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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Die Oelfrüchte.

Von Pilzkrankheiten stellen sich auf den Bohnen ein: der Rost (Uromyces Pha-
seolorum Tul.
) und an faulenden Stengel Sclerotium sphaeriaeforme Lib.

An reifen Bohnen, welche gewöhnlich mit der Hand ausgerauft werden, erntet
man von einem Hektar 10--25 Hektoliter; an Stroh, welches sich vortrefflich zur
Fütterung eignet, erhält man 1--1.5 Tonnen. Als Zwischenfrucht unter Mais
stellt sich der Körnerertrag auf 5--10.5 Hektoliter.

III.
Die Oelfrüchte.

Die Oelfrüchte oder Oelpflanzen werden zuweilen mit den Gewürz-, Farbe-,
Blatt- und Gespinnstpflanzen in eine, durch die große Zahl der Arten ausgezeichnete
Pflanzengruppe zusammengefaßt, welche mit dem unbestimmten Namen "der Handels-
pflanzen" bezeichnet wird. Ihre Cultur bleibt auf gewisse Gebiete beschränkt, weshalb
ihr Anbau nicht jene Flächenausdehnung und jene allgemeine Bedeutung erlangt,
welche den Getreidepflanzen zukommt; demungeachtet werden durch dieselbe namhafte
Werthe hervorgebracht. Ihr Anbau erfordert große Betriebscapitalien. Im Falle
des Gelingens gewähren aber auch die Handelsgewächse hohe Reinerträge. Ihr Preis
ist unabhängig von den Getreidepreisen, weshalb sie selbst bei niedrigen Getreidepreisen
hohe Erträge liefern. Ueberdieß bieten sie den Vortheil, daß durch ihre meist früh-
zeitig eintretenden Ernten das Geld zu einer Zeit flüssig wird, in welcher der Be-
darf wegen der bevorstehenden Getreideernte am größten ist. Sie erfordern viele
Handarbeit, eignen sich daher mehr für kleinere Landwirthe. Die Auswahl der
Handelspflanzen für die Cultur auf Großgütern ist dagegen nur eine beschränkte.

Die einfachste Cultur verlangen die Oelfrüchte. Dieselben sind daher die vor-
züglichsten Handelspflanzen für den Großbetrieb. Die Bedeutung ihres Anbaues
schien vorübergehend durch die Einführung der Mineralöle und des Leuchtgases und
durch die immer mehr gebotene Auflassung der Brache gefährdet zu sein. Durch die
Steigerung des Oelverbrauches bei den Eisenbahnen und durch das Aufgeben des
Anbaues in ungeeigneten Oertlichkeiten ist jedoch diese Gefahr beseitigt. In wirth-
schaftlicher Beziehung bieten sie eine ausgezeichnete Vorfrucht für den Weizen. Außer-
dem gewähren sie den großen Vortheil, daß durch den Verkauf der Oelsamen, unter
Voraussetzung der Verfütterung einer entsprechenden Oelkuchenmenge, keine Mineral-
salze, sondern nur Sauerstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff -- die Bestandtheile des
Oeles -- aus der Wirthschaft ausgeführt werden.

Zu den wichtigsten Oelpflanzen, welche ausschließlich wegen ihrer ölhaltigen Sa-
men gebaut werden, zählen aus der Familie der Cruciferen 1. der Raps, 2. der
Rübsen, 3. der Leindotter und aus der Familie der Papaveraceen 4. der Mohn.
Außerdem werden jedoch nur nebenbei die Samen der beiden Gespinnstpflanzen Lein
und Hanf zur Oelgewinnung verwendet. Zu den genannten kommen in südlichen

Die Oelfrüchte.

Von Pilzkrankheiten ſtellen ſich auf den Bohnen ein: der Roſt (Uromyces Pha-
seolorum Tul.
) und an faulenden Stengel Sclerotium sphaeriaeforme Lib.

An reifen Bohnen, welche gewöhnlich mit der Hand ausgerauft werden, erntet
man von einem Hektar 10—25 Hektoliter; an Stroh, welches ſich vortrefflich zur
Fütterung eignet, erhält man 1—1.5 Tonnen. Als Zwiſchenfrucht unter Mais
ſtellt ſich der Körnerertrag auf 5—10.5 Hektoliter.

III.
Die Oelfrüchte.

Die Oelfrüchte oder Oelpflanzen werden zuweilen mit den Gewürz-, Farbe-,
Blatt- und Geſpinnſtpflanzen in eine, durch die große Zahl der Arten ausgezeichnete
Pflanzengruppe zuſammengefaßt, welche mit dem unbeſtimmten Namen „der Handels-
pflanzen“ bezeichnet wird. Ihre Cultur bleibt auf gewiſſe Gebiete beſchränkt, weshalb
ihr Anbau nicht jene Flächenausdehnung und jene allgemeine Bedeutung erlangt,
welche den Getreidepflanzen zukommt; demungeachtet werden durch dieſelbe namhafte
Werthe hervorgebracht. Ihr Anbau erfordert große Betriebscapitalien. Im Falle
des Gelingens gewähren aber auch die Handelsgewächſe hohe Reinerträge. Ihr Preis
iſt unabhängig von den Getreidepreiſen, weshalb ſie ſelbſt bei niedrigen Getreidepreiſen
hohe Erträge liefern. Ueberdieß bieten ſie den Vortheil, daß durch ihre meiſt früh-
zeitig eintretenden Ernten das Geld zu einer Zeit flüſſig wird, in welcher der Be-
darf wegen der bevorſtehenden Getreideernte am größten iſt. Sie erfordern viele
Handarbeit, eignen ſich daher mehr für kleinere Landwirthe. Die Auswahl der
Handelspflanzen für die Cultur auf Großgütern iſt dagegen nur eine beſchränkte.

Die einfachſte Cultur verlangen die Oelfrüchte. Dieſelben ſind daher die vor-
züglichſten Handelspflanzen für den Großbetrieb. Die Bedeutung ihres Anbaues
ſchien vorübergehend durch die Einführung der Mineralöle und des Leuchtgaſes und
durch die immer mehr gebotene Auflaſſung der Brache gefährdet zu ſein. Durch die
Steigerung des Oelverbrauches bei den Eiſenbahnen und durch das Aufgeben des
Anbaues in ungeeigneten Oertlichkeiten iſt jedoch dieſe Gefahr beſeitigt. In wirth-
ſchaftlicher Beziehung bieten ſie eine ausgezeichnete Vorfrucht für den Weizen. Außer-
dem gewähren ſie den großen Vortheil, daß durch den Verkauf der Oelſamen, unter
Vorausſetzung der Verfütterung einer entſprechenden Oelkuchenmenge, keine Mineral-
ſalze, ſondern nur Sauerſtoff, Waſſerſtoff und Kohlenſtoff — die Beſtandtheile des
Oeles — aus der Wirthſchaft ausgeführt werden.

Zu den wichtigſten Oelpflanzen, welche ausſchließlich wegen ihrer ölhaltigen Sa-
men gebaut werden, zählen aus der Familie der Cruciferen 1. der Raps, 2. der
Rübſen, 3. der Leindotter und aus der Familie der Papaveraceen 4. der Mohn.
Außerdem werden jedoch nur nebenbei die Samen der beiden Geſpinnſtpflanzen Lein
und Hanf zur Oelgewinnung verwendet. Zu den genannten kommen in ſüdlichen

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[79/0093] Die Oelfrüchte. Von Pilzkrankheiten ſtellen ſich auf den Bohnen ein: der Roſt (Uromyces Pha- seolorum Tul.) und an faulenden Stengel Sclerotium sphaeriaeforme Lib. An reifen Bohnen, welche gewöhnlich mit der Hand ausgerauft werden, erntet man von einem Hektar 10—25 Hektoliter; an Stroh, welches ſich vortrefflich zur Fütterung eignet, erhält man 1—1.5 Tonnen. Als Zwiſchenfrucht unter Mais ſtellt ſich der Körnerertrag auf 5—10.5 Hektoliter. III. Die Oelfrüchte. Die Oelfrüchte oder Oelpflanzen werden zuweilen mit den Gewürz-, Farbe-, Blatt- und Geſpinnſtpflanzen in eine, durch die große Zahl der Arten ausgezeichnete Pflanzengruppe zuſammengefaßt, welche mit dem unbeſtimmten Namen „der Handels- pflanzen“ bezeichnet wird. Ihre Cultur bleibt auf gewiſſe Gebiete beſchränkt, weshalb ihr Anbau nicht jene Flächenausdehnung und jene allgemeine Bedeutung erlangt, welche den Getreidepflanzen zukommt; demungeachtet werden durch dieſelbe namhafte Werthe hervorgebracht. Ihr Anbau erfordert große Betriebscapitalien. Im Falle des Gelingens gewähren aber auch die Handelsgewächſe hohe Reinerträge. Ihr Preis iſt unabhängig von den Getreidepreiſen, weshalb ſie ſelbſt bei niedrigen Getreidepreiſen hohe Erträge liefern. Ueberdieß bieten ſie den Vortheil, daß durch ihre meiſt früh- zeitig eintretenden Ernten das Geld zu einer Zeit flüſſig wird, in welcher der Be- darf wegen der bevorſtehenden Getreideernte am größten iſt. Sie erfordern viele Handarbeit, eignen ſich daher mehr für kleinere Landwirthe. Die Auswahl der Handelspflanzen für die Cultur auf Großgütern iſt dagegen nur eine beſchränkte. Die einfachſte Cultur verlangen die Oelfrüchte. Dieſelben ſind daher die vor- züglichſten Handelspflanzen für den Großbetrieb. Die Bedeutung ihres Anbaues ſchien vorübergehend durch die Einführung der Mineralöle und des Leuchtgaſes und durch die immer mehr gebotene Auflaſſung der Brache gefährdet zu ſein. Durch die Steigerung des Oelverbrauches bei den Eiſenbahnen und durch das Aufgeben des Anbaues in ungeeigneten Oertlichkeiten iſt jedoch dieſe Gefahr beſeitigt. In wirth- ſchaftlicher Beziehung bieten ſie eine ausgezeichnete Vorfrucht für den Weizen. Außer- dem gewähren ſie den großen Vortheil, daß durch den Verkauf der Oelſamen, unter Vorausſetzung der Verfütterung einer entſprechenden Oelkuchenmenge, keine Mineral- ſalze, ſondern nur Sauerſtoff, Waſſerſtoff und Kohlenſtoff — die Beſtandtheile des Oeles — aus der Wirthſchaft ausgeführt werden. Zu den wichtigſten Oelpflanzen, welche ausſchließlich wegen ihrer ölhaltigen Sa- men gebaut werden, zählen aus der Familie der Cruciferen 1. der Raps, 2. der Rübſen, 3. der Leindotter und aus der Familie der Papaveraceen 4. der Mohn. Außerdem werden jedoch nur nebenbei die Samen der beiden Geſpinnſtpflanzen Lein und Hanf zur Oelgewinnung verwendet. Zu den genannten kommen in ſüdlichen

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 79. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/93>, abgerufen am 19.07.2019.