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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Die Oelfrüchte.

Im Falle man eine den verkauften Rapssamen entsprechende Menge an Oel-
kuchen verfüttert, welche die entnommenen Nährstoffe in die Wirthschaft wieder zurück-
bringt, sinkt die Erschöpfung des Bodens durch den Raps auf ein Geringes
herab. Das Mengenverhältniß, in welchem die Bodennährstoffe von dem Rapse
in Anspruch genommen werden, ist ein verschiedenes von jenem bei Weizen. Letzterer
kann deshalb nach Raps ganz vorzüglich gedeihen.

Wegen seines geringen Wurzelvermögens verlangt der Raps sehr viele auf-
nehmbare Bodennährstoffe, er ist daher in die erste Tracht einer Stallmistdüngung
zu stellen. Außer der Stallmistdüngung ist das Kalken oder Mergeln des Bodens,
eine Düngung mit Chilisalpeter, mit einem Gemenge von Kalisalzen und Knochenmehl,
sowie eine Guanodüngung je nach der Bodenbeschaffenheit zu versuchen.

3. Die Saat.

In den meisten Gegenden fällt die Anbauzeit des Rapses auf die ersten Tage
des August, in rauheren Lagen auch schon auf Ende Juli. In warmen Oertlichkeiten
wird er sich, noch Anfang September gebaut, vor Winter ausreichend entwickeln. Zur
Saat verwende man die größten Körner, weil diese die höchsten Erträge und auch die
meisten großen Samenkörner ergeben, welche wegen ihres größeren Oelgehaltes ent-
schieden den höchsten Werth als Marktwaare beanspruchen. Bei trockener Witterung
säet man unmittelbar auf die abgeeggte Saatfurche, damit das Ankeimen in dem
heraufgebrachten, frischen Boden sicherer vor sich gehen kann. Die Saat wird der
leichteren Pflege wegen auf 40--60 Ctm., bei geringerem Boden selbst auf 30 Ctm.
Entfernung gedrillt, seltener breitwürfig ausgeführt. Im ersteren Falle
werden für ein Hektar 0.1--0.2, im letzteren 0.2--0.25 Hektoliter Samen ver-
braucht. Bei feuchtem Boden erfolgt das Auflaufen am sichersten und geht die Ent-
wickelung am schnellsten vor sich, wenn der an sich kleine Same nur seicht, auf
etwa 1.5 Ctm., untergebracht wird. In trockenem Boden, bei austrocknenden Winden
und geringer Regenwahrscheinlichkeit kann der Raps jedoch bis auf 3--4 Ctm. Tiefe
mit Erde bedeckt werden. Kleinwirthe pflegen den Raps auch zu verpflanzen, um
vor demselben noch eine reife Pflanze vom Felde gewinnen zu können. Einige
Wochen vor dem Auspflanzen bestellt man ein dem Bedarfe entsprechend großes
Pflanzbeet. Die jungen Rapspflanzen werden dann erst Ende August oder Anfang
September nach dem Pfluge oder mit dem Steckholze auf das Feld ausgepflanzt.
Bei der Großcultur können kleinere Fehlstellen, welche sich nur zu häufig in den
Rapsfeldern nach dem Winter zeigen, durch Nachpflanzen ergänzt werden.

Der Sommerraps wird zeitig im Frühjahre, im April, breitwürfig oder auf
30--50 Ctm. gedrillt mit 0.25--0.3 resp. 0.2--0.25 Hektoliter für das Hektar
angebaut.

4. Die Pflege.

Frost, Dürre oder eine vereiste Schneedecke auf Raps, welcher vor Winter in
seiner Entwickelung weit vorgeschritten ist, führen oft eine geringere Ernte oder ein voll-

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Die Oelfrüchte.

Im Falle man eine den verkauften Rapsſamen entſprechende Menge an Oel-
kuchen verfüttert, welche die entnommenen Nährſtoffe in die Wirthſchaft wieder zurück-
bringt, ſinkt die Erſchöpfung des Bodens durch den Raps auf ein Geringes
herab. Das Mengenverhältniß, in welchem die Bodennährſtoffe von dem Rapſe
in Anſpruch genommen werden, iſt ein verſchiedenes von jenem bei Weizen. Letzterer
kann deshalb nach Raps ganz vorzüglich gedeihen.

Wegen ſeines geringen Wurzelvermögens verlangt der Raps ſehr viele auf-
nehmbare Bodennährſtoffe, er iſt daher in die erſte Tracht einer Stallmiſtdüngung
zu ſtellen. Außer der Stallmiſtdüngung iſt das Kalken oder Mergeln des Bodens,
eine Düngung mit Chiliſalpeter, mit einem Gemenge von Kaliſalzen und Knochenmehl,
ſowie eine Guanodüngung je nach der Bodenbeſchaffenheit zu verſuchen.

3. Die Saat.

In den meiſten Gegenden fällt die Anbauzeit des Rapſes auf die erſten Tage
des Auguſt, in rauheren Lagen auch ſchon auf Ende Juli. In warmen Oertlichkeiten
wird er ſich, noch Anfang September gebaut, vor Winter ausreichend entwickeln. Zur
Saat verwende man die größten Körner, weil dieſe die höchſten Erträge und auch die
meiſten großen Samenkörner ergeben, welche wegen ihres größeren Oelgehaltes ent-
ſchieden den höchſten Werth als Marktwaare beanſpruchen. Bei trockener Witterung
ſäet man unmittelbar auf die abgeeggte Saatfurche, damit das Ankeimen in dem
heraufgebrachten, friſchen Boden ſicherer vor ſich gehen kann. Die Saat wird der
leichteren Pflege wegen auf 40—60 Ctm., bei geringerem Boden ſelbſt auf 30 Ctm.
Entfernung gedrillt, ſeltener breitwürfig ausgeführt. Im erſteren Falle
werden für ein Hektar 0.1—0.2, im letzteren 0.2—0.25 Hektoliter Samen ver-
braucht. Bei feuchtem Boden erfolgt das Auflaufen am ſicherſten und geht die Ent-
wickelung am ſchnellſten vor ſich, wenn der an ſich kleine Same nur ſeicht, auf
etwa 1.5 Ctm., untergebracht wird. In trockenem Boden, bei austrocknenden Winden
und geringer Regenwahrſcheinlichkeit kann der Raps jedoch bis auf 3—4 Ctm. Tiefe
mit Erde bedeckt werden. Kleinwirthe pflegen den Raps auch zu verpflanzen, um
vor demſelben noch eine reife Pflanze vom Felde gewinnen zu können. Einige
Wochen vor dem Auspflanzen beſtellt man ein dem Bedarfe entſprechend großes
Pflanzbeet. Die jungen Rapspflanzen werden dann erſt Ende Auguſt oder Anfang
September nach dem Pfluge oder mit dem Steckholze auf das Feld ausgepflanzt.
Bei der Großcultur können kleinere Fehlſtellen, welche ſich nur zu häufig in den
Rapsfeldern nach dem Winter zeigen, durch Nachpflanzen ergänzt werden.

Der Sommerraps wird zeitig im Frühjahre, im April, breitwürfig oder auf
30—50 Ctm. gedrillt mit 0.25—0.3 reſp. 0.2—0.25 Hektoliter für das Hektar
angebaut.

4. Die Pflege.

Froſt, Dürre oder eine vereiſte Schneedecke auf Raps, welcher vor Winter in
ſeiner Entwickelung weit vorgeſchritten iſt, führen oft eine geringere Ernte oder ein voll-

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[83/0097] Die Oelfrüchte. Im Falle man eine den verkauften Rapsſamen entſprechende Menge an Oel- kuchen verfüttert, welche die entnommenen Nährſtoffe in die Wirthſchaft wieder zurück- bringt, ſinkt die Erſchöpfung des Bodens durch den Raps auf ein Geringes herab. Das Mengenverhältniß, in welchem die Bodennährſtoffe von dem Rapſe in Anſpruch genommen werden, iſt ein verſchiedenes von jenem bei Weizen. Letzterer kann deshalb nach Raps ganz vorzüglich gedeihen. Wegen ſeines geringen Wurzelvermögens verlangt der Raps ſehr viele auf- nehmbare Bodennährſtoffe, er iſt daher in die erſte Tracht einer Stallmiſtdüngung zu ſtellen. Außer der Stallmiſtdüngung iſt das Kalken oder Mergeln des Bodens, eine Düngung mit Chiliſalpeter, mit einem Gemenge von Kaliſalzen und Knochenmehl, ſowie eine Guanodüngung je nach der Bodenbeſchaffenheit zu verſuchen. 3. Die Saat. In den meiſten Gegenden fällt die Anbauzeit des Rapſes auf die erſten Tage des Auguſt, in rauheren Lagen auch ſchon auf Ende Juli. In warmen Oertlichkeiten wird er ſich, noch Anfang September gebaut, vor Winter ausreichend entwickeln. Zur Saat verwende man die größten Körner, weil dieſe die höchſten Erträge und auch die meiſten großen Samenkörner ergeben, welche wegen ihres größeren Oelgehaltes ent- ſchieden den höchſten Werth als Marktwaare beanſpruchen. Bei trockener Witterung ſäet man unmittelbar auf die abgeeggte Saatfurche, damit das Ankeimen in dem heraufgebrachten, friſchen Boden ſicherer vor ſich gehen kann. Die Saat wird der leichteren Pflege wegen auf 40—60 Ctm., bei geringerem Boden ſelbſt auf 30 Ctm. Entfernung gedrillt, ſeltener breitwürfig ausgeführt. Im erſteren Falle werden für ein Hektar 0.1—0.2, im letzteren 0.2—0.25 Hektoliter Samen ver- braucht. Bei feuchtem Boden erfolgt das Auflaufen am ſicherſten und geht die Ent- wickelung am ſchnellſten vor ſich, wenn der an ſich kleine Same nur ſeicht, auf etwa 1.5 Ctm., untergebracht wird. In trockenem Boden, bei austrocknenden Winden und geringer Regenwahrſcheinlichkeit kann der Raps jedoch bis auf 3—4 Ctm. Tiefe mit Erde bedeckt werden. Kleinwirthe pflegen den Raps auch zu verpflanzen, um vor demſelben noch eine reife Pflanze vom Felde gewinnen zu können. Einige Wochen vor dem Auspflanzen beſtellt man ein dem Bedarfe entſprechend großes Pflanzbeet. Die jungen Rapspflanzen werden dann erſt Ende Auguſt oder Anfang September nach dem Pfluge oder mit dem Steckholze auf das Feld ausgepflanzt. Bei der Großcultur können kleinere Fehlſtellen, welche ſich nur zu häufig in den Rapsfeldern nach dem Winter zeigen, durch Nachpflanzen ergänzt werden. Der Sommerraps wird zeitig im Frühjahre, im April, breitwürfig oder auf 30—50 Ctm. gedrillt mit 0.25—0.3 reſp. 0.2—0.25 Hektoliter für das Hektar angebaut. 4. Die Pflege. Froſt, Dürre oder eine vereiſte Schneedecke auf Raps, welcher vor Winter in ſeiner Entwickelung weit vorgeſchritten iſt, führen oft eine geringere Ernte oder ein voll- 6*

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 83. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/97>, abgerufen am 17.07.2019.