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Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 1. Heidelberg, 1852.

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Oleophosphorsäure- Glycerin.
sie in der Luft nicht verdunsten, so eignen sie sich vorzugsweise zur
Lösung dieser Aufgabe.

Unzweifelhaft sind mit diesen die Angaben über ihre Funktionen nicht erschöpft.
Denn wenn es auch zweifelhaft ist, ob sie durch ihr geringes spezifisches Gewicht
als Ausfüllungsmassen der Knochen u. s. w. bedeutend sind, so weist doch ihre Be-
theiligung an der Gallenabsonderung, an dem Nervenmark u s. w. unzweifelhaft
noch auf wichtige uns unbekannte Verrichtungen hin. --

Die Fette werden vom Menschen grösstentheils als solche aufge-
nommen; zum Theil dürften sie auch aus andern Nahrungsmitteln ge-
bildet werden. Ob aus Amylon der Nahrung oder wachsartigen Be-
standtheilen derselben ist noch ungewiss.

20. Oleophosphorsäure; (Fremy). In Verbindung mit Kalien
ein Bestandtheil des Hirns; sie zerfällt in Olein und Phosphorsäure,
lässt sich aber nicht künstlich durch Zusammenbringen beider darstellen.

21. Cholestearin; Bestandtheile des Bluts, Galle, Eiters, Hirn-
fettes.

Die Zusammensetzung des wasserfreien wird nach den Resultaten
der Elementaranalyse am einfachsten ausgedrückt durch C28 H24 O
die des aus Alkohol crystallisirten nach Heintz*) durch C28 H24
O + H O.

Seine Zersetzungen geben über die Atomlagerung keinen Aufschluss. --

Seine physiologische Bedeutung und Entstehung sind unbekannt.
-- Jedenfalls muss es im thierischen Körper entstehen, da es niemals
als Bestandtheil der Pflanzen auftritt.

22. Lecithin (Gobley) eine phosphorhaltige fettartige Sub-
stanz, in den Fetten des Bluts und der Eier enthalten. In Säuren, Alka-
lien, Wasser und Alkohol zerfällt es ohne Beihilfe der Luft in Oleinsäure,
Margarinsäure, Phosphoglycerinsäure.

23. Cerebrin (Gobley); in den Blutfetten. Ein neutraler stickstoff- und phos-
phorhaltiger fettähnlicher Körper, der im warmen Wasser aufquillt.

24. Glycerin, Oelsüss. C6 H7 O5; H O. Wir vermuthen, dass
der freie Glycerin als Umsetzungsprodukt der fetten Säuren (bei der
Verseifung und Gährung derselben) im Thierkörper vorkomme; aus-
serdem erscheint es nach Gobley in den Hirnfetten in der Glycerin-
phosphorsäure = Gl, Pho5; 2 H O.

Seine Zersetzungen sind mannigfaltig, durch Gährung geht dasselbe in Propion-
säure [(C4 H4) C2 HO3; HO], durch Oxydation mit Chlor in Ameisensäure, durch NO5 in
Oxalsäure, Kohlensäure und Wasser, durch trockne Destillation in Acrolein über.
-- Von diesen Umsetzungen dürfte nur die erste für den Physiologen von Bedeu-
tung sein. --

Gelangt mit den Fetten (als Lipyloxyd?) in den Organismus; die
Glycerinphosphorsäure auch als solche beim Genuss von Eidotter.

25. Zuckerarten. Man beobachtet im thierischen Organismus
den Milch-, Trauben- und Muskelzucker.

*) Poggendorf Annalen LXXIX. 524.

Oleophosphorsäure- Glycerin.
sie in der Luft nicht verdunsten, so eignen sie sich vorzugsweise zur
Lösung dieser Aufgabe.

Unzweifelhaft sind mit diesen die Angaben über ihre Funktionen nicht erschöpft.
Denn wenn es auch zweifelhaft ist, ob sie durch ihr geringes spezifisches Gewicht
als Ausfüllungsmassen der Knochen u. s. w. bedeutend sind, so weist doch ihre Be-
theiligung an der Gallenabsonderung, an dem Nervenmark u s. w. unzweifelhaft
noch auf wichtige uns unbekannte Verrichtungen hin. —

Die Fette werden vom Menschen grösstentheils als solche aufge-
nommen; zum Theil dürften sie auch aus andern Nahrungsmitteln ge-
bildet werden. Ob aus Amylon der Nahrung oder wachsartigen Be-
standtheilen derselben ist noch ungewiss.

20. Oleophosphorsäure; (Fremy). In Verbindung mit Kalien
ein Bestandtheil des Hirns; sie zerfällt in Olein und Phosphorsäure,
lässt sich aber nicht künstlich durch Zusammenbringen beider darstellen.

21. Cholestearin; Bestandtheile des Bluts, Galle, Eiters, Hirn-
fettes.

Die Zusammensetzung des wasserfreien wird nach den Resultaten
der Elementaranalyse am einfachsten ausgedrückt durch C28 H24 O
die des aus Alkohol crystallisirten nach Heintz*) durch C28 H24
O + H O.

Seine Zersetzungen geben über die Atomlagerung keinen Aufschluss. —

Seine physiologische Bedeutung und Entstehung sind unbekannt.
— Jedenfalls muss es im thierischen Körper entstehen, da es niemals
als Bestandtheil der Pflanzen auftritt.

22. Lecithin (Gobley) eine phosphorhaltige fettartige Sub-
stanz, in den Fetten des Bluts und der Eier enthalten. In Säuren, Alka-
lien, Wasser und Alkohol zerfällt es ohne Beihilfe der Luft in Oleinsäure,
Margarinsäure, Phosphoglycerinsäure.

23. Cerebrin (Gobley); in den Blutfetten. Ein neutraler stickstoff- und phos-
phorhaltiger fettähnlicher Körper, der im warmen Wasser aufquillt.

24. Glycerin, Oelsüss. C6 H7 O5; H O. Wir vermuthen, dass
der freie Glycerin als Umsetzungsprodukt der fetten Säuren (bei der
Verseifung und Gährung derselben) im Thierkörper vorkomme; aus-
serdem erscheint es nach Gobley in den Hirnfetten in der Glycerin-
phosphorsäure = Gl, Pho5; 2 H O.

Seine Zersetzungen sind mannigfaltig, durch Gährung geht dasselbe in Propion-
säure [(C4 H4) C2 HO3; HO], durch Oxydation mit Chlor in Ameisensäure, durch NO5 in
Oxalsäure, Kohlensäure und Wasser, durch trockne Destillation in Acrolein über.
— Von diesen Umsetzungen dürfte nur die erste für den Physiologen von Bedeu-
tung sein. —

Gelangt mit den Fetten (als Lipyloxyd?) in den Organismus; die
Glycerinphosphorsäure auch als solche beim Genuss von Eidotter.

25. Zuckerarten. Man beobachtet im thierischen Organismus
den Milch-, Trauben- und Muskelzucker.

*) Poggendorf Annalen LXXIX. 524.
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[29/0043] Oleophosphorsäure- Glycerin. sie in der Luft nicht verdunsten, so eignen sie sich vorzugsweise zur Lösung dieser Aufgabe. Unzweifelhaft sind mit diesen die Angaben über ihre Funktionen nicht erschöpft. Denn wenn es auch zweifelhaft ist, ob sie durch ihr geringes spezifisches Gewicht als Ausfüllungsmassen der Knochen u. s. w. bedeutend sind, so weist doch ihre Be- theiligung an der Gallenabsonderung, an dem Nervenmark u s. w. unzweifelhaft noch auf wichtige uns unbekannte Verrichtungen hin. — Die Fette werden vom Menschen grösstentheils als solche aufge- nommen; zum Theil dürften sie auch aus andern Nahrungsmitteln ge- bildet werden. Ob aus Amylon der Nahrung oder wachsartigen Be- standtheilen derselben ist noch ungewiss. 20. Oleophosphorsäure; (Fremy). In Verbindung mit Kalien ein Bestandtheil des Hirns; sie zerfällt in Olein und Phosphorsäure, lässt sich aber nicht künstlich durch Zusammenbringen beider darstellen. 21. Cholestearin; Bestandtheile des Bluts, Galle, Eiters, Hirn- fettes. Die Zusammensetzung des wasserfreien wird nach den Resultaten der Elementaranalyse am einfachsten ausgedrückt durch C28 H24 O die des aus Alkohol crystallisirten nach Heintz *) durch C28 H24 O + H O. Seine Zersetzungen geben über die Atomlagerung keinen Aufschluss. — Seine physiologische Bedeutung und Entstehung sind unbekannt. — Jedenfalls muss es im thierischen Körper entstehen, da es niemals als Bestandtheil der Pflanzen auftritt. 22. Lecithin (Gobley) eine phosphorhaltige fettartige Sub- stanz, in den Fetten des Bluts und der Eier enthalten. In Säuren, Alka- lien, Wasser und Alkohol zerfällt es ohne Beihilfe der Luft in Oleinsäure, Margarinsäure, Phosphoglycerinsäure. 23. Cerebrin (Gobley); in den Blutfetten. Ein neutraler stickstoff- und phos- phorhaltiger fettähnlicher Körper, der im warmen Wasser aufquillt. 24. Glycerin, Oelsüss. C6 H7 O5; H O. Wir vermuthen, dass der freie Glycerin als Umsetzungsprodukt der fetten Säuren (bei der Verseifung und Gährung derselben) im Thierkörper vorkomme; aus- serdem erscheint es nach Gobley in den Hirnfetten in der Glycerin- phosphorsäure = Gl, Pho5; 2 H O. Seine Zersetzungen sind mannigfaltig, durch Gährung geht dasselbe in Propion- säure [(C4 H4) C2 HO3; HO], durch Oxydation mit Chlor in Ameisensäure, durch NO5 in Oxalsäure, Kohlensäure und Wasser, durch trockne Destillation in Acrolein über. — Von diesen Umsetzungen dürfte nur die erste für den Physiologen von Bedeu- tung sein. — Gelangt mit den Fetten (als Lipyloxyd?) in den Organismus; die Glycerinphosphorsäure auch als solche beim Genuss von Eidotter. 25. Zuckerarten. Man beobachtet im thierischen Organismus den Milch-, Trauben- und Muskelzucker. *) Poggendorf Annalen LXXIX. 524.

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Zitationshilfe: Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 1. Heidelberg, 1852, S. 29. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie01_1852/43>, abgerufen am 17.09.2019.