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Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834.

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und äbnliche Variationen hat man auch bei allen übrigen Plane-
ten bemerkt.

Bisher haben wir nur die Bewegung der Planeten in ihrer
Länge betrachtet, und sie ist, wie man sieht, bereits nicht wenig
verwickelt. Allein noch viel verwickelter wird sie, wenn man, wie
man soll, zugleich auch auf die Veränderungen ihrer Breite Rück-
sicht nimmt.

§. 96. (Geographische Darstellung dieser Bewegungen). Um
dieß sogleich durch ein Beispiel zu zeigen, so enthält die kleine
Karte (Fig. 18 A) für die Monate Februar bis September des
Jahres 1835 den Lauf der Sonne sowohl, als auch den des Mer-
kurs, wie er von der Erde in Beziehung auf den Aequator er-
scheint. Die gerade Linie 00 stellt den Aequator vor, auf welchem
die Rectascensionen in Stunden I. II. III. genommen sind, deren
jede 15 Grade enthält, und senkrecht darauf stehen die in Grade
getheilten Declinationskreise. Der Lauf der Sonne ist durch die
krumme Linie ABC . . F und der des Merkurs durch abc . . f vor-
gestellt, so daß die Zeichen A und a den Ort der Sonne und des
Merkurs für den 1. März, B und b für den 1. April, C und c
für den 1. May ... und F und f für den 1. August des Jahres
1835 angeben. So ist z. B. für die Punkte C und c oder für
den ersten May die Rectascension der Sonne 2h 30' und die des
Merkurs 1h 25'; die nördliche Declination der Sonne aber 15°
und die von Merkur 6°. Schon der erste Blick auf diese Karte
zeigt die große Unregelmäßigkeit des Laufes des Planeten, wäh-
rend die Bahn der Sonne als ein einfacher größter Kreis des
Himmels erscheint. Im Allgemeinen geht zwar auch Merkur von
West gegen Ost, indem er die in derselben Richtung fortschrei-
tende Sonne bald in geringer, bald in einer größern Entfernung
begleitet, aber diese directe Bewegung des Planeten wird selbst in
dieser kurzen Zeit mehr als einmal unterbrochen. So erscheint
er in Rectascension stationär am 1. März oder in dem Punkte a,
wo die Richtung seiner Bahn senkrecht auf dem Aequator ist, und
dasselbe ist der Fall am 24. März, am 4. Julius und am 29.
Julius, und seine Bewegung ist daher retrograd vom 1. bis 25.
März durch einen Bogen von 11,5 Grad, und vom 4. bis 28.
Juli durch einen Bogen von 11,0 Grad. Nicht geringeren Ver-

Planetenſyſteme.
und äbnliche Variationen hat man auch bei allen übrigen Plane-
ten bemerkt.

Bisher haben wir nur die Bewegung der Planeten in ihrer
Länge betrachtet, und ſie iſt, wie man ſieht, bereits nicht wenig
verwickelt. Allein noch viel verwickelter wird ſie, wenn man, wie
man ſoll, zugleich auch auf die Veränderungen ihrer Breite Rück-
ſicht nimmt.

§. 96. (Geographiſche Darſtellung dieſer Bewegungen). Um
dieß ſogleich durch ein Beiſpiel zu zeigen, ſo enthält die kleine
Karte (Fig. 18 A) für die Monate Februar bis September des
Jahres 1835 den Lauf der Sonne ſowohl, als auch den des Mer-
kurs, wie er von der Erde in Beziehung auf den Aequator er-
ſcheint. Die gerade Linie 00 ſtellt den Aequator vor, auf welchem
die Rectaſcenſionen in Stunden I. II. III. genommen ſind, deren
jede 15 Grade enthält, und ſenkrecht darauf ſtehen die in Grade
getheilten Declinationskreiſe. Der Lauf der Sonne iſt durch die
krumme Linie ABC . . F und der des Merkurs durch abc . . f vor-
geſtellt, ſo daß die Zeichen A und a den Ort der Sonne und des
Merkurs für den 1. März, B und b für den 1. April, C und c
für den 1. May … und F und f für den 1. Auguſt des Jahres
1835 angeben. So iſt z. B. für die Punkte C und c oder für
den erſten May die Rectaſcenſion der Sonne 2h 30′ und die des
Merkurs 1h 25′; die nördliche Declination der Sonne aber 15°
und die von Merkur 6°. Schon der erſte Blick auf dieſe Karte
zeigt die große Unregelmäßigkeit des Laufes des Planeten, wäh-
rend die Bahn der Sonne als ein einfacher größter Kreis des
Himmels erſcheint. Im Allgemeinen geht zwar auch Merkur von
Weſt gegen Oſt, indem er die in derſelben Richtung fortſchrei-
tende Sonne bald in geringer, bald in einer größern Entfernung
begleitet, aber dieſe directe Bewegung des Planeten wird ſelbſt in
dieſer kurzen Zeit mehr als einmal unterbrochen. So erſcheint
er in Rectaſcenſion ſtationär am 1. März oder in dem Punkte a,
wo die Richtung ſeiner Bahn ſenkrecht auf dem Aequator iſt, und
daſſelbe iſt der Fall am 24. März, am 4. Julius und am 29.
Julius, und ſeine Bewegung iſt daher retrograd vom 1. bis 25.
März durch einen Bogen von 11,5 Grad, und vom 4. bis 28.
Juli durch einen Bogen von 11,0 Grad. Nicht geringeren Ver-

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[217/0229] Planetenſyſteme. und äbnliche Variationen hat man auch bei allen übrigen Plane- ten bemerkt. Bisher haben wir nur die Bewegung der Planeten in ihrer Länge betrachtet, und ſie iſt, wie man ſieht, bereits nicht wenig verwickelt. Allein noch viel verwickelter wird ſie, wenn man, wie man ſoll, zugleich auch auf die Veränderungen ihrer Breite Rück- ſicht nimmt. §. 96. (Geographiſche Darſtellung dieſer Bewegungen). Um dieß ſogleich durch ein Beiſpiel zu zeigen, ſo enthält die kleine Karte (Fig. 18 A) für die Monate Februar bis September des Jahres 1835 den Lauf der Sonne ſowohl, als auch den des Mer- kurs, wie er von der Erde in Beziehung auf den Aequator er- ſcheint. Die gerade Linie 00 ſtellt den Aequator vor, auf welchem die Rectaſcenſionen in Stunden I. II. III. genommen ſind, deren jede 15 Grade enthält, und ſenkrecht darauf ſtehen die in Grade getheilten Declinationskreiſe. Der Lauf der Sonne iſt durch die krumme Linie ABC . . F und der des Merkurs durch abc . . f vor- geſtellt, ſo daß die Zeichen A und a den Ort der Sonne und des Merkurs für den 1. März, B und b für den 1. April, C und c für den 1. May … und F und f für den 1. Auguſt des Jahres 1835 angeben. So iſt z. B. für die Punkte C und c oder für den erſten May die Rectaſcenſion der Sonne 2h 30′ und die des Merkurs 1h 25′; die nördliche Declination der Sonne aber 15° und die von Merkur 6°. Schon der erſte Blick auf dieſe Karte zeigt die große Unregelmäßigkeit des Laufes des Planeten, wäh- rend die Bahn der Sonne als ein einfacher größter Kreis des Himmels erſcheint. Im Allgemeinen geht zwar auch Merkur von Weſt gegen Oſt, indem er die in derſelben Richtung fortſchrei- tende Sonne bald in geringer, bald in einer größern Entfernung begleitet, aber dieſe directe Bewegung des Planeten wird ſelbſt in dieſer kurzen Zeit mehr als einmal unterbrochen. So erſcheint er in Rectaſcenſion ſtationär am 1. März oder in dem Punkte a, wo die Richtung ſeiner Bahn ſenkrecht auf dem Aequator iſt, und daſſelbe iſt der Fall am 24. März, am 4. Julius und am 29. Julius, und ſeine Bewegung iſt daher retrograd vom 1. bis 25. März durch einen Bogen von 11,5 Grad, und vom 4. bis 28. Juli durch einen Bogen von 11,0 Grad. Nicht geringeren Ver-

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Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834, S. 217. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem01_1834/229>, abgerufen am 24.04.2019.