründen die verschiedenen, mit dem Trans-
porte der Waaren nach entfernten Märkten verbundenen öko-
nomischen Opfer. Das Absatzgebiet der aus einem Steinbruche,
welcher nicht an einer Wasserstrasse liegt, gewonnenen gewöhn-
lichen Bausteine, das Absatzgebiet gewöhnlichen Sandes, Thones,
oder Stalldüngers reicht dort, wo keine Eisenbahnen vorhanden
sind, nicht leicht weiter als 2—3 Meilen im Umkreise, und
selbst dort, wo Eisenbahnen bestehen, nur in den seltensten
Fällen über 15—20 Meilen. Das Absatzgebiet von Steinkohlen,
Torf und Brennholz ist unter gleichen Verhältnissen ein aus-
gedehnteres, aber immerhin doch enge begrenztes. Beträchtlich
weiter ist das Absatzgebiet von Roheisen und Weizen, noch
weiter das von Stahl und Weizenmehl, und das Absatzgebiet von
edlen Metallen, Edelsteinen und Perlen umfasst so ziemlich alle
Theile der Erde, wo Bedarf an diesen Gütern besteht und die
Tauschmittel hiefür vorhanden sind.

Die ökonomischen Opfer, welche mit dem Transporte ver-
bunden sind, müssen durch die Differenz des Preises am Orte,
wo sie sich befinden, und an ihrem Bestimmungsorte gedeckt
werden. Bei Waaren von geringer Kostbarkeit kann diese Dif-
ferenz an und für sich nie bedeutend sein. Das Brennholz in
den Urwäldern Brasiliens und selbst in manchen Gegenden Ost-
Europas ist um verschwindende Preise zu erstehen, in vielen
Fällen in grossen Quantitäten geradezu kostenlos zu haben, der
Preis eines Centners Brennholz ist aber nirgends ein so grosser,
dass die Differenz zwischen demselben und dem Preise am Er-
zeugungsorte, und wäre dieser letztere gleich Null, die Kosten
eines weiten Landtransportes decken könnte, während bei
Waaren von grosser Kostbarkeit, z. B. bei Taschenuhren, die
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[236/0254] Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren. französischen Mode die Märkte der ganzen civilisirten Welt offen stehen. Schwere Pelzwaaren sind aus demselben Grunde in ihrer Absatzfähigkeit lediglich auf nördliche Gegenden, schwere Woll- waaren auf die Landstriche der nördlichen und der gemässigten Zone beschränkt, während leichte Cottonwaaren fast auf der ganzen Erde Absatz finden können. Einen nicht minder wichtigen Unterschied in dem Umfange der Absatzgebiete begründen die verschiedenen, mit dem Trans- porte der Waaren nach entfernten Märkten verbundenen öko- nomischen Opfer. Das Absatzgebiet der aus einem Steinbruche, welcher nicht an einer Wasserstrasse liegt, gewonnenen gewöhn- lichen Bausteine, das Absatzgebiet gewöhnlichen Sandes, Thones, oder Stalldüngers reicht dort, wo keine Eisenbahnen vorhanden sind, nicht leicht weiter als 2—3 Meilen im Umkreise, und selbst dort, wo Eisenbahnen bestehen, nur in den seltensten Fällen über 15—20 Meilen. Das Absatzgebiet von Steinkohlen, Torf und Brennholz ist unter gleichen Verhältnissen ein aus- gedehnteres, aber immerhin doch enge begrenztes. Beträchtlich weiter ist das Absatzgebiet von Roheisen und Weizen, noch weiter das von Stahl und Weizenmehl, und das Absatzgebiet von edlen Metallen, Edelsteinen und Perlen umfasst so ziemlich alle Theile der Erde, wo Bedarf an diesen Gütern besteht und die Tauschmittel hiefür vorhanden sind. Die ökonomischen Opfer, welche mit dem Transporte ver- bunden sind, müssen durch die Differenz des Preises am Orte, wo sie sich befinden, und an ihrem Bestimmungsorte gedeckt werden. Bei Waaren von geringer Kostbarkeit kann diese Dif- ferenz an und für sich nie bedeutend sein. Das Brennholz in den Urwäldern Brasiliens und selbst in manchen Gegenden Ost- Europas ist um verschwindende Preise zu erstehen, in vielen Fällen in grossen Quantitäten geradezu kostenlos zu haben, der Preis eines Centners Brennholz ist aber nirgends ein so grosser, dass die Differenz zwischen demselben und dem Preise am Er- zeugungsorte, und wäre dieser letztere gleich Null, die Kosten eines weiten Landtransportes decken könnte, während bei Waaren von grosser Kostbarkeit, z. B. bei Taschenuhren, die Differenz zwischen dem Preise eines Centners dieser Waare am Erzeugungsorte und auf den entferntesten Märkten z. B. in

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Zitationshilfe: Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871, S. 236. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871/254>, abgerufen am 19.02.2020.