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Mendel, Gregor: Versuche über Pflanzen-Hybriden. In: Verhandlungen des Naturforschenden Vereines in Brünn 4 (1866), S. 3-47.

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Für jeden einzelnen von den nachfolgenden Versuchen wurden
100 Pflanzen ausgewählt, welche in der ersten Generation das domi-
nirende Merkmal besassen, und um die Bedeutung desselben zu prüfen,
von jeder 10 Samen angebaut.

3. Versuch. Die Nachkommen von 36 Pflanzen brachten aus-
schliesslich graubraune Samenschalen; von 64 Pflanzen wurden theils
graubraune, theils weisse erhalten.

4. Versuch. Die Nachkommen von 29 Pflanzen hatten nur ein-
fach gewölbte Hülsen, von 71 hingegen theils gewölbte, theils ein-
geschnürte.

5. Versuch. Die Nachkommen von 40 Pflanzen hatten blos
grüne Hülsen, die von 60 Pflanzen theils grüne, theils gelbe.

6. Versuch. Die Nachkommen von 33 Pflanzen hatten blos
axenständige Blüthen, bei 67 hingegen waren sie theils axenständig,
theils endständig.

7. Versuch. Die Nachkommen von 28 Pflanzen erhielten die
lange Axe, die von 72 Pflanzen theils die lange, theils die kurze.

Bei jedem dieser Versuche wird eine bestimmte Anzahl Pflanzen mit
dem dominirenden Merkmale constant. Für die Beurtheilung des Verhält-
nisses, in welchem die Ausscheidung der Formen mit dem constant blei-
benden Merkmale erfolgt, sind die beiden ersten Versuche von beson-
derem Gewichte, weil bei diesen eine grössere Anzahl Pflanzen vergli-
chen werden konnte. Die Verhältnisse 1,93:1 und 2,13:1 geben zusammen
fast genau das Durchschnitts-Verhältniss 2:1. Der 6. Versuch hat ein ganz
übereinstimmendes Resultat, bei den anderen schwankt das Verhältniss
mehr oder weniger, wie es bei der geringen Anzahl von 100 Versuchs-
pflanzen nicht anders zu erwarten war. Der 5. Versuch, welcher die
grösste Abweichung zeigte, wurde wiederholt, und dann, statt des Ver-
hältnisses 60:40, das Verhältniss 65:35 erhalten. Das Durchschnitts-
Verhältniss 2:1 erscheint demnach als gesichert
. Es ist da-
mit erwiesen, dass von jenen Formen, welche in der ersten Generation
das dominirende Merkmal besitzen, zwei Theile den hybriden Charac-
ter an sich tragen, ein Theil aber mit dem dominirenden Merkmale
constant bleibt.

Das Verhältniss 3:1, nach welchem die Vertheilung des domini-
renden und recessiven Characters in der ersten Generation erfolgt, löst
sich demnach für alle Versuche in die Verhältnisse 2:1:1 auf, wenn

Für jeden einzelnen von den nachfolgenden Versuchen wurden
100 Pflanzen ausgewählt, welche in der ersten Generation das domi-
nirende Merkmal besassen, und um die Bedeutung desselben zu prüfen,
von jeder 10 Samen angebaut.

3. Versuch. Die Nachkommen von 36 Pflanzen brachten aus-
schliesslich graubraune Samenschalen; von 64 Pflanzen wurden theils
graubraune, theils weisse erhalten.

4. Versuch. Die Nachkommen von 29 Pflanzen hatten nur ein-
fach gewölbte Hülsen, von 71 hingegen theils gewölbte, theils ein-
geschnürte.

5. Versuch. Die Nachkommen von 40 Pflanzen hatten blos
grüne Hülsen, die von 60 Pflanzen theils grüne, theils gelbe.

6. Versuch. Die Nachkommen von 33 Pflanzen hatten blos
axenständige Blüthen, bei 67 hingegen waren sie theils axenständig,
theils endständig.

7. Versuch. Die Nachkommen von 28 Pflanzen erhielten die
lange Axe, die von 72 Pflanzen theils die lange, theils die kurze.

Bei jedem dieser Versuche wird eine bestimmte Anzahl Pflanzen mit
dem dominirenden Merkmale constant. Für die Beurtheilung des Verhält-
nisses, in welchem die Ausscheidung der Formen mit dem constant blei-
benden Merkmale erfolgt, sind die beiden ersten Versuche von beson-
derem Gewichte, weil bei diesen eine grössere Anzahl Pflanzen vergli-
chen werden konnte. Die Verhältnisse 1,93:1 und 2,13:1 geben zusammen
fast genau das Durchschnitts-Verhältniss 2:1. Der 6. Versuch hat ein ganz
übereinstimmendes Resultat, bei den anderen schwankt das Verhältniss
mehr oder weniger, wie es bei der geringen Anzahl von 100 Versuchs-
pflanzen nicht anders zu erwarten war. Der 5. Versuch, welcher die
grösste Abweichung zeigte, wurde wiederholt, und dann, statt des Ver-
hältnisses 60:40, das Verhältniss 65:35 erhalten. Das Durchschnitts-
Verhältniss 2:1 erscheint demnach als gesichert
. Es ist da-
mit erwiesen, dass von jenen Formen, welche in der ersten Generation
das dominirende Merkmal besitzen, zwei Theile den hybriden Charac-
ter an sich tragen, ein Theil aber mit dem dominirenden Merkmale
constant bleibt.

Das Verhältniss 3:1, nach welchem die Vertheilung des domini-
renden und recessiven Characters in der ersten Generation erfolgt, löst
sich demnach für alle Versuche in die Verhältnisse 2:1:1 auf, wenn

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[16/0027] Für jeden einzelnen von den nachfolgenden Versuchen wurden 100 Pflanzen ausgewählt, welche in der ersten Generation das domi- nirende Merkmal besassen, und um die Bedeutung desselben zu prüfen, von jeder 10 Samen angebaut. 3. Versuch. Die Nachkommen von 36 Pflanzen brachten aus- schliesslich graubraune Samenschalen; von 64 Pflanzen wurden theils graubraune, theils weisse erhalten. 4. Versuch. Die Nachkommen von 29 Pflanzen hatten nur ein- fach gewölbte Hülsen, von 71 hingegen theils gewölbte, theils ein- geschnürte. 5. Versuch. Die Nachkommen von 40 Pflanzen hatten blos grüne Hülsen, die von 60 Pflanzen theils grüne, theils gelbe. 6. Versuch. Die Nachkommen von 33 Pflanzen hatten blos axenständige Blüthen, bei 67 hingegen waren sie theils axenständig, theils endständig. 7. Versuch. Die Nachkommen von 28 Pflanzen erhielten die lange Axe, die von 72 Pflanzen theils die lange, theils die kurze. Bei jedem dieser Versuche wird eine bestimmte Anzahl Pflanzen mit dem dominirenden Merkmale constant. Für die Beurtheilung des Verhält- nisses, in welchem die Ausscheidung der Formen mit dem constant blei- benden Merkmale erfolgt, sind die beiden ersten Versuche von beson- derem Gewichte, weil bei diesen eine grössere Anzahl Pflanzen vergli- chen werden konnte. Die Verhältnisse 1,93:1 und 2,13:1 geben zusammen fast genau das Durchschnitts-Verhältniss 2:1. Der 6. Versuch hat ein ganz übereinstimmendes Resultat, bei den anderen schwankt das Verhältniss mehr oder weniger, wie es bei der geringen Anzahl von 100 Versuchs- pflanzen nicht anders zu erwarten war. Der 5. Versuch, welcher die grösste Abweichung zeigte, wurde wiederholt, und dann, statt des Ver- hältnisses 60:40, das Verhältniss 65:35 erhalten. Das Durchschnitts- Verhältniss 2:1 erscheint demnach als gesichert. Es ist da- mit erwiesen, dass von jenen Formen, welche in der ersten Generation das dominirende Merkmal besitzen, zwei Theile den hybriden Charac- ter an sich tragen, ein Theil aber mit dem dominirenden Merkmale constant bleibt. Das Verhältniss 3:1, nach welchem die Vertheilung des domini- renden und recessiven Characters in der ersten Generation erfolgt, löst sich demnach für alle Versuche in die Verhältnisse 2:1:1 auf, wenn

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Zitationshilfe: Mendel, Gregor: Versuche über Pflanzen-Hybriden. In: Verhandlungen des Naturforschenden Vereines in Brünn 4 (1866), S. 3-47, hier S. 16. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mendel_pflanzenhybriden_1866/27>, abgerufen am 18.11.2019.