Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Liliencron, Detlev von: Adjutantenritte und andere Gedichte. Leipzig, [1883].

Bild:
<< vorherige Seite
Die Kapelle zum finstern Stern.

(Missunde bei Schleswig, 7. August 1250.)



"König Erich, die Faust auf den Widerrist,
Laß tanzen den Hengst im Grase.
Vergiß den alten Bruderzwist,
Wir trinken aus einem Glase."
Herzog Abel schrieb das. König Erich ritt ein,
Und lag im Bruderarme.
Viel Jauchzen der Ritter im Abendschein,
Lauge Gudmundson schwieg im Schwarme.
Am Morgen früh weckt Hornstoß und Tusch,
Zu hetzen Wolf und Elche.
Die Brüder zusammen im Heidebusch,
Sie trinken aus einem Kelche.
Der Herzog allein. Zur Seiten nur
Ritter Lauge mit Speer und Pfeilen.
"Sprich, Lauge, wo blieb Wieb Stures Spur,
Wem hilft sie die Freuden teilen?"
Der König allein. Zur Seiten nur
Ritter Lauge mit Speer und Pfeilen.
"König Erich, wo blieb Wieb Stures Spur,
Wem hilft sie das Leben teilen?"
Erich Plogpenning zischt. Den Stachel sticht
Dem Rothengst er in die Weichen.
"Bei Sanct Jürgen, ich weiß es nicht,"
Und sucht die Jagd zu erreichen.

Die Kapelle zum finſtern Stern.

(Miſſunde bei Schleswig, 7. Auguſt 1250.)



König Erich, die Fauſt auf den Widerriſt,
Laß tanzen den Hengſt im Graſe.
Vergiß den alten Bruderzwiſt,
Wir trinken aus einem Glaſe.“
Herzog Abel ſchrieb das. König Erich ritt ein,
Und lag im Bruderarme.
Viel Jauchzen der Ritter im Abendſchein,
Lauge Gudmundſon ſchwieg im Schwarme.
Am Morgen früh weckt Hornſtoß und Tuſch,
Zu hetzen Wolf und Elche.
Die Brüder zuſammen im Heidebuſch,
Sie trinken aus einem Kelche.
Der Herzog allein. Zur Seiten nur
Ritter Lauge mit Speer und Pfeilen.
„Sprich, Lauge, wo blieb Wieb Stures Spur,
Wem hilft ſie die Freuden teilen?“
Der König allein. Zur Seiten nur
Ritter Lauge mit Speer und Pfeilen.
„König Erich, wo blieb Wieb Stures Spur,
Wem hilft ſie das Leben teilen?“
Erich Plogpenning ziſcht. Den Stachel ſticht
Dem Rothengſt er in die Weichen.
„Bei Sanct Jürgen, ich weiß es nicht,“
Und ſucht die Jagd zu erreichen.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0030" n="22"/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Die Kapelle zum fin&#x017F;tern Stern.</hi> </head><lb/>
        <p> <hi rendition="#c">(Mi&#x017F;&#x017F;unde bei Schleswig, 7. Augu&#x017F;t 1250.)</hi> </p><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <lg type="poem">
          <lg n="1">
            <l>&#x201E;<hi rendition="#in">K</hi>önig Erich, die Fau&#x017F;t auf den Widerri&#x017F;t,</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Laß tanzen den Heng&#x017F;t im Gra&#x017F;e.</hi> </l><lb/>
            <l>Vergiß den alten Bruderzwi&#x017F;t,</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Wir trinken aus einem Gla&#x017F;e.&#x201C;</hi> </l>
          </lg><lb/>
          <lg n="2">
            <l>Herzog Abel &#x017F;chrieb das. König Erich ritt ein,</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Und lag im Bruderarme.</hi> </l><lb/>
            <l>Viel Jauchzen der Ritter im Abend&#x017F;chein,</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Lauge Gudmund&#x017F;on &#x017F;chwieg im Schwarme.</hi> </l>
          </lg><lb/>
          <lg n="3">
            <l>Am Morgen früh weckt Horn&#x017F;toß und Tu&#x017F;ch,</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Zu hetzen Wolf und Elche.</hi> </l><lb/>
            <l>Die Brüder zu&#x017F;ammen im Heidebu&#x017F;ch,</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Sie trinken aus einem Kelche.</hi> </l>
          </lg><lb/>
          <lg n="4">
            <l>Der Herzog allein. Zur Seiten nur</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Ritter Lauge mit Speer und Pfeilen.</hi> </l><lb/>
            <l>&#x201E;Sprich, Lauge, wo blieb Wieb Stures Spur,</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Wem hilft &#x017F;ie die Freuden teilen?&#x201C;</hi> </l>
          </lg><lb/>
          <lg n="5">
            <l>Der König allein. Zur Seiten nur</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Ritter Lauge mit Speer und Pfeilen.</hi> </l><lb/>
            <l>&#x201E;König Erich, wo blieb Wieb Stures Spur,</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Wem hilft &#x017F;ie das Leben teilen?&#x201C;</hi> </l>
          </lg><lb/>
          <lg n="6">
            <l>Erich Plogpenning zi&#x017F;cht. Den Stachel &#x017F;ticht</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Dem Rotheng&#x017F;t er in die Weichen.</hi> </l><lb/>
            <l>&#x201E;Bei Sanct Jürgen, ich weiß es nicht,&#x201C;</l><lb/>
            <l> <hi rendition="#et">Und &#x017F;ucht die Jagd zu erreichen.</hi> </l>
          </lg><lb/>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[22/0030] Die Kapelle zum finſtern Stern. (Miſſunde bei Schleswig, 7. Auguſt 1250.) „König Erich, die Fauſt auf den Widerriſt, Laß tanzen den Hengſt im Graſe. Vergiß den alten Bruderzwiſt, Wir trinken aus einem Glaſe.“ Herzog Abel ſchrieb das. König Erich ritt ein, Und lag im Bruderarme. Viel Jauchzen der Ritter im Abendſchein, Lauge Gudmundſon ſchwieg im Schwarme. Am Morgen früh weckt Hornſtoß und Tuſch, Zu hetzen Wolf und Elche. Die Brüder zuſammen im Heidebuſch, Sie trinken aus einem Kelche. Der Herzog allein. Zur Seiten nur Ritter Lauge mit Speer und Pfeilen. „Sprich, Lauge, wo blieb Wieb Stures Spur, Wem hilft ſie die Freuden teilen?“ Der König allein. Zur Seiten nur Ritter Lauge mit Speer und Pfeilen. „König Erich, wo blieb Wieb Stures Spur, Wem hilft ſie das Leben teilen?“ Erich Plogpenning ziſcht. Den Stachel ſticht Dem Rothengſt er in die Weichen. „Bei Sanct Jürgen, ich weiß es nicht,“ Und ſucht die Jagd zu erreichen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/liliencron_adjutantenritte_1883
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/liliencron_adjutantenritte_1883/30
Zitationshilfe: Liliencron, Detlev von: Adjutantenritte und andere Gedichte. Leipzig, [1883], S. 22. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/liliencron_adjutantenritte_1883/30>, abgerufen am 19.10.2019.