Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764.

Bild:
<< vorherige Seite

I. Hauptstück,
nimmt, wirklich in jeden Dingen, so man zu dieser
Gattung rechnet, zu finden seyn? Jst dieses bey ei-
nigen derselben nicht, so machen sie eine oder mehrere
besondre Arten oder Gattungen aus, und mit den
übrigen mögen sie zu einer höhern Gattung gerechnet
werden. So z. E. hat man aus diesem Grunde den
Mond zu den Satelliten, die Erde zu den Planeten,
und die Sonne zu den Fixsternen zu zählen angefan-
gen, so bald man gefunden, daß die Sonne im Mit-
telpunkt, die Erde nebst den Planeten um die Son-
ne, der Mond nebst denen übrigen Trabanten um die
Hauptplaneten laufe, alle aber nebst dem Cometen
hat man unter den allgemeinen Begriff des Sonnen-
Systems genommen. Vorhin, da man die Aehn-
lichkeit dieser Weltkörper nur noch in der scheinbaren
eigenen Bewegung setzte, und diese für die wahre an-
sah, wurden sie, die Erde und Cometen ausgenom-
men, alle in eine Klasse gesetzt. Man sieht zugleich
aus diesem Beyspiel, daß die dabey zum Grund ge-
legte Aehnlichkeit nur scheinbar war, und bey genau-
erer Untersuchung ganz anders befunden worden.
Desgleichen auch, daß man bey der Abänderung den
Namen der Planeten denen gelassen, welche in Ab-
sicht auf die wahre Aehnlichkeit die größte Zahl aus-
machten, und daß man, weil diese Aehnlichkeit auch
die Erde betraf, diese sogleich mit unter die Planeten
zählte. Da es hierinn so viel fehlte, so ist auch das
ganze System der Begriffe, die man von diesen Kör-
pern hatte, in eine neue Form gebracht worden. Es
wurde ganz umgekehrt.

§. 33.

Es giebt andre Fälle, wo die Sache selbst sich
nach und nach ändert, und zwar ohne Rücksicht auf
die Richtigkeit des Begriffes, den man davon hat.

Man

I. Hauptſtuͤck,
nimmt, wirklich in jeden Dingen, ſo man zu dieſer
Gattung rechnet, zu finden ſeyn? Jſt dieſes bey ei-
nigen derſelben nicht, ſo machen ſie eine oder mehrere
beſondre Arten oder Gattungen aus, und mit den
uͤbrigen moͤgen ſie zu einer hoͤhern Gattung gerechnet
werden. So z. E. hat man aus dieſem Grunde den
Mond zu den Satelliten, die Erde zu den Planeten,
und die Sonne zu den Fixſternen zu zaͤhlen angefan-
gen, ſo bald man gefunden, daß die Sonne im Mit-
telpunkt, die Erde nebſt den Planeten um die Son-
ne, der Mond nebſt denen uͤbrigen Trabanten um die
Hauptplaneten laufe, alle aber nebſt dem Cometen
hat man unter den allgemeinen Begriff des Sonnen-
Syſtems genommen. Vorhin, da man die Aehn-
lichkeit dieſer Weltkoͤrper nur noch in der ſcheinbaren
eigenen Bewegung ſetzte, und dieſe fuͤr die wahre an-
ſah, wurden ſie, die Erde und Cometen ausgenom-
men, alle in eine Klaſſe geſetzt. Man ſieht zugleich
aus dieſem Beyſpiel, daß die dabey zum Grund ge-
legte Aehnlichkeit nur ſcheinbar war, und bey genau-
erer Unterſuchung ganz anders befunden worden.
Desgleichen auch, daß man bey der Abaͤnderung den
Namen der Planeten denen gelaſſen, welche in Ab-
ſicht auf die wahre Aehnlichkeit die groͤßte Zahl aus-
machten, und daß man, weil dieſe Aehnlichkeit auch
die Erde betraf, dieſe ſogleich mit unter die Planeten
zaͤhlte. Da es hierinn ſo viel fehlte, ſo iſt auch das
ganze Syſtem der Begriffe, die man von dieſen Koͤr-
pern hatte, in eine neue Form gebracht worden. Es
wurde ganz umgekehrt.

§. 33.

Es giebt andre Faͤlle, wo die Sache ſelbſt ſich
nach und nach aͤndert, und zwar ohne Ruͤckſicht auf
die Richtigkeit des Begriffes, den man davon hat.

Man
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0042" n="20"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">I.</hi> Haupt&#x017F;tu&#x0364;ck,</hi></fw><lb/>
nimmt, wirklich in jeden Dingen, &#x017F;o man zu die&#x017F;er<lb/>
Gattung rechnet, zu finden &#x017F;eyn? J&#x017F;t die&#x017F;es bey ei-<lb/>
nigen der&#x017F;elben nicht, &#x017F;o machen &#x017F;ie eine oder mehrere<lb/>
be&#x017F;ondre Arten oder Gattungen aus, und mit den<lb/>
u&#x0364;brigen mo&#x0364;gen &#x017F;ie zu einer ho&#x0364;hern Gattung gerechnet<lb/>
werden. So z. E. hat man aus die&#x017F;em Grunde den<lb/>
Mond zu den Satelliten, die Erde zu den Planeten,<lb/>
und die Sonne zu den Fix&#x017F;ternen zu za&#x0364;hlen angefan-<lb/>
gen, &#x017F;o bald man gefunden, daß die Sonne im Mit-<lb/>
telpunkt, die Erde neb&#x017F;t den Planeten um die Son-<lb/>
ne, der Mond neb&#x017F;t denen u&#x0364;brigen Trabanten um die<lb/>
Hauptplaneten laufe, alle aber neb&#x017F;t dem Cometen<lb/>
hat man unter den allgemeinen Begriff des Sonnen-<lb/>
Sy&#x017F;tems genommen. Vorhin, da man die Aehn-<lb/>
lichkeit die&#x017F;er Weltko&#x0364;rper nur noch in der &#x017F;cheinbaren<lb/>
eigenen Bewegung &#x017F;etzte, und die&#x017F;e fu&#x0364;r die wahre an-<lb/>
&#x017F;ah, wurden &#x017F;ie, die Erde und Cometen ausgenom-<lb/>
men, alle in eine Kla&#x017F;&#x017F;e ge&#x017F;etzt. Man &#x017F;ieht zugleich<lb/>
aus die&#x017F;em Bey&#x017F;piel, daß die dabey zum Grund ge-<lb/>
legte Aehnlichkeit nur &#x017F;cheinbar war, und bey genau-<lb/>
erer Unter&#x017F;uchung ganz anders befunden worden.<lb/>
Desgleichen auch, daß man bey der Aba&#x0364;nderung den<lb/>
Namen der Planeten denen gela&#x017F;&#x017F;en, welche in Ab-<lb/>
&#x017F;icht auf die wahre Aehnlichkeit die gro&#x0364;ßte Zahl aus-<lb/>
machten, und daß man, weil die&#x017F;e Aehnlichkeit auch<lb/>
die Erde betraf, die&#x017F;e &#x017F;ogleich mit unter die Planeten<lb/>
za&#x0364;hlte. Da es hierinn &#x017F;o viel fehlte, &#x017F;o i&#x017F;t auch das<lb/>
ganze Sy&#x017F;tem der Begriffe, die man von die&#x017F;en Ko&#x0364;r-<lb/>
pern hatte, in eine neue Form gebracht worden. Es<lb/>
wurde ganz umgekehrt.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 33.</head><lb/>
            <p>Es giebt andre Fa&#x0364;lle, wo die Sache &#x017F;elb&#x017F;t &#x017F;ich<lb/>
nach und nach a&#x0364;ndert, und zwar ohne Ru&#x0364;ck&#x017F;icht auf<lb/>
die Richtigkeit des Begriffes, den man davon hat.<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Man</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[20/0042] I. Hauptſtuͤck, nimmt, wirklich in jeden Dingen, ſo man zu dieſer Gattung rechnet, zu finden ſeyn? Jſt dieſes bey ei- nigen derſelben nicht, ſo machen ſie eine oder mehrere beſondre Arten oder Gattungen aus, und mit den uͤbrigen moͤgen ſie zu einer hoͤhern Gattung gerechnet werden. So z. E. hat man aus dieſem Grunde den Mond zu den Satelliten, die Erde zu den Planeten, und die Sonne zu den Fixſternen zu zaͤhlen angefan- gen, ſo bald man gefunden, daß die Sonne im Mit- telpunkt, die Erde nebſt den Planeten um die Son- ne, der Mond nebſt denen uͤbrigen Trabanten um die Hauptplaneten laufe, alle aber nebſt dem Cometen hat man unter den allgemeinen Begriff des Sonnen- Syſtems genommen. Vorhin, da man die Aehn- lichkeit dieſer Weltkoͤrper nur noch in der ſcheinbaren eigenen Bewegung ſetzte, und dieſe fuͤr die wahre an- ſah, wurden ſie, die Erde und Cometen ausgenom- men, alle in eine Klaſſe geſetzt. Man ſieht zugleich aus dieſem Beyſpiel, daß die dabey zum Grund ge- legte Aehnlichkeit nur ſcheinbar war, und bey genau- erer Unterſuchung ganz anders befunden worden. Desgleichen auch, daß man bey der Abaͤnderung den Namen der Planeten denen gelaſſen, welche in Ab- ſicht auf die wahre Aehnlichkeit die groͤßte Zahl aus- machten, und daß man, weil dieſe Aehnlichkeit auch die Erde betraf, dieſe ſogleich mit unter die Planeten zaͤhlte. Da es hierinn ſo viel fehlte, ſo iſt auch das ganze Syſtem der Begriffe, die man von dieſen Koͤr- pern hatte, in eine neue Form gebracht worden. Es wurde ganz umgekehrt. §. 33. Es giebt andre Faͤlle, wo die Sache ſelbſt ſich nach und nach aͤndert, und zwar ohne Ruͤckſicht auf die Richtigkeit des Begriffes, den man davon hat. Man

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/42
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764, S. 20. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/42>, abgerufen am 13.12.2019.