Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834.

Bild:
<< vorherige Seite

Jahreszeiten.
beschienen, während die andere Hälfte im Schatten oder Dunkel
bleibt, wie dieß bei jeder von einem Lichte beleuchteten Kugel der
Fall ist. Aber diese beiden Hälften, die lichte und die dunkle, sind in
Beziehung auf die feste Erdaxe pq in jenen vier Lagen verschieden
vertheilt oder die Lichtgränze, das heißt, der größte Kreis, welcher
jene beiden Hälften trennt, geht zuweilen gerade durch die beiden
Pole p und q der Erde, zuweilen aber auch in beträchtlicher Ent-
fernung rechts oder links vor diesen Polen vorbei.

Die Ebene der Lichtgränze steht nämlich immer senkrecht auf
allen den Linien Sb . Sc .., welche den Mittelpunkt der Sonne
mit dem der Erde verbinden. Die Linie pq aber, oder die Erdaxe,
macht mit jenen Linien einen spitzen Winkel, so lange die Erde
in der Hälfte ABC ihrer Bahn ist und einen stumpfen Winkel
in der anderen Hälfte CDA, während bloß in den zwei Punkten
A und C, d. h. im Anfange des Frühlings und des Herbstes,
dieser Winkel ebenfalls ein rechter ist. Dieser Winkel der Erdaxe
mp mit der Entfernung m S der Erde von der Sonne oder der
Winkel Smp ist nämlich gleich dem Winkel, unter dem man aus
dem Mittelpunkte m der Erde die Entfernung der Sonne S von
dem Nordpole p sehen würde, oder dieser Winkel Smp ist die
Poldistanz (Einl. §. 13) der Sonne, und dieser Winkel ist am
kleinsten oder gleich 90 -- 231/2° = 66,5 Grade, wenn die Erde
in B ist. Von da wächst er, bis er in C gleich 90° und endlich
in D gleich 90 + 23,5 = 113,5 Grade wird, wo er zugleich sei-
nen größten Werth hat. Von dem Punkte D an nimmt jener
Winkel wieder ab, bis er in A, gegenüber von C, ein rechter wird
und endlich in B, gegenüber von D, wieder seinen früheren klein-
sten Werth von 66,5 Graden erreicht.

Denken wir uns noch auf der Oberfläche den Aequator durch
a, der von beiden Polen gleich weit absteht, die beiden Wende-
kreise durch b und c (Einl. §. 24. I), die von dem Aequator um
den Bogen ab = ac = 231/2° entfernt sind, und die beiden Po-
larkreise durch d und e, die von den beiden Polen p und q um
denselben Bogen von 231/2 Graden abstehen.

§. 86. (Erklärung der vier Jahreszeiten.) Dieß vorausgesetzt,
betrachten wir zuerst die Erde, wenn sie in dem Punkte B ihrer

Jahreszeiten.
beſchienen, während die andere Hälfte im Schatten oder Dunkel
bleibt, wie dieß bei jeder von einem Lichte beleuchteten Kugel der
Fall iſt. Aber dieſe beiden Hälften, die lichte und die dunkle, ſind in
Beziehung auf die feſte Erdaxe pq in jenen vier Lagen verſchieden
vertheilt oder die Lichtgränze, das heißt, der größte Kreis, welcher
jene beiden Hälften trennt, geht zuweilen gerade durch die beiden
Pole p und q der Erde, zuweilen aber auch in beträchtlicher Ent-
fernung rechts oder links vor dieſen Polen vorbei.

Die Ebene der Lichtgränze ſteht nämlich immer ſenkrecht auf
allen den Linien Sb . Sc .., welche den Mittelpunkt der Sonne
mit dem der Erde verbinden. Die Linie pq aber, oder die Erdaxe,
macht mit jenen Linien einen ſpitzen Winkel, ſo lange die Erde
in der Hälfte ABC ihrer Bahn iſt und einen ſtumpfen Winkel
in der anderen Hälfte CDA, während bloß in den zwei Punkten
A und C, d. h. im Anfange des Frühlings und des Herbſtes,
dieſer Winkel ebenfalls ein rechter iſt. Dieſer Winkel der Erdaxe
mp mit der Entfernung m S der Erde von der Sonne oder der
Winkel Smp iſt nämlich gleich dem Winkel, unter dem man aus
dem Mittelpunkte m der Erde die Entfernung der Sonne S von
dem Nordpole p ſehen würde, oder dieſer Winkel Smp iſt die
Poldiſtanz (Einl. §. 13) der Sonne, und dieſer Winkel iſt am
kleinſten oder gleich 90 — 23½° = 66,5 Grade, wenn die Erde
in B iſt. Von da wächst er, bis er in C gleich 90° und endlich
in D gleich 90 + 23,5 = 113,5 Grade wird, wo er zugleich ſei-
nen größten Werth hat. Von dem Punkte D an nimmt jener
Winkel wieder ab, bis er in A, gegenüber von C, ein rechter wird
und endlich in B, gegenüber von D, wieder ſeinen früheren klein-
ſten Werth von 66,5 Graden erreicht.

Denken wir uns noch auf der Oberfläche den Aequator durch
a, der von beiden Polen gleich weit abſteht, die beiden Wende-
kreiſe durch b und c (Einl. §. 24. I), die von dem Aequator um
den Bogen ab = ac = 23½° entfernt ſind, und die beiden Po-
larkreiſe durch d und e, die von den beiden Polen p und q um
denſelben Bogen von 23½ Graden abſtehen.

§. 86. (Erklärung der vier Jahreszeiten.) Dieß vorausgeſetzt,
betrachten wir zuerſt die Erde, wenn ſie in dem Punkte B ihrer

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="2">
        <div n="3">
          <p><pb facs="#f0210" n="198"/><fw place="top" type="header">Jahreszeiten.</fw><lb/>
be&#x017F;chienen, während die andere Hälfte im Schatten oder Dunkel<lb/>
bleibt, wie dieß bei jeder von einem Lichte beleuchteten Kugel der<lb/>
Fall i&#x017F;t. Aber die&#x017F;e beiden Hälften, die lichte und die dunkle, &#x017F;ind in<lb/>
Beziehung auf die fe&#x017F;te Erdaxe <hi rendition="#aq">pq</hi> in jenen vier Lagen ver&#x017F;chieden<lb/>
vertheilt oder die Lichtgränze, das heißt, der größte Kreis, welcher<lb/>
jene beiden Hälften trennt, geht zuweilen gerade durch die beiden<lb/>
Pole <hi rendition="#aq">p</hi> und <hi rendition="#aq">q</hi> der Erde, zuweilen aber auch in beträchtlicher Ent-<lb/>
fernung rechts oder links vor die&#x017F;en Polen vorbei.</p><lb/>
          <p>Die Ebene der Lichtgränze &#x017F;teht nämlich immer &#x017F;enkrecht auf<lb/>
allen den Linien <hi rendition="#aq">Sb . Sc</hi> .., welche den Mittelpunkt der Sonne<lb/>
mit dem der Erde verbinden. Die Linie <hi rendition="#aq">pq</hi> aber, oder die Erdaxe,<lb/>
macht mit jenen Linien einen &#x017F;pitzen Winkel, &#x017F;o lange die Erde<lb/>
in der Hälfte <hi rendition="#aq">ABC</hi> ihrer Bahn i&#x017F;t und einen &#x017F;tumpfen Winkel<lb/>
in der anderen Hälfte <hi rendition="#aq">CDA</hi>, während bloß in den zwei Punkten<lb/><hi rendition="#aq">A</hi> und <hi rendition="#aq">C</hi>, d. h. im Anfange des Frühlings und des Herb&#x017F;tes,<lb/>
die&#x017F;er Winkel ebenfalls ein rechter i&#x017F;t. Die&#x017F;er Winkel der Erdaxe<lb/><hi rendition="#aq">mp</hi> mit der Entfernung <hi rendition="#aq">m S</hi> der Erde von der Sonne oder der<lb/>
Winkel <hi rendition="#aq">Smp</hi> i&#x017F;t nämlich gleich dem Winkel, unter dem man aus<lb/>
dem Mittelpunkte <hi rendition="#aq">m</hi> der Erde die Entfernung der Sonne <hi rendition="#aq">S</hi> von<lb/>
dem Nordpole <hi rendition="#aq">p</hi> &#x017F;ehen würde, oder die&#x017F;er Winkel <hi rendition="#aq">Smp</hi> i&#x017F;t die<lb/>
Poldi&#x017F;tanz (Einl. §. 13) der Sonne, und die&#x017F;er Winkel i&#x017F;t am<lb/>
klein&#x017F;ten oder gleich 90 &#x2014; 23½° = 66,<hi rendition="#sub">5</hi> Grade, wenn die Erde<lb/>
in <hi rendition="#aq">B</hi> i&#x017F;t. Von da wächst er, bis er in <hi rendition="#aq">C</hi> gleich 90° und endlich<lb/>
in <hi rendition="#aq">D</hi> gleich 90 + 23,<hi rendition="#sub">5</hi> = 113,<hi rendition="#sub">5</hi> Grade wird, wo er zugleich &#x017F;ei-<lb/>
nen größten Werth hat. Von dem Punkte <hi rendition="#aq">D</hi> an nimmt jener<lb/>
Winkel wieder ab, bis er in <hi rendition="#aq">A</hi>, gegenüber von <hi rendition="#aq">C</hi>, ein rechter wird<lb/>
und endlich in <hi rendition="#aq">B</hi>, gegenüber von <hi rendition="#aq">D</hi>, wieder &#x017F;einen früheren klein-<lb/>
&#x017F;ten Werth von 66,<hi rendition="#sub">5</hi> Graden erreicht.</p><lb/>
          <p>Denken wir uns noch auf der Oberfläche den Aequator durch<lb/><hi rendition="#aq">a</hi>, der von beiden Polen gleich weit ab&#x017F;teht, die beiden Wende-<lb/>
krei&#x017F;e durch <hi rendition="#aq">b</hi> und <hi rendition="#aq">c</hi> (Einl. §. 24. <hi rendition="#aq">I</hi>), die von dem Aequator um<lb/>
den Bogen <hi rendition="#aq">ab</hi> = <hi rendition="#aq">ac</hi> = 23½° entfernt &#x017F;ind, und die beiden Po-<lb/>
larkrei&#x017F;e durch <hi rendition="#aq">d</hi> und <hi rendition="#aq">e</hi>, die von den beiden Polen <hi rendition="#aq">p</hi> und <hi rendition="#aq">q</hi> um<lb/>
den&#x017F;elben Bogen von 23½ Graden ab&#x017F;tehen.</p><lb/>
          <p>§. 86. (Erklärung der vier Jahreszeiten.) Dieß vorausge&#x017F;etzt,<lb/>
betrachten wir zuer&#x017F;t die Erde, wenn &#x017F;ie in dem Punkte <hi rendition="#aq">B</hi> ihrer<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[198/0210] Jahreszeiten. beſchienen, während die andere Hälfte im Schatten oder Dunkel bleibt, wie dieß bei jeder von einem Lichte beleuchteten Kugel der Fall iſt. Aber dieſe beiden Hälften, die lichte und die dunkle, ſind in Beziehung auf die feſte Erdaxe pq in jenen vier Lagen verſchieden vertheilt oder die Lichtgränze, das heißt, der größte Kreis, welcher jene beiden Hälften trennt, geht zuweilen gerade durch die beiden Pole p und q der Erde, zuweilen aber auch in beträchtlicher Ent- fernung rechts oder links vor dieſen Polen vorbei. Die Ebene der Lichtgränze ſteht nämlich immer ſenkrecht auf allen den Linien Sb . Sc .., welche den Mittelpunkt der Sonne mit dem der Erde verbinden. Die Linie pq aber, oder die Erdaxe, macht mit jenen Linien einen ſpitzen Winkel, ſo lange die Erde in der Hälfte ABC ihrer Bahn iſt und einen ſtumpfen Winkel in der anderen Hälfte CDA, während bloß in den zwei Punkten A und C, d. h. im Anfange des Frühlings und des Herbſtes, dieſer Winkel ebenfalls ein rechter iſt. Dieſer Winkel der Erdaxe mp mit der Entfernung m S der Erde von der Sonne oder der Winkel Smp iſt nämlich gleich dem Winkel, unter dem man aus dem Mittelpunkte m der Erde die Entfernung der Sonne S von dem Nordpole p ſehen würde, oder dieſer Winkel Smp iſt die Poldiſtanz (Einl. §. 13) der Sonne, und dieſer Winkel iſt am kleinſten oder gleich 90 — 23½° = 66,5 Grade, wenn die Erde in B iſt. Von da wächst er, bis er in C gleich 90° und endlich in D gleich 90 + 23,5 = 113,5 Grade wird, wo er zugleich ſei- nen größten Werth hat. Von dem Punkte D an nimmt jener Winkel wieder ab, bis er in A, gegenüber von C, ein rechter wird und endlich in B, gegenüber von D, wieder ſeinen früheren klein- ſten Werth von 66,5 Graden erreicht. Denken wir uns noch auf der Oberfläche den Aequator durch a, der von beiden Polen gleich weit abſteht, die beiden Wende- kreiſe durch b und c (Einl. §. 24. I), die von dem Aequator um den Bogen ab = ac = 23½° entfernt ſind, und die beiden Po- larkreiſe durch d und e, die von den beiden Polen p und q um denſelben Bogen von 23½ Graden abſtehen. §. 86. (Erklärung der vier Jahreszeiten.) Dieß vorausgeſetzt, betrachten wir zuerſt die Erde, wenn ſie in dem Punkte B ihrer

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem01_1834
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem01_1834/210
Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 1. Stuttgart, 1834, S. 198. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem01_1834/210>, abgerufen am 19.04.2019.