Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764.

Bild:
<< vorherige Seite

von den einfachen Schlüssen.
zurückgelassene Vordersatz der ersten Schlußrede wahr
oder falsch ist. So z. E. wenn die erste Schluß-
rede in
Barbara ist, so kann der Schlußsatz nicht
allgemein wahr und der Obersatz allgemein
falsch seyn, ohne daß auch nothwendig der
Untersatz allgemein falsch sey.
Denn der geän-
derte Obersatz und der beybehaltene Schlußsatz geben
einen Schluß in Cesare, welcher den Untersatz ganz
umstößt. Z. E. Man habe den Schluß in Barbara.

Jede gerade Linie ist eine Figur;
Jeder Triangel ist eine gerade Linie;
Folglich: Jeder Triangel ist eine Figur.

Der Schlußsatz ist wahr, der Obersatz ganz falsch,
folglich:

Keine gerade Linie ist eine Figur;
Jeder Triangel ist eine Figur;
Folglich: Kein Triangel ist eine gerade Linie.

Dieser Schlußsatz stößt den Untersatz der ersten Schluß-
rede auch ganz um. Hätte man hingegen mit dem
Schlußsatze den geänderten Untersatz beybehalten.

Kein Triangel ist eine gerade Linie;
Alle Triangel sind Figuren.

so würde daraus nichts gefolgt seyn, als der sehr un-
bestimmte Satz: daß etliche Figuren nicht gerade Li-
nien sind, woraus man für den Obersatz der ersten
Schlußrede nichts würde gefunden haben. Demnach,
wenn in Barbara der Schlußsatz ganz wahr,
der Untersatz ganz falsch ist, so läßt sich dar-
aus für oder wider die Wahrheit des Obersa-
tzes nichts schließen.
Man wird für die Schluß-
art Celarent ganz ähnliche Regeln finden. Wir
halten uns aber hierbey nicht länger auf, weil es un-
nöthig ist, eine Gedächtnißsache daraus zu machen,

indem
K 5

von den einfachen Schluͤſſen.
zuruͤckgelaſſene Vorderſatz der erſten Schlußrede wahr
oder falſch iſt. So z. E. wenn die erſte Schluß-
rede in
Barbara iſt, ſo kann der Schlußſatz nicht
allgemein wahr und der Oberſatz allgemein
falſch ſeyn, ohne daß auch nothwendig der
Unterſatz allgemein falſch ſey.
Denn der geaͤn-
derte Oberſatz und der beybehaltene Schlußſatz geben
einen Schluß in Ceſare, welcher den Unterſatz ganz
umſtoͤßt. Z. E. Man habe den Schluß in Barbara.

Jede gerade Linie iſt eine Figur;
Jeder Triangel iſt eine gerade Linie;
Folglich: Jeder Triangel iſt eine Figur.

Der Schlußſatz iſt wahr, der Oberſatz ganz falſch,
folglich:

Keine gerade Linie iſt eine Figur;
Jeder Triangel iſt eine Figur;
Folglich: Kein Triangel iſt eine gerade Linie.

Dieſer Schlußſatz ſtoͤßt den Unterſatz der erſten Schluß-
rede auch ganz um. Haͤtte man hingegen mit dem
Schlußſatze den geaͤnderten Unterſatz beybehalten.

Kein Triangel iſt eine gerade Linie;
Alle Triangel ſind Figuren.

ſo wuͤrde daraus nichts gefolgt ſeyn, als der ſehr un-
beſtimmte Satz: daß etliche Figuren nicht gerade Li-
nien ſind, woraus man fuͤr den Oberſatz der erſten
Schlußrede nichts wuͤrde gefunden haben. Demnach,
wenn in Barbara der Schlußſatz ganz wahr,
der Unterſatz ganz falſch iſt, ſo laͤßt ſich dar-
aus fuͤr oder wider die Wahrheit des Oberſa-
tzes nichts ſchließen.
Man wird fuͤr die Schluß-
art Celarent ganz aͤhnliche Regeln finden. Wir
halten uns aber hierbey nicht laͤnger auf, weil es un-
noͤthig iſt, eine Gedaͤchtnißſache daraus zu machen,

indem
K 5
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0175" n="153"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">von den einfachen Schlu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en.</hi></fw><lb/>
zuru&#x0364;ckgela&#x017F;&#x017F;ene Vorder&#x017F;atz der er&#x017F;ten Schlußrede wahr<lb/>
oder fal&#x017F;ch i&#x017F;t. So z. E. <hi rendition="#fr">wenn die er&#x017F;te Schluß-<lb/>
rede in</hi> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Barbara</hi></hi> <hi rendition="#fr">i&#x017F;t, &#x017F;o kann der Schluß&#x017F;atz nicht<lb/>
allgemein wahr und der Ober&#x017F;atz allgemein<lb/>
fal&#x017F;ch &#x017F;eyn, ohne daß auch nothwendig der<lb/>
Unter&#x017F;atz allgemein fal&#x017F;ch &#x017F;ey.</hi> Denn der gea&#x0364;n-<lb/>
derte Ober&#x017F;atz und der beybehaltene Schluß&#x017F;atz geben<lb/>
einen Schluß <hi rendition="#aq">in Ce&#x017F;are,</hi> welcher den Unter&#x017F;atz ganz<lb/>
um&#x017F;to&#x0364;ßt. Z. E. Man habe den Schluß in <hi rendition="#aq">Barbara.</hi></p><lb/>
            <list>
              <item>Jede gerade Linie i&#x017F;t eine Figur;</item><lb/>
              <item>Jeder Triangel i&#x017F;t eine gerade Linie;</item><lb/>
              <item>Folglich: Jeder Triangel i&#x017F;t eine Figur.</item>
            </list><lb/>
            <p>Der Schluß&#x017F;atz i&#x017F;t wahr, der Ober&#x017F;atz ganz fal&#x017F;ch,<lb/>
folglich:</p><lb/>
            <list>
              <item>Keine gerade Linie i&#x017F;t eine Figur;</item><lb/>
              <item>Jeder Triangel i&#x017F;t eine Figur;</item><lb/>
              <item>Folglich: Kein Triangel i&#x017F;t eine gerade Linie.</item>
            </list><lb/>
            <p>Die&#x017F;er Schluß&#x017F;atz &#x017F;to&#x0364;ßt den Unter&#x017F;atz der er&#x017F;ten Schluß-<lb/>
rede auch ganz um. Ha&#x0364;tte man hingegen mit dem<lb/>
Schluß&#x017F;atze den gea&#x0364;nderten Unter&#x017F;atz beybehalten.</p><lb/>
            <list>
              <item>Kein Triangel i&#x017F;t eine gerade Linie;</item><lb/>
              <item>Alle Triangel &#x017F;ind Figuren.</item>
            </list><lb/>
            <p>&#x017F;o wu&#x0364;rde daraus nichts gefolgt &#x017F;eyn, als der &#x017F;ehr un-<lb/>
be&#x017F;timmte Satz: daß etliche Figuren nicht gerade Li-<lb/>
nien &#x017F;ind, woraus man fu&#x0364;r den Ober&#x017F;atz der er&#x017F;ten<lb/>
Schlußrede nichts wu&#x0364;rde gefunden haben. Demnach,<lb/><hi rendition="#fr">wenn in</hi> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Barbara</hi></hi> <hi rendition="#fr">der Schluß&#x017F;atz ganz wahr,<lb/>
der Unter&#x017F;atz ganz fal&#x017F;ch i&#x017F;t, &#x017F;o la&#x0364;ßt &#x017F;ich dar-<lb/>
aus fu&#x0364;r oder wider die Wahrheit des Ober&#x017F;a-<lb/>
tzes nichts &#x017F;chließen.</hi> Man wird fu&#x0364;r die Schluß-<lb/>
art <hi rendition="#aq">Celarent</hi> ganz a&#x0364;hnliche Regeln finden. Wir<lb/>
halten uns aber hierbey nicht la&#x0364;nger auf, weil es un-<lb/>
no&#x0364;thig i&#x017F;t, eine Geda&#x0364;chtniß&#x017F;ache daraus zu machen,<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">K 5</fw><fw place="bottom" type="catch">indem</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[153/0175] von den einfachen Schluͤſſen. zuruͤckgelaſſene Vorderſatz der erſten Schlußrede wahr oder falſch iſt. So z. E. wenn die erſte Schluß- rede in Barbara iſt, ſo kann der Schlußſatz nicht allgemein wahr und der Oberſatz allgemein falſch ſeyn, ohne daß auch nothwendig der Unterſatz allgemein falſch ſey. Denn der geaͤn- derte Oberſatz und der beybehaltene Schlußſatz geben einen Schluß in Ceſare, welcher den Unterſatz ganz umſtoͤßt. Z. E. Man habe den Schluß in Barbara. Jede gerade Linie iſt eine Figur; Jeder Triangel iſt eine gerade Linie; Folglich: Jeder Triangel iſt eine Figur. Der Schlußſatz iſt wahr, der Oberſatz ganz falſch, folglich: Keine gerade Linie iſt eine Figur; Jeder Triangel iſt eine Figur; Folglich: Kein Triangel iſt eine gerade Linie. Dieſer Schlußſatz ſtoͤßt den Unterſatz der erſten Schluß- rede auch ganz um. Haͤtte man hingegen mit dem Schlußſatze den geaͤnderten Unterſatz beybehalten. Kein Triangel iſt eine gerade Linie; Alle Triangel ſind Figuren. ſo wuͤrde daraus nichts gefolgt ſeyn, als der ſehr un- beſtimmte Satz: daß etliche Figuren nicht gerade Li- nien ſind, woraus man fuͤr den Oberſatz der erſten Schlußrede nichts wuͤrde gefunden haben. Demnach, wenn in Barbara der Schlußſatz ganz wahr, der Unterſatz ganz falſch iſt, ſo laͤßt ſich dar- aus fuͤr oder wider die Wahrheit des Oberſa- tzes nichts ſchließen. Man wird fuͤr die Schluß- art Celarent ganz aͤhnliche Regeln finden. Wir halten uns aber hierbey nicht laͤnger auf, weil es un- noͤthig iſt, eine Gedaͤchtnißſache daraus zu machen, indem K 5

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/175
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764, S. 153. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/175>, abgerufen am 21.09.2020.