Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 1. Heidelberg, 1852.

Bild:
<< vorherige Seite

Wechselnde Lage der Knotenpunkte.
genauen Untersuchung zu unterwerfen, um zu ermitteln, inwieweit sie als allgemeine
Constructionshilfen zu gebrauchen seien. Hier ergibt sich nun: a) Alles Andere
[Abbildung] Fig. 43.
[Abbildung] Fig. 44.
gleichgesetzt wechselt der Richtungsstrahl
mit dem Brechungsverhältniss, und na-
mentlich weichen die Knotenpunkte um so
beträchtlicher auseinander, je grösser die
Unterschiede in den brechenden Kräften
beider Medien ausfallen. Diesen Satz macht
die Fig. 43 anschaulich, indem sie zeigt,
dass zum Verlauf 1 2 des Strahles inner-
halb der Linse ausserhalb dieser bald der
von A 1 und bald der von A' 1 ge-
hört, je nach dem Verhältniss des Sinus
vom Brechungswinkel 7 8 zu dem Sinus
der Einfallswinkel 4 5 oder 3 6. Der
bekannten Construction nach fallen nun
die Knotenpunkte für das Verhältniss
von 7 8 : 3 6 auf B B; und für
7 8 : 5 4 auf C. C. -- b) Alles An-
dere gleichgesetzt wechselt auch der Rich-
tungsstrahl mit der Lage des Leucht-
punktes (Fig. 44), und zwar wächst der
Abstand beider Knotenpunkte mit der
Grösse des Winkels, welchen das auf
die Einfallsorte 1, 2 der Richtungs-
strahlen A 1, A' 2 u. s. w. gezogene Ein-
fallsloth I 1, I 2 u. s. w. mit der Lin-
senachse I II bildet.

Da nun endlich auch mit dem Wechsel in
dem Brechungsverhältniss, der Grösse des
Krümmungshalbmessers der Linsenflächen
und der Entfernung des Leuchtpunktes
von der Linse der Brennpunkt sich ver-
ändert, so ist ersichtlich,
dass das Construktionsver-
fahren aus der Lage der
Knotenpunkte und dem Ab-
stand des Brennpunktes je-
desmal ganz bestimmte An-
gaben nöthig macht.

In der That ist man nun
übereingekommen, an der
Linse die Lage der Knoten-
punkte als fixirt anzuneh-
men, unter den drei Voraus-
setzungen, dass die Linse in
einem und demselben Mittel
verweile, dass der Leucht-
punkt unendlich entfernt sei, also mit parallelen Strahlen zur Linse komme und nur
ein Strahlenbüschel in Betracht gezogen werde, dessen Berührungsorte mit der
Linienfläche am Krümmungsmittelpunkt einen unendlich kleinen Winkel mit der
Linsenachse ausmachen.

C. Der dioptrische Apparat des Auges besteht im Wesentlichen aus einer Ver-
bindung der beiden bisher untersuchten brechenden Zusammenstellungen; denn es

Wechselnde Lage der Knotenpunkte.
genauen Untersuchung zu unterwerfen, um zu ermitteln, inwieweit sie als allgemeine
Constructionshilfen zu gebrauchen seien. Hier ergibt sich nun: a) Alles Andere
[Abbildung] Fig. 43.
[Abbildung] Fig. 44.
gleichgesetzt wechselt der Richtungsstrahl
mit dem Brechungsverhältniss, und na-
mentlich weichen die Knotenpunkte um so
beträchtlicher auseinander, je grösser die
Unterschiede in den brechenden Kräften
beider Medien ausfallen. Diesen Satz macht
die Fig. 43 anschaulich, indem sie zeigt,
dass zum Verlauf 1 2 des Strahles inner-
halb der Linse ausserhalb dieser bald der
von A 1 und bald der von A′ 1 ge-
hört, je nach dem Verhältniss des Sinus
vom Brechungswinkel 7 8 zu dem Sinus
der Einfallswinkel 4 5 oder 3 6. Der
bekannten Construction nach fallen nun
die Knotenpunkte für das Verhältniss
von 7 8 : 3 6 auf B B; und für
7 8 : 5 4 auf C. C. — b) Alles An-
dere gleichgesetzt wechselt auch der Rich-
tungsstrahl mit der Lage des Leucht-
punktes (Fig. 44), und zwar wächst der
Abstand beider Knotenpunkte mit der
Grösse des Winkels, welchen das auf
die Einfallsorte 1, 2 der Richtungs-
strahlen A 1, A′ 2 u. s. w. gezogene Ein-
fallsloth I 1, I 2 u. s. w. mit der Lin-
senachse I II bildet.

Da nun endlich auch mit dem Wechsel in
dem Brechungsverhältniss, der Grösse des
Krümmungshalbmessers der Linsenflächen
und der Entfernung des Leuchtpunktes
von der Linse der Brennpunkt sich ver-
ändert, so ist ersichtlich,
dass das Construktionsver-
fahren aus der Lage der
Knotenpunkte und dem Ab-
stand des Brennpunktes je-
desmal ganz bestimmte An-
gaben nöthig macht.

In der That ist man nun
übereingekommen, an der
Linse die Lage der Knoten-
punkte als fixirt anzuneh-
men, unter den drei Voraus-
setzungen, dass die Linse in
einem und demselben Mittel
verweile, dass der Leucht-
punkt unendlich entfernt sei, also mit parallelen Strahlen zur Linse komme und nur
ein Strahlenbüschel in Betracht gezogen werde, dessen Berührungsorte mit der
Linienfläche am Krümmungsmittelpunkt einen unendlich kleinen Winkel mit der
Linsenachse ausmachen.

C. Der dioptrische Apparat des Auges besteht im Wesentlichen aus einer Ver-
bindung der beiden bisher untersuchten brechenden Zusammenstellungen; denn es

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0215" n="201"/><fw place="top" type="header">Wechselnde Lage der Knotenpunkte.</fw><lb/>
genauen Untersuchung zu unterwerfen, um zu ermitteln, inwieweit sie als allgemeine<lb/>
Constructionshilfen zu gebrauchen seien. Hier ergibt sich nun: a) Alles Andere<lb/><figure><head>Fig. 43.</head></figure><lb/><figure><head>Fig. 44.</head></figure><lb/>
gleichgesetzt wechselt der Richtungsstrahl<lb/>
mit dem Brechungsverhältniss, und na-<lb/>
mentlich weichen die Knotenpunkte um so<lb/>
beträchtlicher auseinander, je grösser die<lb/>
Unterschiede in den brechenden Kräften<lb/>
beider Medien ausfallen. Diesen Satz macht<lb/>
die Fig. 43 anschaulich, indem sie zeigt,<lb/>
dass zum Verlauf 1 2 des Strahles inner-<lb/>
halb der Linse ausserhalb dieser bald der<lb/>
von <hi rendition="#i">A</hi> 1 und bald der von <hi rendition="#i">A&#x2032;</hi> 1 ge-<lb/>
hört, je nach dem Verhältniss des Sinus<lb/>
vom Brechungswinkel 7 8 zu dem Sinus<lb/>
der Einfallswinkel 4 5 oder 3 6. Der<lb/>
bekannten Construction nach fallen nun<lb/>
die Knotenpunkte für das Verhältniss<lb/>
von 7 8 : 3 6 auf <hi rendition="#i">B B</hi>; und für<lb/>
7 8 : 5 4 auf <hi rendition="#i">C. C</hi>. &#x2014; b) Alles An-<lb/>
dere gleichgesetzt wechselt auch der Rich-<lb/>
tungsstrahl mit der Lage des Leucht-<lb/>
punktes (Fig. 44), und zwar wächst der<lb/>
Abstand beider Knotenpunkte mit der<lb/>
Grösse des Winkels, welchen das auf<lb/>
die Einfallsorte 1, 2 der Richtungs-<lb/>
strahlen <hi rendition="#i">A</hi> 1, <hi rendition="#i">A&#x2032;</hi> 2 u. s. w. gezogene Ein-<lb/>
fallsloth <hi rendition="#i">I</hi> 1, <hi rendition="#i">I</hi> 2 u. s. w. mit der Lin-<lb/>
senachse <hi rendition="#i">I II</hi> bildet.</p><lb/>
            <p>Da nun endlich auch mit dem Wechsel in<lb/>
dem Brechungsverhältniss, der Grösse des<lb/>
Krümmungshalbmessers der Linsenflächen<lb/>
und der Entfernung des Leuchtpunktes<lb/>
von der Linse der Brennpunkt sich ver-<lb/>
ändert, so ist ersichtlich,<lb/>
dass das Construktionsver-<lb/>
fahren aus der Lage der<lb/>
Knotenpunkte und dem Ab-<lb/>
stand des Brennpunktes je-<lb/>
desmal ganz bestimmte An-<lb/>
gaben nöthig macht.</p><lb/>
            <p>In der That ist man nun<lb/>
übereingekommen, an der<lb/>
Linse die Lage der Knoten-<lb/>
punkte als fixirt anzuneh-<lb/>
men, unter den drei Voraus-<lb/>
setzungen, dass die Linse in<lb/>
einem und demselben Mittel<lb/>
verweile, dass der Leucht-<lb/>
punkt unendlich entfernt sei, also mit parallelen Strahlen zur Linse komme und nur<lb/>
ein Strahlenbüschel in Betracht gezogen werde, dessen Berührungsorte mit der<lb/>
Linienfläche am Krümmungsmittelpunkt einen unendlich kleinen Winkel mit der<lb/>
Linsenachse ausmachen.</p><lb/>
            <p>C. Der dioptrische Apparat des Auges besteht im Wesentlichen aus einer Ver-<lb/>
bindung der beiden bisher untersuchten brechenden Zusammenstellungen; denn es<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[201/0215] Wechselnde Lage der Knotenpunkte. genauen Untersuchung zu unterwerfen, um zu ermitteln, inwieweit sie als allgemeine Constructionshilfen zu gebrauchen seien. Hier ergibt sich nun: a) Alles Andere [Abbildung Fig. 43.] [Abbildung Fig. 44.] gleichgesetzt wechselt der Richtungsstrahl mit dem Brechungsverhältniss, und na- mentlich weichen die Knotenpunkte um so beträchtlicher auseinander, je grösser die Unterschiede in den brechenden Kräften beider Medien ausfallen. Diesen Satz macht die Fig. 43 anschaulich, indem sie zeigt, dass zum Verlauf 1 2 des Strahles inner- halb der Linse ausserhalb dieser bald der von A 1 und bald der von A′ 1 ge- hört, je nach dem Verhältniss des Sinus vom Brechungswinkel 7 8 zu dem Sinus der Einfallswinkel 4 5 oder 3 6. Der bekannten Construction nach fallen nun die Knotenpunkte für das Verhältniss von 7 8 : 3 6 auf B B; und für 7 8 : 5 4 auf C. C. — b) Alles An- dere gleichgesetzt wechselt auch der Rich- tungsstrahl mit der Lage des Leucht- punktes (Fig. 44), und zwar wächst der Abstand beider Knotenpunkte mit der Grösse des Winkels, welchen das auf die Einfallsorte 1, 2 der Richtungs- strahlen A 1, A′ 2 u. s. w. gezogene Ein- fallsloth I 1, I 2 u. s. w. mit der Lin- senachse I II bildet. Da nun endlich auch mit dem Wechsel in dem Brechungsverhältniss, der Grösse des Krümmungshalbmessers der Linsenflächen und der Entfernung des Leuchtpunktes von der Linse der Brennpunkt sich ver- ändert, so ist ersichtlich, dass das Construktionsver- fahren aus der Lage der Knotenpunkte und dem Ab- stand des Brennpunktes je- desmal ganz bestimmte An- gaben nöthig macht. In der That ist man nun übereingekommen, an der Linse die Lage der Knoten- punkte als fixirt anzuneh- men, unter den drei Voraus- setzungen, dass die Linse in einem und demselben Mittel verweile, dass der Leucht- punkt unendlich entfernt sei, also mit parallelen Strahlen zur Linse komme und nur ein Strahlenbüschel in Betracht gezogen werde, dessen Berührungsorte mit der Linienfläche am Krümmungsmittelpunkt einen unendlich kleinen Winkel mit der Linsenachse ausmachen. C. Der dioptrische Apparat des Auges besteht im Wesentlichen aus einer Ver- bindung der beiden bisher untersuchten brechenden Zusammenstellungen; denn es

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie01_1852
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie01_1852/215
Zitationshilfe: Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 1. Heidelberg, 1852, S. 201. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie01_1852/215>, abgerufen am 15.10.2019.