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Luz, Johann Friedrich: Unterricht vom Blitz und den Blitz- oder Wetter-Ableitern. Frankfurt und Leipzig, 1784.

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gegen einen andern Körper hinhielt, er leichte Körper
an sich zog, knisterte und in der Dunkelheit, kleine
Fünkchen sehen ließ. Weil der Bernstein, electrum
heist, so nannte man dieses Feuer, electrisches Feuer.
Man bemerkte hernach auch, daß Glas, Pech, Schwe-
fel, Siegellac*) u. d. g. das nehmliche Feuer von
sich geben, wenn man sie entweder mit der Hand, oder
mit einem ledernen Küssen reibt.

Daher machte man Maschienen in welche man Ku-
geln von Glas, oder Schwefel**) einsezte, und durch
ein Rad herum trieb; an die Kugel aber ein Küssen
anhielt. Um aber das Feuer, welches man durch das
Reiben dieser Glas und Schwefelkugeln erhielt, zu
sammeln, machte man folgende Einrichtung. Man
bemerkte daß dieses Feuer von einer geriebenen Glas-
kugel, gerne auf alle Arten von Metallen loß gehet
und daran fort lauft. Daß aber das Glas, Pech,
Sigellac, alle Arten von Harzen, und die Seide,
dieses Feuer nicht weiter laufen lassen.***) Daher stell-
te man eine blecherne Röhre entweder auf einen Fuß
von Glas oder Pech; oder hieng sie an seidenen Schnü-
ren auf, und richtete sie gegen eine Glaskugel, die in
der erst bemelden Maschiene, die man Electrisirmaschie-

ne
*) Gilbert ein Engelländer im 16. Jahrhundert, zeigte dieses
zu erst in seinem Tractat vom Magnat.
**) Otto von Guerike ein Burgermeister in Magdeburg im
vorigen Jahrhundert, erfand die Kugeln von Schwefel
zu electrischen Gebrauch.
***) Man nennet daher die Metalle, das Wasser den thieri-
schen und menschlichen Körper u. d. g. leitende Körper
des electrischen Feuers. Hingegen Glas, Pech, alle
Harzen, Schwefel, Sigellac, Seide, gedörrt Holz u. d. g.
nicht leitende Körper des electrischen Feuers.

gegen einen andern Koͤrper hinhielt, er leichte Koͤrper
an ſich zog, kniſterte und in der Dunkelheit, kleine
Fuͤnkchen ſehen ließ. Weil der Bernſtein, electrum
heiſt, ſo nannte man dieſes Feuer, electriſches Feuer.
Man bemerkte hernach auch, daß Glas, Pech, Schwe-
fel, Siegellac*) u. d. g. das nehmliche Feuer von
ſich geben, wenn man ſie entweder mit der Hand, oder
mit einem ledernen Kuͤſſen reibt.

Daher machte man Maſchienen in welche man Ku-
geln von Glas, oder Schwefel**) einſezte, und durch
ein Rad herum trieb; an die Kugel aber ein Kuͤſſen
anhielt. Um aber das Feuer, welches man durch das
Reiben dieſer Glas und Schwefelkugeln erhielt, zu
ſammeln, machte man folgende Einrichtung. Man
bemerkte daß dieſes Feuer von einer geriebenen Glas-
kugel, gerne auf alle Arten von Metallen loß gehet
und daran fort lauft. Daß aber das Glas, Pech,
Sigellac, alle Arten von Harzen, und die Seide,
dieſes Feuer nicht weiter laufen laſſen.***) Daher ſtell-
te man eine blecherne Roͤhre entweder auf einen Fuß
von Glas oder Pech; oder hieng ſie an ſeidenen Schnuͤ-
ren auf, und richtete ſie gegen eine Glaskugel, die in
der erſt bemelden Maſchiene, die man Electriſirmaſchie-

ne
*) Gilbert ein Engellaͤnder im 16. Jahrhundert, zeigte dieſes
zu erſt in ſeinem Tractat vom Magnat.
**) Otto von Guerike ein Burgermeiſter in Magdeburg im
vorigen Jahrhundert, erfand die Kugeln von Schwefel
zu electriſchen Gebrauch.
***) Man nennet daher die Metalle, das Waſſer den thieri-
ſchen und menſchlichen Koͤrper u. d. g. leitende Koͤrper
des electriſchen Feuers. Hingegen Glas, Pech, alle
Harzen, Schwefel, Sigellac, Seide, gedoͤrrt Holz u. d. g.
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Zitationshilfe: Luz, Johann Friedrich: Unterricht vom Blitz und den Blitz- oder Wetter-Ableitern. Frankfurt und Leipzig, 1784, S. 4. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/luz_blitz_1784/20>, abgerufen am 17.09.2019.