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Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834.

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Kepler's Gesetze.
des in die Länge ist 0°,6176, und für diese Zeit beobachtet man auch
den größten scheinbaren Durchmesser desselben gleich 0°,553. Nach
einer halben Revolution des Mondes, während diese beiden Größen
immer abnehmen, bemerkt man die kleinste stündliche Bewegung
zu 0°,493 und zugleich den kleinsten Durchmesser zu 0°,494. Da
uns nun dieselben Größen, wenn sie uns näher gebracht werden,
unter einem größern Winkel erscheinen und umgekehrt, so glaubten
die Griechen dadurch auch sofort jene Erscheinung erklären zu
können. Sie nahmen daher an, daß die Erde außer dem Mittelpunkte
der kreisförmigen Mondsbahn liege, und daß der Mond, der um
den wahren Mittelpunkt dieses Kreises in immerwährender gleich-
förmiger Bewegung einhergeht, zur Zeit seiner größten scheinbaren
Geschwindigkeit, die zugleich die Zeit seines größten scheinbaren
Durchmessers ist, in demjenigen Punkte seiner Bahn ist, wo er
der Erde am nächsten steht, während er, nach einer halben Revo-
lution, zur Zeit seiner kleinsten Geschwindigkeit und seines kleinsten
Durchmessers, in dem von der Erde entferntesten Punkte seiner
Bahn stehe. Man nannte diese beiden Punkte die Absiden
der Mondsbahn, und zwar jenen, wo der Mond der Erde am
nächsten steht, das Perigeum und den ihm entgegengesetzten
das Apogeum des Mondes.

§. 130. (Woher diese Aenderungen kommen.) Wenn aber
diese beiden Erscheinungen, nämlich die Veränderung der täglichen
Geschwindigkeit und die des Durchmessers des Mondes, bloß von
der Veränderung der Distanz des Mondes von der Erde kommen
sollen, wie die Griechen glaubten, so müßten sich jene beiden
Extreme der Geschwindigkeiten sowohl, als auch diese Extreme
der Durchmesser, beide zugleich wie die größte und kleinste
Distanz des Mondes von der Erde verhalten. Halten wir uns
nun bloß an die Geschwindigkeiten, so ist ihr Verhältniß [Formel 1]
oder 1,2527 und dieß soll daher auch das Verhältniß der größten
und kleinsten Distanz des Mondes von der Erde in seinem excen-
trischen Kreise seyn. Dasselbe muß nun auch, wenn anders ihre
Hypothese richtig ist, aus dem Verhältnisse der beiden Durchmesser
folgen. Allein dieß Verhältniß ist [Formel 2] oder 1,1194, also ganz

Kepler’s Geſetze.
des in die Länge iſt 0°,6176, und für dieſe Zeit beobachtet man auch
den größten ſcheinbaren Durchmeſſer deſſelben gleich 0°,553. Nach
einer halben Revolution des Mondes, während dieſe beiden Größen
immer abnehmen, bemerkt man die kleinſte ſtündliche Bewegung
zu 0°,493 und zugleich den kleinſten Durchmeſſer zu 0°,494. Da
uns nun dieſelben Größen, wenn ſie uns näher gebracht werden,
unter einem größern Winkel erſcheinen und umgekehrt, ſo glaubten
die Griechen dadurch auch ſofort jene Erſcheinung erklären zu
können. Sie nahmen daher an, daß die Erde außer dem Mittelpunkte
der kreisförmigen Mondsbahn liege, und daß der Mond, der um
den wahren Mittelpunkt dieſes Kreiſes in immerwährender gleich-
förmiger Bewegung einhergeht, zur Zeit ſeiner größten ſcheinbaren
Geſchwindigkeit, die zugleich die Zeit ſeines größten ſcheinbaren
Durchmeſſers iſt, in demjenigen Punkte ſeiner Bahn iſt, wo er
der Erde am nächſten ſteht, während er, nach einer halben Revo-
lution, zur Zeit ſeiner kleinſten Geſchwindigkeit und ſeines kleinſten
Durchmeſſers, in dem von der Erde entfernteſten Punkte ſeiner
Bahn ſtehe. Man nannte dieſe beiden Punkte die Abſiden
der Mondsbahn, und zwar jenen, wo der Mond der Erde am
nächſten ſteht, das Perigeum und den ihm entgegengeſetzten
das Apogeum des Mondes.

§. 130. (Woher dieſe Aenderungen kommen.) Wenn aber
dieſe beiden Erſcheinungen, nämlich die Veränderung der täglichen
Geſchwindigkeit und die des Durchmeſſers des Mondes, bloß von
der Veränderung der Diſtanz des Mondes von der Erde kommen
ſollen, wie die Griechen glaubten, ſo müßten ſich jene beiden
Extreme der Geſchwindigkeiten ſowohl, als auch dieſe Extreme
der Durchmeſſer, beide zugleich wie die größte und kleinſte
Diſtanz des Mondes von der Erde verhalten. Halten wir uns
nun bloß an die Geſchwindigkeiten, ſo iſt ihr Verhältniß [Formel 1]
oder 1,2527 und dieß ſoll daher auch das Verhältniß der größten
und kleinſten Diſtanz des Mondes von der Erde in ſeinem excen-
triſchen Kreiſe ſeyn. Daſſelbe muß nun auch, wenn anders ihre
Hypotheſe richtig iſt, aus dem Verhältniſſe der beiden Durchmeſſer
folgen. Allein dieß Verhältniß iſt [Formel 2] oder 1,1194, alſo ganz

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[263/0275] Kepler’s Geſetze. des in die Länge iſt 0°,6176, und für dieſe Zeit beobachtet man auch den größten ſcheinbaren Durchmeſſer deſſelben gleich 0°,553. Nach einer halben Revolution des Mondes, während dieſe beiden Größen immer abnehmen, bemerkt man die kleinſte ſtündliche Bewegung zu 0°,493 und zugleich den kleinſten Durchmeſſer zu 0°,494. Da uns nun dieſelben Größen, wenn ſie uns näher gebracht werden, unter einem größern Winkel erſcheinen und umgekehrt, ſo glaubten die Griechen dadurch auch ſofort jene Erſcheinung erklären zu können. Sie nahmen daher an, daß die Erde außer dem Mittelpunkte der kreisförmigen Mondsbahn liege, und daß der Mond, der um den wahren Mittelpunkt dieſes Kreiſes in immerwährender gleich- förmiger Bewegung einhergeht, zur Zeit ſeiner größten ſcheinbaren Geſchwindigkeit, die zugleich die Zeit ſeines größten ſcheinbaren Durchmeſſers iſt, in demjenigen Punkte ſeiner Bahn iſt, wo er der Erde am nächſten ſteht, während er, nach einer halben Revo- lution, zur Zeit ſeiner kleinſten Geſchwindigkeit und ſeines kleinſten Durchmeſſers, in dem von der Erde entfernteſten Punkte ſeiner Bahn ſtehe. Man nannte dieſe beiden Punkte die Abſiden der Mondsbahn, und zwar jenen, wo der Mond der Erde am nächſten ſteht, das Perigeum und den ihm entgegengeſetzten das Apogeum des Mondes. §. 130. (Woher dieſe Aenderungen kommen.) Wenn aber dieſe beiden Erſcheinungen, nämlich die Veränderung der täglichen Geſchwindigkeit und die des Durchmeſſers des Mondes, bloß von der Veränderung der Diſtanz des Mondes von der Erde kommen ſollen, wie die Griechen glaubten, ſo müßten ſich jene beiden Extreme der Geſchwindigkeiten ſowohl, als auch dieſe Extreme der Durchmeſſer, beide zugleich wie die größte und kleinſte Diſtanz des Mondes von der Erde verhalten. Halten wir uns nun bloß an die Geſchwindigkeiten, ſo iſt ihr Verhältniß [FORMEL] oder 1,2527 und dieß ſoll daher auch das Verhältniß der größten und kleinſten Diſtanz des Mondes von der Erde in ſeinem excen- triſchen Kreiſe ſeyn. Daſſelbe muß nun auch, wenn anders ihre Hypotheſe richtig iſt, aus dem Verhältniſſe der beiden Durchmeſſer folgen. Allein dieß Verhältniß iſt [FORMEL] oder 1,1194, alſo ganz

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Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834, S. 263. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem01_1834/275>, abgerufen am 17.07.2019.