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Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834.

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Der Mond d. Erde u. die Satelliten d. übrig. Planeten.
tropische Bewegung der Sonne in einem Tage gleich 0°,98363 ist
(§. 144), so ist die tropische Umlaufszeit des Mondes, in Bezie-
hung auf die Aequinoctien, gleich 27,32158 Tage, und endlich die
Zeit zwischen zwei nächsten Conjunctionen mit der mittleren
Sonne (§. 140) oder die synodische Revolution des Mondes
gleich 29,53059 Tage.

Der Mond vollendet diese seine Bewegung um die Erde in
einer Ellipse, deren einen Brennpunkt der Mittelpunkt der Crde
einnimmt. Die halbe große Axe dieser Ellipse, d. h. die mittlere
Entfernung des Mondes von der Erde, beträgt 60,2965 Erdhalb-
messer oder 51812,8 deutsche Meilen, und die Excentricität der-
selben beträgt 0,05484 Theile der halben großen Axe, oder 2850
Meilen. Wenn der Mond in seiner mittleren Entfernung von
der Erde ist, so beträgt die Horizontalparallaxe desselben unter
dem Aequator der Erde 0°,9503, und dann erscheint der Halbmes-
ser des Mondes im Horizonte unter dem Winkel von 0°,2594,
woraus folgt, daß der wahre Halbmesser des Mondes 233 Mei-
len beträgt. Das Verhältniß des Mondes zur Erde ist daher
im Durchmesser wie 1 zu 3,69, in der Oberfläche wie 1 zu 13,60,
und im Volum wie 1 zu 50,15.

§. 163. (Phasen des Mondes.) Die auffallendsten Erschei-
nungen, die uns der Mond darbietet, sind die abwechselnden Licht-
gestalten oder die Phasen desselben.

Sey S (Fig. 26) die Sonne in einer sehr großen Entfernung
von der Erde T, um welche sich der Mond in seiner Bahn
A B C D bewegt. Wenn der Mond in A zwischen Sonne und
Erde ist, so ist uns derselbe ganz unsichtbar, und da er für uns
an demselben Orte des Himmels steht, wo wir auch die Sonne
sehen, so geht er auch mit der Sonne zugleich auf und unter.
Man nennt diese Zeit den Neumond. Wenn wir, dem Vor-
hergehenden gemäß, den Mond, gleich den übrigen Körpern des
Himmels, kugelförmig annehmen, und überdieß voraussetzen, daß
er kein eigenes Licht habe, sondern nur mit dem von der Sonne
geborgten und auf uns reflectirten Lichte scheine, so wird die
Mondskugel, wie alle andern Kugeln, von der Sonne immer
zur Hälfte beleuchtet werden, während die andere im Schatten
oder dunkel ist. Zur Zeit des Neumonds wird also diese beleuch-

Littrow's Himmel u. s. Wunder I. 21

Der Mond d. Erde u. die Satelliten d. übrig. Planeten.
tropiſche Bewegung der Sonne in einem Tage gleich 0°,98363 iſt
(§. 144), ſo iſt die tropiſche Umlaufszeit des Mondes, in Bezie-
hung auf die Aequinoctien, gleich 27,32158 Tage, und endlich die
Zeit zwiſchen zwei nächſten Conjunctionen mit der mittleren
Sonne (§. 140) oder die ſynodiſche Revolution des Mondes
gleich 29,53059 Tage.

Der Mond vollendet dieſe ſeine Bewegung um die Erde in
einer Ellipſe, deren einen Brennpunkt der Mittelpunkt der Crde
einnimmt. Die halbe große Axe dieſer Ellipſe, d. h. die mittlere
Entfernung des Mondes von der Erde, beträgt 60,2965 Erdhalb-
meſſer oder 51812,8 deutſche Meilen, und die Excentricität der-
ſelben beträgt 0,05484 Theile der halben großen Axe, oder 2850
Meilen. Wenn der Mond in ſeiner mittleren Entfernung von
der Erde iſt, ſo beträgt die Horizontalparallaxe deſſelben unter
dem Aequator der Erde 0°,9503, und dann erſcheint der Halbmeſ-
ſer des Mondes im Horizonte unter dem Winkel von 0°,2594,
woraus folgt, daß der wahre Halbmeſſer des Mondes 233 Mei-
len beträgt. Das Verhältniß des Mondes zur Erde iſt daher
im Durchmeſſer wie 1 zu 3,69, in der Oberfläche wie 1 zu 13,60,
und im Volum wie 1 zu 50,15.

§. 163. (Phaſen des Mondes.) Die auffallendſten Erſchei-
nungen, die uns der Mond darbietet, ſind die abwechſelnden Licht-
geſtalten oder die Phaſen deſſelben.

Sey S (Fig. 26) die Sonne in einer ſehr großen Entfernung
von der Erde T, um welche ſich der Mond in ſeiner Bahn
A B C D bewegt. Wenn der Mond in A zwiſchen Sonne und
Erde iſt, ſo iſt uns derſelbe ganz unſichtbar, und da er für uns
an demſelben Orte des Himmels ſteht, wo wir auch die Sonne
ſehen, ſo geht er auch mit der Sonne zugleich auf und unter.
Man nennt dieſe Zeit den Neumond. Wenn wir, dem Vor-
hergehenden gemäß, den Mond, gleich den übrigen Körpern des
Himmels, kugelförmig annehmen, und überdieß vorausſetzen, daß
er kein eigenes Licht habe, ſondern nur mit dem von der Sonne
geborgten und auf uns reflectirten Lichte ſcheine, ſo wird die
Mondskugel, wie alle andern Kugeln, von der Sonne immer
zur Hälfte beleuchtet werden, während die andere im Schatten
oder dunkel iſt. Zur Zeit des Neumonds wird alſo dieſe beleuch-

Littrow’s Himmel u. ſ. Wunder I. 21
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[321/0333] Der Mond d. Erde u. die Satelliten d. übrig. Planeten. tropiſche Bewegung der Sonne in einem Tage gleich 0°,98363 iſt (§. 144), ſo iſt die tropiſche Umlaufszeit des Mondes, in Bezie- hung auf die Aequinoctien, gleich 27,32158 Tage, und endlich die Zeit zwiſchen zwei nächſten Conjunctionen mit der mittleren Sonne (§. 140) oder die ſynodiſche Revolution des Mondes gleich 29,53059 Tage. Der Mond vollendet dieſe ſeine Bewegung um die Erde in einer Ellipſe, deren einen Brennpunkt der Mittelpunkt der Crde einnimmt. Die halbe große Axe dieſer Ellipſe, d. h. die mittlere Entfernung des Mondes von der Erde, beträgt 60,2965 Erdhalb- meſſer oder 51812,8 deutſche Meilen, und die Excentricität der- ſelben beträgt 0,05484 Theile der halben großen Axe, oder 2850 Meilen. Wenn der Mond in ſeiner mittleren Entfernung von der Erde iſt, ſo beträgt die Horizontalparallaxe deſſelben unter dem Aequator der Erde 0°,9503, und dann erſcheint der Halbmeſ- ſer des Mondes im Horizonte unter dem Winkel von 0°,2594, woraus folgt, daß der wahre Halbmeſſer des Mondes 233 Mei- len beträgt. Das Verhältniß des Mondes zur Erde iſt daher im Durchmeſſer wie 1 zu 3,69, in der Oberfläche wie 1 zu 13,60, und im Volum wie 1 zu 50,15. §. 163. (Phaſen des Mondes.) Die auffallendſten Erſchei- nungen, die uns der Mond darbietet, ſind die abwechſelnden Licht- geſtalten oder die Phaſen deſſelben. Sey S (Fig. 26) die Sonne in einer ſehr großen Entfernung von der Erde T, um welche ſich der Mond in ſeiner Bahn A B C D bewegt. Wenn der Mond in A zwiſchen Sonne und Erde iſt, ſo iſt uns derſelbe ganz unſichtbar, und da er für uns an demſelben Orte des Himmels ſteht, wo wir auch die Sonne ſehen, ſo geht er auch mit der Sonne zugleich auf und unter. Man nennt dieſe Zeit den Neumond. Wenn wir, dem Vor- hergehenden gemäß, den Mond, gleich den übrigen Körpern des Himmels, kugelförmig annehmen, und überdieß vorausſetzen, daß er kein eigenes Licht habe, ſondern nur mit dem von der Sonne geborgten und auf uns reflectirten Lichte ſcheine, ſo wird die Mondskugel, wie alle andern Kugeln, von der Sonne immer zur Hälfte beleuchtet werden, während die andere im Schatten oder dunkel iſt. Zur Zeit des Neumonds wird alſo dieſe beleuch- Littrow’s Himmel u. ſ. Wunder I. 21

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Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834, S. 321. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem01_1834/333>, abgerufen am 18.10.2019.