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Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834.

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Kapitel X.
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Planeten.


§. 150. (Bestimmung der Excentricität der Planetenbahnen.)
Nach dem ersten Gesetze Kepler's (§. 139) sind die Flächen, welche
der Radius Vector des Planeten beschreibt, der Zeit proportional.
Wäre die Bahn desselben ein Kreis und die Sonne im Mittel-
punkte dieses Kreises, so würden diese Flächen auch zugleich den
Winkeln der Radien an der Sonne proportional oder die Bewe-
gung des Planeten würde gleichförmig seyn. Die Ungleichheiten,
die man in der heliocentrischen Bewegung dieser Körper bemerkt,
sind daher eine bloße Folge der Excentricität ihrer Bahnen.

Vergleichen wir den Gang des wahren Planeten P (Fig. 23)
in der Ellipse mit dem schon in §. 141 betrachteten imaginären oder
mittleren Planeten M, der sich in einem Kreise B'M, dessen Mit-
telpunkt die Sonne ist, gleichförmig und so bewegt, daß er mit
dem wahren Planeten immer zugleich durch die große Axe in B'
und A' geht, dessen Bewegung daher die mittlere Bewegung des
wahren Planeten und dessen Umlaufszeit gleich der des wahren
Planeten seyn wird. Während sich also der mittlere Planet M in
seinem Kreise gleichförmig bewegt, geht der wahre Planet P in


Kapitel X.
Naͤchſte Folgen der elliptiſchen Bewegung der
Planeten.


§. 150. (Beſtimmung der Excentricität der Planetenbahnen.)
Nach dem erſten Geſetze Kepler’s (§. 139) ſind die Flächen, welche
der Radius Vector des Planeten beſchreibt, der Zeit proportional.
Wäre die Bahn deſſelben ein Kreis und die Sonne im Mittel-
punkte dieſes Kreiſes, ſo würden dieſe Flächen auch zugleich den
Winkeln der Radien an der Sonne proportional oder die Bewe-
gung des Planeten würde gleichförmig ſeyn. Die Ungleichheiten,
die man in der heliocentriſchen Bewegung dieſer Körper bemerkt,
ſind daher eine bloße Folge der Excentricität ihrer Bahnen.

Vergleichen wir den Gang des wahren Planeten P (Fig. 23)
in der Ellipſe mit dem ſchon in §. 141 betrachteten imaginären oder
mittleren Planeten M, der ſich in einem Kreiſe B'M, deſſen Mit-
telpunkt die Sonne iſt, gleichförmig und ſo bewegt, daß er mit
dem wahren Planeten immer zugleich durch die große Axe in B'
und A' geht, deſſen Bewegung daher die mittlere Bewegung des
wahren Planeten und deſſen Umlaufszeit gleich der des wahren
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[[298]/0310] Kapitel X. Naͤchſte Folgen der elliptiſchen Bewegung der Planeten. §. 150. (Beſtimmung der Excentricität der Planetenbahnen.) Nach dem erſten Geſetze Kepler’s (§. 139) ſind die Flächen, welche der Radius Vector des Planeten beſchreibt, der Zeit proportional. Wäre die Bahn deſſelben ein Kreis und die Sonne im Mittel- punkte dieſes Kreiſes, ſo würden dieſe Flächen auch zugleich den Winkeln der Radien an der Sonne proportional oder die Bewe- gung des Planeten würde gleichförmig ſeyn. Die Ungleichheiten, die man in der heliocentriſchen Bewegung dieſer Körper bemerkt, ſind daher eine bloße Folge der Excentricität ihrer Bahnen. Vergleichen wir den Gang des wahren Planeten P (Fig. 23) in der Ellipſe mit dem ſchon in §. 141 betrachteten imaginären oder mittleren Planeten M, der ſich in einem Kreiſe B'M, deſſen Mit- telpunkt die Sonne iſt, gleichförmig und ſo bewegt, daß er mit dem wahren Planeten immer zugleich durch die große Axe in B' und A' geht, deſſen Bewegung daher die mittlere Bewegung des wahren Planeten und deſſen Umlaufszeit gleich der des wahren Planeten ſeyn wird. Während ſich alſo der mittlere Planet M in ſeinem Kreiſe gleichförmig bewegt, geht der wahre Planet P in

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Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834, S. [298]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem01_1834/310>, abgerufen am 24.07.2019.