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Ludwig, Otto: Der Erbförster. Band 1: Dramatische Werke. Leipzig, 1853.

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Der Erbförster.
Förster.
Ja, wenn Du mich so ansiehst. -- Du willst hei-
rathen, Robert?
Robert (steht auf; verwundert).
Aber Sie wissen's doch --
Förster.
Freilich. Aber eine Einleitung muß doch sein. Setz'
Dich nur. Aber Du mußt mich auch einmal ausreden
lassen. Hab' sonst eine gesunde Brust. 's ist mir aber,
wenn ich predigen will, als säh' ich den Pastor im Chor-
rock hinter einem Hasen her.
(Erleichtert.) So; jetzt hab'
ich die Fährte. Es wechselt ein Hirsch vom Lutzdorfer
herüber. Hörst Du, Robert? Und nun pass' auf. Hier
die Gabel ist der Hirsch. Hier da, siehst Du? Hier das
Salzfaß, das bist Du. Und der Wind kommt vom Teller
daher. Was machst Du nun, um den Hirsch zu be-
schleichen? Was?
(Einhelfend.) Du -- nun?
Robert.
Ich muß --
Förster (nickend).
Mußt -- (Geberden).
Robert.
Ihm den Wind abgewinnen.
Förster.
Wind abgewinnen. Richtig. Merkst Du nun, wo
ich hinaus will? Du mußt ihm den Wind abgewinnen.
Das ist's. Siehst Du, deshalb mußt' ich mit Dir reden.

Der Erbförſter.
Förſter.
Ja, wenn Du mich ſo anſiehſt. — Du willſt hei-
rathen, Robert?
Robert (ſteht auf; verwundert).
Aber Sie wiſſen’s doch —
Förſter.
Freilich. Aber eine Einleitung muß doch ſein. Setz’
Dich nur. Aber Du mußt mich auch einmal ausreden
laſſen. Hab’ ſonſt eine geſunde Bruſt. ’s iſt mir aber,
wenn ich predigen will, als ſäh’ ich den Paſtor im Chor-
rock hinter einem Haſen her.
(Erleichtert.) So; jetzt hab’
ich die Fährte. Es wechſelt ein Hirſch vom Lutzdorfer
herüber. Hörſt Du, Robert? Und nun paſſ’ auf. Hier
die Gabel iſt der Hirſch. Hier da, ſiehſt Du? Hier das
Salzfaß, das biſt Du. Und der Wind kommt vom Teller
daher. Was machſt Du nun, um den Hirſch zu be-
ſchleichen? Was?
(Einhelfend.) Du — nun?
Robert.
Ich muß —
Förſter (nickend).
Mußt — (Geberden).
Robert.
Ihm den Wind abgewinnen.
Förſter.
Wind abgewinnen. Richtig. Merkſt Du nun, wo
ich hinaus will? Du mußt ihm den Wind abgewinnen.
Das iſt’s. Siehſt Du, deshalb mußt’ ich mit Dir reden.

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[21/0035] Der Erbförſter. Förſter. Ja, wenn Du mich ſo anſiehſt. — Du willſt hei- rathen, Robert? Robert (ſteht auf; verwundert). Aber Sie wiſſen’s doch — Förſter. Freilich. Aber eine Einleitung muß doch ſein. Setz’ Dich nur. Aber Du mußt mich auch einmal ausreden laſſen. Hab’ ſonſt eine geſunde Bruſt. ’s iſt mir aber, wenn ich predigen will, als ſäh’ ich den Paſtor im Chor- rock hinter einem Haſen her. (Erleichtert.) So; jetzt hab’ ich die Fährte. Es wechſelt ein Hirſch vom Lutzdorfer herüber. Hörſt Du, Robert? Und nun paſſ’ auf. Hier die Gabel iſt der Hirſch. Hier da, ſiehſt Du? Hier das Salzfaß, das biſt Du. Und der Wind kommt vom Teller daher. Was machſt Du nun, um den Hirſch zu be- ſchleichen? Was? (Einhelfend.) Du — nun? Robert. Ich muß — Förſter (nickend). Mußt — (Geberden). Robert. Ihm den Wind abgewinnen. Förſter. Wind abgewinnen. Richtig. Merkſt Du nun, wo ich hinaus will? Du mußt ihm den Wind abgewinnen. Das iſt’s. Siehſt Du, deshalb mußt’ ich mit Dir reden.

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Zitationshilfe: Ludwig, Otto: Der Erbförster. Band 1: Dramatische Werke. Leipzig, 1853, S. 21. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_erbfoerster_1853/35>, abgerufen am 22.10.2019.