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Mangoldt, Hans von: Die Lehre vom Unternehmergewinn. Leipzig, 1855.

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abzulegen hatte. So kam man schon frühe dazu, von einem
besondern Antheile des Unternehmers zu reden.

Dabei knüpfte man zunächst an die Erscheinungen der Wirk-
lichkeit an, und dieß brachte es mit sich, daß man den Unter-
nehmer sich nicht als eine neben den Inhabern der einzelnen
Productionselemente stehende, abgesonderte Persönlichkeit dachte,
sondern daß man einem von diesen die Unternehmung zuwies
und in Folge davon den Unternehmerantheil mehr oder minder
mit demjenigen Antheile vermengte, den er aus seiner speciellen
Mitwirkung bei der Production bezog. Die genauere Darstel-
lung dieser Entwickelung der Theorie wird das nachfolgende erste
Capitel liefern. Nur nach und nach befreite man sich von die-
sem Irrthume, und es sind namentlich deutsche Gelehrte, welchen
hieran das größte Verdienst zufällt. Vollständig durchgeführt
wurde indessen die Betrachtung des Unternehmerantheils, Unter-
nehmergewinns in seiner Abgesondertheit von Lohn, Zins und
Rente bisher noch nicht, und es soll daher der Versuch gemacht
werden, diese Durchführung in der vorliegenden Abhandlung
vorzunehmen.

Die wissenschaftliche Bedeutung der damit bezeichneten Auf-
gabe, die wir uns gestellt haben, näher zu begründen, wird nicht
nothwendig sein. Ist es von Wichtigkeit, die Einkommens-
arten nach ihren verschiedenen Quellen zu unterscheiden und da-
durch eine Einsicht in die Bedingungen ihrer absoluten und re-
lativen Höhe zu gewinnen, so wird sich auch die isolirte Be-
trachtung des Unternehmergewinns und dessen ideelle Loslösung
von Lohn, Zins oder Rente rechtfertigen. Dieß hindert indessen
nicht, anzuerkennen, daß die Bedenklichkeiten, welche sich einer
getrennten Behandlungsweise der einzelnen Einkommensarten ent-
gegenstellen, beim Unternehmergewinn besonders stark hervortre-
ten. Die Wirklichkeit zeigt die einzelnen Einkommenszweige, man

abzulegen hatte. So kam man ſchon fruͤhe dazu, von einem
beſondern Antheile des Unternehmers zu reden.

Dabei knuͤpfte man zunaͤchſt an die Erſcheinungen der Wirk-
lichkeit an, und dieß brachte es mit ſich, daß man den Unter-
nehmer ſich nicht als eine neben den Inhabern der einzelnen
Productionselemente ſtehende, abgeſonderte Perſoͤnlichkeit dachte,
ſondern daß man einem von dieſen die Unternehmung zuwies
und in Folge davon den Unternehmerantheil mehr oder minder
mit demjenigen Antheile vermengte, den er aus ſeiner ſpeciellen
Mitwirkung bei der Production bezog. Die genauere Darſtel-
lung dieſer Entwickelung der Theorie wird das nachfolgende erſte
Capitel liefern. Nur nach und nach befreite man ſich von die-
ſem Irrthume, und es ſind namentlich deutſche Gelehrte, welchen
hieran das groͤßte Verdienſt zufaͤllt. Vollſtaͤndig durchgefuͤhrt
wurde indeſſen die Betrachtung des Unternehmerantheils, Unter-
nehmergewinns in ſeiner Abgeſondertheit von Lohn, Zins und
Rente bisher noch nicht, und es ſoll daher der Verſuch gemacht
werden, dieſe Durchfuͤhrung in der vorliegenden Abhandlung
vorzunehmen.

Die wiſſenſchaftliche Bedeutung der damit bezeichneten Auf-
gabe, die wir uns geſtellt haben, naͤher zu begruͤnden, wird nicht
nothwendig ſein. Iſt es von Wichtigkeit, die Einkommens-
arten nach ihren verſchiedenen Quellen zu unterſcheiden und da-
durch eine Einſicht in die Bedingungen ihrer abſoluten und re-
lativen Hoͤhe zu gewinnen, ſo wird ſich auch die iſolirte Be-
trachtung des Unternehmergewinns und deſſen ideelle Losloͤſung
von Lohn, Zins oder Rente rechtfertigen. Dieß hindert indeſſen
nicht, anzuerkennen, daß die Bedenklichkeiten, welche ſich einer
getrennten Behandlungsweiſe der einzelnen Einkommensarten ent-
gegenſtellen, beim Unternehmergewinn beſonders ſtark hervortre-
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[4/0016] abzulegen hatte. So kam man ſchon fruͤhe dazu, von einem beſondern Antheile des Unternehmers zu reden. Dabei knuͤpfte man zunaͤchſt an die Erſcheinungen der Wirk- lichkeit an, und dieß brachte es mit ſich, daß man den Unter- nehmer ſich nicht als eine neben den Inhabern der einzelnen Productionselemente ſtehende, abgeſonderte Perſoͤnlichkeit dachte, ſondern daß man einem von dieſen die Unternehmung zuwies und in Folge davon den Unternehmerantheil mehr oder minder mit demjenigen Antheile vermengte, den er aus ſeiner ſpeciellen Mitwirkung bei der Production bezog. Die genauere Darſtel- lung dieſer Entwickelung der Theorie wird das nachfolgende erſte Capitel liefern. Nur nach und nach befreite man ſich von die- ſem Irrthume, und es ſind namentlich deutſche Gelehrte, welchen hieran das groͤßte Verdienſt zufaͤllt. Vollſtaͤndig durchgefuͤhrt wurde indeſſen die Betrachtung des Unternehmerantheils, Unter- nehmergewinns in ſeiner Abgeſondertheit von Lohn, Zins und Rente bisher noch nicht, und es ſoll daher der Verſuch gemacht werden, dieſe Durchfuͤhrung in der vorliegenden Abhandlung vorzunehmen. Die wiſſenſchaftliche Bedeutung der damit bezeichneten Auf- gabe, die wir uns geſtellt haben, naͤher zu begruͤnden, wird nicht nothwendig ſein. Iſt es von Wichtigkeit, die Einkommens- arten nach ihren verſchiedenen Quellen zu unterſcheiden und da- durch eine Einſicht in die Bedingungen ihrer abſoluten und re- lativen Hoͤhe zu gewinnen, ſo wird ſich auch die iſolirte Be- trachtung des Unternehmergewinns und deſſen ideelle Losloͤſung von Lohn, Zins oder Rente rechtfertigen. Dieß hindert indeſſen nicht, anzuerkennen, daß die Bedenklichkeiten, welche ſich einer getrennten Behandlungsweiſe der einzelnen Einkommensarten ent- gegenſtellen, beim Unternehmergewinn beſonders ſtark hervortre- ten. Die Wirklichkeit zeigt die einzelnen Einkommenszweige, man

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Zitationshilfe: Mangoldt, Hans von: Die Lehre vom Unternehmergewinn. Leipzig, 1855, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/mangoldt_unternehmergewinn_1855/16>, abgerufen am 19.07.2019.