Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Luz, Johann Friedrich: Unterricht vom Blitz und den Blitz- oder Wetter-Ableitern. Frankfurt und Leipzig, 1784.

Bild:
<< vorherige Seite

ne nannte, gerieben wurde. Das Feuer nun welches
an der geriebenen Glaskugel entstund, lief an die ble-
cherne Röhre. Weil aber diese auf gläsernen Füsen
stund, so konnte das Feuer nicht weiter gehen, und
muste an dem Metall bleiben. Berührte man diese
metallerne Röhre, so sprang ein kleiner Feuerfunke her-
aus, der in den Körper einige Empfindungen verursa-
chet ohne jedoch Heiß zu seyn, oder zu brennen.

Mit diesen Maschienen trieb man Anfangs gleich-
sam nur ein gelehrtes Spielwerk. Denn man wuste da-
mahls noch nicht dieses Feuer zu benuzen; und man
konnte nichts thun als nur diese Würkung der Natur
zu bewundern.

Van Müschenbröck ein Professor zu Leiden in Hol-
land machte darauf an diesem electrischen Feuer eine
andere Entdeckung. Er füllte eine gläserne Flasche halb
mit Wasser an, stellte sie in ein metallenes Gefäß mit
Wasser, damit das Wasser ausser der Flasche so hoch
stund, als das Wasser in der Flasche; und ließ von
der blechernen Röhre der Electrisirmaschiene einen Drath
gehen, um zu sehen ob auch das Wasser, daß electri-
sche Feuer annehmen würde. Als er darauf den Drath
der in das Wasser gieng mit der einen Hand berührte,
und mit der andern Hand das mit Wasser angefüllte
metallene Gefäß hielt, in welchem die Glasflasche stund;
so bekam er eine sehr heftige Erschütterung, die jener
ähnlich ist, welche ein Mensch der vom Donner gerührt
wird empfinden kan.

Winkler ein sehr geschickter Professor der Natur-
lehre zu Leipzig, kam durch diesen Versuch zu erst auf
den Gedanken; das electrische Feuer seye das nehm-
liche welches sich beym Blitz befindet.

Der
A 3

ne nannte, gerieben wurde. Das Feuer nun welches
an der geriebenen Glaskugel entſtund, lief an die ble-
cherne Roͤhre. Weil aber dieſe auf glaͤſernen Fuͤſen
ſtund, ſo konnte das Feuer nicht weiter gehen, und
muſte an dem Metall bleiben. Beruͤhrte man dieſe
metallerne Roͤhre, ſo ſprang ein kleiner Feuerfunke her-
aus, der in den Koͤrper einige Empfindungen verurſa-
chet ohne jedoch Heiß zu ſeyn, oder zu brennen.

Mit dieſen Maſchienen trieb man Anfangs gleich-
ſam nur ein gelehrtes Spielwerk. Denn man wuſte da-
mahls noch nicht dieſes Feuer zu benuzen; und man
konnte nichts thun als nur dieſe Wuͤrkung der Natur
zu bewundern.

Van Muͤſchenbroͤck ein Profeſſor zu Leiden in Hol-
land machte darauf an dieſem electriſchen Feuer eine
andere Entdeckung. Er fuͤllte eine glaͤſerne Flaſche halb
mit Waſſer an, ſtellte ſie in ein metallenes Gefaͤß mit
Waſſer, damit das Waſſer auſſer der Flaſche ſo hoch
ſtund, als das Waſſer in der Flaſche; und ließ von
der blechernen Roͤhre der Electriſirmaſchiene einen Drath
gehen, um zu ſehen ob auch das Waſſer, daß electri-
ſche Feuer annehmen wuͤrde. Als er darauf den Drath
der in das Waſſer gieng mit der einen Hand beruͤhrte,
und mit der andern Hand das mit Waſſer angefuͤllte
metallene Gefaͤß hielt, in welchem die Glasflaſche ſtund;
ſo bekam er eine ſehr heftige Erſchuͤtterung, die jener
aͤhnlich iſt, welche ein Menſch der vom Donner geruͤhrt
wird empfinden kan.

Winkler ein ſehr geſchickter Profeſſor der Natur-
lehre zu Leipzig, kam durch dieſen Verſuch zu erſt auf
den Gedanken; das electriſche Feuer ſeye das nehm-
liche welches ſich beym Blitz befindet.

Der
A 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0021" n="5"/>
ne nannte, gerieben wurde. Das Feuer nun welches<lb/>
an der geriebenen Glaskugel ent&#x017F;tund, lief an die ble-<lb/>
cherne Ro&#x0364;hre. Weil aber die&#x017F;e auf gla&#x0364;&#x017F;ernen Fu&#x0364;&#x017F;en<lb/>
&#x017F;tund, &#x017F;o konnte das Feuer nicht weiter gehen, und<lb/>
mu&#x017F;te an dem Metall bleiben. Beru&#x0364;hrte man die&#x017F;e<lb/>
metallerne Ro&#x0364;hre, &#x017F;o &#x017F;prang ein kleiner Feuerfunke her-<lb/>
aus, der in den Ko&#x0364;rper einige Empfindungen verur&#x017F;a-<lb/>
chet ohne jedoch Heiß zu &#x017F;eyn, oder zu brennen.</p><lb/>
        <p>Mit die&#x017F;en Ma&#x017F;chienen trieb man Anfangs gleich-<lb/>
&#x017F;am nur ein gelehrtes Spielwerk. Denn man wu&#x017F;te da-<lb/>
mahls noch nicht die&#x017F;es Feuer zu benuzen; und man<lb/>
konnte nichts thun als nur die&#x017F;e Wu&#x0364;rkung der Natur<lb/>
zu bewundern.</p><lb/>
        <p>Van Mu&#x0364;&#x017F;chenbro&#x0364;ck ein Profe&#x017F;&#x017F;or zu Leiden in Hol-<lb/>
land machte darauf an die&#x017F;em electri&#x017F;chen Feuer eine<lb/>
andere Entdeckung. Er fu&#x0364;llte eine gla&#x0364;&#x017F;erne Fla&#x017F;che halb<lb/>
mit Wa&#x017F;&#x017F;er an, &#x017F;tellte &#x017F;ie in ein metallenes Gefa&#x0364;ß mit<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er, damit das Wa&#x017F;&#x017F;er au&#x017F;&#x017F;er der Fla&#x017F;che &#x017F;o hoch<lb/>
&#x017F;tund, als das Wa&#x017F;&#x017F;er in der Fla&#x017F;che; und ließ von<lb/>
der blechernen Ro&#x0364;hre der Electri&#x017F;irma&#x017F;chiene einen Drath<lb/>
gehen, um zu &#x017F;ehen ob auch das Wa&#x017F;&#x017F;er, daß electri-<lb/>
&#x017F;che Feuer annehmen wu&#x0364;rde. Als er darauf den Drath<lb/>
der in das Wa&#x017F;&#x017F;er gieng mit der einen Hand beru&#x0364;hrte,<lb/>
und mit der andern Hand das mit Wa&#x017F;&#x017F;er angefu&#x0364;llte<lb/>
metallene Gefa&#x0364;ß hielt, in welchem die Glasfla&#x017F;che &#x017F;tund;<lb/>
&#x017F;o bekam er eine &#x017F;ehr heftige Er&#x017F;chu&#x0364;tterung, die jener<lb/>
a&#x0364;hnlich i&#x017F;t, welche ein Men&#x017F;ch der vom Donner geru&#x0364;hrt<lb/>
wird empfinden kan.</p><lb/>
        <p><hi rendition="#fr">Winkler</hi> ein &#x017F;ehr ge&#x017F;chickter Profe&#x017F;&#x017F;or der Natur-<lb/>
lehre zu Leipzig, kam durch die&#x017F;en Ver&#x017F;uch zu er&#x017F;t auf<lb/>
den Gedanken; das <hi rendition="#fr">electri&#x017F;che Feuer &#x017F;eye das nehm-<lb/>
liche welches &#x017F;ich beym Blitz befindet.</hi></p><lb/>
        <fw place="bottom" type="sig">A 3</fw>
        <fw place="bottom" type="catch">Der</fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[5/0021] ne nannte, gerieben wurde. Das Feuer nun welches an der geriebenen Glaskugel entſtund, lief an die ble- cherne Roͤhre. Weil aber dieſe auf glaͤſernen Fuͤſen ſtund, ſo konnte das Feuer nicht weiter gehen, und muſte an dem Metall bleiben. Beruͤhrte man dieſe metallerne Roͤhre, ſo ſprang ein kleiner Feuerfunke her- aus, der in den Koͤrper einige Empfindungen verurſa- chet ohne jedoch Heiß zu ſeyn, oder zu brennen. Mit dieſen Maſchienen trieb man Anfangs gleich- ſam nur ein gelehrtes Spielwerk. Denn man wuſte da- mahls noch nicht dieſes Feuer zu benuzen; und man konnte nichts thun als nur dieſe Wuͤrkung der Natur zu bewundern. Van Muͤſchenbroͤck ein Profeſſor zu Leiden in Hol- land machte darauf an dieſem electriſchen Feuer eine andere Entdeckung. Er fuͤllte eine glaͤſerne Flaſche halb mit Waſſer an, ſtellte ſie in ein metallenes Gefaͤß mit Waſſer, damit das Waſſer auſſer der Flaſche ſo hoch ſtund, als das Waſſer in der Flaſche; und ließ von der blechernen Roͤhre der Electriſirmaſchiene einen Drath gehen, um zu ſehen ob auch das Waſſer, daß electri- ſche Feuer annehmen wuͤrde. Als er darauf den Drath der in das Waſſer gieng mit der einen Hand beruͤhrte, und mit der andern Hand das mit Waſſer angefuͤllte metallene Gefaͤß hielt, in welchem die Glasflaſche ſtund; ſo bekam er eine ſehr heftige Erſchuͤtterung, die jener aͤhnlich iſt, welche ein Menſch der vom Donner geruͤhrt wird empfinden kan. Winkler ein ſehr geſchickter Profeſſor der Natur- lehre zu Leipzig, kam durch dieſen Verſuch zu erſt auf den Gedanken; das electriſche Feuer ſeye das nehm- liche welches ſich beym Blitz befindet. Der A 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/luz_blitz_1784
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/luz_blitz_1784/21
Zitationshilfe: Luz, Johann Friedrich: Unterricht vom Blitz und den Blitz- oder Wetter-Ableitern. Frankfurt und Leipzig, 1784, S. 5. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/luz_blitz_1784/21>, abgerufen am 18.09.2019.