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Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894.

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ist also dies sein vorgeschossnes Kapital das Quantum vergegen-
ständlichter Arbeit, das gesellschaftlich nöthig ist, um ihm dies
Mehrprodukt zu verschaffen. Für jeden andern industriellen Kapi-
talisten gilt dasselbe. Da nun die Produkte dem Werthgesetz
gemäß sich gegeneinander austauschen im Verhältniss der zu ihrer
Produktion gesellschaftlich nothwendigen Arbeit, und da für den
Kapitalisten die zur Herstellung seines Mehrprodukts nothwendige
Arbeit eben die in seinem Kapital aufgehäufte, vergangene Arbeit
ist, so folgt dass sich die Mehrprodukte austauschen nach dem Ver-
hältniss der zu ihrer Produktion erheischten Kapitale, nicht aber,
nach dem der wirklich in ihnen verkörperten Arbeit. Der auf
jede Kapitaleinheit fallende Antheil ist also gleich der Summe aller
produzirten Mehrwerthe, dividirt durch die Summe der darauf ver-
wandten Kapitale. Hiernach werfen gleiche Kapitale in gleichen
Zeiträumen gleiche Profite ab, und dies wird bewirkt, indem der
so berechnete Kostpreis des Mehrprodukts, d. h. der Durchschnitts-
profit, auf den Kostpreis des bezahlten Produkts geschlagen, und
zu diesem erhöhten Preise beides, bezahltes und unbezahltes Pro-
dukt, verkauft wird. Die Durchschnittsprofitrate ist hergestellt,
trotzdem dass, wie Schmidt meint, die Durchschnittspreise der ein-
zelnen Waaren nach dem Werthgesetz bestimmt werden.

Die Konstruktion ist äusserst sinnreich, sie ist ganz nach Hegelschem
Muster, aber sie theilt das mit der Mehrzahl der Hegelschen, dass
sie nicht richtig ist. Mehrprodukt oder bezahltes Produkt macht
keinen Unterschied: soll das Werthgesetz auch für die Durch-
schnittspreise unmittelbar gelten, so müssen beide verkauft werden
im Verhältniss der zu ihrer Herstellung erforderlichen und darin
verbrauchten gesellschaftlich nöthigen Arbeit. Das Werthgesetz
richtet sich von vornherein gegen die aus der kapitalistischen Vor-
stellungsweise überkommene Ansicht, als sei die aufgehäufte ver-
gangne Arbeit, woraus das Kapital besteht, nicht bloss eine be-
stimmte Summe von fertigem Werth, sondern, weil Faktor der
Produktion und Profitbildung, auch werthbildend, also Quelle von
mehr Werth als es selbst hat; es stellt fest, dass diese Eigen-
schaft nur der lebendigen Arbeit zukommt. Dass die Kapitalisten
im Verhältniss der Grösse ihrer Kapitale gleiche Profite erwarten,
ihren Kapitalvorschuss also als eine Art Kostpreis ihres Profits an-

ist also dies sein vorgeschossnes Kapital das Quantum vergegen-
ständlichter Arbeit, das gesellschaftlich nöthig ist, um ihm dies
Mehrprodukt zu verschaffen. Für jeden andern industriellen Kapi-
talisten gilt dasselbe. Da nun die Produkte dem Werthgesetz
gemäß sich gegeneinander austauschen im Verhältniss der zu ihrer
Produktion gesellschaftlich nothwendigen Arbeit, und da für den
Kapitalisten die zur Herstellung seines Mehrprodukts nothwendige
Arbeit eben die in seinem Kapital aufgehäufte, vergangene Arbeit
ist, so folgt dass sich die Mehrprodukte austauschen nach dem Ver-
hältniss der zu ihrer Produktion erheischten Kapitale, nicht aber,
nach dem der wirklich in ihnen verkörperten Arbeit. Der auf
jede Kapitaleinheit fallende Antheil ist also gleich der Summe aller
produzirten Mehrwerthe, dividirt durch die Summe der darauf ver-
wandten Kapitale. Hiernach werfen gleiche Kapitale in gleichen
Zeiträumen gleiche Profite ab, und dies wird bewirkt, indem der
so berechnete Kostpreis des Mehrprodukts, d. h. der Durchschnitts-
profit, auf den Kostpreis des bezahlten Produkts geschlagen, und
zu diesem erhöhten Preise beides, bezahltes und unbezahltes Pro-
dukt, verkauft wird. Die Durchschnittsprofitrate ist hergestellt,
trotzdem dass, wie Schmidt meint, die Durchschnittspreise der ein-
zelnen Waaren nach dem Werthgesetz bestimmt werden.

Die Konstruktion ist äusserst sinnreich, sie ist ganz nach Hegelschem
Muster, aber sie theilt das mit der Mehrzahl der Hegelschen, dass
sie nicht richtig ist. Mehrprodukt oder bezahltes Produkt macht
keinen Unterschied: soll das Werthgesetz auch für die Durch-
schnittspreise unmittelbar gelten, so müssen beide verkauft werden
im Verhältniss der zu ihrer Herstellung erforderlichen und darin
verbrauchten gesellschaftlich nöthigen Arbeit. Das Werthgesetz
richtet sich von vornherein gegen die aus der kapitalistischen Vor-
stellungsweise überkommene Ansicht, als sei die aufgehäufte ver-
gangne Arbeit, woraus das Kapital besteht, nicht bloss eine be-
stimmte Summe von fertigem Werth, sondern, weil Faktor der
Produktion und Profitbildung, auch werthbildend, also Quelle von
mehr Werth als es selbst hat; es stellt fest, dass diese Eigen-
schaft nur der lebendigen Arbeit zukommt. Dass die Kapitalisten
im Verhältniss der Grösse ihrer Kapitale gleiche Profite erwarten,
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[XIV/0020] ist also dies sein vorgeschossnes Kapital das Quantum vergegen- ständlichter Arbeit, das gesellschaftlich nöthig ist, um ihm dies Mehrprodukt zu verschaffen. Für jeden andern industriellen Kapi- talisten gilt dasselbe. Da nun die Produkte dem Werthgesetz gemäß sich gegeneinander austauschen im Verhältniss der zu ihrer Produktion gesellschaftlich nothwendigen Arbeit, und da für den Kapitalisten die zur Herstellung seines Mehrprodukts nothwendige Arbeit eben die in seinem Kapital aufgehäufte, vergangene Arbeit ist, so folgt dass sich die Mehrprodukte austauschen nach dem Ver- hältniss der zu ihrer Produktion erheischten Kapitale, nicht aber, nach dem der wirklich in ihnen verkörperten Arbeit. Der auf jede Kapitaleinheit fallende Antheil ist also gleich der Summe aller produzirten Mehrwerthe, dividirt durch die Summe der darauf ver- wandten Kapitale. Hiernach werfen gleiche Kapitale in gleichen Zeiträumen gleiche Profite ab, und dies wird bewirkt, indem der so berechnete Kostpreis des Mehrprodukts, d. h. der Durchschnitts- profit, auf den Kostpreis des bezahlten Produkts geschlagen, und zu diesem erhöhten Preise beides, bezahltes und unbezahltes Pro- dukt, verkauft wird. Die Durchschnittsprofitrate ist hergestellt, trotzdem dass, wie Schmidt meint, die Durchschnittspreise der ein- zelnen Waaren nach dem Werthgesetz bestimmt werden. Die Konstruktion ist äusserst sinnreich, sie ist ganz nach Hegelschem Muster, aber sie theilt das mit der Mehrzahl der Hegelschen, dass sie nicht richtig ist. Mehrprodukt oder bezahltes Produkt macht keinen Unterschied: soll das Werthgesetz auch für die Durch- schnittspreise unmittelbar gelten, so müssen beide verkauft werden im Verhältniss der zu ihrer Herstellung erforderlichen und darin verbrauchten gesellschaftlich nöthigen Arbeit. Das Werthgesetz richtet sich von vornherein gegen die aus der kapitalistischen Vor- stellungsweise überkommene Ansicht, als sei die aufgehäufte ver- gangne Arbeit, woraus das Kapital besteht, nicht bloss eine be- stimmte Summe von fertigem Werth, sondern, weil Faktor der Produktion und Profitbildung, auch werthbildend, also Quelle von mehr Werth als es selbst hat; es stellt fest, dass diese Eigen- schaft nur der lebendigen Arbeit zukommt. Dass die Kapitalisten im Verhältniss der Grösse ihrer Kapitale gleiche Profite erwarten, ihren Kapitalvorschuss also als eine Art Kostpreis ihres Profits an-

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Zitationshilfe: Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894, S. XIV. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894/20>, abgerufen am 21.05.2019.