Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 1. Heidelberg, 1852.

Bild:
<< vorherige Seite

am Auge auf die erläuterten Grundsätze.
[Abbildung] Fig. 45.
der hintern Hauptbrennebene. Eine Linie 3 5, welche den Durchschnittspunkt von 2 3
mit der hintern Haupt- und von 4 5 mit der hintern Hauptbrennebene verbindet, stellt
die Richtung des Strahles hinter dem Linsensysteme dar. -- Diese Construktionsme-
thode gewährt um so grösseren Vortheil, als es mittelst derselben gelingt, auch
den Vereinigungspunkt nicht paralleler Strahlen (der jenseits der hintern Haupt-
brennebene gelegen ist) aufzufinden, wenn man nämlich mehrere Strahlen desselben
Leuchtpunktes construirt und sie hinter dem Linsensysteme so weit verlängert,
bis sie sich schneiden. Die in unserer Fig. angegebenen Hilfsmittel und insbesondere
die Knotenpunkte geben ausserdem noch die Möglichkeit an die Hand, den sog.
Richtungsstrahl eines Leuchtpunktes zu finden; es ist dieses nämlich diejenige Linie
1 6, welche sich vom Leuchtpunkt 1 gegen den vordern Knotenpunkt 6 er-
streckt, die dieser parallel 7 8 vom hintern Knotenpunkt auslaufende, bezeichnet
den Richtungsstrahl d. h. den Strahl, welcher unter allen vom Punkt 1 ausgehenden
und durch das Linsensystem dringenden die geringste Brechung erleidet.

2. Formen, Dicken und Brechungsverhältnisse der durchsichtigen
Augentheile *). -- Das Gesetz, nach welchem die Fläche der Cornea
gekrümmt ist, steht noch nicht fest. Die Begrenzungslinien eines hori-
zontalen Schnittes durch die höchste Hervorragung der Cornea schlies-
sen sich nach den genauen Messungen von Krause am besten einer
Parabel an, während sie Senff für elliptisch erklärt. Die Begrenzungs-
linie eines senkrechten Schnittes durch die höchste Hervorragung der
Cornea ist nach Senff ebenfalls nach einer Ellipse gekrümmt; nach
diesem letzten Autor sind zudem die Dimensionen dieser beiden Ellip-
sen verschieden in der Art, dass dem Scheitel der senkrechten ein
etwas kleinerer Krümmungskreis zukommt als dem Scheitel der hori-
zontalen.-- Horizontale Schnitte durch die grössten Hervorragungen der
Linse liefern nach Krause elliptische Begrenzungslinien; der Krüm-
mungskreis des Scheitels derjenigen Ellipse, welche der vorderen
Fläche angehört, ist um einen grössern Halbmesser beschrieben als
derjenige, welcher dem Scheitel der hintern Grenzellipse zukommt. --
Aus Brechungserscheinungen, welche das Auge bietet, hat Sturm
schon geschlossen, dass die brechenden Flächen des Auges nach der

*) Krause, Poggendorf. Annal. 39. Bd. (1836) p. 529. -- Senff in Volkmanns, Artikel Sehen,
Wagners Handwörterbuch III. Bd. I. Abthl. 271. -- Ad. Fick, Erörterung eines physiolog.
optischen Phänomens. Henle u. Pfeuffer. Neue Folge II. Bd. 83. -- E. Brücke, Anatomische
Beschreibung des menschlichen Augapfels. Berlin 1847. -- Sturm sur la theorie de la vision
Poggendorf. Annalen 65. Bd. 116.

am Auge auf die erläuterten Grundsätze.
[Abbildung] Fig. 45.
der hintern Hauptbrennebene. Eine Linie 3 5, welche den Durchschnittspunkt von 2 3
mit der hintern Haupt- und von 4 5 mit der hintern Hauptbrennebene verbindet, stellt
die Richtung des Strahles hinter dem Linsensysteme dar. — Diese Construktionsme-
thode gewährt um so grösseren Vortheil, als es mittelst derselben gelingt, auch
den Vereinigungspunkt nicht paralleler Strahlen (der jenseits der hintern Haupt-
brennebene gelegen ist) aufzufinden, wenn man nämlich mehrere Strahlen desselben
Leuchtpunktes construirt und sie hinter dem Linsensysteme so weit verlängert,
bis sie sich schneiden. Die in unserer Fig. angegebenen Hilfsmittel und insbesondere
die Knotenpunkte geben ausserdem noch die Möglichkeit an die Hand, den sog.
Richtungsstrahl eines Leuchtpunktes zu finden; es ist dieses nämlich diejenige Linie
1 6, welche sich vom Leuchtpunkt 1 gegen den vordern Knotenpunkt 6 er-
streckt, die dieser parallel 7 8 vom hintern Knotenpunkt auslaufende, bezeichnet
den Richtungsstrahl d. h. den Strahl, welcher unter allen vom Punkt 1 ausgehenden
und durch das Linsensystem dringenden die geringste Brechung erleidet.

2. Formen, Dicken und Brechungsverhältnisse der durchsichtigen
Augentheile *). — Das Gesetz, nach welchem die Fläche der Cornea
gekrümmt ist, steht noch nicht fest. Die Begrenzungslinien eines hori-
zontalen Schnittes durch die höchste Hervorragung der Cornea schlies-
sen sich nach den genauen Messungen von Krause am besten einer
Parabel an, während sie Senff für elliptisch erklärt. Die Begrenzungs-
linie eines senkrechten Schnittes durch die höchste Hervorragung der
Cornea ist nach Senff ebenfalls nach einer Ellipse gekrümmt; nach
diesem letzten Autor sind zudem die Dimensionen dieser beiden Ellip-
sen verschieden in der Art, dass dem Scheitel der senkrechten ein
etwas kleinerer Krümmungskreis zukommt als dem Scheitel der hori-
zontalen.— Horizontale Schnitte durch die grössten Hervorragungen der
Linse liefern nach Krause elliptische Begrenzungslinien; der Krüm-
mungskreis des Scheitels derjenigen Ellipse, welche der vorderen
Fläche angehört, ist um einen grössern Halbmesser beschrieben als
derjenige, welcher dem Scheitel der hintern Grenzellipse zukommt. —
Aus Brechungserscheinungen, welche das Auge bietet, hat Sturm
schon geschlossen, dass die brechenden Flächen des Auges nach der

*) Krause, Poggendorf. Annal. 39. Bd. (1836) p. 529. — Senff in Volkmanns, Artikel Sehen,
Wagners Handwörterbuch III. Bd. I. Abthl. 271. — Ad. Fick, Erörterung eines physiolog.
optischen Phänomens. Henle u. Pfeuffer. Neue Folge II. Bd. 83. — E. Brücke, Anatomische
Beschreibung des menschlichen Augapfels. Berlin 1847. — Sturm sur la theorie de la vision
Poggendorf. Annalen 65. Bd. 116.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0217" n="203"/><fw place="top" type="header">am Auge auf die erläuterten Grundsätze.</fw><lb/><figure><head>Fig. 45.</head></figure><lb/>
der hintern Hauptbrennebene. Eine Linie 3 5, welche den Durchschnittspunkt von 2 3<lb/>
mit der hintern Haupt- und von 4 5 mit der hintern Hauptbrennebene verbindet, stellt<lb/>
die Richtung des Strahles hinter dem Linsensysteme dar. &#x2014; Diese Construktionsme-<lb/>
thode gewährt um so grösseren Vortheil, als es mittelst derselben gelingt, auch<lb/>
den Vereinigungspunkt nicht paralleler Strahlen (der jenseits der hintern Haupt-<lb/>
brennebene gelegen ist) aufzufinden, wenn man nämlich mehrere Strahlen desselben<lb/>
Leuchtpunktes construirt und sie hinter dem Linsensysteme so weit verlängert,<lb/>
bis sie sich schneiden. Die in unserer Fig. angegebenen Hilfsmittel und insbesondere<lb/>
die Knotenpunkte geben ausserdem noch die Möglichkeit an die Hand, den sog.<lb/>
Richtungsstrahl eines Leuchtpunktes zu finden; es ist dieses nämlich diejenige Linie<lb/>
1 6, welche sich vom Leuchtpunkt 1 gegen den vordern Knotenpunkt 6 er-<lb/>
streckt, die dieser parallel 7 8 vom hintern Knotenpunkt auslaufende, bezeichnet<lb/>
den Richtungsstrahl d. h. den Strahl, welcher unter allen vom Punkt 1 ausgehenden<lb/>
und durch das Linsensystem dringenden die geringste Brechung erleidet.</p><lb/>
            <p>2. Formen, Dicken und Brechungsverhältnisse der durchsichtigen<lb/>
Augentheile <note place="foot" n="*)"><hi rendition="#g">Krause</hi>, Poggendorf. Annal. 39. Bd. (1836) p. 529. &#x2014; <hi rendition="#g">Senff</hi> in <hi rendition="#g">Volkmanns</hi>, Artikel Sehen,<lb/><hi rendition="#g">Wagners</hi> Handwörterbuch III. Bd. I. Abthl. 271. &#x2014; <hi rendition="#g">Ad. Fick</hi>, Erörterung eines physiolog.<lb/>
optischen Phänomens. <hi rendition="#g">Henle u. Pfeuffer</hi>. Neue Folge II. Bd. 83. &#x2014; E. <hi rendition="#g">Brücke</hi>, Anatomische<lb/>
Beschreibung des menschlichen Augapfels. Berlin 1847. &#x2014; <hi rendition="#g">Sturm</hi> sur la theorie de la vision<lb/><hi rendition="#g">Poggendorf</hi>. Annalen 65. Bd. 116.</note>. &#x2014; Das Gesetz, nach welchem die <hi rendition="#g">Fläche</hi> der <hi rendition="#g">Cornea</hi><lb/>
gekrümmt ist, steht noch nicht fest. Die Begrenzungslinien eines hori-<lb/>
zontalen Schnittes durch die höchste Hervorragung der Cornea schlies-<lb/>
sen sich nach den genauen Messungen von <hi rendition="#g">Krause</hi> am besten einer<lb/>
Parabel an, während sie <hi rendition="#g">Senff</hi> für elliptisch erklärt. Die Begrenzungs-<lb/>
linie eines senkrechten Schnittes durch die höchste Hervorragung der<lb/>
Cornea ist nach <hi rendition="#g">Senff</hi> ebenfalls nach einer Ellipse gekrümmt; nach<lb/>
diesem letzten Autor sind zudem die Dimensionen dieser beiden Ellip-<lb/>
sen verschieden in der Art, dass dem Scheitel der senkrechten ein<lb/>
etwas kleinerer Krümmungskreis zukommt als dem Scheitel der hori-<lb/>
zontalen.&#x2014; Horizontale Schnitte durch die grössten Hervorragungen der<lb/><hi rendition="#g">Linse</hi> liefern nach <hi rendition="#g">Krause</hi> elliptische Begrenzungslinien; der Krüm-<lb/>
mungskreis des Scheitels derjenigen Ellipse, welche der vorderen<lb/>
Fläche angehört, ist um einen grössern Halbmesser beschrieben als<lb/>
derjenige, welcher dem Scheitel der hintern Grenzellipse zukommt. &#x2014;<lb/>
Aus Brechungserscheinungen, welche das Auge bietet, hat <hi rendition="#g">Sturm</hi><lb/>
schon geschlossen, dass die brechenden Flächen des Auges nach der<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[203/0217] am Auge auf die erläuterten Grundsätze. [Abbildung Fig. 45.] der hintern Hauptbrennebene. Eine Linie 3 5, welche den Durchschnittspunkt von 2 3 mit der hintern Haupt- und von 4 5 mit der hintern Hauptbrennebene verbindet, stellt die Richtung des Strahles hinter dem Linsensysteme dar. — Diese Construktionsme- thode gewährt um so grösseren Vortheil, als es mittelst derselben gelingt, auch den Vereinigungspunkt nicht paralleler Strahlen (der jenseits der hintern Haupt- brennebene gelegen ist) aufzufinden, wenn man nämlich mehrere Strahlen desselben Leuchtpunktes construirt und sie hinter dem Linsensysteme so weit verlängert, bis sie sich schneiden. Die in unserer Fig. angegebenen Hilfsmittel und insbesondere die Knotenpunkte geben ausserdem noch die Möglichkeit an die Hand, den sog. Richtungsstrahl eines Leuchtpunktes zu finden; es ist dieses nämlich diejenige Linie 1 6, welche sich vom Leuchtpunkt 1 gegen den vordern Knotenpunkt 6 er- streckt, die dieser parallel 7 8 vom hintern Knotenpunkt auslaufende, bezeichnet den Richtungsstrahl d. h. den Strahl, welcher unter allen vom Punkt 1 ausgehenden und durch das Linsensystem dringenden die geringste Brechung erleidet. 2. Formen, Dicken und Brechungsverhältnisse der durchsichtigen Augentheile *). — Das Gesetz, nach welchem die Fläche der Cornea gekrümmt ist, steht noch nicht fest. Die Begrenzungslinien eines hori- zontalen Schnittes durch die höchste Hervorragung der Cornea schlies- sen sich nach den genauen Messungen von Krause am besten einer Parabel an, während sie Senff für elliptisch erklärt. Die Begrenzungs- linie eines senkrechten Schnittes durch die höchste Hervorragung der Cornea ist nach Senff ebenfalls nach einer Ellipse gekrümmt; nach diesem letzten Autor sind zudem die Dimensionen dieser beiden Ellip- sen verschieden in der Art, dass dem Scheitel der senkrechten ein etwas kleinerer Krümmungskreis zukommt als dem Scheitel der hori- zontalen.— Horizontale Schnitte durch die grössten Hervorragungen der Linse liefern nach Krause elliptische Begrenzungslinien; der Krüm- mungskreis des Scheitels derjenigen Ellipse, welche der vorderen Fläche angehört, ist um einen grössern Halbmesser beschrieben als derjenige, welcher dem Scheitel der hintern Grenzellipse zukommt. — Aus Brechungserscheinungen, welche das Auge bietet, hat Sturm schon geschlossen, dass die brechenden Flächen des Auges nach der *) Krause, Poggendorf. Annal. 39. Bd. (1836) p. 529. — Senff in Volkmanns, Artikel Sehen, Wagners Handwörterbuch III. Bd. I. Abthl. 271. — Ad. Fick, Erörterung eines physiolog. optischen Phänomens. Henle u. Pfeuffer. Neue Folge II. Bd. 83. — E. Brücke, Anatomische Beschreibung des menschlichen Augapfels. Berlin 1847. — Sturm sur la theorie de la vision Poggendorf. Annalen 65. Bd. 116.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie01_1852
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie01_1852/217
Zitationshilfe: Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 1. Heidelberg, 1852, S. 203. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie01_1852/217>, abgerufen am 26.06.2019.