Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

Bild:
<< vorherige Seite

Anhang.
führt, ist das durchschnittliche Querprofil und die mittlere Geschwindigkeit des Wassers
entscheidend. Letztere hängt sowohl von dem Gefälle der Sohle, als von der Reibung
an den benetzten Wänden des Grabens ab.

Bezeichnet a den Querschnitt eines Grabens, p den benetzten Umfang d. h. die mitt-
lere Breite vermehrt um die doppelte Tiefe, [Formel 1] das Verhältniß des Gefälles zu der Längen-
Einheit und r den sogenannten mittleren Radius, d. h. [Formel 2] , so beträgt die geförderte
Wassermenge Q 1) nach den Untersuchungen von Darcy und Bazin pro Secunde
[Formel 3] wobei alle Abmessungen nach dem metrischen Systeme bestimmt sind.

Ist z. B. die mittlere Breite des Grabens 6 Meter, die Wassertiefe 2 Meter und das
Gefälle 0.25 Meter auf 1000 Meter Länge, so ist
[Formel 4] = 8.6 Cubikmeter.

Annähernd läßt sich die Wassermenge auch nach dem durchschnittlichen Regen-
falle auf das Quellengebiet des Wasserlaufes, abzüglich der Verdunstung, schätzen.
Am zuverlässigsten wird man sich jedoch durch die Anlage einer kleinen Probefläche,
da ohnehin bei größeren Wiesenflächen nicht gleich die ganze Wiese zur Bewässerung
umgebaut wird, über den erforderlichen Wasserbedarf und den Erfolg der Wässerungs-
anlage unterrichten.

Die erforderliche Wassermenge wird durch Stauvorrichtungen, wie Wehren,
Schleußen etc., welche in den Wasserlauf eingesetzt werden, gewonnen und durch einen
Zuleitungsgraben der Wiese zugeführt. In trockenen Gegenden, oder bei unergiebigen
oder periodisch reich fließenden Bächen wird die Gleichmäßigkeit des Zulaufes durch
Anlage von Teichen und Sammelbassins zu erreichen gesucht. Bei tiefliegendem
Wasser ist oft eine allerdings mit vermehrten Kosten verbundene künstliche Hebung
des Wassers mittelst Windräder, Wasserräder, Pferdegöpel oder Dampfkraft, welche
Pumpen, Schöpfwerke oder Wurfräder in Betrieb setzen, nothwendig. Am zu-
verlässigsten und leistungsfähigsten erweisen sich durch Locomobilen -- welche außer
der Rieselzeit zum Dreschen oder anderen Arbeiten verwendet werden können -- in
Bewegung gesetzte Pumpen, wie besonders die Centrifugalpumpen von Gwyne & Co. --
London, mit oder ohne eisernem Wagengestell. Ueber ihre Anwendbarkeit entscheidet
der Werth der durch die Bewässerung muthmaßlich erzielten Ertragssteigerung.

Die Zuleitung, Vertheilung und Ableitung des Wassers auf einer Wiese erfolgt
durch eine Mehrzahl Gräben, welche ihrem Zwecke entsprechend die verschiedensten

1) Oesterr. landw. Wochenbl. 1875. S. 115.

Anhang.
führt, iſt das durchſchnittliche Querprofil und die mittlere Geſchwindigkeit des Waſſers
entſcheidend. Letztere hängt ſowohl von dem Gefälle der Sohle, als von der Reibung
an den benetzten Wänden des Grabens ab.

Bezeichnet a den Querſchnitt eines Grabens, p den benetzten Umfang d. h. die mitt-
lere Breite vermehrt um die doppelte Tiefe, [Formel 1] das Verhältniß des Gefälles zu der Längen-
Einheit und r den ſogenannten mittleren Radius, d. h. [Formel 2] , ſo beträgt die geförderte
Waſſermenge Q 1) nach den Unterſuchungen von Darcy und Bazin pro Secunde
[Formel 3] wobei alle Abmeſſungen nach dem metriſchen Syſteme beſtimmt ſind.

Iſt z. B. die mittlere Breite des Grabens 6 Meter, die Waſſertiefe 2 Meter und das
Gefälle 0.25 Meter auf 1000 Meter Länge, ſo iſt
[Formel 4] = 8.6 Cubikmeter.

Annähernd läßt ſich die Waſſermenge auch nach dem durchſchnittlichen Regen-
falle auf das Quellengebiet des Waſſerlaufes, abzüglich der Verdunſtung, ſchätzen.
Am zuverläſſigſten wird man ſich jedoch durch die Anlage einer kleinen Probefläche,
da ohnehin bei größeren Wieſenflächen nicht gleich die ganze Wieſe zur Bewäſſerung
umgebaut wird, über den erforderlichen Waſſerbedarf und den Erfolg der Wäſſerungs-
anlage unterrichten.

Die erforderliche Waſſermenge wird durch Stauvorrichtungen, wie Wehren,
Schleußen ꝛc., welche in den Waſſerlauf eingeſetzt werden, gewonnen und durch einen
Zuleitungsgraben der Wieſe zugeführt. In trockenen Gegenden, oder bei unergiebigen
oder periodiſch reich fließenden Bächen wird die Gleichmäßigkeit des Zulaufes durch
Anlage von Teichen und Sammelbaſſins zu erreichen geſucht. Bei tiefliegendem
Waſſer iſt oft eine allerdings mit vermehrten Koſten verbundene künſtliche Hebung
des Waſſers mittelſt Windräder, Waſſerräder, Pferdegöpel oder Dampfkraft, welche
Pumpen, Schöpfwerke oder Wurfräder in Betrieb ſetzen, nothwendig. Am zu-
verläſſigſten und leiſtungsfähigſten erweiſen ſich durch Locomobilen — welche außer
der Rieſelzeit zum Dreſchen oder anderen Arbeiten verwendet werden können — in
Bewegung geſetzte Pumpen, wie beſonders die Centrifugalpumpen von Gwyne & Co. —
London, mit oder ohne eiſernem Wagengeſtell. Ueber ihre Anwendbarkeit entſcheidet
der Werth der durch die Bewäſſerung muthmaßlich erzielten Ertragsſteigerung.

Die Zuleitung, Vertheilung und Ableitung des Waſſers auf einer Wieſe erfolgt
durch eine Mehrzahl Gräben, welche ihrem Zwecke entſprechend die verſchiedenſten

1) Oeſterr. landw. Wochenbl. 1875. S. 115.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0246" n="232"/><fw place="top" type="header">Anhang.</fw><lb/>
führt, i&#x017F;t das durch&#x017F;chnittliche Querprofil und die mittlere Ge&#x017F;chwindigkeit des Wa&#x017F;&#x017F;ers<lb/>
ent&#x017F;cheidend. Letztere hängt &#x017F;owohl von dem Gefälle der Sohle, als von der Reibung<lb/>
an den benetzten Wänden des Grabens ab.</p><lb/>
            <p>Bezeichnet <hi rendition="#aq">a</hi> den Quer&#x017F;chnitt eines Grabens, <hi rendition="#aq">p</hi> den benetzten Umfang d. h. die mitt-<lb/>
lere Breite vermehrt um die doppelte Tiefe, <formula/> das Verhältniß des Gefälles zu der Längen-<lb/>
Einheit und <hi rendition="#aq">r</hi> den &#x017F;ogenannten mittleren Radius, d. h. <formula/>, &#x017F;o beträgt die geförderte<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;ermenge <hi rendition="#aq">Q</hi> <note place="foot" n="1)">Oe&#x017F;terr. landw. Wochenbl. 1875. S. 115.</note> nach den Unter&#x017F;uchungen von Darcy und Bazin pro Secunde<lb/><formula/> wobei alle Abme&#x017F;&#x017F;ungen nach dem metri&#x017F;chen Sy&#x017F;teme be&#x017F;timmt &#x017F;ind.</p><lb/>
            <p>I&#x017F;t z. B. die mittlere Breite des Grabens 6 Meter, die Wa&#x017F;&#x017F;ertiefe 2 Meter und das<lb/>
Gefälle 0.25 Meter auf 1000 Meter Länge, &#x017F;o i&#x017F;t<lb/><formula/>= 8.6 Cubikmeter.</p><lb/>
            <p>Annähernd läßt &#x017F;ich die Wa&#x017F;&#x017F;ermenge auch nach dem durch&#x017F;chnittlichen Regen-<lb/>
falle auf das Quellengebiet des Wa&#x017F;&#x017F;erlaufes, abzüglich der Verdun&#x017F;tung, &#x017F;chätzen.<lb/>
Am zuverlä&#x017F;&#x017F;ig&#x017F;ten wird man &#x017F;ich jedoch durch die Anlage einer kleinen Probefläche,<lb/>
da ohnehin bei größeren Wie&#x017F;enflächen nicht gleich die ganze Wie&#x017F;e zur Bewä&#x017F;&#x017F;erung<lb/>
umgebaut wird, über den erforderlichen Wa&#x017F;&#x017F;erbedarf und den Erfolg der Wä&#x017F;&#x017F;erungs-<lb/>
anlage unterrichten.</p><lb/>
            <p>Die erforderliche Wa&#x017F;&#x017F;ermenge wird durch Stauvorrichtungen, wie Wehren,<lb/>
Schleußen &#xA75B;c., welche in den Wa&#x017F;&#x017F;erlauf einge&#x017F;etzt werden, gewonnen und durch einen<lb/>
Zuleitungsgraben der Wie&#x017F;e zugeführt. In trockenen Gegenden, oder bei unergiebigen<lb/>
oder periodi&#x017F;ch reich fließenden Bächen wird die Gleichmäßigkeit des Zulaufes durch<lb/>
Anlage von Teichen und Sammelba&#x017F;&#x017F;ins zu erreichen ge&#x017F;ucht. Bei tiefliegendem<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er i&#x017F;t oft eine allerdings mit vermehrten Ko&#x017F;ten verbundene kün&#x017F;tliche Hebung<lb/>
des Wa&#x017F;&#x017F;ers mittel&#x017F;t Windräder, Wa&#x017F;&#x017F;erräder, Pferdegöpel oder Dampfkraft, welche<lb/>
Pumpen, Schöpfwerke oder Wurfräder in Betrieb &#x017F;etzen, nothwendig. Am zu-<lb/>
verlä&#x017F;&#x017F;ig&#x017F;ten und lei&#x017F;tungsfähig&#x017F;ten erwei&#x017F;en &#x017F;ich durch Locomobilen &#x2014; welche außer<lb/>
der Rie&#x017F;elzeit zum Dre&#x017F;chen oder anderen Arbeiten verwendet werden können &#x2014; in<lb/>
Bewegung ge&#x017F;etzte Pumpen, wie be&#x017F;onders die Centrifugalpumpen von Gwyne &amp; Co. &#x2014;<lb/>
London, mit oder ohne ei&#x017F;ernem Wagenge&#x017F;tell. Ueber ihre Anwendbarkeit ent&#x017F;cheidet<lb/>
der Werth der durch die Bewä&#x017F;&#x017F;erung muthmaßlich erzielten Ertrags&#x017F;teigerung.</p><lb/>
            <p>Die Zuleitung, Vertheilung und Ableitung des Wa&#x017F;&#x017F;ers auf einer Wie&#x017F;e erfolgt<lb/>
durch eine Mehrzahl Gräben, welche ihrem Zwecke ent&#x017F;prechend die ver&#x017F;chieden&#x017F;ten<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[232/0246] Anhang. führt, iſt das durchſchnittliche Querprofil und die mittlere Geſchwindigkeit des Waſſers entſcheidend. Letztere hängt ſowohl von dem Gefälle der Sohle, als von der Reibung an den benetzten Wänden des Grabens ab. Bezeichnet a den Querſchnitt eines Grabens, p den benetzten Umfang d. h. die mitt- lere Breite vermehrt um die doppelte Tiefe, [FORMEL] das Verhältniß des Gefälles zu der Längen- Einheit und r den ſogenannten mittleren Radius, d. h. [FORMEL], ſo beträgt die geförderte Waſſermenge Q 1) nach den Unterſuchungen von Darcy und Bazin pro Secunde [FORMEL] wobei alle Abmeſſungen nach dem metriſchen Syſteme beſtimmt ſind. Iſt z. B. die mittlere Breite des Grabens 6 Meter, die Waſſertiefe 2 Meter und das Gefälle 0.25 Meter auf 1000 Meter Länge, ſo iſt [FORMEL]= 8.6 Cubikmeter. Annähernd läßt ſich die Waſſermenge auch nach dem durchſchnittlichen Regen- falle auf das Quellengebiet des Waſſerlaufes, abzüglich der Verdunſtung, ſchätzen. Am zuverläſſigſten wird man ſich jedoch durch die Anlage einer kleinen Probefläche, da ohnehin bei größeren Wieſenflächen nicht gleich die ganze Wieſe zur Bewäſſerung umgebaut wird, über den erforderlichen Waſſerbedarf und den Erfolg der Wäſſerungs- anlage unterrichten. Die erforderliche Waſſermenge wird durch Stauvorrichtungen, wie Wehren, Schleußen ꝛc., welche in den Waſſerlauf eingeſetzt werden, gewonnen und durch einen Zuleitungsgraben der Wieſe zugeführt. In trockenen Gegenden, oder bei unergiebigen oder periodiſch reich fließenden Bächen wird die Gleichmäßigkeit des Zulaufes durch Anlage von Teichen und Sammelbaſſins zu erreichen geſucht. Bei tiefliegendem Waſſer iſt oft eine allerdings mit vermehrten Koſten verbundene künſtliche Hebung des Waſſers mittelſt Windräder, Waſſerräder, Pferdegöpel oder Dampfkraft, welche Pumpen, Schöpfwerke oder Wurfräder in Betrieb ſetzen, nothwendig. Am zu- verläſſigſten und leiſtungsfähigſten erweiſen ſich durch Locomobilen — welche außer der Rieſelzeit zum Dreſchen oder anderen Arbeiten verwendet werden können — in Bewegung geſetzte Pumpen, wie beſonders die Centrifugalpumpen von Gwyne & Co. — London, mit oder ohne eiſernem Wagengeſtell. Ueber ihre Anwendbarkeit entſcheidet der Werth der durch die Bewäſſerung muthmaßlich erzielten Ertragsſteigerung. Die Zuleitung, Vertheilung und Ableitung des Waſſers auf einer Wieſe erfolgt durch eine Mehrzahl Gräben, welche ihrem Zwecke entſprechend die verſchiedenſten 1) Oeſterr. landw. Wochenbl. 1875. S. 115.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/246
Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 232. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/246>, abgerufen am 21.07.2019.