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Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834.

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Planetensysteme.
dern sich zwar mit jedem Jahre, aber die Stellung des Planeten
gegen die Sonne, wenn jene Erscheinungen Statt haben, bleibt
immer dieselbe, und die Zeiten, welche von einer Zurückkunft des
Planeten zur Sonne bis zur nächstfolgenden verfließen, sind im
allgemeinen immer dieselben. Man nennt diese Zeiten die sy no-
dischen Umläufe
oder die Revolutionen der Planeten in Be-
ziehung auf die Sonne. Es fehlt allerdings auch hier nicht an
Ungleichheiten, wie auch bereits oben bemerkt worden ist, aber
wenn man die sogenannte mittlere Größe dieser Umläufe aus sehr
weit z. B. aus Jahrhunderten von einander entfernten Beobach-
tungen sucht, so findet man sie immer von gleicher Größe. Man
findet so für die synodische Revolution Merkurs 115,87 Tage,
Venus 583,92, Mars 779,38, Vesta 505,0, Juno 474,0, Pallas und
Ceres 466,5, Jupiter 398,8, Saturn 378,0 und Uranus 369,7 Tage.
Diese Umlaufzeiten der Planeten um die Sonne sind es also,
durch welche jene Erscheinungen des Vor- und Rückwärtsgehens,
und des Stillstandes der Planeten gleichsam regulirt werden,
so daß diese Phänomene alle in derselben Ordnung während einer
synodischen Revolution periodisch wiederkehren. So kömmt z. B.
Jupiter immer 142 Tage nach seiner Conjunction (§. 73) mit der
Sonne, wenn er von ihr 117 Grade entfernt ist, zu seinem ersten
Stillstand, nach welchem er seine rückgängige Bewegung anfängt,
die 119 Tage dauert, so daß er am Ende von 261 Tagen nach
seiner Conjunction in seinen zweiten Stillstand tritt, nach welchen
er wieder seine rechtläufige Bewegung anfängt, und so fort bei
allen anderen Planeten.

§. 99. (Durchgang der Planeten durch die Ebene der Ecliptik).
Noch auffallender zeigt sich diese Abhängigkeit jener Anomalien
von der Sonne bei dem Durchgange der Planeten durch die
Ecliptik oder durch die Ebene der Erobahn. Es ist leicht, den
Augenblick zu finden, wann der Planet durch die Ecliptik geht.
Man darf nur zu der Zeit, wo er sich in ihrer Nähe aufhält,
täglich die Rectascension und Declination desselben beobachten,
und daraus durch Rechnung die Länge und Breite der Planeten
ableiten. Findet man auf diese Weise zwei Tage, an deren erstem
der Planet nördlich, und an den zweiten südlich von der Ecliptik
stand, so findet man daraus, und aus der täglichen Aenderung der

Planetenſyſteme.
dern ſich zwar mit jedem Jahre, aber die Stellung des Planeten
gegen die Sonne, wenn jene Erſcheinungen Statt haben, bleibt
immer dieſelbe, und die Zeiten, welche von einer Zurückkunft des
Planeten zur Sonne bis zur nächſtfolgenden verfließen, ſind im
allgemeinen immer dieſelben. Man nennt dieſe Zeiten die ſy no-
diſchen Umläufe
oder die Revolutionen der Planeten in Be-
ziehung auf die Sonne. Es fehlt allerdings auch hier nicht an
Ungleichheiten, wie auch bereits oben bemerkt worden iſt, aber
wenn man die ſogenannte mittlere Größe dieſer Umläufe aus ſehr
weit z. B. aus Jahrhunderten von einander entfernten Beobach-
tungen ſucht, ſo findet man ſie immer von gleicher Größe. Man
findet ſo für die ſynodiſche Revolution Merkurs 115,87 Tage,
Venus 583,92, Mars 779,38, Veſta 505,0, Juno 474,0, Pallas und
Ceres 466,5, Jupiter 398,8, Saturn 378,0 und Uranus 369,7 Tage.
Dieſe Umlaufzeiten der Planeten um die Sonne ſind es alſo,
durch welche jene Erſcheinungen des Vor- und Rückwärtsgehens,
und des Stillſtandes der Planeten gleichſam regulirt werden,
ſo daß dieſe Phänomene alle in derſelben Ordnung während einer
ſynodiſchen Revolution periodiſch wiederkehren. So kömmt z. B.
Jupiter immer 142 Tage nach ſeiner Conjunction (§. 73) mit der
Sonne, wenn er von ihr 117 Grade entfernt iſt, zu ſeinem erſten
Stillſtand, nach welchem er ſeine rückgängige Bewegung anfängt,
die 119 Tage dauert, ſo daß er am Ende von 261 Tagen nach
ſeiner Conjunction in ſeinen zweiten Stillſtand tritt, nach welchen
er wieder ſeine rechtläufige Bewegung anfängt, und ſo fort bei
allen anderen Planeten.

§. 99. (Durchgang der Planeten durch die Ebene der Ecliptik).
Noch auffallender zeigt ſich dieſe Abhängigkeit jener Anomalien
von der Sonne bei dem Durchgange der Planeten durch die
Ecliptik oder durch die Ebene der Erobahn. Es iſt leicht, den
Augenblick zu finden, wann der Planet durch die Ecliptik geht.
Man darf nur zu der Zeit, wo er ſich in ihrer Nähe aufhält,
täglich die Rectaſcenſion und Declination deſſelben beobachten,
und daraus durch Rechnung die Länge und Breite der Planeten
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[220/0232] Planetenſyſteme. dern ſich zwar mit jedem Jahre, aber die Stellung des Planeten gegen die Sonne, wenn jene Erſcheinungen Statt haben, bleibt immer dieſelbe, und die Zeiten, welche von einer Zurückkunft des Planeten zur Sonne bis zur nächſtfolgenden verfließen, ſind im allgemeinen immer dieſelben. Man nennt dieſe Zeiten die ſy no- diſchen Umläufe oder die Revolutionen der Planeten in Be- ziehung auf die Sonne. Es fehlt allerdings auch hier nicht an Ungleichheiten, wie auch bereits oben bemerkt worden iſt, aber wenn man die ſogenannte mittlere Größe dieſer Umläufe aus ſehr weit z. B. aus Jahrhunderten von einander entfernten Beobach- tungen ſucht, ſo findet man ſie immer von gleicher Größe. Man findet ſo für die ſynodiſche Revolution Merkurs 115,87 Tage, Venus 583,92, Mars 779,38, Veſta 505,0, Juno 474,0, Pallas und Ceres 466,5, Jupiter 398,8, Saturn 378,0 und Uranus 369,7 Tage. Dieſe Umlaufzeiten der Planeten um die Sonne ſind es alſo, durch welche jene Erſcheinungen des Vor- und Rückwärtsgehens, und des Stillſtandes der Planeten gleichſam regulirt werden, ſo daß dieſe Phänomene alle in derſelben Ordnung während einer ſynodiſchen Revolution periodiſch wiederkehren. So kömmt z. B. Jupiter immer 142 Tage nach ſeiner Conjunction (§. 73) mit der Sonne, wenn er von ihr 117 Grade entfernt iſt, zu ſeinem erſten Stillſtand, nach welchem er ſeine rückgängige Bewegung anfängt, die 119 Tage dauert, ſo daß er am Ende von 261 Tagen nach ſeiner Conjunction in ſeinen zweiten Stillſtand tritt, nach welchen er wieder ſeine rechtläufige Bewegung anfängt, und ſo fort bei allen anderen Planeten. §. 99. (Durchgang der Planeten durch die Ebene der Ecliptik). Noch auffallender zeigt ſich dieſe Abhängigkeit jener Anomalien von der Sonne bei dem Durchgange der Planeten durch die Ecliptik oder durch die Ebene der Erobahn. Es iſt leicht, den Augenblick zu finden, wann der Planet durch die Ecliptik geht. Man darf nur zu der Zeit, wo er ſich in ihrer Nähe aufhält, täglich die Rectaſcenſion und Declination deſſelben beobachten, und daraus durch Rechnung die Länge und Breite der Planeten ableiten. Findet man auf dieſe Weiſe zwei Tage, an deren erſtem der Planet nördlich, und an den zweiten ſüdlich von der Ecliptik ſtand, ſo findet man daraus, und aus der täglichen Aenderung der

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Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834, S. 220. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem01_1834/232>, abgerufen am 26.04.2019.