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Liszt, Franz von: Das deutsche Reichsstrafrecht. Berlin u. a., 1881.

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Zweites Buch. Die Strafe.
sierung der Zeugnispflicht neben der Strafe für Nichterfüllung
dieser Pflicht (StPO. §§. 69 u. 50, CPO. §§. 355 u. 345;
vgl. auch Postgesetz vom 28. Oktober 1871 §. 38). Auch
sonst wird der Strafzwang vielfach in der Reichsgesetzgebung
verwertet; man vgl. das "durch Ordnungsstrafen anhalten"
im Handelsgesetzbuch, in §. 66 des Genossenschaftsgesetzes
vom 4. Juni 1868, §. 33 Gesetz 7. April 1876 über die ein-
geschriebenen Hülfskassen; die "exekutorischen Geldstrafen" in
§. 40 des Tabacksteuergesetzes vom 16. Juli 1879.

VII. Begrifflich mit der eigentlichen Strafe sich deckend
sind dennoch von derselben kraft positiv gesetzlicher Anord-
nung zu unterscheiden jene kleinen Strafen für geringfügigere
Rechtsverletzungen, welche die Reichsgesetzgebung mit dem
Namen der Ordnungsstrafen bezeichnet.9 (Besonders
häufig in den Zoll- und Steuergesetzen10). Dagegen ist die
sogenannte Polizeistrafe, von besonderer gesetzlicher An-
ordnung abgesehen, von der Strafe im engeren Sinne nicht
verschieden, selbst wenn zwischen dem kriminellen und dem
polizeilichen Unrecht eine prinzipielle Verschiedenheit bestehen
sollte11.

VIII. Endlich sind von der Strafe zu unterscheiden die

9 [Spaltenumbruch] Zu unterscheiden auch von
den unter VI erwähnten "Ord-
nungsstrafen", die nicht Strafe
sondern Zwang sind. §. 40
Tabacksteuergesetz vom 16. Juli
1879 nennt beide Arten neben-
einander.
10 [Spaltenumbruch] Vgl. z. B. Salzsteuerge-
setz v. 12. Oktober 1867 §§. 13,
15; Zuckergesetz von 1869 §. 4;
Vereinszollgesetz vom 1. Juli
1869 §§. 151, 152; Rübenzucker-[Spaltenumbruch] steuergesetz vom 2. Mai 1870
(Vrdg. v. 1846 §. 17); Brau-
steuergesetz vom 31. Mai 1872
§§. 32, 35, 36; auch Ger.Verf.-
Ges. §§. 56, 96, 179 ff.; Spiel-
kartenstempelgesetz vom 3. Juli
1878 §§. 11, 16; Tabacksteuer-
gesetz §§. 34, 40--42; Gesetz
betr. die Statistik des Waaren-
verkehrs v. 20. Juli 1879 §. 17.
11 [Spaltenumbruch] Vgl. über diese Frage oben
§. 18 II.

Zweites Buch. Die Strafe.
ſierung der Zeugnispflicht neben der Strafe für Nichterfüllung
dieſer Pflicht (StPO. §§. 69 u. 50, CPO. §§. 355 u. 345;
vgl. auch Poſtgeſetz vom 28. Oktober 1871 §. 38). Auch
ſonſt wird der Strafzwang vielfach in der Reichsgeſetzgebung
verwertet; man vgl. das „durch Ordnungsſtrafen anhalten“
im Handelsgeſetzbuch, in §. 66 des Genoſſenſchaftsgeſetzes
vom 4. Juni 1868, §. 33 Geſetz 7. April 1876 über die ein-
geſchriebenen Hülfskaſſen; die „exekutoriſchen Geldſtrafen“ in
§. 40 des Tabackſteuergeſetzes vom 16. Juli 1879.

VII. Begrifflich mit der eigentlichen Strafe ſich deckend
ſind dennoch von derſelben kraft poſitiv geſetzlicher Anord-
nung zu unterſcheiden jene kleinen Strafen für geringfügigere
Rechtsverletzungen, welche die Reichsgeſetzgebung mit dem
Namen der Ordnungsſtrafen bezeichnet.9 (Beſonders
häufig in den Zoll- und Steuergeſetzen10). Dagegen iſt die
ſogenannte Polizeiſtrafe, von beſonderer geſetzlicher An-
ordnung abgeſehen, von der Strafe im engeren Sinne nicht
verſchieden, ſelbſt wenn zwiſchen dem kriminellen und dem
polizeilichen Unrecht eine prinzipielle Verſchiedenheit beſtehen
ſollte11.

VIII. Endlich ſind von der Strafe zu unterſcheiden die

9 [Spaltenumbruch] Zu unterſcheiden auch von
den unter VI erwähnten „Ord-
nungsſtrafen“, die nicht Strafe
ſondern Zwang ſind. §. 40
Tabackſteuergeſetz vom 16. Juli
1879 nennt beide Arten neben-
einander.
10 [Spaltenumbruch] Vgl. z. B. Salzſteuerge-
ſetz v. 12. Oktober 1867 §§. 13,
15; Zuckergeſetz von 1869 §. 4;
Vereinszollgeſetz vom 1. Juli
1869 §§. 151, 152; Rübenzucker-[Spaltenumbruch] ſteuergeſetz vom 2. Mai 1870
(Vrdg. v. 1846 §. 17); Brau-
ſteuergeſetz vom 31. Mai 1872
§§. 32, 35, 36; auch Ger.Verf.-
Geſ. §§. 56, 96, 179 ff.; Spiel-
kartenſtempelgeſetz vom 3. Juli
1878 §§. 11, 16; Tabackſteuer-
geſetz §§. 34, 40—42; Geſetz
betr. die Statiſtik des Waaren-
verkehrs v. 20. Juli 1879 §. 17.
11 [Spaltenumbruch] Vgl. über dieſe Frage oben
§. 18 II.
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[176/0202] Zweites Buch. Die Strafe. ſierung der Zeugnispflicht neben der Strafe für Nichterfüllung dieſer Pflicht (StPO. §§. 69 u. 50, CPO. §§. 355 u. 345; vgl. auch Poſtgeſetz vom 28. Oktober 1871 §. 38). Auch ſonſt wird der Strafzwang vielfach in der Reichsgeſetzgebung verwertet; man vgl. das „durch Ordnungsſtrafen anhalten“ im Handelsgeſetzbuch, in §. 66 des Genoſſenſchaftsgeſetzes vom 4. Juni 1868, §. 33 Geſetz 7. April 1876 über die ein- geſchriebenen Hülfskaſſen; die „exekutoriſchen Geldſtrafen“ in §. 40 des Tabackſteuergeſetzes vom 16. Juli 1879. VII. Begrifflich mit der eigentlichen Strafe ſich deckend ſind dennoch von derſelben kraft poſitiv geſetzlicher Anord- nung zu unterſcheiden jene kleinen Strafen für geringfügigere Rechtsverletzungen, welche die Reichsgeſetzgebung mit dem Namen der Ordnungsſtrafen bezeichnet. 9 (Beſonders häufig in den Zoll- und Steuergeſetzen 10). Dagegen iſt die ſogenannte Polizeiſtrafe, von beſonderer geſetzlicher An- ordnung abgeſehen, von der Strafe im engeren Sinne nicht verſchieden, ſelbſt wenn zwiſchen dem kriminellen und dem polizeilichen Unrecht eine prinzipielle Verſchiedenheit beſtehen ſollte 11. VIII. Endlich ſind von der Strafe zu unterſcheiden die 9 Zu unterſcheiden auch von den unter VI erwähnten „Ord- nungsſtrafen“, die nicht Strafe ſondern Zwang ſind. §. 40 Tabackſteuergeſetz vom 16. Juli 1879 nennt beide Arten neben- einander. 10 Vgl. z. B. Salzſteuerge- ſetz v. 12. Oktober 1867 §§. 13, 15; Zuckergeſetz von 1869 §. 4; Vereinszollgeſetz vom 1. Juli 1869 §§. 151, 152; Rübenzucker- ſteuergeſetz vom 2. Mai 1870 (Vrdg. v. 1846 §. 17); Brau- ſteuergeſetz vom 31. Mai 1872 §§. 32, 35, 36; auch Ger.Verf.- Geſ. §§. 56, 96, 179 ff.; Spiel- kartenſtempelgeſetz vom 3. Juli 1878 §§. 11, 16; Tabackſteuer- geſetz §§. 34, 40—42; Geſetz betr. die Statiſtik des Waaren- verkehrs v. 20. Juli 1879 §. 17. 11 Vgl. über dieſe Frage oben §. 18 II.

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Zitationshilfe: Liszt, Franz von: Das deutsche Reichsstrafrecht. Berlin u. a., 1881, S. 176. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/liszt_reichsstrafrecht_1881/202>, abgerufen am 20.07.2019.