Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894.

Bild:
<< vorherige Seite

sie respektive zu 90, 80, 70, 40, 10 £ unter ihrem Werth ver-
kauft und dennoch ein Profit von je 10, 20, 30, 60, 90 £ aus
ihrem Verkauf herausgeschlagen. Zwischen dem Werth der Waare
und ihrem Kostpreis ist offenbar eine unbestimmte Reihe von
Verkaufspreisen möglich. Je grösser das aus Mehrwerth be-
stehende Element des Waarenwerths, desto grösser der praktische
Spielraum dieser Zwischenpreise.

Hieraus erklären sich nicht nur alltägliche Erscheinungen der
Konkurrenz, wie z. B. gewisse Fälle des Unterverkaufs (under-
selling), anormale Niedrigkeit der Waarenpreise in bestimmten
Industriezweigen5) etc. Das bisher von der politischen Oekonomie
unbegriffne Grundgesetz der kapitalistischen Konkurrenz, das Ge-
setz, welches die allgemeine Profitrate und die durch sie be-
stimmten sog. Produktionspreise regelt, beruht, wie man später
sehn wird, auf dieser Differenz zwischen Werth und Kostpreis der
Waare und der daher entspringenden Möglichkeit, die Waare mit
Profit unter ihrem Werth zu verkaufen.

Die Minimalgrenze des Verkaufspreises der Waare ist gegeben
durch ihren Kostpreis. Wird sie unter ihrem Kostpreis verkauft,
so können die verausgabten Bestandtheile des produktiven Kapitals
nicht völlig aus dem Verkaufspreis ersetzt werden. Dauert dieser
Process fort, so verschwindet der vorgeschossne Kapitalwerth.
Schon von diesem Gesichtspunkt aus ist der Kapitalist geneigt,
den Kostpreis für den eigentlichen inneren Werth der Waare zu
halten, weil er der zur blossen Erhaltung seines Kapitals noth-
wendige Preis ist. Es kommt aber hinzu, dass der Kostpreis der
Waare der Kaufpreis ist, den der Kapitalist selbst für ihre Pro-
duktion gezahlt hat, also der durch ihren Produktionsprocess selbst
bestimmte Kaufpreis. Der beim Verkauf der Waare realisirte
Werthüberschuss oder Mehrwerth erscheint dem Kapitalisten daher
als Ueberschuss ihres Verkaufspreises über ihren Werth, statt als
Ueberschuss ihres Werths über ihren Kostpreis, sodass der in der
Waare steckende Mehrwerth sich nicht durch ihren Verkauf reali-
sirt, sondern aus dem Verkauf selbst entspringt. Wir haben diese
Illusion bereits näher beleuchtet in Buch I, Kap. IV, 2 (Wider-
sprüche der allgemeinen Formel des Kapitals), kehren hier aber
einen Augenblick zu der Form zurück, worin sie als Fortschritt
der politischen Oekonomie über Ricardo hinaus von Torrens u. A.
wieder geltend gemacht wurde.


5) Vergl. Buch I, Kap. XVII I, p. 571/561 ff.

sie respektive zu 90, 80, 70, 40, 10 £ unter ihrem Werth ver-
kauft und dennoch ein Profit von je 10, 20, 30, 60, 90 £ aus
ihrem Verkauf herausgeschlagen. Zwischen dem Werth der Waare
und ihrem Kostpreis ist offenbar eine unbestimmte Reihe von
Verkaufspreisen möglich. Je grösser das aus Mehrwerth be-
stehende Element des Waarenwerths, desto grösser der praktische
Spielraum dieser Zwischenpreise.

Hieraus erklären sich nicht nur alltägliche Erscheinungen der
Konkurrenz, wie z. B. gewisse Fälle des Unterverkaufs (under-
selling), anormale Niedrigkeit der Waarenpreise in bestimmten
Industriezweigen5) etc. Das bisher von der politischen Oekonomie
unbegriffne Grundgesetz der kapitalistischen Konkurrenz, das Ge-
setz, welches die allgemeine Profitrate und die durch sie be-
stimmten sog. Produktionspreise regelt, beruht, wie man später
sehn wird, auf dieser Differenz zwischen Werth und Kostpreis der
Waare und der daher entspringenden Möglichkeit, die Waare mit
Profit unter ihrem Werth zu verkaufen.

Die Minimalgrenze des Verkaufspreises der Waare ist gegeben
durch ihren Kostpreis. Wird sie unter ihrem Kostpreis verkauft,
so können die verausgabten Bestandtheile des produktiven Kapitals
nicht völlig aus dem Verkaufspreis ersetzt werden. Dauert dieser
Process fort, so verschwindet der vorgeschossne Kapitalwerth.
Schon von diesem Gesichtspunkt aus ist der Kapitalist geneigt,
den Kostpreis für den eigentlichen inneren Werth der Waare zu
halten, weil er der zur blossen Erhaltung seines Kapitals noth-
wendige Preis ist. Es kommt aber hinzu, dass der Kostpreis der
Waare der Kaufpreis ist, den der Kapitalist selbst für ihre Pro-
duktion gezahlt hat, also der durch ihren Produktionsprocess selbst
bestimmte Kaufpreis. Der beim Verkauf der Waare realisirte
Werthüberschuss oder Mehrwerth erscheint dem Kapitalisten daher
als Ueberschuss ihres Verkaufspreises über ihren Werth, statt als
Ueberschuss ihres Werths über ihren Kostpreis, sodass der in der
Waare steckende Mehrwerth sich nicht durch ihren Verkauf reali-
sirt, sondern aus dem Verkauf selbst entspringt. Wir haben diese
Illusion bereits näher beleuchtet in Buch I, Kap. IV, 2 (Wider-
sprüche der allgemeinen Formel des Kapitals), kehren hier aber
einen Augenblick zu der Form zurück, worin sie als Fortschritt
der politischen Oekonomie über Ricardo hinaus von Torrens u. A.
wieder geltend gemacht wurde.


5) Vergl. Buch I, Kap. XVII I, p. 571/561 ff.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0046" n="12"/>
sie respektive zu 90, 80, 70, 40, 10 <hi rendition="#i">£</hi> unter ihrem Werth ver-<lb/>
kauft und dennoch ein Profit von je 10, 20, 30, 60, 90 <hi rendition="#i">£</hi> aus<lb/>
ihrem Verkauf herausgeschlagen. Zwischen dem Werth der Waare<lb/>
und ihrem Kostpreis ist offenbar eine unbestimmte Reihe von<lb/>
Verkaufspreisen möglich. Je grösser das aus Mehrwerth be-<lb/>
stehende Element des Waarenwerths, desto grösser der praktische<lb/>
Spielraum dieser Zwischenpreise.</p><lb/>
            <p>Hieraus erklären sich nicht nur alltägliche Erscheinungen der<lb/>
Konkurrenz, wie z. B. gewisse Fälle des Unterverkaufs (under-<lb/>
selling), anormale Niedrigkeit der Waarenpreise in bestimmten<lb/>
Industriezweigen<note place="foot" n="5)">Vergl. Buch I, Kap. XVII I, p. 571/561 ff.</note> etc. Das bisher von der politischen Oekonomie<lb/>
unbegriffne Grundgesetz der kapitalistischen Konkurrenz, das Ge-<lb/>
setz, welches die allgemeine Profitrate und die durch sie be-<lb/>
stimmten sog. Produktionspreise regelt, beruht, wie man später<lb/>
sehn wird, auf dieser Differenz zwischen Werth und Kostpreis der<lb/>
Waare und der daher entspringenden Möglichkeit, die Waare mit<lb/>
Profit unter ihrem Werth zu verkaufen.</p><lb/>
            <p>Die Minimalgrenze des Verkaufspreises der Waare ist gegeben<lb/>
durch ihren Kostpreis. Wird sie unter ihrem Kostpreis verkauft,<lb/>
so können die verausgabten Bestandtheile des produktiven Kapitals<lb/>
nicht völlig aus dem Verkaufspreis ersetzt werden. Dauert dieser<lb/>
Process fort, so verschwindet der vorgeschossne Kapitalwerth.<lb/>
Schon von diesem Gesichtspunkt aus ist der Kapitalist geneigt,<lb/>
den Kostpreis für den eigentlichen <hi rendition="#g">inneren</hi> Werth der Waare zu<lb/>
halten, weil er der zur blossen Erhaltung seines Kapitals noth-<lb/>
wendige Preis ist. Es kommt aber hinzu, dass der Kostpreis der<lb/>
Waare der Kaufpreis ist, den der Kapitalist selbst für ihre Pro-<lb/>
duktion gezahlt hat, also der durch ihren Produktionsprocess selbst<lb/>
bestimmte Kaufpreis. Der beim Verkauf der Waare realisirte<lb/>
Werthüberschuss oder Mehrwerth erscheint dem Kapitalisten daher<lb/>
als Ueberschuss ihres Verkaufspreises über ihren Werth, statt als<lb/>
Ueberschuss ihres Werths über ihren Kostpreis, sodass der in der<lb/>
Waare steckende Mehrwerth sich nicht durch ihren Verkauf reali-<lb/>
sirt, sondern aus dem Verkauf selbst entspringt. Wir haben diese<lb/>
Illusion bereits näher beleuchtet in Buch I, Kap. IV, 2 (Wider-<lb/>
sprüche der allgemeinen Formel des Kapitals), kehren hier aber<lb/>
einen Augenblick zu der Form zurück, worin sie als Fortschritt<lb/>
der politischen Oekonomie über Ricardo hinaus von Torrens u. A.<lb/>
wieder geltend gemacht wurde.</p><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[12/0046] sie respektive zu 90, 80, 70, 40, 10 £ unter ihrem Werth ver- kauft und dennoch ein Profit von je 10, 20, 30, 60, 90 £ aus ihrem Verkauf herausgeschlagen. Zwischen dem Werth der Waare und ihrem Kostpreis ist offenbar eine unbestimmte Reihe von Verkaufspreisen möglich. Je grösser das aus Mehrwerth be- stehende Element des Waarenwerths, desto grösser der praktische Spielraum dieser Zwischenpreise. Hieraus erklären sich nicht nur alltägliche Erscheinungen der Konkurrenz, wie z. B. gewisse Fälle des Unterverkaufs (under- selling), anormale Niedrigkeit der Waarenpreise in bestimmten Industriezweigen 5) etc. Das bisher von der politischen Oekonomie unbegriffne Grundgesetz der kapitalistischen Konkurrenz, das Ge- setz, welches die allgemeine Profitrate und die durch sie be- stimmten sog. Produktionspreise regelt, beruht, wie man später sehn wird, auf dieser Differenz zwischen Werth und Kostpreis der Waare und der daher entspringenden Möglichkeit, die Waare mit Profit unter ihrem Werth zu verkaufen. Die Minimalgrenze des Verkaufspreises der Waare ist gegeben durch ihren Kostpreis. Wird sie unter ihrem Kostpreis verkauft, so können die verausgabten Bestandtheile des produktiven Kapitals nicht völlig aus dem Verkaufspreis ersetzt werden. Dauert dieser Process fort, so verschwindet der vorgeschossne Kapitalwerth. Schon von diesem Gesichtspunkt aus ist der Kapitalist geneigt, den Kostpreis für den eigentlichen inneren Werth der Waare zu halten, weil er der zur blossen Erhaltung seines Kapitals noth- wendige Preis ist. Es kommt aber hinzu, dass der Kostpreis der Waare der Kaufpreis ist, den der Kapitalist selbst für ihre Pro- duktion gezahlt hat, also der durch ihren Produktionsprocess selbst bestimmte Kaufpreis. Der beim Verkauf der Waare realisirte Werthüberschuss oder Mehrwerth erscheint dem Kapitalisten daher als Ueberschuss ihres Verkaufspreises über ihren Werth, statt als Ueberschuss ihres Werths über ihren Kostpreis, sodass der in der Waare steckende Mehrwerth sich nicht durch ihren Verkauf reali- sirt, sondern aus dem Verkauf selbst entspringt. Wir haben diese Illusion bereits näher beleuchtet in Buch I, Kap. IV, 2 (Wider- sprüche der allgemeinen Formel des Kapitals), kehren hier aber einen Augenblick zu der Form zurück, worin sie als Fortschritt der politischen Oekonomie über Ricardo hinaus von Torrens u. A. wieder geltend gemacht wurde. 5) Vergl. Buch I, Kap. XVII I, p. 571/561 ff.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894/46
Zitationshilfe: Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894, S. 12. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894/46>, abgerufen am 22.05.2019.